Blogblues-Mythen

Der Blog-Blues geht um, wer sich umdreht oder lacht … Aber geht er wirklich um? Oder ist das nur ein subjektiver Eindruck? Die Zahlen hingegen zeigen deutlich in eine Richtung.

Bild Mika Hiironniemi, Creative-Commons-LizenzVom “Blogblues” ist viel die Rede. Google zählt immerhin schon 100.000 Treffer zu diesem Begriff. Auch ich schrieb vor einiger Zeit über das Phänomen der Blogmüdigkeit bei unseren Granden. Es mag ferner sein, dass die Zahlen der ‘Kommerz-Blogger’ zurückgehen, dass ‘die Erwartungen der Wirtschaft massiv enttäuscht’ wurden. Von einem generellen Rückgang der Bloggeria zu sprechen, das aber ist zumindest fahrlässig. (Findet auch der Zahlenmeister der deutschen Blogosphäre im Interview auf medienlese.com.) Nur weil sich der Koch die Finger verbrannt hat, ist nicht notwendigerweise das Essen schlecht.

Ein Indiz: Schauen wir uns die Zahlen bei einem Non-Profit-Hoster wie Dirk Olbertz an, dann steigt die Zahl der Blogs zumindest im kommerzfernen Bereich ungebrochen. Nur wird auf blogger.de eben keine Werbung aufgeschaltet, keine nervenden Banner wehen dort im virtuellen Wind, keine Flash-Animationen vergraulen arglose Leser und das Erwerbs-Blogging ist strikt tabu. Den Nutzern wiederum gefällt’s. Es ist also doch wohl eher so, betrachten wir dies mal als Indiz, dass Blogville der balzenden Wirtschaft unbeirrt und kollektiv den Mors zudreht …

Hier die 30-Tages-Zahlen für diese Blogger-Community vom 23. Juni für die vergangenen 30 Tage:

“Anzahl der User, die sich in den letzten 30 Tagen registriert haben:
1.597

Anzahl der Blogs, die in den letzten 30 Tagen angelegt wurden und online gestellt wurden:
242

Durchschnittliches Alter in Tagen von den Blogs, die in den letzten 30 Tagen aktualisiert wurden:
408

Anzahl der Blogbeitraege, die in den letzten 30 Tagen geschrieben wurden:
9.332

Anzahl der Kommentare, die in den letzten 30 Tagen geschrieben wurden:
14.166″.

Das alles aber ist nur ein Server unter anderen dort draußen. Diejenigen also, die über das öde gewordene Nachtleben von Bloghausen zetern, die haben sicherlich andere Gründe als ausgerechnet empirische – und vor allem wohl sich selbst im Sinn …

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1.8.2008, 0 KommentareZusammenarbeit:
Flickr-Bilder bei Getty

22 Kommentare

  1. arbiter
    schrieb am 29. Juni 2008 um 10:57 Uhr (#)

    Scheint also so, als habe sich nicht nur der Koch die Finger verbrannt, sondern der Ober schlechte Speisen serviert, was dem Gewohnheitsblogger den Magen verdirbt, bis hin zur K… -Frage. Ergo kocht jeder sein eigenes Süppchen. Über Verträglichkeit des Angerichteten sagt das noch gar nichts aus, für und über Berufsallergiker sowieso nicht. Alles noch entweder Probelauf oder doch nur Spiel, sprich brotlose Kunst.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Klaus Jarchow
    schrieb am 29. Juni 2008 um 13:52 Uhr (#)

    Die ‘Brotlosigkeit’ sagt überhaupt nichts über die Qualität einer Kunst aus. Das ist nur das stehende Argument aller Geldsackdiener, die ‘Schni-, Schna-, Schnappi‘ für große Kunst halten müssen, weil’s irgendeinem C-Dur-Dussel ordentlich Kohle einbrachte. In Wahrheit gilt: ‘Der Mensch ist am meisten Mensch dort, wo er spielt’. Na, wer war’s? …

  3. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 29. Juni 2008 um 14:55 Uhr (#)

    Einmischen ist zwar unstattlich, aber Wikiquote sagt, es sei Schiller: “Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.”

  4. Schreibt hier auf dem Blog Klaus Jarchow
    schrieb am 29. Juni 2008 um 15:12 Uhr (#)

    Tscha – ich hab’s eben nur etwas bündiger formuliert als der Friedrich …

    ;-)

  5. arbiter
    schrieb am 29. Juni 2008 um 15:50 Uhr (#)

    Gut gebrüllt, Löwe! Und wenn er nicht gestorben ist, dann brüllt er … !

    Den Teufel werde ich tun und hier die Qualitätsfrage des Web 2.0 beantworten wollen. Irre ich nicht völlig, publizieert hier u.a. auch KJ gegen ein wie auch immer bescheidenes Honorar, dient (s)einem Geldsack. Muß wer das für große Kunst halten? Natürlich läßt sich gerade in der virtuellen Welt am schnellsten über Spielen lernen, und sei es nur, wie man ganz schnell ganz viel Geld versenkt. Das ist so abseits von Schiller, da rotiert nicht einmal eine Windmühlen aus La Mancha.

    Ist nun die Beobachtung, weder Web 2.0 noch Medienlanschaft insgesamt haben eine erträgliche und relevante Form im Umgang mit diesem Medium gefunden, grundsätzlich falsch?

  6. Schreibt hier auf dem Blog Klaus Jarchow
    schrieb am 29. Juni 2008 um 16:54 Uhr (#)

    Ach, Gott, immer diese Relevanzfragen, über die doch sowieso nur der ‘Empfänger’ einer Botschaft entscheiden kann: Ziemlich viele Leute schreiben in immer noch stetig wachsender Zahl etwas ins Web 2.0 hinein, viele aus blankem Daffke oder weil’s ihnen schlicht gefällt, höchstselbst auch mal Laut zu geben. Einige sogar hie und da schon gegen Geld. Warum auch nicht? Wem das nicht passt, wer überall ohne eine papiergestützte Denke die blanke Irrelevanz gähnen sieht, wer Texte ohne eine gewisse intellektuelle Mindestflughöhe als unerträglich erachtet, der soll eben einfach die Finger vom Bloggen lassen. Das Web ist glücklicherweise keine Zwangsveranstaltung. Er soll sich also lieber ein gutes Buch oder den ‘Cicero’ kaufen – da gibt’s Haptik satt – und dazu noch viel mehr Relevanz. C’est comme ca …

  7. arbiter
    schrieb am 29. Juni 2008 um 18:05 Uhr (#)

    Himmel, wer fragt schon nach Relevanz?! Die einen sagen den Tod der gedruckten Nachricht für den Tag X im Jahr Y voraus, die anderen sind auf der Suche nach Qualitätsjournalismus hi wie da. Und die Profis der Medienbranche der gedruckten, der Radio-, Tv- und Satteliten-Nachricht suchen im Wettlauf mit den IT-digitalen Freaks Eldorado, suchen nach Kohle. In all den Medien gibts Perlen und Säue. Niemand erfindet das Rad neu. Alle zusammen nutzen die Chance, angebotene Möglichkeiten zu vertun. – Auch in diesem Blog wird sie heftig genutzt, wie die gesperrte Kommentarfunktion zu Klaus Jarchows `Hildes Heim´ zeigt. – Das Nachtleben von Bloghausen ist also einerseits noch längst nicht die Sause, als die es sich selbst sieht, hat zum anderen so seine Sperrstunde, läßt die Nacht um 1:00 Uhr enden. Auch wenn ich gerade nicht erinnere, wems zu eigen: Herr, laß Abend werden… !

  8. Schreibt hier auf dem Blog Klaus Jarchow
    schrieb am 29. Juni 2008 um 19:01 Uhr (#)

    Was ist los? Die Kommentarfunktion für meinen hochbedeutenden Beitrag ist gesperrt? Würde das mal bitte jemand abstellen?

  9. arbiter
    schrieb am 29. Juni 2008 um 19:38 Uhr (#)

    @ KLAUS JARCHOW: Omelette surprise! Kommentarfunktion bleibt abgestellt, moniert mein Monitor. Wie im Fußball: nicht immer gewinnt der Bessere.

  10. arbiter
    schrieb am 30. Juni 2008 um 00:12 Uhr (#)

    Zugegeben: die Besseren haben endlich gewonnen. Trotzdem bleibt der `hochbedeutende KJ-Beitrag´ gesperrt. So sind sie halt, Sommerloch und Sommermärchen.

  11. Rik
    schrieb am 30. Juni 2008 um 18:53 Uhr (#)

    Ein Blog lebt vom gelesen werden und vor allem von Kommentaren. Wird aber ein Blog nicht wahrgenommen, steigt die Frust des Bloggers.

    Denn, seien wir ehrlich, wer seine Beiträge online stellt, möchte auch, dass sie gelesen werden. Da ist schon eine Portion Eitelkeit dabei. Und die kann schnell gekränkt werden.

    Und viele kommentieren nur deshalb, um ihr Blog zu präsentieren und Leser anzulocken, und nicht, weil sie unbedingt ihren Senf abgeben müssen.

    Im Großen und Ganzen könnte man es so formulieren: zu viele (bloggende) Häuptlinge, zu wenige (lesenden) Indianer.

  12. arbiter
    schrieb am 30. Juni 2008 um 23:44 Uhr (#)

    @ RIK: Ganz Bloggerland, kommerziell/non kommerziell, alles nur eine selbstreferentielle Veranstaltung?
    Alle Blogger/User sind m.E. noch auf der Suche nach verbindlicher Form und verbindlichen Inhalten. Versuch und Irrtum sind für ein Medium, das selbst ebensowenig seine verbindliche Form gefunden hat, legitim. Außerdem, ein Thema schriftlich ausarbeiten, ist die eine Sache, braucht Häuptlinge. Und zähle ich die geposteten Kommentare, sind die Indianer/Leser wohl doch in der Überzahl. Blogger arbeiten heftig daran, die Zahlen auf ein mit den Printmedien vergleichbares Niveau zu pushen. Schaun wir mal. Ist ja nicht alles Fußball.

    Übrigens, der unfreiwillig oder wie auch immer übers Wochenende gesperrte KJ-Artikel ist seit heute offen.

  13. Rik
    schrieb am 1. Juli 2008 um 09:46 Uhr (#)

    @ ARBITER: Indianer/Leser sind in der Überzahl? Wenn ich mir anschaue, wer in einem Blog kommentiert, dann sind jene, die keine Webseite/Blog angeben in einer verschwindend geringen Zahl vertreten.

    Ich denke, es wird, wie im Printbereich, einige, wenige Platzhirschen geben und daneben raufen sich alle anderen um die nötige Aufmerksamkeit (vulgo Klicks).

    Was hat es mit dem “gesperrten KJ-Artikel” auf sich?

  14. Schreibt hier auf dem Blog Klaus Jarchow
    schrieb am 1. Juli 2008 um 10:05 Uhr (#)

    @ RIK: Wer kommentiert, ist oft auch selbst ein Blogger – das ist klar, dort jedenfalls, wo es sich nicht nur um ein Zeitschriftenportal mit ‘virtuellen Lesebriefschreibern’ handelt. Es gibt aber auch viele Leser, die nie kommentieren. Leser zu Kommentierer/Verlinker stehen in meinem Heimat-Beritt etwa in einem Verhältnis von 1 : 200, an manchen Tagen kommentiert überhaupt niemand, obwohl ein paar hundert Besucher da waren …

    Insgesamt steigt der Traffic an, die Platzhirsche aber verlieren, das ist in etwa das Bild, das sich ergibt, wenn man die derzeitigen Zahlen mit ehemaligen Spitzenwerten vergleicht.

  15. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 1. Juli 2008 um 10:08 Uhr (#)

    Zum “gesperrten Artikel”: Tut mir leid, keine Verschwörung, alles ganz unspektakulär: Versehentlich war die Kommentarfunktion unter diesem Artikel von Klaus für knapp zwei Tage deaktiviert. Wir haben’s dann irgendwann gemerkt und die Kommentare wieder geöffnet.

  16. arbiter
    schrieb am 1. Juli 2008 um 12:13 Uhr (#)

    @ FLORIAN STEGLICH: “Wir haben`s dann irgendwann gemerkt” ist natürlich ein guter Witz. Aber Fehler sind dazu da, gemacht zu werden, sonst wären es keine, und niemand hätte nichts gemerkt.

    @ RIK: Website-Betreiber/-Inhaber sind nun nicht generell Blogger. Da wäre hier sonst ganz fürchterlich Trafic. Andererseits, nicht jeder, der hier postet, verlinkt zu seiner Website, wie mein Beispiel zeigt. Auch betreibt nicht jeder Websiteinhaber einen Blog. Die Gemengelage ist schon sehr durchwachsen. Gerade dieser medienspezifische Blog hier zieht natürlich `Medienschaffende´ an. Alles mehr oder weniger “Häuptlinge” aus der Perspektive des Laien, der ich bin und meine Postes wie Mottenfraß einstreue. Dessen ungeachtet scheint das Web tatsächlich in Richtung Platzhirsche versus Erbsenzähler (Klickkhäufigkeit) zu driften. Ein weites Feld für Statistiker und andere Lügen.

    Die blockierte Kommentarfunktion bezog sich auf Klaus Jarchows lesenwerten Beitrag “Zu Besuch in Hildesheim”. (Ist das jetzt Spam?)

  17. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 1. Juli 2008 um 13:24 Uhr (#)

    ?Wir haben`s dann irgendwann gemerkt? ist natürlich ein guter Witz.

    Wieso?

  18. Rik
    schrieb am 1. Juli 2008 um 13:55 Uhr (#)

    @ Arbiter: der “Spam”-Kommentar hat mir ein vergnügliches Lese-Erlebnis in Hildesheim verschafft. Daran sollten sich die Spamer ein Beispiel nehmen.

    Übrigens: dein/euer “geposteter Mottenfraß” gefällt mir.

  19. arbiter
    schrieb am 1. Juli 2008 um 14:09 Uhr (#)

    @ FLORIAN STEGLICH: Na ja, so gegen Abend des ersten Tages hatte ich im Blog das `inseriert´, und KJ hat am Sonntag nochmal auf wohl entsprechenden Hinweis nachgelegt. Hat dann ja auch am Montag geklappt. Geht doch!

    @ RIK: Na ja, danke für Blumen oder sowas! Man frißt sich halt so durch, natürlich auch mit Nachschlag.

  20. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 1. Juli 2008 um 21:53 Uhr (#)

    » arbiter: Ah so. Ich hab es durch Zufall gesehen, als ich abends den Artikel las, Eure Kommentare erst heute. Sollte also weder ein Witz noch Undankbarkeit sein.

  21. arbiter
    schrieb am 1. Juli 2008 um 22:54 Uhr (#)

    >>FLORIAN STEGLICH: War auch diesseits nicht so verstanden. Wäre zuviel vom Tier Ernst. Bei meinem Post hat einfach nur der Smiley gefehlt. Dem war zu heiß. Immerhin bin ich so unter die Spamer gegangen und habe einen (1 !) Interessenten geworben. Wenn das keine Erfolgserlebnisse sind, … ?!

  22. Rik
    schrieb am 1. Juli 2008 um 23:29 Uhr (#)

    Stimmt. Heutzutage muss man schon froh sein, wenn man einen (1 !) Interessenten hinterm Ofen hervorlocken kann.

    Sehr angenehm ist da natürlich die Möglichkeit, den Eintrag bei euch abonnieren zu können (ohne RSS-Zickerei). Das erleichtert die Sache ungemein!

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