Tatort 2.0:
Mordort und CrimeBlips

Markus Spath, 27. Juni 2008 13:22 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Zwei neue Mashups bringen Tatorte auf die Map. Mordort sammelt reale und fiktive Morde aus Deutschland; CrimeBlips sammelt auch weniger schwerwiegende Verbrechen aus Berlin.

Eines der ersten und bekanntesten (und in der Folge mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete) Google Maps Mashups ist ChicagoCrime.org, vor einiger Zeit umbenannt in EveryBlock. Seit Mai 2005 werden dort akribisch alle in Chicago bekanntgewordenen Verbrechen registriert und sind auf die unterschiedlichsten Kriterien hin durchsuch- und visualisierbar. Alleine in den letzten 30 Tagen etwa wurden mehr als 27.000 Delikte (die meisten zum Glück keine Schwerstverbrechen) aufgenommen.

Gut Ding braucht Weile, doch unlängst sind in Deutschland zwei artverwandte Projekte an den Start gegangen:

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Screenshot Mordort

Auf Mordort dreht sich alles - wie der Name vermuten lässt - um Mordorte. Morde aus der Literatur, aus Film und Fernsehen, aber auch echte Morde aus der Kriminalgeschichte bekommen einen Platz auf einer deutschlandweiten Mordkarte und werden nach unterschiedlichen Kriterien und mit Tags, nach denen sich in der Suche auch filtern lässt, archiviert. Die Seite ist semi-sozial, angemeldete Benutzer können zwar Morde eingeben, die offiziellen Mordorte werden aber redaktionell betreut.

Das Design wirkt zwar etwas altbacken, aber von Morden geht natürlich eine gewisse Faszination aus, und Krimiliebhaber oder kriminalhistorisch Interessierte können sicherlich mit Gewinn darin stöbern.

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Screenshot CrimeBlips

Etwas weniger martialisch, dafür etwas wissenschaftlicher, präsentiert sich CrimeBlips. Öffentlich zugängliche Informationen (die Daten werden aus Presseberichten übernommen) über aktuelle Verbrechen in Berlin werden kategorisiert und auf einer Google Map ‘kartographiert’. Eines der erklärten Ziele dabei ist, “Krisenherde zu entdecken und Kriminalitätsentwicklungen zu beobachten”. Neben der recht nett gestalteten Map - die unterschiedlichen Verbrechenskategorien werden durch hübsche Icons repräsentiert, ein Klick öffnet die korrespondierende Meldung, usw. - gibt es noch einen Ticker, der die Meldungen im zeitlichen Verlauf anzeigt und einige Statistiken, die die Verbrechensdichte in den unterschiedlichen Stadtteilen aufschlüsseln.

Oliver Gassner hat sich einige kritische Gedanken zur Methodik und der daraus resultierenden Signifikanz bzgl. etwaiger Interpretationen gemacht. Man kann wohl zusammenfassen, dass man sich bei der Suche nach der neuen Wohnung nicht ausschliesslich auf das Betrachten der CrimeBlips-Map verlassen sollte. Ein besseres Feeling für die Stadt und Stadtteile kann man allemal bekommen.

CrimeBlips wurde von der Fachhochschule Kaiserslautern entwickelt und wird wohl bei Gelegenheit unter einer Open Source Lizenz auf SourceForge veröffentlicht.

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