Journalistenpreise:
Gewinne, Gewinne, Gewinne

Achtung, Einsendeschluss: Ein neues Internetportal listet Preise für Journalisten auf. Vom “Goldenen Igel” bis hin zu mehreren Tausend Euro für Berichte rund um Plastikgeld.

Bild Keystone/Walter BieriSeien wir ehrlich: In den einschlägigen Journalistenzeitschriften bleiben wir schonmal im Service-Teil an den Ausschreibungen der diversen Preise hängen, um die man sich als Journalist bewerben kann. Was es da nicht alles gibt! Neben renommierten Auszeichnungen wie dem Nannen-Preis gibt es viele Preise mit speziellem Zuschnitt. Die Auswahl ist reichlich – schon allein wegen den Anstrengungen diverser Interessengruppen. Eine in der Öffentlichkeit agierende Lobbygruppe muss einfach die Presse mit einem Preis beglücken. Sie wäre schön doof, täten sie es nicht:

Denn damit gibt es endlich einen Anlass, um “awareness” zu “risen” bei einer wichtigen Zielgruppe: Journalisten. Die Leute, die sonst die sorgsam verfasste Pressemitteilungen gar nicht erst lesen oder beim dritten Anruf in einer Woche ungehalten werden. Diese umworbene Klientel könnten doch bei einem Preisgeld von mehreren Tausend Euro glatt auf die Idee kommen, dringend einmal über Themen nachzudenken, die sonst – leider! – durch das Nachrichten-Raster fallen.

Neue Seite: Für jeden etwas dabei?

Oder man opfert sich für ein unterbelichtetes Thema auf, bleibt konsequent an einem relevanten Thema dran, an das so recht niemand denken mag. Schleppt Texte von Redaktion zu Redaktion und braucht dringend endlich Anerkennung (und Geld für die Miete). So oder so: Es gibt natürlich nichts schöneres, als die unzähligen Ausschreibungen alle, immer, überall im Blick zu haben. Nicht erst die vorletzte Medium aus dem meterhohen Zeitschriftenstapel neben dem Schreibtisch hervorkramen und die richtige Seite finden, sondern fix per Klick bei JournalistenPreise.de.

194 Einträge hat das Verzeichnis, manche Preise fallen allerdings in mehrere Kategorien. Das Angebot ist trotzdem groß: Zum Beispiel zeichnet die COR Sitzmöbel GmbH die kontinuierliche Berichterstattung über Wohnen und Design aus – mit einem Preisgeld von satten 12.000 Euro. Für das Thema “Bezahlen mit Karte im Alltag” lässt der S-Card-Service der Sparkassen 10.000 springen Bei den Reservisten der Bundeswehr ist es mit 3000 Euro etwas weniger – aber dafür heißt der Preis “Goldener Igel”.

Wer von den ganzen Angeboten überwältigt ist und ob der nun sprudelnden Ideen Entspannung sucht, ist auf der Seite auch richtig: Wer den Machern bis Ende August eine Mail mit Ideen oder Glückwünschen schreibt, kann eine CD mit Entspannungs-Musik (“neuartigen Suggestionstechnik”) eines Werbepartners gewinnen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Martin Rath
    schrieb am 26. Juni 2008 um 07:48 Uhr (#)

    Meinen Lieblingsjournalistenpreis habe ich auf die Schnelle in der Liste nicht gefunden http://www.wvfi.de/dt_preis.htm
    Es wird dort der Immobilienjournalismus wissenschaftlich gefördert; in zehn Jahren dürfte ihn jeder einschlägig bekannte Fachjournalist bekommen haben.
    (Wer es noch nicht wusste, trifft hier auch auf den Ex-Flügelmann der Berliner Nuts’ionalliberalen.)

    Außerdem warte ich noch auf den Tag, an dem Henryk M. Broder und Alice Schwarzer in herzlicher Eintracht ihre Börnepreisgelder in einen neuen Journalistenpreis für kommunikative Noblesse einbringen.

    Aber sonst: Die lobenswerte Arbeit zu den Journalisten-Preis-Leistungs-Verhältnissen scheint mir etwas lückenhaft: Vermutlich würde es sich lohnen, die Liste der beim Bundestag (Europaparlament etc.) amtlich eingetragenen Lobbyisten abzuprüfen. Da dürften noch lustige Auslober hinzukommen.

  2. arbiter
    schrieb am 26. Juni 2008 um 17:37 Uhr (#)

    Bei dem heutzutage üblichen Preisgefüge ist wohl nichts mehr Preis – würdig, nict einmal Benzin. Andererseits sind solche Preise Antrieb für allerhand Geschreibsel, das mit jeweils monolithischem Ludwig-Börne-Preis-Verschenker noch die/den Gepriesene(n) bestraft. Preisvergabe ist kein preiswertes Geschäft, weil prinipiell Verrat am Auftrag: Vergabe von Geldmitteln auf Grund vielversprechender Anfangsleistung zur Finanzierung von Zeit, in der sorgenlos das Versprechen einzulösen wäre. Statt dessen sorglose Beglückung durch Greise(innen) für Greise(innen. Was Stockholm vormacht, äfft Wirtschaft nach.

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