Weblogs auf Onlineportalen:
Sie können es immer noch nicht

Ronnie Grob, 24. Juni 2008 17:30 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Der Kurier hat ein Medienblog – nur wird es nicht wahrgenommen. Keine Links nach aussen, keine Diskussion mit dem Publikum, nicht per RSS zu abonnieren, kein vernünftiges Archiv.

Das Kurier-Weblog «Webweiser» - ganz schön ist es ja ...
Das Kurier-Weblog «Webweiser» – ganz schön ist es ja …

Manchmal reicht es, eine Website eine Minute anzusehen. Und schon weiss man, warum man bisher nie auf sie gestossen ist, warum sie kaum Erfolg hat und warum sie, Änderungen vorbehalten, niemals Erfolg haben wird. Das Medienblog Webweiser Weblog der österreichischen Tageszeitung Kurier ist so ein Fall.

Es beginnt beim Namen. Man muss es fast schon dreist nennen, ein Weblog “Webweiser” zu nennen und dann im gesamten Weblog nicht einen einzigen Link zu setzen (die verlinkbaren Begriffe sind witzigerweise jeweils fett markiert). Weiss der Autor des Blogs, Thomas Loser, nicht, wie man das macht? Oder haben ihn seine Chefs dazu verdammt, in diesem vermaledeiten, immer mehr zur lästigen Konkurrenz verkommenden Internet zwar das eine oder andere zu lesen, aber niemals, niemals darauf zu verweisen (da es sonst wahrgenommen werden könnte)?

Man weiss es nicht. Inhaltlich scheint Thomas Loser nämlich das mit dem Internet und den daraus erwachsenden grossen Veränderungen verstanden zu haben. Im Beitrag vom 12.06.2008 schreibt er:

Kein Stein bleibt auf dem anderen. Hat Fußball Menschen jemals so verändert wie das Internet unser aller Leben derzeit?

Checken wir mal die Kennzahlen des Blogs:

Das Alter des Blogs? Weiss man nicht. Nach dem letzten Eintrag auf der Hauptseite kann man nicht weiterlesen – es gibt schlicht keinen Link, der zu vorherigen Beiträgen führen würde. Da es auch kein Monatsarchiv gibt, gerät man auf ältere Beiträge nur via der verwaisten Kommentarspalte. Der neueste Kommentar stammt vom 03.06.2008 und wurde zum derzeit untersten Beitrag auf der Hauptseite abgegeben. Helge F. verrät dem Weblogautor, dass einem Blog, der sich “Webweiser” nennt, Hyperlinks gut zu Gesicht stünden. Was unbeantwortet bleibt.

RSS-Feeds? Weiss man nicht. Nach intensivem Suchen habe ich diese Übersicht gefunden, doch da ist das gewünschte Weblog nicht erhältlich. Ich muss also annehmen, dass die Anzahl der Feedabonnenten ebenfalls gleich null ist. Was auch immer Herr Loser bahnbrechendes schreiben wird – ich werde es nicht mitbekommen, solange nicht die Möglichkeit besteht, einen RSS-Feed zu abonnieren (es sei denn, ich würde die Website bookmarken).

Links von anderen Blogs? Null / unbekannt. Die nicht gerade leicht zu merkende Weblogadresse http://kurier.at/interaktiv/blog/webweiser/ kommt in die Quere mit anderen kurier.at-Adressen, was den Linkzähldienst Technorati so verwirrt, dass er nicht mal einen Rang anzugeben in der Lage ist.

Leserzahlen? Unbekannt, wie bei den meisten anderen Blogs auch. Den Kommentaren und Links nach zu schliessen werden es vermutlich eher wenige sein.

Lustig auch: Kaum hat man einen Beitrag gelesen und ist am Ende angekommen, wird man in roter Schrift aufgefordert: “Beitrag lesen”. Klickt man, erhält man die Einzelansicht des Artikels, aber keine Zeile mehr an Text.

Fazit: Das “Webweiser Weblog” könnte an sich ein echter Erfolg werden, denn es hat ein erträgliches Design und einen fleissigen Autor, der weder langweilig noch unpersönlich schreibt. Doch solange sich das Blog verhält wie eine Zeitung im Netz und nur einseitig kommuniziert, wird es nicht wahrgenommen werden.

Wer im Internet weder das “inter”, also das Dazwischen, das Verbindende, das Kommunikative, noch das “net”, also das Resultat dieser Verbindungen, ernst nimmt, der bleibt in seinem Sandkasten. Alleine.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare

  1. Andreas Hobi | schweizweit.net
    schrieb am 24. Juni 2008 um 20:02 Uhr (#)

    Und Thomas Looser ist wirklich der Meinung, er führe da einen BLOG??? Mmh… Vielleicht sollte er sich bei Wikipedia mal schlau machen, welche Elemente ein Blog denn üblicherweise beinhaltet: http://de.wikipedia.org/wiki/Blog#Elemente

    Immerhin kann man nicht behaupten, dass Loser der einzige mit so einem “Blog” ist. Auch bei anderen Medien der alten Schule finden sich ähnliche Beispiele. Schade.

  2. Thomas Loser
    schrieb am 24. Juni 2008 um 22:50 Uhr (#)

    Danke für Eurer Feedback! Was ein Blog ist, weiß ich. Dazu brauch ich Wikipedia nicht. Ich hatte zwischen 2003 und 2005 schon mal einen. Jedoch nicht zum Thema Medien.
    Auf Kurier.at “blogge” ich seit März so oft es meine anderweitigen Medien-Aufgaben zulassen. Dass der Blog noch nicht so weit ist, wie ich und das Kurier-Team ihn haben wollen, hat auch mit dem Grad der Erfahrungen zu tun, die damit gemacht werden. Die nächsten Schritte zu einem richtigen Blog laufen und werden passieren.
    Ja, es gibt ähnliche Blogs und noch dazu ziemlich gute. Aber nicht bei “klassischen Medien” in Österreich.

  3. freddy
    schrieb am 25. Juni 2008 um 11:08 Uhr (#)

    Hallo

    woher will denn der Herr GROB
    wissen, was Netzkönner können ?

    Austrogrusz Freddy

  4. Claudia
    schrieb am 25. Juni 2008 um 11:14 Uhr (#)

    Ich frag mich immer, was denn am bloggen so schwer sein soll, dass es die traditionellen Medien so schlecht packen? Das Netz steht doch voll mit Infos, was dazu gehört und wie man es auch ohne große Vorkenntnisse technisch umsetzt.

    Was mich besonders empört ist das verbreitete Verhalten, zu Kommentaren zu ermuntern, jedoch Links zum Blog/zur HP des Kommentierenden zu unterbinden.

    Das heißt: sie wollen NEHMEN (nämlich kostenlosen Content, um den herum sie ihre Werbung platzieren), aber nicht GEBEN = der Leser soll dem interessanten Kommentierer nicht folgen können, um mehr von ihm zu lesen, sondern ans eigene Medium gebunden bleiben.

    Das ist so durchsichtig wie unsympathisch – und je mehr Menschen das bewusst wird, desto größer wird der Stein, den sich diese Pseudo-Blogs selber in den Weg legen, der zum erfolgreichen Blog führt.

  5. Ugugu
    schrieb am 25. Juni 2008 um 17:35 Uhr (#)

    Sehr treffend auf den Punkt gebracht Claudia. Genau das ist es, was mich auch an nachrichten-aggregierenden Grossverlagen, Stichwort Facts2.0, nach wie vor grausam nervt.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Klaus Jarchow
    schrieb am 25. Juni 2008 um 18:32 Uhr (#)

    @ claudia: Die ‘Schwierigkeiten beim Bloggen’ hängen sicherlich auch mit der Mentalität zusammen. Früher verfasste ein Journalist ’seine’ Geschichte. Die stand bombenfest an ihrem Ort, mitten im Medium – ab und zu kam mal ein Lesebrief. Jetzt wird aus seiner Story, und zwar besonders dann, wenn sie gut ist, die Initialzündung zu etwas, was sich besser als ‘unsere’ Geschichte charakterisieren ließe, diejenige der Bewohner Blogvilles nämlich. Die nimmt im Handumdrehen keinesfalls auf seinem Blog die interessantesten neuen Wendungen, sondern ganz woanders, in einem anderen Blog. So viel Internet ‘hält er im Kopp nich aus’, so viel Partizipation findet er einfach nur ‘Link’ …

  7. Jann
    schrieb am 25. Juni 2008 um 20:01 Uhr (#)

    Immerhin hat diese “Webweiser” derzeit einen Google-Pagerank von 5!

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