Stuckrad-Barre auf dem Boulevard:
Benjamins Blümchen

Endlich schreiben für die Springer-Presse: Benjamin von Stuckrad-Barre, Nannen-Preis gekührter Popliterat, wendet sich angeekelt von der taz ab und arbeitet lieber für B.Z. und Welt.

Symbolbild mit Elephant: Das ist nicht Stuckrad-Barre (Bild Keystone/Michael Sohn)

Symbolbild mit Elephant: Das ist nicht Stuckrad-Barre (Bild Keystone/Michael Sohn)

Seit dem Beginn des Jahres leistet sich der Springer-Verlag einen leibhaftigen Großschriftsteller für die wachsenden medialen Hauptstadtansprüche: Den Ahnvater der deutschen Pop-Literatur, Benjamin von Stuckrad-Barre. Die Erwartungen sind beiderseits höchst hochgestimmt:

“DIE WELT freut sich außerordentlich, Benjamin von Stuckrad-Barre als Autor gewonnen zu haben. Er gehört zu einer ganz seltenen, vielleicht auch selten gewordenen Spezies: Er ist ein Flaneur im alten Sinne, doch ohne jede Blasiertheit. Ein Flaneur mit Sinn für die Sensationen des modernen Alltags. Er beobachtet genau, hat einen wunderbaren Sinn für die Aktualität des Entlegenen und die Geschichte hinter der Geschichte”, so Thomas Schmid, Chefredakteur DIE WELT.”

Ein ‘Flaneur im alten Sinne’, dieses Kulturzitat zielt für jeden halbwegs Kundigen natürlich auf Theodor Fontane, auf das Urbild des Flaneurs und Berliner Pflastertreters. So jemanden also hätten jetzt B.Z. und Welt gefunden? – Alle Achtung, bzw. Donnerwetter! Aber trotzdem, “man wandelt nicht ungestraft unter Palmen” (Fontane), unserem Benjamin stieg wohl der würzige Weihrauchduft zu Kopf, was ihm in Cicero zu einigen wüsten Ausfällen gegen ehemalige Arbeitgeber unnötigerweise nötigte:

?Ich habe einige Jahre für die taz geschrieben und erleben dürfen, wie die in der Redaktion miteinander umgehen, wie selbstgewiss die denken und schreiben, wie schlecht sie Zeitung machen, sich dabei über den Boulevard erheben, das ist widerlicher als alles, was in ?Bild? und ?Bunte? steht?.

Die taz wiederum konterte prompt mit einem geradezu unverschämten Hinweis auf die stadtbekannten weißen Nasenringe gewisser Pop-Literaten – während wir als staunendes Publikum unwidersprochen davon ausgehen dürfen, dass der Benjamin sein letztes Zeilenhonorar aus der Redaktion in der Rudi-Dutschke-Straße bezogen hat. Dafür aber stehen dem Verfasser des ‘Soloalbums’ jetzt die opulent gefüllten Schatullen des Axel-Springer-Verlags weit offen, auch wenn er hinfort “exklusiv” und gewissermaßen auf der anderen Seite des Boulevards daherflanieren muss.

‘The proof of the pudding is in the eating’ – so lautet ein englisches Sprichwort, das mir wegen des holprigen Klanges immer etwas dubios erschien. Genau wie die Kunde von einem niegelnagelneuen Neo-Fontane in Berlin, von dem noch niemand nix weiß. Schau’n wir also mal, was der Benjamin realiter so treibt.

Zunächst einmal: Alles Korrekturlesen, selbst dort, wo er für die Zeitungen des Axel-Springer-Verlags schreibt, das ist bei ihm fortan nicht mehr drin, dafür fehlt ihm der unbedingte Lektürewille angesichts niederer Textformen, wie sie Welt und B.Z. bis zum Rande füllen:

“Magazine und Zeitschriften lese ich schon gar nicht mehr. Diese flüchtige Form, sich immer zu allem Möglichen zu äußern, finde ich persönlich … öde.”

Wir aber als Leser, wir sollen den Quark wohl fressen? Während unserem Literatursnob der Sinn eher nach dem großen “Werk” steht, zum Beispiel nach einer literarischen Zugfahrt mit der Juso-Vorsitzenden Franziska Drohsel. Impressionen von neo-fontane’schem Format – so sie wirklich welche wären – klängen dann zum Beispiel so:

“Zwischen Kurt Beck, Mittagspause und Gesine Schwan wird es verschiedene Podiumsdiskussionen geben, Franziska Drohsel wird an einer teilnehmen, da gehe es um linke Sozialpolitik, um eine kritische Bestandsaufnahme von Fördern und Fordern. Leistungskürzungen, nur weil jemand nicht zu irgendwelchen bescheuerten Psychotrainings gehe, da könne sie sich echt aufregen drüber.”

‘Wird es geben’, ‘wird teilnehmen’, ‘gehe es’, ‘könne sie sich’ – bewundern Sie, verehrter Leser, bitte gebührend diesen ebenso reichhaltigen wie gekonnten Einsatz echt popstarker Verben. Auch die bildhaften Adjektive – ‘verschiedene’, ‘kritische’ usw. – sind nicht von schlechten Eltern. Ich vermute als Erzeuger u.a. Großschriftsteller wie Scholz, Pofalla oder Eichel. Nur eben leider nicht Fontane.

Inzwischen sind sich Benjamin und sein Blümchen auf der langen Strecke zwischen Berlin und Leipzig auch menschlich nähergekommen:

“Daniela hat sich inzwischen die Schuhe ausgezogen. Es ist sehr warm.”

Boah, ej – was sagte bloß das lädierte Näschen dazu? Und wie’s nach den Schuhen wohl weiterging? Vom vollen Potenzial des Schriftstellers als ‘raunendem Beschwörer’ jedenfalls ist diese duftende Harmlosigkeit noch weit entfernt, um mich mal halbwegs benjaminesk auszudrücken. Dafür ‘düdeln’ aber die Blackberries in jeder Spalte romantisch vor sich hin. Trotzdem – wahre Raffinesse, auch dort, wo sie’s nur andeutet, klänge eher so, nach Maupassant und Merimée:

“Daniela zog die Schuhe aus. Mir ward sehr warm.”

Es hilft uns alles nichts, über die folgenden Szenen hat der Verfasser den Kavaliersmantel des Schweigens gebreitet. Unerbittlich klackern die Räder auf den Schienen voran:

“Leipzig Hauptbahnhof. Hier wohnt mein Bruder, sagt Drohsel. Der Versuch, einen Mitropa-Kaffee zu kaufen, misslingt zunächst, die Kasse spinnt, sagt die Dame hinterm Tresen. Frage an Franziska Drohsel, ob sie bitte noch mal in einem Satz erklären könne, was es mit der Bahnreform auf sich habe?”

Tscha – und so weiter und so weiter ist das eben heute mit der großen Literatur – klickediklack – klickediklack: Die Worte purzeln dem Dichter wie Regentropfen in die Tasten, die Chronologie schubst die Dramaturgie vom Sessel, alle Banalitäten dieser Welt tanzen Ringelreihen und trällern uns vor, sie wären bezeichnend, nur die arme Grammatik, die griff gleich eingangs zum Harakiri. Mit einem Wort: Last exit Pop-Literatur …

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

 

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13 Kommentare

  1. Also ich finde diesen Artikel zutiefst gemein. Alleine dieser Hinweis auf die weißen Kristalle der kreativität. Unmöglich.

    Der Weg ist doch logisch. Wer es in der Unterstadt zu nichts bringt, der geht eben als Konvertit in die Oberstadt und schimpft dort auf die Unterstadt und die Unterstädter mit ihren Kaninchenställen.

    Außerdem kostet die nasale Kreativität doch einiges an Geld vor allem wenn man die größeren Mengen braucht, die dann so wunderbare Empfindungen wie Wärme mit Schuhen verbindet.

    Im Schnee hat man leicht kalte Füße. Aber zum Glück gibt es da den sicheren Hafen der Halt- und Rückgratlosen. Das Springer Mutterhaus in dem jedem der frohen Herzen eintritt sofort all seine Sünden vergeben werden.

    Möge er seinen Frieden finden und in Ewigkeit dort ruhen.

  2. Die Literaturlandschaft ist ein Blüm – chen sicherer Versorgungshort, haben sich erst einmal Feuilleton, Qualitätsjournalismus und Kritikpäpste ihrer angenommen, sich der eiunen oder anderen Primel bemächtigt. Da blühen dann Weidermänner, Kehlmänner und Stuckrad Barren.

    Der Vorturner der Popliteratur? Na ja, hierzulande war Pop schon immer Unterhaltung … auf niedrigstem Niveau,
    Verbindung zum Begriff Kultur Irrtum. Der größte Irrtum sind Schriftsteller und/oder solche, die sich dafür halten, die glauben, sie müßten regelmäßig für Zeitungen schreiben. Kommt imer nur mäßiges Schreiben bei raus, wußten Fontane und Heine. Wer bisher keinen triftigen Grund hatte, BZ und DIE WELT zu meiden, jetzt hat er einen.

  3. Na, na, meine Herren, auch mit äusserst sparsam schmalem Oeuvre kann man als “Leitfigur der Popliteratur” ein Interview in “Cicero”, im “spiegel” und einigen Dutzend Sekundärmedien kriegen.

    Zuvor sollte man allerdings Hauptdarsteller in einer TV-Selbsterfahrungsdoku “Absturz und Therapie” (Herlinde Koelbel) gewesen sein, eine Mezzo-Promi-Beziehung hinter sich gebracht haben (Danke, Anke), oder zumindest für das Schweizer Fernsehen eine denkwürdige Serie: S-B trifft auf einen Berhardinerhund, S-B bei den Appenzellern , S-B zu Hause bei Miss Schweiz, produzieren.

    Aber auch das genügt noch nicht ganz: Eine Lesung im Bochumer Schauspielhaus und eine daraus abgeleitete Rezension in “Midal – das deutsch-arabische Literaturzentrum” möcht’ schon sein, auch wenn sich darin schwer deutbare Sätze finden wie:”Ein Gesamtbild einer allumfassenden Inszenierung in der deutschen Gesellschaft”.

    Gleichfalls zu den Mindestanforderungen gehört ein Auftritt “als Gast von Feridum Zaimoglu, Samuel-Fischer-Professor am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Freien Universität Berlin”.

    Ein Kurzfilm mit dem Titel “Ich war hier” über Sprüche an Hauswänden, Bushaltestellen und Clotüren runden das Anforderungsprofil ab.

    Schliesslich, wir zitieren die “Rheinische Post”, “fragt der Autor in seinem jüngsten Werk “Was ist nicht von schlechten Eltern?” – “Das Wissen, das er (die Leitfigur der Popliteratur; Red.) sich bei seinen Recherchen angeignet hat, gibt er nun weiter. Die 224 seitige Wissenssammlung trägt den Titel “Wer.Wir.Wissen”.

    Gell, da staunen Sie, meine Herren. Und das alles mit knapp 33. Also, sputen Sie sich. Sonst kriegen Sie nie ein Interview in “Cicero”, dem “Magazin für politische Kultur”. Es reicht dann nur gerade noch für den “Spiegel”. Und das hätten Sie nicht verdient.

  4. @ Jean-Claude: Klöterköppe finden bekanntlich eine Instant-Eigenschaft des kolumbianischen Marschierpulvers besonders sympathisch: Mit seiner Hilfe ist man gleich jemand, ohne erst mühsam jemand werden zu müssen. Wer hat denn dafür noch Zeit – bei dem rasanten Lebensstil in unserer auch schon wieder vergangenen Postmoderne? ;-)

    @ arbiter: Die ‘Literaturlandschaft’ ist allerdings ein höchst unerforschtes Bussi-Bussi-Gebiet. Vielleicht drehe ich mir noch mal ‘ne Papyrossi aus ein paar dieser Jungtitanen …

    @ Jochen Hoff: Dieter Bohlen war übrigens auch mal in der DKP: “Bohlen, einst DKP-Mitglied, fordert mehr Markt und den Abbau von Subventionen“. …

  5. @ JEAN-CLAUDE: Ja, ja, doch, schöne Bilanz der Herrlichkeit. Aber die Damen sind auch nicht ohne, denkt die gleiche Mischpoke von Frau Roche. Mediengeil ist andererseits auch nur geil, ob nun auf Cicero oder Spiegel, ist da schon wurscht. Irgendwie mag ich das laute Getrommel nicht und hege Verdacht und Wunsch, nähre Gewißheit, Zufriedenheit, auch an lietrarischem Schaffen, stellt sich im Stillen ein, wobei letzteres nicht dasjenige einer gewissen Eva H. ist.

    @ KLAUS JARCHOW: Muß es unbedingt eine Papyrossi sein bei der Rohstoffknappheit? So Jungtitanen des Pop von Benjamin bis Dieter kann man ganz gut in der Pfeife rauchen, sozusagen letzte Ausfahrt Kultur mit Pfeifen aller Länder, vereinigt euch!

  6. Es gibt ein landesweit bekanntes Unternehmen, das mit dem Spruch wirbt: Ich bin doch nicht blöd!

    Das kann nicht stimmen: Wir alle sind blöd. Jedenfalls lassen wir uns so behandeln. Ganz normal ist das nicht mehr, was da abläuft

  7. @ JEAN-CLAUDE: So behandelt werden wir! Das ist aber erst die Hälfte des Blöden daran. Und dann wird auch noch wehrhafter Protest von solchen Spruchbeuteln als blöd abgetan. Das ist die andere Hälfte. Da darf der Oberblödel von DSDS nicht fehlen. Verhaltensforscher können das natürlich ganz wissenschaftlich erklären. Blöd daran ist, es ändert nichts, auch nicht die Blöden.

  8. Weiße Kristalle wären (wären) vor allem Privatsache, wer sich darüber hinwegsetzt, der schreibt selbst Boulevard. Denn das hier ist kein Freundeskreis, es ist Medienlandschaft.

    Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein 1 a Beobachter, ein Kommentator, ein “kritischer Begleiter” und es ist gut, dass es solche gibt, so schrecklich der Begriff klingt.

    Ich bin froh, dass es Benjamin von Stuckrad-Barre ist, der für Springer schreibt und nicht jemand anders, denn besser ER macht’s als Franz Josef Wagner.

    Die Medienlandschaft ist ein Haifischbecken und es gibt viel Neid. Teilweise ist das herzhaft feindliche Aufreg-Kontra, das Benjamin von Stuckrad-Barre gegeben wird, sicher auch seinem Auftreten geschuldet. Er ist nun mal nicht nett. Aber das sind ja auch schon andere. Ein Arsch oder dumm ist er deswegen noch lange nicht.

  9. Benjamin bei Springer ? TÖRÖÖÖÖÖÖÖÖ …

  10. Nun mal halblang, beste Frau Stracke: Die ‘weißen Kristalle’, die haben doch nicht diese bösen Journalisten, sondern die hat der Herr Stuckrad-Barre höchstselbst an die Öffentlichkeit getragen (vgl. Fernsehfilm ‘Rausch und Ruhm’ v. Herlinde Koelbl). Und wer sein Privates unentwegt im Schaufenster ausstellt, der ist nach einer Definition von Joseph Roth nun mal ein Schmock. Wenn die ‘taz‘ diesen Hang zum Schnee jetzt wieder erwähnt, dann ist dies nur eine Replik auf eine ziemlich üble Entgleisung des Herrn SB ihr gegenüber in der Edel-Klatschpostille Cicero. Und drittens kritisieren wir ihn hier nicht wegen der Nasenringe, sondern bloß deshalb, weil er nicht sonderlich gut schreibt …

  11. Na ja, die weißen Ringe ?! Genau betrachtet sind sie nicht einmal Privatsache, sondern Strafsache. Das unterscheidet sie wesentlich von anders gefärbten Ringen á la Roche. Ein 1a Beobachter, der seine Beobachtungen nicht einmal in B-Kategorie verdichten kann, sollte halt gucken, nicht schreiben! Statt dessen den Medienkonsumenten nur Ringe vorweisen, das nennt man in die Röhre gucken lassen.

    FJW wird ja irgendwann in unverdiente Alterteilzeit gehen, und da braucht Springer natürlich einen schreibenden Pop-Titan als Ersatz. Die Freude darüber, daß es BSB trifft ist vergleichbar mit derjenigen darüber, daß nicht der Wolf die sieben Geislein gefressen hat, sondern sein Sohn. Mahlzeit!

  12. Mich interessieren die “weissen Ringe” nur insofern, als S-B sie selbst exzessiv zum Thema gemacht hat, weil er sah: Ist eine neue Story, ist ein neuer Dreh, im Gespräch zu bleiben. Das alles ist clever und dagegen ist nichts zu sagen, wenn man nur genügend Leute findet, die das Spiel mitspielen.

    Als S-B in Zürich anlandete, gab er reihenweise Interviews, in denen sich der Satz fand “Ich habe viele Städte probiert, aber hier möchte ich bleiben.” Sowas gefiel natürlich und trug einige Zeit. Dann flaute das Interesse radikal ab.

    Nun also wieder zurück in Berlin, und dieselbe Nummer, jetzt einfach auf “Berlinerisch”. Klappt. Die Chuzpe, diesen relativ simplen Medienmechanismus bedienen zu können, spricht nicht gegen S-B, im Gegenteil. Spricht aber doch ziemlich gegen jene, die sich so einfach von diesem Mechanismus bedienen lassen.

    Was mich besonders irritiert: Ein Medium schreibt bez. schwätzt dem andern hinterher (bez. ab). Plötzlich wird jemand “Kult” und niemand mehr weiss: warum eigentlich? Es fühlt sich auch niemand bemüssigt, das näher zu erläutern. Es spielt auch offensichtlich überhaupt keine Rolle.

    “Literatur DJ” und “Provokateur vom Dienst” ist die einzige Begründung von ‘Cicero’ (dem “Magazin für politsche Kultur”), S-B ein Interview über drei Seiten einzuräumen, um der “politschen Kulturszene” (was ist das?) Deutschlands das neue Berlin zu erklären.

    Uebrigens, eins kann man jetzt schon voraussagen: Wenn S-B genug haben wird von der “BZ” (wie zuvor schon von der TAZ) wird er uns das in bunten Worten wissen lassen. Das ist dann der nächste Dreh und das nächste grosse Interview, sagen wir, in zwei Jahren. Bis dann!

  13. Spricht Chuzpe eines BSB, fehlerfrei Medienmechanismen bedienen zu können, tatsächlich für den Bediener? Zumindest hier im Blog scheinen ausreichend Leute von ihm bedient zu sein, besonders von solch dienstbarem Geist. Kann man doch durchaus auch so sehen, daß der als Chuzpe definierte Zustand entlarvt, dem Protagonisten bescheinigt, außer jener in dem feinen jiddischen Wort eingeschlossenen Dreistigkeit nichts eigenständiges zu produzieren. Warum also zwei Jahre warten? Ein Ei drüber und ab dafür!

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