YouTube:
Viraler Hit für 300.000 Euro

Unternehmen verpacken Werbebotschaften in lustige Videoclips – aber damit aus einem YouTube-Video ein viraler Hit wird, müssen spezialisierte Agenturen ordentlich nachhelfen.

Täglich werden Zehntausende neue Videos auf YouTube hochgeladen. Mit etwas Geld lässt sich beeinflussen, wie viele Nutzer sich einen Clips ansehen. Ein Service, den Unternehmen für ihre mehr oder weniger lustigen Werbevideos gerne in Anspruch nehmen. Der YouTube-Beauftrage von Sueddeutsche.de, Christian Kortmann, erklärt, wie ein Internet-Video zum Renner wird. Der Inhalt des Clips ist dabei nebensächlich. Kostenpunkt: 30 Cent pro Abruf des Videos, für eine Millionen Abrufe gibt es Rabatt, macht 300.000 Euro. Und das funktioniert so:

Spätestens seit November 2007 dürfte bekannt sein, dass YouTube-Erfolge eher gekauft als echt sind. Damals hatte Dan Ackerman Greenberg detailliert beschrieben, wie er im Auftrag großer Firmen kleinen Webvideos zu viralem Erfolg verhilft. Auch Christian Kortmann zitiert den Artikel von Greenberg auf Techcrunch – aber natürlich, ohne ihn zu verlinken.

Die Offenbarung seiner Geschäftspraktiken geriet Greenberg damals dermaßen ehrlich, dass er sich wenig später von einigen Tipps lieber wieder distanzierte.

Links gegen Bezahlung: Spam, Spam, Spam

Das Bezahlen von einflussreichen Bloggern, eine der gepriesenen Maßnahmen, ist zwar moralisch fragwürdig, aber immerhin nicht illegal. Im Gegensatz zu Fake-Profilen und multiplen Accounts auf YouTube, Facebook, MySpace und Co., mit denen Aufmerksamkeit bloß vorgegaukelt wird. Die Nutzungsbedingungen sprechen hier eine klare Sprache.

Um ein Video bekannt zu machen, muss es an vielen Orten auftauchen, bewertet und diskutiert werden. Dazu wird es in Gästebücher auf MySpace gepostet, über Mailinglisten verschickt, auf Portalen und Verzeichnissen künstlich nach oben gewählt und geklickt.

Abgesehen davon wird knallhart nach Klicks optimiert: Der Titel wird verändert, das Video öfters neu eingestellt, das Vorschaubild wird ausgetauscht – bis die Nutzer eben kommen. Greenberg:

You simply can?t expect to post great videos on YouTube and have them go viral on their own, even if you think you have the best videos ever. These days, achieving true virality takes serious creativity, some luck, and a lot of hard work.

Millionen Abrufe mit Geld-zurück-Garantie

Der von Kortmann zitierte Experte der Firma GoViral behauptet, allein in Deutschland 150 Multiplikatoren in der Kartei zu haben, die bei Bedarf gegen Bezahlung auf Videos aufmerksam machen.

Entscheidend sind laut Greenberg die ersten 50.000 Views. Danach erscheint der Clip auf der “Most Viewed”-Seite auf YouTube, die zwar oft eine krude Mischung aus Sportclips und angeblichen Sexvideos ist, aber eine verdammt große Menge Nutzer anzieht. Schafft es ein Video bis hierhin, rauschen die Klicks schließlich wie von selbst.

Sollte ein Clip trotz aller Mühen unter 100.000 Klicks bleiben, verspricht Greenberg auf Techcrunch, muss der Kunde nicht zahlen. Das Risiko ist gering: Mit dreckigen Tricks sind selbst Millionen Abrufe sicher.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

\

20.1.2012, 7 Kommentare"Startups schaffen Arbeitsplätze":
Wie sich die Internetdebatte konstruktiv beeinflussen lässt

Startups und etablierte Internetfirmen schaffen viele Arbeitsplätze. Fände diese zentrale Botschaft in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stärker Gehör, verliefen das Digitale tangierende Diskussionen zum Urheberrecht und Datenschutz womöglich ganz anders.

Das Digital-Jahr 2011: Was mich erfreut und genervt hat

14.12.2011, 0 KommentareDas Digital-Jahr 2011:
Was mich erfreut und genervt hat

Das zu Ende gehende Internetjahr bot viele Anlässe zu Freude und Irritation. Folgende Entwicklungen und Aspekte bewegten mich 2011.

Das Digital-Jahr 2011: Ökosysteme, Startup-Boom  und Kim Schmitz

13.12.2011, 5 KommentareDas Digital-Jahr 2011:
Ökosysteme, Startup-Boom und Kim Schmitz

2011 ist in der digitalen Welt viel passiert, auch wenn die ganz großen Überraschungen ausblieben. Geprägt war das Jahr vor allem vom unaufhaltsamen Aufstieg der digitalen Ökosysteme.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Tückische Fotolizenzen: Haltbar bis 26. August 2010

12.9.2008, 5 KommentareTückische Fotolizenzen:
Haltbar bis 26. August 2010

Vermeintlich kostenlose Pressefotos können teuer werden: Immer öfter ist die Nutzung nur auf eine bestimmte Zeit erlaubt. Für Online-Medien ein Problem.

25.8.2008, 26 KommentareMainstreaming media:
Wozu Herausgeber?

Chefredakteure und Herausgeber waren einst die Wächter über die Qualität des Printprodukts. Online übernehmen diesen Job aber die Leser - wozu also brauchts den "Editor" noch?

1.8.2008, 0 KommentareZusammenarbeit:
Flickr-Bilder bei Getty

Eine Lösung für das  Spam-Problem?

3.2.2009, 9 KommentareEine Lösung für das Spam-Problem?

Die Idee: Wie Spam aufgebaute Emails werden von Regierungsorganisationen verschickt. Wer auf die enthaltenen Links klickt, wird über die Risiken aufgeklärt.

4.6.2008, 1 KommentareVon der Nullnachricht zum Top-Thema

Die automatische, bloglastige Nachrichtenseite Rivva ist super – nur hat die Weisheit der meist männlichen Nerdblogger-Massen oft Nullnachrichten auf der Agenda.

23.2.2008, 2 Kommentare"Schneller steif, länger steif":
Spam in der Tageszeitung?

Schrecksekunde bei der morgendlichen Zeitungslektüre: Spam! Nicht nur im Posteingang auf dem Computer, jetzt auch auf dem Frühstückstisch!

Online-Journalismus: Voller Überraschungen

28.10.2008, 4 KommentareOnline-Journalismus:
Voller Überraschungen

Notorische Pessimisten werfen die Hände über dem Kopf zusammen und klagen über ewig gleichen Agentur-Brei auf allen Kanälen. Stimmt natürlich nicht – wir zeigen ein Beispiel.

Wochenrückblick Nr. 43

26.10.2008, 2 KommentareWochenrückblick Nr. 43

Sorge um verdeckte Recherchen, Angst vor heimlichen Ausspähungen und Millionen-Sparpläne beim Schweizer Ringier-Verlag – der Rückblick auf die 43. Kalenderwoche auf medienlese.com.

Buchmesse live im Internet: Journalisten und ihre Bücher

15.10.2008, 0 KommentareBuchmesse live im Internet:
Journalisten und ihre Bücher

Live von der Frankfurter Buchmesse: Für eine halbe Stunde ist ein Autor mit seinem Buch Gast auf dem "Blauen Sofa". Darunter: Stefan Aust, Dietmar Dath, Bettina Gaus und Hans-Jürgen Jakobs.

Linkwertig: Adventskalender, Kobo, Santa, Schnee

23.12.2011, 1 KommentareLinkwertig:
Adventskalender, Kobo, Santa, Schnee

Adventskalender mit Social Media Tools, fünf E-Books von Umberto Eco, Google auf Schnee und mehr.

Linkwertig: YouTube, Twitter, gPad, Eeve

21.12.2011, 2 KommentareLinkwertig:
YouTube, Twitter, gPad, Eeve

YouTube freut sich über 1.000.000.000.000 abgespielte Videos, Twitter freut sich über weitere 300 Millionen Dollar und mehr.

Linkwertig: Open Data, YouTube, Apps, Google+

13.12.2011, 0 KommentareLinkwertig:
Open Data, YouTube, Apps, Google+

Die EU hat eine Strategie zur nachhaltigen Förderung von Open Data in Europa vorgestellt und andere Links.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.