Deftige Finanzspritze:
Bis zu 25 Millionen Euro für Videoportal sevenload
Das Kölner Videoportal sevenload erhält eine beachtliche Finanzspritze. Von bis zu 25 Millionen Euro ist die Rede. Die Meldung darf die deutsche Web-Szene freuen, wirft aber gleichzeitig Fragen zum wirtschaftlichen Potenzial des YouTube-Konkurrenten auf.
sevenload, neben MyVideo und Clipfish eines der drei führenden Videoportale aus Deutschland, hat frisches Kapital erhalten. Angeblich 25 Millionen Euro wurden in das Kölner Unternehmen gesteckt. Zu den Investoren gehören neben dem bisherigen Anteilseigner Burda Cross Media unter anderem der T-Online Venture Fund, der als Lead Investor fungiert. Gerüchten zufolge wird sevenload mit rund 100 Millionen Euro bewertet. Für 2009 soll außerdem der Börsengang geplant sein.
Rein auf dem Papier ist diese Finanzierungsrunde sehr erfreulich. Immerhin geschieht es eher selten, dass Startups aus dem deutschsprachigen Raum Risikokapital im zweistelligen Millionenbereich erhalten. Auch darf man sich darüber freuen, dass endlich einmal wieder ein anderer finanzstarker Investor im Webbereich aktiv wird als die “üblichen Verdächtigen” vom European Founders Fund plus Anhang. Für die deutsche Web-2.0-Szene kann es nur positiv sein, wenn nicht bei jedem (potenziell) erfolgreichen Startup die gleichen Kapitalgeber im Hintergrund die Fäden ziehen. Die Meldung ist somit nicht nur eine gute Nachricht für die sevenload-Gründer und -Angestellten, sondern auch für andere junge Internetunternehmen in Deutschland. Diese dürfte es motivieren, zu sehen, dass trotz der Abschwächung des Gründer- und Web-Booms noch immer vom großen Investment geträumt werden kann.
Doch die Finanzierungsrunde wirft auch Fragen auf. Womit will sevenload in Zukunft Geld verdienen und die angebliche 100-Millionen-Euro-Bewertung rechtfertigen? Zum Vergleich: Ungefähr für diese Summe ging studiVZ Anfang 2007 an Holtzbrinck.
Die sevenload-Macher wollen neben der Positionierung als Plattform für User Generated Content besonders den eingeschlagenen Weg als Anbieter von Premium-Inhalten weiterverfolgen und durch eine noch einfachere Handhabung neue Zielgruppen erschließen. Auf der Agenda steht außerdem eine Expansion nach Frankreich, Italien, Spanien, Russland und Polen.
Aber wie weit kann man damit eigentlich kommen? Der Markt der Videoportale stellt sich immer mehr als schwer monetarisierbar heraus. Das “The winner takes it all”-Prinzip kommt hier besonders stark zur Geltung. In den USA dominiert YouTube den Markt der Videoportale laut Hitwise stärker, als Google den der Suchmaschinen. Dabei ist YouTubes Marktanteil in den letzten Monaten stetig gewachsen.
Doch selbst Google ist es bisher nicht gelungen, mit dem im Jahr 2006 für 1,6 Milliarden Dollar gekauften YouTube (in Anbetracht der Besuchermassen) nennenswerte Einnahmen zu erzielen. Für 2008 wird mit einem Umsatz von 90 Millionen Dollar in den USA und knapp 14 Millionen Dollar für die internationalen YouTube-Portale gerechnet. sevenloads Premium-Ansatz und Werbepreise von bis zu 20 Euro pro 1000 Bannereinblendungen (laut deutsche-startups.de) hin oder her - Grund zur Annahme, dass es für sevenload besser laufen sollte, sehe ich aktuell keine.
Ganz hoffnungslos ist die Situation jedoch nicht. Auch für die nächsten Jahre ist mit einer Zunahme des Videokonsums im Netz zu rechnen. Die in den Bereich der Videovermarktung gesteckten Erwartungen sind hoch und das Innovationsniveau beachtlich. Wenn gleichzeitig der Trend der Verlagerung des Medienkonsums vom Fernsehen zum Internet anhält und es sevenload gelingt, weitere attraktive Content-Partner mit ins Boot zu holen sowie seinen guten Ruf bei Early Adopters und Meinungsführern aufrecht zu erhalten, dann könnte das nun finanziell gestärkte Projekt richtig aufblühen. Doch die zahlreichen anderen Videoportale werden sich sicher nicht kampflos geschlagen geben.
» Mehr lesen: sevenload (6)
» Nächster Artikel: Linkwertig: Kulturflatrate und längere YouTube-Videos
» Älterer Artikel: Linkwertig: Innovative Firefox-Startseite Feedly macht Feeds sozial
» Drucken
» Merken/E-Mail
18 Kommentare zu diesem Artikel
3 Trackbacks
- Why sevenload might actually be worth the money | Open Source PR
(19. Juni 2008 01:49) - YouTubes Potential in Deutschland? | Digitaler Film
(23. Juni 2008 21:12) - fernsehen heute » Re: Na wahnsinn…. - Fernsehen von der Platte für 999 Euro
(25. Juni 2008 12:02)
Einen Kommentar schreiben
Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com



Beiträge per RSS
blogwerk.com
biernot
Der TKP ist ein Witz. Die Bewertung ist ein Witz.
Markus
Momentan lässt sich wohl nur ansatzweise erahnen, was für ein Potenzial entsteht, wenn die Videoportale zum Mainstream werden und irgendwann wirklich mal das Fernsehen ablösen werden.
Aber ich gehe davon aus, dass es sich lohnen wird.
In sofern muss das Ganze auf jeden Fall längerfristig betrachtet werden, wenn die momentan aufruststärksten Portale getreu dem Motto “the early bird catches the worm” am Ball bleiben, sich entsprechend weiter entwickeln und ihre Position behaupten können, werden diese wohl auch ohne Marktführer zu sein finanzielle Früchte ernten können.
Ich denke, dass die Werbeformen sich auch bis dahin noch verändern werden und dann größtenteils auf Werbung in den Videos zu Anfang oder per Einblendung zwischendurch umgestiegen wird. Was dann vieleicht auch besser zu monetarisieren ist.
lukas
wahnsinn was hier geld verbraten wird. kein praktikables business modell, keine umsätze…
richt alles nach einer riesenblase…da wird sich ein herr buffett letzendlich wieder ins fäustchen lachen wenn derartige summen für solche “wahrscheinlichen” flüchtigkeiten ausgegeben werden.
imho…
Daniel Thomaser
Also ich bin da eher der gegenteiligen Meinungen und sehe das als eine der clevereren Investitionen in letzter Zeit an.
We’ll see…
lukas
@ Markus das ist, wie mein bei uns in AT sagt eine “hätt i, war i” diskussion.
wie du richtig sagst ist es potentialträchtig, aber eben erst in vielen jahren. wenn du bedenkst wieviele apps und services seit jahren versuchen im mobiel local social networking markt mitspielen oder die seit jahren das ende des TVs zu verkünden suchen - bis dato sind aber alle bestehenen services meilenweit vom mainstream entfernt. joost, hulu, name them.
und ich denke dass das internet eine schnelllebige zeit ist uns allen bewusst. dieses faktum seh ich als hauptargument gegen ein jetztiges investment. sevenload KÖNNTE in 5 jahren noch marktführer sein und KÖNNTE dann auch eine möglichkeit gefunden haben revenues generiert zu haben und das investment KÖNNTE sich gelohnt haben.
Daniel Niklaus
Hier geht es um mehr, als um einen kurzfristigen Gewinn.
Noch steht nicht fest; wird das Fernsehen in Zukunft über das Internet oder das traditionelle Kabel/Satelliten-Gespann beim User ankommen. Auch ist noch unklar, ob der Fernseher den Haupt TV Konsum ausmacht oder wird man in Zukunft vor allem über den Notebook/TablettPC/Iphone Fernsehen.
Je nach Antwort bekommt das Internet eine ungemein grössere Bedeutung und dann macht es Sinn, wenn man am Verteiler sitzt. Wer diesen Verteiler besitzt ist ebenfalls noch unklar. Sind es die TV-Veranstalter mit ihren Webseiten oder Videoplattformen wie Sevenload oder Zatto & Co.
So ist auch nachvollziehbar, weshalb Pro7 (myvideo) und RTL (clipfish) je ein eigenes Videoportal betreiben. Und warum die T und die Swisscom in Video on Demand investieren.
Im deutschsprachigen Raum steht der Leader noch nicht fest. Und hier wollen alle noch mitspielen. Darum ist Sevenload auch das Geld wert.
(Hätte Google das Geld nötig, sie würden mit youtube längst mehr verdienen.)
Daniel Thomaser
@Lukas: Dir ist aber schon klar, dass es keine Investments mit Gewinngarantie gibt, sondern der Konjunktiv immer dazu gehört. Das nennt sich nicht umsonst Risikokapital. ;o)
Markus
@Lukas: Ich denke, die Macher und Investoren werden sich des Risikos bewusst sein, sonst würden sie es nicht machen und handeln bewusst wohl auch mit langfristigen Gedanken.
Das Beispiel Mobile Internet passt meiner Meinung nur bedingt. Momentan erreichen die meisten Services den Massenmarkt wohl noch nicht, weil das Thema Mobile Internet auch noch nicht im Massenmarkt angekommen ist. Schließlich fängt das mobile Internet erst gerade an sich in der breiten Masse auch durch entsprechende Geräte durchzusetzen.
Wer aber frühzeitig mit solchen Services wie Sevenload anfängt, langen Atem beweist, Erfahrungen sammelt und sein Angebot optimiert dürfte bessere Chancen haben sich zu positionieren als ein Anbieter der erst einsteigt, wenn es sich dann wirklich lohnt und von einem auf den anderen Tag sein Angebot aus dem Boden stampfen muss.
lukas
@Daniel
das ist mir klar, aber ich meine in diesem fall überwiegt der konjunktiv eine reale chance die nach einer mehrstufigen due dilligence herausschaut
@Daniel Niklaus
ich denke google würde gut und gerne mit youtube bereits geld verdienen. nur wie? die kochen auch nur mit wasser…dass sie es nicht machen lass ich nicht wirklich gelten.
lg
lukas
Mirko Riedel
Ich bin mal so frei und kopiere hier was rein, was ich auf einem anderen Blog zu dem Thema als Kommentar geschrieben habe:
Ich finde das Geschäftsmodell von Sevenload sehr interessant. Sie stellen, was viele nicht wissen, zum einen für andere Medienhäuser die technologische Streamingplattform bereit. Das bringt Geld in die Kasse. Zum anderen sind sie eben Consumer Video Portal, mit einer neuerlichen Transformation zu einem Premium Content Dienst. Hier soll sicher die Unterscheidung zu MyVideo sein. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sevenload profitabel (langfristig) arbeitet. Auch wenn Sie sicher TKP´s von 50,00 EUR nicht realisieren. Jeder weiß doch, der sich einigermaßen im Mediabusiness auskennt, dass solche Zahlen nur dem Image dienen. Meistens liegt die Auslastung im Promille Bereich und über entsprechende Deals zahlen Werbekunden oft sehr viel weniger. Interessant bleibt, wie Sevenload sich im Ausland positionieren möchte, wo die Kunden nicht gerade auf einen neuen Anbieter warten. Die Ankündigung zum Börsengang ist damit eher aus meiner Sicht als “Rauchzeichen geben” zu werten. Mal abwarten, was daraus wird.
Daniel Niklaus
@Lukas
Ich gehe davon aus, dass Google mit Youtube noch gar nicht zu viel Geld verdienen will. Jeder eingenommene Dollar könnte sie mehrere Dollar kosten.
Google ist Schweinereich und das weckt Begehrlichkeiten. Verdient Google mit Youtube dazu noch Geld, haben wir gleich drei Industrien, die gierig werden.
Erstens die Provider, welche auf einmal für den Traffik bezahlt werden wollen. SUISA, GEMA und Konsorten, welche von den Werbeeinnahmen ihren Anteil wollen und die Musik- und Filmindustrie die Lizenzen kassieren will.
Und weil es sich Google leisten kann, noch nicht mit Youtube Geld zu verdienen, warten sie meiner Meinung besser noch ab.
Daniel Thomaser
@Daniel
Google hat als Hauptziel für dies Jahr ausgegeben, mit youtube Geld zu verdienen.
Also so ganz kann deine Theorie nicht stimmen ;o)
Daniel Niklaus
Spannend.
Ist es jetzt mehr als ein Lippenbekenntnis.
Hast du eine Quelle?
Martin Weigert
Die hab ich:
http://www.reuters.com/article/technologyNews/idUSN3052022220080430
Daniel Niklaus
O.k.
muss zuerst in den Denkmodus schalten ;-)
lukas
ich bitte darum ;)
Daniel Niklaus
Menschen neigen dazu, einmal gesagtes zu verteidigen. Also müsste ich jetzt behaupten; „Eric Schmidt will damit nur seine Aktionäre beruhigen und meint es nicht so ernst.“ Aber das wäre etwas einfach.
Darum hier ein Versuch was Google machen könnte. Oder womöglich nicht machen wird und vielleicht eine Chance für ein Drittunternehmen bietet.
Wie Google Geld verdienen kann, mussten sie schon einmal abschauen. Ouverture’s Ad-System bot die Möglichkeit ohne persönlichen Kundenkontakt schnell 100′000e von Anzeigen zu verkaufen. Eine gute Idee die Google erfolgreich integrierte. Entsprechend sind die Strukturen von Google gewachsen, einen persönlichen Kontakt zu gibt es nicht und schon gar nicht zu TV-Werbern. Und da Spots doch aufwendiger zu produzieren sind als Ad-Words, ändert sich das Spiel.
Gut Möglich, dass dieses Mal Microsoft Google den entscheidenden Schritt vor war. Mit der YuMe Partnerschaft verfügen sie über die „Ad-Word Technologie“ für Videos. Wenn es jetzt ein Anbieter versteht, Budget bei den Mediaplanern und Firmen mit TV Werbung für das Internet abzuholen, sind die ein Kauf wert. Denn alles was Google braucht, ist Werbung zu verkaufen und schon rentiert youtube.
Im Moment fehlen ihnen aber noch die Infrastruktur und das Verständnis wie man an die Budgets der TV-Werbekunden kommt.
Alternativen wie; Infrastruktur zur Verfügung stellen, Abo-Modelle, Premium-Service & Co. aussen vor gelassen.
KJ Deuser
Ich denke es ist alles eine Frage der Zeit bis man mit diesen Plattformen Geld generieren kann. Mich erinnert es immer an die Anfangszeit des Fernsehen, insbesondere in Deutschland. Finanziert durch Gebühren. Eine andere Finanzierungsart konnte sich hier keiner vorstellen, geschweige den mehr als 2 Programme. Ok. man hat den Regionen noch ein kleines Fenster zu gestanden. Aber für mich ist entscheidend, dass diese Portale genutzt werden. Und je mehr sie nutzt werden um so mehr gewöhnt man sich an sie. Und wenn man sich an sie gewöhnt hat will man auch mehrere Sender. Und man will nach und nach eine Qualitätskontrolle, bzw. Leute die Vorauswahlen treffen. Nichts anderes haben DJ´s gemacht. Hätte einer vor 15 Jahren gedacht DJ´s würden Superstars werden? Ich denke Svenload macht das ganz schön gut. Die Finanzspritze garantiert “Zeit” und wer die hat wird gewinnen. Nicht immer ist der 1. Star (youtube) am Ende der Gewinner.