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Warum kein Techzentrum in New York oder Europa?

Marcel Weiss, 11. Juni 2008 08:00 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Interessanter Text auf ReadWriteWeb, in dem RWW-Autor und New Yorker Bernard Lunn, darüber schreibt, dass und warum New York, die hippste Stadt diesseits von Chemnitz (just kidding), kein vibrierendes Technologyzentrum ist. Warum konzentriert sich die Techszene in den USA unter Anderem in Silicon Valleys Palo Alto, einem Suburb, Vorort, und nicht etwa in der Weltstadt New York? Gute Frage.

Lunn listet zwei Gründe aus seiner Sicht auf:

1. Tech Talent. Wall Street sucks it in. The big Wall Street firms just pay too much.

2. Patient Capital. New York is a “hot money” town. New York investors just love liquidity. They worship it. “What’s your exit route?” means, “could I sell today?” So angel and VC options are weak compared to the Valley and even compared to say Boston or Austin.

Also zum einen ein lukrativer Arbeitsplatz, der die Talente absaugt und zum anderen ungeduldiges, exitbrüllendes Kapital. Ich bin mir nicht sicher ob es wirklich das ist, oder nicht einfach die Tatsache, dass einmal gewachsene Geflechte sich schlicht nicht mehr ändern (lassen). Dort wo alle sind, wollen auch die anderen sein.

Palo Alto ist also so sticky, wie die dort ansäßigen Gründer ihre Dienste auch gern hätten.

Der Artikel hat mich allerdings zum Nachdenken gebracht. Was ist mit Europa? Hier gibt es kein Silicon Valley, kein offensichtliches Zentrum für Webstartups. Warum nicht?

Das mag für Europa vielleicht an den Sprachbarrieren liegen. Aber auch innerhalb von Deutschland gibt es keine echte Konzentration, wie man es in den USA vorfindet. Berlin kommt dem vielleicht noch am nächsten, gefolgt von Hamburg. Wie sieht es in Österreich und der Schweiz aus?

Woran mag’s liegen, dass sich im deutschsprachigen bis jetzt kein eindeutiges Zentrum herausgebildet hat? Die Networkingvorteile müssten einem Standort doch irgendwann zu einem exponentiellem Zuwachs an weiteren Startups verhelfen.

» What’s Holding Up the New York Tech Scene? - ReadWriteWeb

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9 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Markus

    schrieb am 11. Juni 2008 um 09:11 Uhr (#)

    Stichwort Berlin - das sehe ich genauso. Aber wieso muss man denn den Ammis alles nachmachen? Es wird auch anders gehen. Man kann nicht einfach ein zweites Silicon Valley aus dem Boden stampfen, dass würde nicht funktionieren.

  2. FFD

    schrieb am 11. Juni 2008 um 10:08 Uhr (#)

    Interessante Frage! Ich glaube, es gibt für Deutschland zwei unterschiedliche Antworten, einmal für die Software-Industrie, und einmal für die Internet-Branche.

    Bei der Software-Industrie hat sich die Sache in den 80ern und 90ern entschieden. Als Softwarefirma bewegst du dich zwischen Auftragsarbeit am einen Extrem und Standardprodukt am anderen Extrem. Jeder Softwareentwickler will natürlich das letztere, aber die deutschen Firmen, mit der einen großen und bewunderswerten Ausnahme SAP haben sich als Dienstleister positioniert. Warum? Weil der deutsche Markt nicht mehr hergab. Als Standardproduktentwickler brauchst du einen großen, entwickelten, homogenen Markt, und den haben die Amerikaner gehabt, wegen der schnellen Adaption der PCs im Konsumentenbereich und gerade auch wegen der englischen Sprache auch die internationalen Absatzmärkte. Hierzulande war die Nachfrage nach Auftragsarbeit im Verhältnis zu Produkten einfach größer. Um das Argument abzuschließen, die Software als Auftragsentwicklung skaliert miserabel, und deswegen sind die deutschen Firmen klein geblieben.

    Für die Internet-Branche sieht das ganz anders aus, woran es wirklich liegt, weiß ich nicht. Die Misere der Softwarebranche ist vielleicht sogar ein Startvorteil gewesen (wegen des fehlenden “Talent-Sucks”). Was auf jeden Fall geschadet hat, war das unglaublich negative Image, was die Internetbranche in Deutschland durch die New-Economy-Phase erhalten hat, einmal durch das unrühmliche Ende, aber man hat eigentlich schon vorher die Nase gerümpft: “Pfui, der arbeitet in der Internetbranche”. Dieses negative öffentliche Image hat sich damals zum Beispiel im Prozess gegen den Compuserve-GF Felix Somm manifestiert. Wo kam es her? Einen wichtigen Teil haben sicher die klassischen Medien dazu beigetragen, die mit vollen Rohren das Internet der 1.0-Ära in die Schmuddelecke geschossen haben.

    Heute noch beobachtet man in Deutschland, daß es sehr viel Talent und Know-How in der klassischen Softwarebranche gibt - in der Internetbranche ist es eher rar, die Superprofis fehlen uns da schmerzlich.

  3. Philipp Strube

    schrieb am 11. Juni 2008 um 10:57 Uhr (#)

    Gab es in New York nicht diese Geschichte mit zu wenig Strom für neue Rechenzentren? Wenn die Infrastruktur wirklich so schlecht ist, ist das sicher auch ein Grund. Warum sich in Deutschland kein Zentrum gebildet hat könnte z.B. daran liegen, dass die Entfernungen schlichtweg um ein vielfaches kleiner sind. Oder wir sind einfach noch nicht so weit.

  4. Andreas Goeldi

    schrieb am 11. Juni 2008 um 14:16 Uhr (#)

    Der beste Artikel zu diesem Thema seit langem ist wieder mal von Paul Graham:

    http://www.paulgraham.com/cities.html

    Seine These: Verschiedene Staedte haben verschiedene Ambitionen. In New York (oder Frankfurt oder London) ist es vor allem wichtig, reich zu sein. In LA muss man beruehmt sein. In Berlin arm, aber sexy.

    Und in Silicon Valley ist eben Technologieunternehmertum am hoechsten angesehen. Sozialen Status gewinnt man mit dem naechsten grossen Ding, nicht unbedingt mit dem groessten Vermoegen.

    Ich glaube, dass solche Mentalitaetsunterschiede eine viel groessere Rolle spielen als alle Infrastruktur.

  5. Dominik

    schrieb am 11. Juni 2008 um 15:11 Uhr (#)

    Das fängt doch schon im Kleinen an, es gibt zu wenige Gründerzentren welche sich überwiegend auf Online-Start-Ups ausrichten. Würde in guter Lage in München, Berlin, Hamburg ein großes Gründerzentrum mit attraktiven Konditionen entstehen, dann würde dies sicherlich weitere Gründer anziehen…

  6. Markus

    schrieb am 11. Juni 2008 um 15:19 Uhr (#)

    In Berlin ist da ja was in Planung, aber eben nicht in dem Umfang wie ihr/wir es gerne hätten:

    http://www.mediaspree.de

  7. Marcel Weiss

    schrieb am 12. Juni 2008 um 00:56 Uhr (#)

    Markus: Hat ja nix mit nachmachen zu tun. Es gibt einfach enorme Vorteile, wenn man so eng auf einander hockt wie im Valley. Collaborationen sind einfacher. Sich gegenseitig zu befruchten etc. geht einfacher, wenn man sich praktisch jeden Abend auf irgendeinem Treffen über den Weg läuft. Das ist alles nicht zu unterschätzen.
    -
    FFD: Stimmt. Es gibt absurd viele Ressentiments gegen das Internet als Ganzes in Deutschland. Auch was Du mit den Profis in der deutschen STartupszene anspricht stimmt, es reicht ja schon wenn man nur Ansätze von Geschichten hört, um die Hände über den Kopf zusammenzuschlagen.
    -
    Philip Strube: Das mit den Entfernungen mag sein, aber es macht doch einen Unterschied ob man 300 oder nur 3 kilometer von einander entfernt sitzt. Aber stimmt, da man sich auf Konferenzen und mittlerweile auch Barcamps sowieso regelmäßig sieht, ist das vielleicht nicht so wichtig. Wobei ich immer noch der Meinung bin, dass die Vorteile räumlicher Nähe erst im Alltag zum Vorschein kommen.
    -
    Andreas: Ja, guter Text. Wie immer von Herrn Graham. Danke für den Link.
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    Dominik und Markus: Ich glaube nicht, dass so was top-down entsteht. Das kann nur organisch wachsen.
    Und mediaspree.. ich weiß nicht, ich denke das zerstört mehr, als dass es aufbauen wird. Allein die ganzen Biotope entlang der Spree, die dafür abgesägt werden.

  8. Matthias

    schrieb am 12. Juni 2008 um 11:16 Uhr (#)

    Karlsruhe ist auch nicht gerade unbedeutend wenn es um die Silicopn Valley nachfolge geht:
    wird es doch als Badisches Silicon Valley bezeichnet:

  9. Marco Thomann

    schrieb am 13. Juni 2008 um 04:38 Uhr (#)

    Die Antwort lautet kurz und bündig: “Stanford University”

    Der eigentliche Initiator des “Silicon Valley” war nicht der Gründer der Universität, der Eisenbahnmagnat Leland Stanford, sondern Professor Frederick Terman. Er kam zur Überzeugung, dass eine praxisbezogene Kooperation mit der Industrie unabdingbar sei. Er entwarf für die umfangreichen Landreserven der Universität ein Mietprogramm mit einer 99jährigen Mietdauer und einer festen Pachtgebühr. Als Anreiz bot er den Interessenten aus der Industrie den hautnahen Kontakt zum Stanford Research Institute. Hinzu kam später noch der Stanford Industrial Park, eine Reihe von Gebäuden, die günstig an Tech-Firmen vermietet wurden.

    Damit wurde ein Mechanismus geschaffen, der die Ansiedlung der Elektronikindustrie forcierte (begünstigt durch die Pentagon-Dollars, welche nach dem Krieg reichlich in diesen Bereich flossen). Und natürlich spalteten sich von wenigen Ursprungsfirmen zahlreiche neue Unternehmen ab, welche sich logischerweise ebenfalls in dieser Gegend ansiedelten.

    Der Standort des “Silicon Valley” ist also kein Zufall, sondern das Resultat eines intelligenten Plans. Wäre Terman nicht gewesen, könnte sich das Valley heute vielleicht auch in der Region um das MIT befinden.

    Warum gibt es in Europa kein “Silicon Valley”? Doch gibt es, nur heisst es “BioValley” und etabliert sich im Dreiländer-Eck rund um Basel. Auch dies ist kein Zufall, sondern der Initiative von visionären Unternehmern wie z.B. George H. Endress (Endress+Hauser) zu verdanken und natürlich auch der Tatsache, dass es in der Region viele qualifizierte Arbeitskräfte gibt, die man “absaugen” kann.

    Fazit: Wo initiative, intelligente Visionäre fehlen, da gibt es keine “WasAuchImmerValleys”.


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