Bond-Buch:
Media May Care

Auf dem Cover das Model Tuuli Shipster und eine Hollywood-reife Premierenfeier mit Kriegsschiff und Edelkarosse: Sebastian Faulks hat Ian Fleming imitiert und ein neues Bond-Buch geschrieben.

Tuuli Shipster mit Bond-Buch (Bild Keystone)Die gigantische PR-Aktion zum Verkaufsstart von “Devil May Care” in Großbritannien verspricht natürlich ein großartiges, intelligentes, gut geschriebenes Werk. Niemand soll auf die Idee kommen, Bond-Buch-Girl Tuuli Shipster und grimmige Marines sollten vom exquisiten Inhalt des Buchs ablenken und für die Aufmerksamkeit sorgen, die dem Schnellschuss-Krimi ansonsten mangels Substanz verwehrt geblieben wäre.

In nur sechs Wochen soll Sebastian Faulks den neuen Bond-Krimi “Devil May Care” heruntergeschrieben haben – in bester Tradition des verstorbenen Bond-Vaters Ian Fleming, der pro Tag 2000 Wörter schrieb. Am nächsten Tag gleich noch 2000, immer so weiter, ohne zu viel über das zu Papier gebrachte nachzudenken.

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Denn Faulks sollte im Auftrag der Flemings nicht einfach ein Bond-Buch schreiben, er sollte schreiben wie der echte Fleming. Als er, ganz Autor, nach dem Innenleben Bonds forschte, musste er feststellen: Fehlanzeige. “I tried to go inside Bond’s head, to create an inner life for him, and I realised he didn’t have one”, sagte er der BBC im Interview. James Bond ist hohl.

Was für ein Buch kommt bei so einem Experiment heraus?

Der PR-Auftritt mit schickem Auto, Buchcover-Model Tuuli Shipster und einem Kriegsschriff der britischen Marine inklusive alter Ordenträger und bewaffneter Marines verspricht nichts Gutes.

Sam Leith schreibt im Telegraph über den widerwärtigen Sexismus in “Devil May Care” und bemängelt, dass die Bösen natürlich die mit den körperlichen Auffälligkeiten sind und dass ein Schwuler einen feucht-warmen Händedruck hat – ansonsten sei es halt ein unterhaltsames bis lustiges Buch. Vor allem ist es schnell, die Szenenwechsel und der dramaturgische Aufbau ganz wie einem Bond-Kinoabenteuer.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Thiemo
    schrieb am 29. Mai 2008 um 13:06 Uhr (#)

    Seh nur ich das so oder ist der Buchtitel wirklich auf billigste Weise vom grandiosen Spiel “Devil May Cry” abgekupfert?

    Auch schön das die Familie sich ein Buch wünschen durfte. Aber was würde Ian wohl dazu sagen?

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