Spielregeln:
Funktioniert Web 2.0 wie Hollywood?
Jede Branche hat so ihre Spielregeln und Erfolgsrezepte. Viele alte IT-Hasen sind ziemlich verwirrt, weil die Web-2.0-Welt so ganz anders zu funktionieren scheint als die gute alte EDV-Branche. Hat Web 2.0 vielleicht mehr zu tun mit Hollywood als mit Walldorf? Und vor allem: Was heisst das für Web-2.0-Unternehmer?
Ein Post von Unternehmer Brent F. Stinski bei Silicon Alley Insider stellt eine interessante These auf: Web 2.0 folgt ähnlichen Regeln wie viele Kreativbranchen, beispielsweise die Filmindustrie oder die Musikbranche.
Der Liste an vergleichbaren Wirtschaftszweigen könnte man wohl noch Werbung, Fernsehen, Mode, Videogames, bildende Kunst und die Bücherbranche hinzufügen. All diese durch Kreativität geprägten Branchen haben ein vergleichbares Muster, nach dem sich junge Talente zu Stars und neue Ideen zu Hits entwickeln.
Zunächst mal ziehen diese Bereiche viel mehr hoffnungsvolle Möchtegern-Stars an, als sie eigentlich ernähren können. Die Klischees vom kellnernden Jungschauspieler oder vom hungernden Romanautoren gibt es nicht zufällig. Wer nach oben will, muss erstmal sehr weit unten durch. Und gerade etwa die Werbe- und Modebranche leben davon, dass Berufseinsteiger bereit sind, für minimalste Löhne oder gar ganz gratis zu arbeiten. Denn Auswahl an sehr talentierten Kandidaten gibt es mehr als genug, weil so viele Leute in diesen “coolen” Branchen arbeiten wollen. In Kreativbranchen sind darum die Einkommensunterschiede zwischen denen ganz oben und denen ganz unten so gross wie sonst kaum irgendwo. Verglichen mit dem, was Hollywood-Stars einsacken, sind selbst die vielgescholtenen Bankmanager noch arme Schlucker.
Wer von all den jungen Hoffnungsträgern dann zum Star wird, hängt längst nicht nur vom eigentlichen Talent ab. Die Gabe zur Selbstvermarktung, zum Knüpfen von Beziehungen und zum richtigen Positionieren des eigenen “Produktes” sind mindestens so wichtig. Kaum jemand wird etwa behaupten wollen, dass Madonna die talentierteste Sängerin der letzten 25 Jahre war. Aber in diesen Sekundärtalenten ist sie unschlagbar und wurde darum zum erfolgreichsten weiblichen Popstar unserer Zeit.
Die Firmen (Filmstudios, Plattenfirmen, Modelabels), die in diesen Branchen tätig sind, müssen ebenfalls mit heftiger und dynamischer Konkurrenz leben, Wettbewerbsvorteile sind kaum dauerhaft zu schützen. So viel geklaut und abgekupfert wie in diesen Bereichen wird sonst nirgendwo. Zudem gibt es einen ständigen Kampf um die wenigen wirklichen Star-Performer, die darum auch exorbitante Gehaltsforderungen stellen und sich nach Belieben divenhaft benehmen können. Und ausserdem spielt der Zufall eine enorme Rolle: Welcher neue Track zum Hit oder welcher Film zum Blockbuster wird, ist praktisch unvorhersagbar. Klar, mit Sequels und dem Totreiten bekannter Erfolgsrezepte kann man sich etwas absichern, aber die wirklich lukrativen Hits kommen oft aus dem Nichts.
Was hat das nun mit Web 2.0 zu tun? Im Vergleich zur klassischen IT-Branche sind bei Web 2.0 drei Dinge fundamental anders:
- Erstens sind die Kunden launenhafte Konsumenten und nicht vergleichsweise rational und langfristig handelnde Firmen.
- Zweitens neigt der Markt dazu, sehr schnell nur einige wenige Gewinner auszuwählen. Rentabel verkaufte Buchhaltungsprogramme gibt es wie Sand am Meer, aber von den vielen Social Networks konnten sich nur zwei oder drei durchsetzen. Es ist also ein “hit-driven Business” mit wenigen ganz grossen Gewinnern und sehr vielen Verlierern.
- Drittens sind die Einstiegshürden sehr niedrig. Jeder mit ein bisschen angelesenem PHP-Know-How und ein paar Euro für die Servermiete kann zum Web-2.0-Unternehmer werden — genauso wie Musiker oder Jungregisseure, die auch mit einfachsten Mitteln anfangen können, sich ihr Publikum zu suchen. Das zieht viele talentierte, hochmotivierte Einsteiger an, von denen es aber nur ein winziger Bruchteil schaffen wird.
Diese Eigenschaften sind den Kreativbranchen sehr viel ähnlicher als traditionellen Technologie-Industrien. Web 2.0 ist wie das Modebusiness oder die Filmbranche ein hit-getriebenes, kurzfristig geprägtes, sehr schwer vorhersagbares Business. Starke Technologie ist viel weniger wichtig als die richtige Idee zum (zufällig) richtigen Zeitpunkt. Eine grosse Misserfolgsquote von Startups gibt es natürlich in jeder Branche, aber nirgends sonst können so viele Jungfirmen einfach mal anfangen und ihr Rezept in eimem globalen Markt testen wie bei Web 2.0. Darum wird auch die “Opferquote” besonders hoch liegen.
Interessanterweise sind diese Erkenntnisse weder bei den Mitspielern im Markt noch bei den Investoren wirklich verankert. Wenn Microsoft sich etwa Web-2.0-Coolness anstreichen will, ist das etwas wie eine deutsche Automarke, die auch noch ein Modelabel startet. Vielleicht kann man damit ein paar alte Fans begeistern, aber kaum mit Gucci oder Prada in Konkurrenz treten.
Auch die VC-Szene hat die Funktionsweise dieser neuen Welt noch nicht so ganz verstanden und darum — dirty little secret — in den letzten Jahren mit Web-Startups durchschnittlich sehr schlechte Resultate erzielt. Filmprojekte und Modelabels werden kaum je mit Venture Capital finanziert, oder wenn, dann mit wirklich spezialisiertem. Eine VC-Firma, die sowohl in Netzwerkrouter als auch in Social Networks investiert, verhält sich ziemlich absurd, denn die Risikoprofile und Zeithorizonte sind extrem unterschiedlich.
Wenn Web 2.0 wirklich ist wie Hollywood, liegt das grösste Problem sowohl für Unternehmer wie auch Investoren in der Kurzfristigkeit des Marktes. Ein Hollywood-Film erzielt seine Umsätze meistens über etwa zwei bis drei Jahre verteilt aus verschiedenen Kanälen: Kinoeintritte, DVDs, Fernsehen, Merchandising-Lizenzen. Nach dieser Zeit ist die “Marke” praktisch tot und liefert nur noch ein paar magere Einkünfte aus den ewigen Wiederholungen im Fernsehen ab. Mode und Musik sind noch viel kurzfristiger.
Was ist, wenn Web-2.0-Erfolge auch so modegetrieben wären — schnell kommen, aber auch schnell wieder verschwinden? Es ist noch zu früh, dieses Muster wirklich zu verifizieren, aber die Hinweise darauf sind da: Frienster war vor wenigen Jahren mal hip, jetzt tot. Myspace ist auf dem absteigenden Ast. Facebook ist gerade der grosse Star, aber die Karriere bröckelt auch schon etwas. Twitter ist gerade das hippe, kommende Talent, ist aber von vielen hausgemachten Problemen gequält (sozusagen die Amy Winehouse der Web-2.0-Firmen). Wer wird sich dauerhaft durchsetzen? Antwort: Vermutlich keiner. Der nächste Social-Networking-Star (FriendFeed vielleicht?) steht irgendwo schon bereit und wird die alten aus der Hitparade verdrängen.
Das eigentliche Problem daran ist die Monetarisierung, denn die klassischen Kreativbranchen haben Mittel und Wege, in kurzer Zeit sehr grosse Geldsummen aus den kaufwilligen Konsumenten zu extrahieren. Ein erfolgreicher Film spielt locker Dutzende von Millionen an seinem ersten Wochenende ein und dann über ein paar Wochen verteilt nochmal so viel aus DVD-Verkäufen.
Web-2.0-Firmen haben keinen vergleichbaren Hebel, sondern müssen primär auf Werbeeinnahmen vertrauen, die sich nur langfristig entwickeln können. Bis dahin ist die Erfolgswelle aber vielleicht schon wieder vorbei. Und das ist für die Firmengründer natürlich ein Problem, denn wer viel Aufwand in den Aufbau seiner Firma steckt und kaum eine Chance hat, schnell genug reichlich Cash zu generieren, wird kaum Spass haben an seinem Unternehmen.
Wenn man also den Vergleich zwischen Web 2.0 und den hitgetriebenen Kreativbranchen glaubt (und, wie alle Vergleiche, hinkt er ein bisschen), muss man eigentlich zum Schluss kommen: Web 2.0 sucht immer noch nach einem wirklich nachhaltigen Businessmodell. Die ganze Firma auf eine einzige Idee zu verwetten und auf langfristigen Erfolg zu hoffen, ist vermutlich verhängnisvoll.
Vermutlich müssten sich Web-2.0-Firmen ein bisschen positionieren wie Modefirmen oder Videogame-Labels: Die eigentliche Firma bleibt konstant, aber sie bringt mehrmals jährlich ganz neue Produkte auf den Markt, von denen viele floppen, aber einige zum Grosserfolg werden. Unter dem Dach der Firma arbeiten ein paar kreative Stars, die diese Ideen entwickeln und dafür im Erfolgsfalle fürstlich entlohnt werden. Die Firma schaut sich ständig neue Ideen und Talente an und wählt einige aus, die finanziert und entwickelt werden. Und diejenigen Möchtegern-Stars, die keine Erfolge produzieren, haben halt Pech gehabt und müssen wieder zum Kellnern zurück.
Gewisse Ansätze zu so einem Modell gibt es schon: Widget-Hersteller wie Slide.com oder RockYou haben ein Portfolio an Social-Network-Applikationen, die in Modewellen kommen und gehen. Seed-Funds wie YCombinator fördern gezielt eine grosse Zahl an Jungtalenten mit kleinen Summen, in der Hoffnung, dass einige echte Hits entwickeln. Und selbst Google kann man als so eine Art grosses Filmstudio des Web sehen, das viele Produkte auf den Markt wirft, aber nur mit ganz wenigen wirklich Geld verdient.
Was bedeutet das nun für ehrgeizige Web-2.0-Unternehmer und ihre potentiellen Geldgeber? Zunächst mal muss man akzeptieren, dass die Web-2.0-Welt von enormem Risiko und fast völliger Unvorhersagbarkeit geprägt ist. Die meisten VCs suchen oft noch nach traditionellem IT-Branchen-Denken nach Indikatoren dafür, dass eine junge Firma im Markt ankommt und Zukunft hat — Beta-Kunden, erste Umsätze, schützbare Technologie, solide Wachstumsraten — und stecken dann sehr viel Geld in diese vermeintlichen Juwelen. So verpassen sie aber so manchen späteren Hit, weil sie ihre Ressourcen zu wenig breit streuen.
Und Web-Unternehmer, die einfach nur die Erfolgsrezepte von Facebook oder Youtube nachahmen, sind auch nichts anderes als eine Coverband, die nur bekannte Hits nachdudelt. So kann man schon mal seine Karriere anfangen, aber es reicht nicht, um zum Star zu werden. Man muss die richtige Balance zwischen Originalität und Kompatibilität zum Massengeschmack finden, wenn man gross rauskommen will. Und vor allem muss man sich Gedanken darüber machen, wie man einen einmal gelandeten Hit möglichst schnell kommerziell ausnutzen kann. Denn schon morgen ist jemand anderes der grosse Star.












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Gefällt mir gut der Artikel. Hat mich ziemlich ins Grübeln gebracht, aber im Großen & Ganzen stimme ich der Hollywood-Idee zu.
Wieso ist Friendster tot? Stimmt aber schon, bisher haben wir die Social Networks, da gibts einige wenige große Player, hier und da noch ein spezialisiertes Social Network im Mittelbereich und viele kleine die niemand kennt. Ich denke aber das man aus dem Social Network Konstrukt noch einiges neues rausschütteln kann, denn das Potential, viele tausend oder gar Millionen vernetzter User zu haben, die zudem noch häufig auf die Plattform kommen, wurde bislang noch nicht annähernd ausgeschöpft.
Wirklich Danke für dieses hervorragende Posting. Ich komme recht viel rum und habe grade mit Leuten der Printmedien immer wieder diese Unterhaltung, wo diese Jungs einfach nur den Kopf schütteln und mehr als ratlos sind.
Außer einigen wenigen Holzbrinks, die nach Aldi-Prinzip einfach alles oberhalb 150.000 angemeldeter User kaufen bleibt sehr vielen da nur Staunen übrig.
Nicht selten liesst man ja, wie die großen Imperien eine Eigenkreation nach der anderen als Startup wieder versenken.
Nö, finde ich gar nicht.
Ich würde eher behaupten; Web 2.0 funktioniert wie jede andere Industrie.
Noch sind die Eintrittshürden für Web 2.0 tief. Vergleichbar mit der ersten Internetwelle kann man heute relativ leicht neue Dienste aus dem Boden stampfen. Durchsetzen werden sich aber nur wenige. Ähnlich einem Biotop wo zu Anfang ein Überfluss an Borstenwürmer und anderen Weichtieren entsteht, bevor sich zukünftig wenige Arten durchsetzen. Übrigens gab es um 1920 mehr als 600 Autoproduzenten in den USA…
Tiefe Löhne finden wir nicht nur in Kreativbranchen. Das Gross der Selbständigen kommt nie über einen Hungerlohn hinaus – egal welcher Branche. Man bedenke, jedes zweite Unternehmen ist schon nach wenigen Jahren wieder verschwunden und nur 1 von 10 Neugründungen verdient richtig Geld.
Das Märchen vom unerwarteten Hit in Hollywood gibt es auch nur sehr selten. Das meiste wurde von Profis hervorragend geplant, umgesetzt und durchgezogen. Und so wird es auch bei den Web 2.0 Siegern sein. Durchstarten werden die Profis. Vielleicht sind ein zwei Neulinge dabei, aber bei genauem Hinsehen, halfen dort bestimmt ein paar „alte Hasen“ tatkräftig mit. Denn auch bei Web 2.0 entscheidet am Schluss das Business Know-how.
Interessante These an der ich auch schon seit längerem verzweifle.
Mode und Film- Industrie passen als Vergleichs-Medium gar nicht, wie ich finde. Mode ist ganz was anderes und Film zu kostenintensiv.
Ich probiere mal das ganze mit der Musik-Industrie zu vergleichen (das einzige Feld, in dem ich mich auch auskenne, zugegebenermaßen)
Arbeitsweise/Gesellschaftsform:
Viele Web 2.0 Firmen sind sicher eher als “Band” aufzufassen, denn als wirkliche Firma, man trifft sich auf ein Bier in der Kneipe, schraubt in der Freizeit an dem eigenem Projekt rum, ohne zu wissen was mal daraus wird, investiert aber viel Zeit und hat natürlich irgendwie die Ambition das nächste Youtube/Artic Monkeys… zu werden. Die bevorzugte Gesellschaftsform ist die GbR, genauso wie bei Bands. Gerade wenn man sich aber „Deutsche-Startups“ anschaut hat man das Gefühl, dass hier momentan vor allem Leute agieren, die absolut nicht kreativ sind, also geschniegelte BWLer, die den Bussiness-Talk beherrschen, aber keinerlei kreativen Fähigkeiten besitzen (Imdeo, StudiVZ usw.).
Finanzierung:
Früher gab es mal Vorschüsse vom Label, um ein Album im Studio auf zu nehmen. Diese Zeiten sind vorbei. Kein Label zahlt mehr einen Vorschuss für eine unbekannte Band. Natürlich ist es sehr viel leichter geworden ein Album selber aufzunehmen, aber ohne Erfahrung werden solche Versuche in die Hose gehen.
„ Jeder mit ein bisschen angelesenem PHP-Know-How und ein paar Euro für die Servermiete kann zum Web-2.0-Unternehmer werden“
Diese These ist meines Erachtens falsch (sowohl was Musik als auch Web2.0 betrifft).
Um bei der Musik zu bleiben würde das bedeuten: Jeder der ein Standart-Buch zum Thema „Wie schreibe ich den perfekten Pop-Hit“ gelesen hat, schreibt diesen Hit dann auch. Das ist nicht der Fall. Es ist viel, viel komplizierter.
Und es ist noch schwieriger. Wer sich der Illusion hingibt, dass sich ein schnell hingeschludertes Community-Portal rechnen wird, liegt falsch.
Das ganze sauber zu programmieren wird sehr, sehr teuer.
Einen Schlagzeuger oder Bassisten zu finden ist nicht sehr schwer, einen fähigen J2EE Programmierer aber schon.
Monetarisierung:
Und jetzt wird’s interessant. Sowohl in der Musik, als auch im Web 2.0. ist es inzwischen sehr schwer, ein Konzept zu entwickeln, um überhaupt die laufenden Kosten zu tragen. In der Musik kann ich die Geschichten von Radiohead, NIN und und Neubauten nicht mehr hören. Das sind etablierte Bands, für unbekannte existiert kein vernünftiges Modell. Wer kann helfen?
Arbeitsweise/Gesellschaftsform:
Viele Web 2.0 Firmen sind sicher eher als “Band” aufzufassen, denn als wirkliche Firma, man trifft sich auf ein Bier in der Kneipe, schraubt in der Freizeit an dem eigenem Projekt rum, ohne zu wissen was mal daraus wird, investiert aber viel Zeit und hat natürlich irgendwie die Ambition das nächste Youtube/Artic Monkeys… zu werden. Die bevorzugte Gesellschaftsform ist die GbR, genauso wie bei Bands.
Finanzierung:
Früher gab es mal Vorschüsse, um ein Album im Studio auf zu nehmen. Diese Zeiten sind vorbei. Kein Label zahlt mehr einen Vorschuss für eine unbekannte Band. Natürlich ist es sehr viel leichter geworden ein Album selber aufzunehmen, aber ohne Erfahrung werden solche Versuche in die Hose gehen.
Ich stimme der aufgestellten These in keinster Weise zu.
Du unterstellst hier, dass Erfolg mit Hits gleichzusetzen ist (“Web 2.0 ist [...] ein hit-getriebenes [...] Business”).
Und das ist grundlegend falsch gedacht. Sorry! Ausgehend von einem falschen Postulat ist dann auch leider der gesamte Artikel nicht mehr besonders zutreffend.
Nach deiner Definition ist Microsoft ein Web2.0 Unternehmen, weil es den größten Teil seines Geldes mit launenhaften Konsumenten verdient?
Und der Amy Winehouse Vergleich ist ja mal sowas von daneben. Damit stellst du dich in dieselbe Reihe wie die Leute, die sagen, dass Twitter einfach mal memcached einsetzen soll, dann wäre schon alles wieder gut.
Eine sehr interessante These und meiner Ansicht nach ist da auch einiges an Wahrheit drin! Allerdings glaube ich, dass man grundsätzlich zwischen zwei Arten von Web2.0 Sites unterscheiden sollte.
Auf der einen Seite sind da die, meist riesigen, Netzwerke die sich lediglich der Kommunikation der User untereinander widmen ohne einen erkennbaren inhaltlichen Fokus zu haben (Twitter, StudiVZ usw.)
Auf der anderen Seite gibt es die Netzwerke die sich mit einem speziellen Thema beschäftigen und die User sich vornehmlich über dieses Thema austauschen.
Bei den erstgenannten sehe ich es auch so wie Andreas. Was heute hip ist, ist morgen vielleicht schon weg. Warum? Weil es keinen nachhaltigen Content gibt. Nichts ist so uninteressant wie meine Twitter-Meldung von vorgestern! Wenn eine neue Plattform startet, sind User schnell bereit zu wechsen, denn was sollte Sie beim alten Anbieter halten? Auf dieser Basis ist es natürlich schwer eine langfristige Monetarisierung darzustellen. Und “ein paar magere Einkünfte aus den ewigen Wiederholungen im Fernsehen” ist mit Twitter & Co. auch nur schwer vorstellbar ;)
Nachhaltig werden, meiner Ansicht nach, nur solche Netzwerke aus der zweiten Kategorie (über-)leben können. Zwar ist der “Hip-Faktor” meist nicht so groß, aber dafür wird langfristig interessanter Content und eine starke Bindung an die User aufgebaut.
Web2.0 Seiten zu Themen wie Reisen, Autos, Hobbies, Wohnen usw. sprechen ganz gezielt Interessen an. Dieser “gemeinsame Nenner” ist die beste Basis für eine langfristige Vermarktung eines Web2.0 Angebotes. Wenn das Community Management dann noch dafür sorgt, dass die Inhalte ein gewisses Qualitätsniveau nicht unterschreiten (Vorsicht: nicht durch Zensur, sondern durch Schaffung von entsprechenden Rahmenbedingungen), dann können solche WebSites durchaus mit den klassischen Medien und Verlagen konkurrieren!
Um bei dem Vergleich mit Hollywood zu bleiben: Nur die Studios (Web2.0 Seiten) haben eine Perspektive die sich um gute Stories (Content) bemühen. Man geht ins Kino um einen guten Film mit Inhalt der einen interessiert zu sehen. Wer geht schon ins Kino nur weil da die Leinwand so schön groß ist?!
@Chris: Ja, das theoretische Potential von Social Networks wäre riesig. Aber der Beweis steht noch aus, dass man damit wirklich unglaubliche Umsätze machen kann. Friendster beispielsweise ist praktisch vom Radarschirm verschwunden und spielt kaum noch eine Rolle.
@Benjamin: Wenn Erfolg nicht mit kommerziell attraktiven Resultaten gleichzusetzen ist, womit sonst? Klar, ist eine Definitionsfrage, aber das ist nun mal eine ziemlich gängige Definition von Erfolg.
Microsoft macht seinen Umsatz nicht grösstenteils mit Konsumenten, sondern mit Unternehmen. Sonst hätte die Firma längst schon ein viel grösseres Problem.
@Andreas Ich denke wir beide definieren Erfolg als “kommerziell attraktive Resultate”.
Der Unterschied ist allerdings ab wann etwas “attraktiv” ist. Und da bin ich der Meinung, dass es auch ausserhalb von Hits “kommerziell attraktive Resultate” erzielt werden können. Man muss nicht Google, Facebook oder ähnliches sein, um “kommerziell attraktiv” zu sein, oder?! Und genau der Punkt, ist für meinen Geschmack in deinem Artikel etwas zu kurz bzw gar nicht erwähnt.
Ein Beispiel ist für mich die Welt von Blogwerk. Natürlich ohne, dass ich eure Zahlen kenne, gehe ich mal stark davon aus, dass es sich für euch irgendwie lohnt in eurer Nische, ausserhalb jeglicher Hit-Definitionen, zu arbeiten.
Und: Entschuldigung, wenn mein erster Kommentar etwas drastisch klang.
@Benjamin Reitzammer: Absolut, gerade wenn man eine Einzelperson oder ein kleines Team ist, kann man auch von einer “kleinen” Seite gut leben. Ich denke umso attraktiver wurde es auch durch die Einführung von PPC Anbietern, die auch schon Seiten mit wenigen 100 Besuchern am Tag gerne aufnehmen. Allerdings, umso größer man ist, desto attraktivere Werbepartner kann man sich an Land ziehen.
Grundsätzliche Unterschiede zwischen der Filmbranche und Web 2.0
Die Filmbranche ist eine reife Branche. Web 2.0 ist eine junge Branche. Entsprechend sind die Einstiegshürden für die Filmbranche enorm viel höher. Blockbuster Hollywood produziert man ab 40 Mio. Ein Film in der Schweiz ab 500′000.-. Ein Web 2.0 Projekt ist noch mit Jungunternehmerblut zu stemmen.
Die Filmbranche hat eine eingespielte Wertschöpfungskette. Vom Kino, ins Vermietgeschäft und ins Paytv. Von dort auf DVD und ab ins Freetv & Web. Bei Web 2.0 hat man noch keine Ahnung, wie man Geld verdienen kann.
Die Filmbranche kennt die Gesetzte für den Erfolg. Filme folgen einer klar definierten Rezeptur. Auch wenn es immer wieder Flops gibt, so ist doch relativ klar, wie ein Film erfolgreich produziert & kommerzialisiert wird. Dagegen ist Web 2.0 immer noch eine schwammige Definition von ein paar Modebegriffen.
Web 2.0 wie Filme handhaben?
Die eigentliche Firma bleibt konstant, aber sie bringt mehrmals jährlich ganz neue Produkte auf den Markt
Aus eigener (schmerzlicher) Erfahrung rate ich dringend davon ab. Denke ich 10 Jahre zurück und schaue welche Internet-Firmen heute Erfolg haben, sind es die fokussierten Firmen. Kurzfristig mögen die kleinen Superkreativen viel Aufmerksamkeit erregen und die Presse fliegt darauf. Sobald der Markt aber reifer wird, zieht ein bis anhin unbedeutender, aber klar fokussierter Konkurrent an einem vorbei.
Da sehe ich dann doch noch eine Parallele zum Filmgeschäft. Wir mögen es als Zuschauer gar nicht, wenn Schauspieler zu viele verschiedene Typen in verschiedenen Genres spielen…
@Daniel: Ich stimme Dir da nicht in allen Punkten zu. Es gibt sehr wohl billige Independent-Filme mit kleinen Budgets, die zu grossen Erfolgen wurden. Zuletzt z.B. “Once”, das fuer ca. $100k produziert wurde, dieses Jahr einen Oscar gewann und schon Dutzende von Millionen eingespielt hat. Gefilmt mit zwei Consumer-Videokameras.
Hingegen fallen auch grosse Studios immer wieder mit vermeintlich sicheren Hits auf die Nase.
Es stimmt natuerlich (das steht ja auch in meinem Beitrag explizit), dass Web 2.0 noch nicht viel Ahnung hat, wie die Kommerzialisierung wirklich laufen soll. Das wird zum grossen Problem werden. Und ich glaube darum, dass wir noch keine wirklich tragfaehige Form von Web-2.0-Unternehmen gesehen haben bisher.
@Andreas
Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Hilf mir bitte weiter. Was versteht du unter der Web 2.0 Branche.
Unternehmen die für andere Unternehmen Web 2.0 Applikationen erstellen oder verstehst du darunter Unternehmen die in unterschiedlichen Branchen und Märkten Web 2.0 Technologie einsetzen. Oder Unternehmen die Ihr Geschäftsmodell auf Web 2.0 aufbauen – egal in welcher Branche?
Das Problem der VC’s ist, dass sie sich bei Web 2.0 Startups auf Nutzerzahlen und Wachstumsraten beziehen, welche auf ein verbrauchtes Online-Klick-Werbemodell abzielen, anstatt die Geschäftsidee und ihr Potenzial ansich zu bewerten.
Hochwertige Bezahl-Inhalte od. Collaborations-Möglichkeiten mit gutem Gewinnpotenzial wird man sicher nur einer Nischen- oder Randgruppe (und nicht der großen Masse) verkaufen können.
Deshalb kann ich einem Vergleich Web 2.0 / Hollywood nur für den Massenmarkt zustimmen. Fundierte Geschäfte lassen sich da aber auf Grund der Schnelllebigkeit und des Hypes kaum planen und Aufbauen.
Das ist so eines dieser Postings, warum ich diesen Blog lese. Präzise, spannende Gedankengänge “out of the box”.
Danke!
@Daniel: Ich meine mit Web-2.0-Branche in diesem Kontext reine Web-2.0-Firmen wie Facebook, Youtube, Twitter, XING, Yelp etc.
@Andreas
Was macht aus Youtube im Gegensatz zu Ebay ein Web 2.0 Unternehmen? Abgesehen von der zeitlichen Erscheinungsdistanz und das Ebay Geld verdient.
@Daniel: Erstens steht bei Youtube user-generated Content im Mittelpunkt. Bei EBay gibt es auch ein bisschen was davon, aber nur als Begleiterscheinung. Bei Ebay geht es um Transaktionen (typisch Web 1.0), bei Youtube um Content (typisch Web 2.0).
Zweitens ist es auch symptomatisch, dass Youtube bis heute kein Businessmodell gefunden hat und ganz ohne eins gestartet ist. Das ist (leider) charakteristisch für die Web-2.0-Welle.
o.k.
lass mich bitte noch ein wenig nachhaken. Ist google web 2.0 weil es um Content geht. Oder ist google web 1.0 weil es den Content selbst holt. Wenn google Web 1.0 ist, weil es den Content selbst holt, zu welcher Kategorie zählen wir dann immo.search.ch?
@daniel: na google ist suche, und suche ist ja nun (neben portal, auktion und e-commerce) ne ganz klassische web 1.0 anwendung, die anzeigen werden über einen auktionsverfahren bepreist, also noch eins.nulliger gehts nicht. ist halt das mit abstand erfolgreichste web 1.0 unternehmen der welt. bei web 1.0 ist inzwischen ja ganz klar welche modelle geld verdienen (diese vier), und welche unternehmen die sieger sind. aber das gibts ja auch schon ne weile. bei web 2.0 ist alles offen. und in der tat sieht es aktuell relativ schlecht aus für web 2.0 geschäftsmodelle…
Sorry, suche ist 1.0? Was ist denn mit all den schönen Web 2.0 Suchmaschinen?
Ich finde es ja toll, wenn wir in unserer Industrie regelmässig neue Buzzwörter erfinden, um Projekte zu verkaufen. Aber die Buzzwörter werden richtig gefährlich, wenn wir zu viel “Magie” in sie hinein interpretieren.
Schauen wir youtube an. Es ist doch schon jetzt klar, wie youtube Geld verdienen wird. Sie haben den ebay Weg; wo Inhaltsanbieter ihre Videos zum Verkauf anbieten und youtube eine Transaktionsgebühr erhält (Pay tv – on Demand oder Flat). Es steht der Google weg offen; wo youtube Ad-Words und Spots kostenpflichtig platzieren (Free TV).
Das youtube noch nicht diesen Weg geht, ist aus meiner Sicht verständlich. Solange die wasserdichten Verträge mit den Majors aus Hollywood und der Musikindustrie fehlen, ist es billiger nichts zu verdienen, als später hohe Strafzahlungen zu berappen. Hier läuft meiner Meinung nach noch der Kampf um die zukünftige Mautstelle.
(Als weitere Quelle gibt es noch den Gebührenfinanzierten Weg, könnte für ein Web 2.0 Plattform mit „Anspruch“ funktionieren…)
Um das richtige Geschäftsmodell zu finden, steht für mich an erster Stelle die Frage; „in welchem Geschäft sind wir?“. Web 1.0 oder Web 2.0 kann nicht die Antwort darauf sein. Denn youtube und xing haben völlig unterschiedliche Erfolgsfaktoren. Während youtube und ebay beide spannende Angebote brauchen, um eine grosse Userbasis zu halten.