medienlese – der Wochenrückblick

Radio Multikulti und “Polylux” gestrichen, Mitarbeiter und Journalisten ausgeforscht, Verweigerer unerwünscht und Fußball-Quoten nur stabil.

Der RBB streicht “Polylux”, Moderatorin Tita von Hardenberg gibt Durchhalte-Parolen im Internet: “Von Polylux bleibt Polylog. Nach dem Fernsehen kommt das Netz.” Für das ebenso eingesparte Radio Multikulti machen sich unterdessen Unterstützer stark. Unser Kommentar: “Sparen am falschen Ende.”

Konzernsicherheit – ein Wort macht Karriere. Es hat etwas vom Sound aus alten Wallraff-Tagen, als deutsche Unternehmen bewaffnete Einheiten aufstellten. Diesmal wird nicht gleich geschossen, sondern elektronisch überwacht. Nach Lidl gibt es nun auch schwere Vorwürfe gegen Burger King. Mitarbeiter sollen intern bespitzelt worden sein, berichtet die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. An Meldungen dieser Art hat man sich beinahe gewöhnt – wo eine Kamera, da auch Überwachung.

Noch eine Spur härter sind allerdings die Spitzel-Vorwürfe gegen die Deutsche Telekom. Telefonverbindungen von Telekom-Managern und Aufsichtsrat sollen nach einem Bericht des Spiegel von der Konzernsicherheit ausgeforscht worden sein, um Kontakte zu Journalisten aufzudecken.

Die Bundeswehr hat schicke Veranstaltungen für Journalisten im Programm – allerdings dürfen Wehrdienstverweigerer nicht teilnehmen. Nur wer die Frage “Ham se jedient?” bejahen kann, darf zum Beispiel bei der Luftwaffe rumschießen und eine Übung in Sardinien mitmachen, berichtet die taz. Weil nicht alle bei der Bundeswehr-PR mitmachen dürfen, ist selbstredend die Pressefreiheit in Gefahr. Ballern für alle und zwar sofort!

EM-Fieber noch nicht voll ausgebrochen: Die Einschaltquoten bei Spielen der Uefa Champions-League im Schweizer Fernsehen ist im Vergleich zum Vorjahr “stabil geblieben”. Im Zürcher Blogwerk-Büro hängen hingegen schon die Fähnchen …

Besonders interessant fanden medienlese.com-Leser in der vergangenen Woche den Link auf die Anleitung zum gelungenem “Medienstunt für 40 Euro”. “Sind Blogs eigentlich links” von Klaus Jarchow war der Artikel, der am häufigsten aufgerufen wurde.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. arbiter
    schrieb am 26. Mai 2008 um 00:00 Uhr (#)

    Sieh an, da sortieren sich die Kommissköppe ihre embedded Kriegsberichterstattung zusammen, machen den Gesinnungsschnüffler. Von Gender Mainstreaming und ministerieller Anweisung für sowas nach EU-Verdikt `ham se nich jehört´, aber völlig gleichberechtigt Journalistinnen und Journalisten eingeladen. Nun `wissen se nich´, wie die Journalistinnen ticken, weil die nicht können: den Wehrdienst verweigern. Also nicht nur Pressefreiheit mal wieder durch Militär in Gefahr, sondern gleich auch Artikel 3 Satz 2 und 3 des GG, das immer noch keine Verfassung ist. Jetzt, wo die BRD sowieso auf dem Weg zum Feudalstaat ist, wird Hofberichterstattung wieder in. BananenRepublik D! Echt süß.

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