“Blog-Post Confidential”

Ole Reißmann, 25. Mai 2008 11:39 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Leben im Netz, mit allen Konsequenzen: Die ehemaligen Gawker-Bloggerin Emily Gould berichtet im Magazin der New York Times. Überschrift der Selbstentblößung: “Exposed”.

New York Times Sunday Magazine, 25. Mai 2008Eine junge Bloggerin zieht nach New York City und fängt bei Gawker an – der erfolgreichen Mischung aus Branchendienst und Klatschpresse, garniert mit YouTube-Videos und persönlichen Fehden. Der Stil ist überheblich wie gnadenlos, die Geschichten banal, böse und mitunter auch brillant. Die Medienszene Manhattans jedenfalls liebt und liest Gawker. Die 24-jährige Emily Gould ist mitten drin, schreibt ein Dutzend Posts jeden Tag, hat Tausende Leser. Plötzlich interessieren sich Hunderte Menschen für ihr Privatleben, finden und kramen in den Archiven ihres privaten Blogs, werden persönlich. Und sie spielt mit – durchlebt Krisen, doch lebt weiter öffentlich online. Zwei Jahre später zieht sie ein deutliches Fazit und schreibt von ihren Zweifeln:

I had made my existence so public in such a strange way, and I wanted to take it all back, but in order to do that I?d have to destroy the entire Internet. If only I could! Google, YouTube, Gawker, Facebook, WordPress, all gone. I squeezed my eyes shut and prayed for an electromagnetic storm that would cancel out every mistake I?d ever made.

Gawker.com is a blog based in New York City that bills itself as “The source for daily Manhattan media news and gossip” and focuses on celebrities and the media industry with a funny, sarcastic or “snarky” voice. Founded in 2002, Gawker is the flagship blog for Nick Denton’s Gawker Media; Gawker is one of the most successful nanopublishing ventures to date. (Wikipedia)

Der ausführliche Artikel erscheint heute im Magazin der New York Times. Sie hat ihr Leben öffentlich gemacht – und berichtet schonungslos über zwei verrückte Jahre bei dem bewunderten Blog-Netzwerke Gawker Media. Schreibt über ihre Beziehungskrise, über persönliche Verletzungen, rechnet ab mit einem unfairem Partner. Darüber, wie es ist, plötzlich ein Internet-Star, ein klein wenig berühmt zu sein.

Selber Schuld? Schon. Aber “Exposed” erzählt nicht nur, warum es so weit kommen konnte und was der schnelle, aggressive Online-Journalismus mit Gould gemacht hat, sondern auch viel über das System Gawker.

The new journalism is solitary, poor, nasty, brutish, and short.

Was genau dieser kraftmeiernde Spruch von Gawker-Chef Nick Denton bedeutet, erzählt Emily Gould.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Kai
    schrieb am 25. Mai 2008 um 15:19 Uhr (#)

    >> The new journalism is solitary, poor, nasty, brutish, and short.

    > Was genau dieser kraftmeiernde Spruch von Gawker-Chef Nick Denton bedeutet…

    Er bedeutet eigentlich nur, dass Denton seinen Hobbes gelesen hat – und den neuen Journalismus (genauer: den New New Journalism, nicht den mit einem “New” von Tom Wolfe, Hunter S. Thompson, u.a.) mit dem Leben im Naturzustand vergleicht. – Clever vielleicht, aber weder originell noch kraftmeiernd…

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