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Kontrollierte Umluft

Wolf-Dieter Roth, 24. Mai 2008 13:37 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Computer Reseller News gibt es nicht einfach am Kiosk – man muss sich erst als geeigneter Leser qualifizieren. Dafür soll es für die Werbekunden eine aufmerksame und erlesen Zielgruppe geben. “Controlled Circulation” heißt das Prinzip.

Lüfter im Rechner: Controlled Circulation? (Bild William Hook, Creative-Common-Lizenz)Speziell für Computerhändler gibt es das crossmediale Angebot Computer Reseller News. Wir waren zu Besuch bei dem Verlag CMP-WEKA vor den Toren Münchens im oberbayerischen Poing, um mehr über “Controlled Circulation” zu erfahren.

“1995 haben wir das Prinzip Controlled Circulation in den deutschen Markt erstmals eingeführt”, so Markus Reuter, Chefredakteur von Computer Reseller News (CRN), bei einer vom Bayerischen Journalistenverband organisierten Veranstaltung.

Zuvor gab es anstelle des coolen Anglizismus in Deutschland nur den altbackenen Begriff “Kennzifferzeitschrift”. Das Prinzip:

Die Bezieher der anzeigenfinanzierter Zeitschrift erhalten diese gratis, müssen sich aber als geeigneter Leser qualifizieren, um so den Inserenten etwas für ihr Geld bieten zu können.

Statt Abo: Daten rausrücken!

Seit 1960 (nicht 1995, wie Reuter verkündete) gibt es dies in Deutschland, auch Österreich und die Schweiz haben derartige Magazine. Der Anglizismus “Controlled Circulation” darf dabei nach einem Beschluß von 1967 nicht mit “kontrollierter Verbreitung” übersetztw erden, da man dabei hierzulande an die Auflagenkontrolle durch die IVW denkt, während es sich bei CC um verlagsinterne Kontrollen handelt.

Neben dem Printobjekt erhalten 35.000 Abnehmer bei Computerhändlern und Systemhäusern auch Newsletter, Website und Videos (“CRN TV”). Die Händler haben wenig Zeit, daher schicke man ihnen auch nur einen Newsletter pro Tag, so Reuter. Und einmal die Woche die Zeitschrift. Wettbewerber wie Channel Partner ballern ihre Leser zu ihrem Leidwesen und dem der mit der Erstellung so vieler Nachrichten geplagten Redakteure mit bis zu vier Newslettern am Tag zu.

Zwischen Print und Online gibt es große Unterschiede, die eine Übernahme der Texte ins andere Medium praktisch unmöglich machten, so Reuter: Während man bei Print schon einmal “der Redmonder Softwarergigant” schreibe, müsse Online unbedingt 20x “Microsoft” im Text stehen – wegen der Google-Optimierung. Ein Traum für alle PR-Schreiber, denen bislang von 20 Firmennennungen im Text beim Druck 19 gestrichen wurden.

Radau im Forum

Weniger gut lief es mit den CRN-Online-Foren, in denen anfangs wie bei Heise 600 Kommentare pro Artikel aufliefen, mit Fäkalsprache und Beleidigungen, allerdings nicht der Redakteure und Autoren, sondern konkurrierender Händler. Seitdem man sich zum Kommentieren anmelden muss, ist die Situation unter Kontrolle, so Reuter. Klickstark laufen dagegen “Tittenbilder”: Fotostrecken mit Messehostessen und Partybildern mit begleitenden Leserkommentaren.

Wie bei allen Verlagen spielen inzwischen Events finanziell eine große Rolle. Bei CRN ist dies der “Planet Reseller”, mit dem man schon auf der Systems eine der hinteren Hallen füllte und seit diesem Jahr auch auf der CeBIT. Der IT-Platzhirsch Hannovers kam mit “Heise Resale” dagegen bislang nicht vom Fleck.

Die guten Zeiten der Jahrtausendwende mit 250 Seiten zur CeBIT sind allerdings für immer vorbei; heute sind noch 70 bis 100-Seiten-Hefte machbar. Print ist für das Anzeigengeschäft noch auf lange Zeit wichtiger als Online.

12 Redakteure sind insgesamt bei CRN, Freie können zuliefern, solange sie nicht für die Konkurrenz Channel Partner von IDG tätig sind. Allerdings ist thematisch nicht Technik gefragt, sondern die Wirtschaftskomponenten: Marketing, Sales, Channel…

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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