Schmidt & Pocher:
Charlotte Roche in der Trockenzone

Nur keine Obszönitäten: Einen Monat nach dem Debakel mit Lady Bitch Ray geben sich Schmidt & Pocher bei dem Besuch von “Feuchtgebiete”-Autorin Charlotte Roche mehr als handzahm.

Charlotte Roche und Lady Bitch Ray (Bilder Keystone)Es war doch an alles gedacht: Lustiger Einspielfilm mit Frank-Schirrmacher-Bashing, dumpfe Zoten aus dem Niveaukeller – und doch hatte Harald Schmidt seine Mühe mit Skandalgast Lady Bitch Ray. Das die Provokateurin vor einem Monat überhaupt in der Show war, ist zu großen Teilen der Verdienst von Charlotte Roche und ihrem deutlichen Buch “Feuchtgebiete”. Diese Woche war die Bestseller-Autorin kurz zu Gast bei “Schmidt & Pocher”.

Wir zeigen vier Videos zur Erklärung. Eigentlich haben Schmidt & Pocher es nicht so mit dem Niveau:


Aber vor einem Monat wurde es noch schlimmer. Der Auftritt von Lady Bitch Ray geriet zur peinlich-grotesken Farce, die Moderatoren waren dem provokanten Auftritt hilflos ausgeliefert (hier der erste Teil):

Harald Schmidt konnte am Ende der Sendung nur mit Mühe etwas Würde wahren, indem er seinem sichtlich überforderten Co-Moderator Oliver Pocher ordentlich in die ohnehin vollkommen versemmelte Parade grätschte:

Das alles braucht es an Vorwissen, um den netten Auftritt von Charlotte Roche am Donnerstagabend zu begreifen. Roche war charmant wie immer – nur Schmidt und der ignorierte Pocher waren uninspiriert. Explizite Details des sekretgefüllten Romans blieben außen vor, die Zoten waren harmlos, kein Einspielfilm, keine Referenzen an den immer noch bass erstaunten und angetörnten Medienbetrieb:

Die erregten Rundfunkwächter (etwa vom Rundfunkrat des SWR) können zufrieden sein: Bloß keine schlimme “Gossensprache” im grundsoliden Ersten. Schmidt & Pocher bleiben vorerst Trockenzone.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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Pocher bringt den guten, alten Schmidt zurück (rp-online.de, Judith Conrady) Wer hätte das gedacht: Mit Oliver Pocher an seiner Seite ist Harald Schmidt plötzlich wieder das, was er einmal war - zu seinen besten Zeiten. ProSieben-Pocher bringt uns in der ARD den Sat.1-Schmidt zurück. Abwegige Ideen, beißende Ironie - alles, was Schmidt in den meisten seiner ARD-Sendungen fehlte, ist plötzlich wieder da. Sausenclown und Feinschliffwitzler (spiegel.de, Daniel Haas) Das soll der Untergang des Abendlands gewesen sein? Als solchen hatten Kritiker die Schmidt-Pocher-Verbindung eingestuft. Die Premiere aber zeigte: Olli und Harry verursachen keine kulturellen Flurschäden. Sie schaden noch nicht mal der ARD. Wie ein getunter Andrack (sueddeutsche.de, Christian Kortmann) Die Premiere von "Schmidt & Pocher" war ein planloses Probieren vor Publikum: Harald Schmidt wirkte nachhaltig träge, Oliver Pocher erstarrte in Respekt vor dem großen Partner. Jungs, das muss noch besser werden (welt.de, Martin Klein) Den Auftakt sollte und wird man schnell vergessen; "Schmidt & Pocher", die Erste, war nicht gut. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, es werden gute, bestimmt auch noch brillante Sendungen folgen, doch das Debüt der mit Spannung erwarteten Moderatorenallianz taugte wenig. Schmidt & Pocher, sie habens getan! (monsieurfischer.ch) "Zusammengefasst habe ich mich während der Stunde Schmidt & Pocher gut amüsiert. Beide haben das gebracht, was ich von ihnen erwartet habe. Oder vielleicht sogar noch etwas mehr. Pocher hat nämlich gezeigt, dass er nicht nur Kollegen auslachen und andere Leute beleidigen, sondern durchaus auch wirklich witzig sein kann. Schmidt seinerseits war der erwachsene Lehrer, der sich hie und da mal unwissend stellte, was 'junge Themen' angeht." "schmidt & pocher": die premiere live. (popkulturjunkie.de) "Wirklich eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Ich hatte mich wirklich auf die Show gefreut, weil ich eine ernsthafte Hoffnung hatte, dass Pocher frischen Wind in die Sache bringen kann. Konnte er leider überhaupt nicht. Entweder er hatte Schiss vor den ARD-Gremien oder vor sich selbst. Schmidt macht die Sendung anscheinend auch nur noch, weil er wenigstens an einem Tag pro Woche mal aus dem Haus gehen will. Ob die Welt diese lahme Sendung braucht - da bin ich extrem skep

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Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

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Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

14 Kommentare

  1. Lukas
    schrieb am 24. Mai 2008 um 13:51 Uhr (#)

    Vielleicht muss ich meinen Empörungsmesser doch mal kalibrieren. Wenn Ihr den Auftritt von Lady Bitch Ray schon so schlimm fandet, war er es vielleicht wirklich. (Ich fand ihn ja eher so bemüht ARD-provokant und sonst langweilig.)

  2. TOM
    schrieb am 24. Mai 2008 um 16:23 Uhr (#)

    charlotte ist super, die braucht sich nicht mal zu bemühen und ist witzig und charmant – lady bitch ray lernt ihre sprüche nur auswendig und wiederholt die selbe scheiße immer und immer wieder, nach dem dritten mal wird´s einfach nur dumm und anstrengend

  3. arbiter
    schrieb am 24. Mai 2008 um 17:15 Uhr (#)

    Muß man eine von den Ladies mögen? Oder darf man beide ablehnen? Die wollen doch immer nur das Eine: … Kohle!

  4. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 24. Mai 2008 um 17:32 Uhr (#)

    @Arbiter: Wieso fällt mir jetzt grad auf, daß Verona Pooth auch noch optisch danebenpassen würde? =:-)

  5. arbiter
    schrieb am 24. Mai 2008 um 17:53 Uhr (#)

    @ WOILF-DIETER ROTH: Na, weil von Kohle die Rede ist. Die wollte/will Frau Poth schon/noch immer. Mal schauen, ob Franjo was gebunkert hat.
    Andere Frage: Für welche Produkte könnten Bitch ray und Charlotte erfolgreich werben? Bausparverträge?

  6. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 24. Mai 2008 um 19:58 Uhr (#)

    Bitch: Beate Uhse und Rechtsschutzversicherungen
    Charlotte: KHakle feucht

    Macht sich im TV imemr sehr gut beim Abendessen, diese Werbung. :D

  7. arbiter
    schrieb am 24. Mai 2008 um 20:17 Uhr (#)

    Sachen gibts, die gibts gar nicht: TV und Abendessen. Ernüchternd! Da kommt für den Verdauungsspaziergang niemand mehr um eine Rechtsschutzversicherung rum, weil die Blättersammlung sowieso nie an der Perforation reißt.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 24. Mai 2008 um 21:44 Uhr (#)

    Ich esse nicht beim Fernsehen. Bin kein Ami, die kennen ja extra “TV Dinner” (Mikrowellenfraß).

    Aber Rudi Carell hat das mal wunderschön gezeigt, zum Abendessen den Fernseher an, um schnell die Nachrichte zu sehen, und einem Familienmitglied nach dem anderen wurde bei der Werbung davor übel “dank” Femina Hygiene & Co.. Besonders gemein war dann allerdings “Bärenmarke in den Tee” mit einem Bär, den ein größeres bäriges Bedürfnis plagte…

  9. arbiter
    schrieb am 24. Mai 2008 um 22:26 Uhr (#)

    Och, wer in Italien mitbekommen hat, wie ganze Familien mit dem Glotzophon die Bude heizen, so ab 7:00h in der Früh bis nach 23:00h, unabhängig von der Jahreszeit und immer schön im Blickfeld, egal was sonst noch dran ist, und wenn es bloß Besuch ist, den stören bärige Bedürfnisse nicht so sehr. Vielleicht muß wer im deutschen Freistaat auch so leben, damit er/sie die 2 femininen Unästheten super findet?

  10. Heidi Keller
    schrieb am 26. Mai 2008 um 08:04 Uhr (#)

    Alte, hässliche Männer dürfen ungeniert ihre abartigsten Sex-Fantasien in ihren Büchern ausleben und Ihr nennt es Literatur und hört ergriffen zu, wenn sie in TV und Runffunk ihr Gefieder spreizen. Junge Frauen, die das selbe tun, werden an den Pranger gestellt. Wie einst im Mittelalter. Ja wo und wann leben wir denn eigentlich? Aufwachen, Machos!

  11. arbiter
    schrieb am 26. Mai 2008 um 10:29 Uhr (#)

    Einverstanden, daß alterswilde Gesabber über Sex unter dem Roman-Tik-Begriff Liebe, in korrekte Deutschsprach verpackt, ist NICHT Literatur, auch wenn sogenannte Meinungsbildner und Liebediener anderes behaupten. Ab und zu sagts ihnen Frau Heidenreich dann. Andererseits, der Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek ist doch schon mal was, zumindest nicht an einen alten, häßlichen Mann, oder?

  12. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 26. Mai 2008 um 10:30 Uhr (#)

    Na ich kenne es genau umgekehrt, liebe Heidi: Wenn man als Mann über Sex schreibt, wird man gebasht und zur Sau gemacht, kaum daß mal irgendwo ein Witz drin ist. Allerdings nicht von den Frauen, sondern von anderen Männern, die sich das nicht trauen und sich über einen ärgern.

    Wenn man als Frau über Sex schreibt, kann es dagegen so ein Müll wie “Feuchtgebiete” sein und verkauft sich trotzdem wie geschnitten Brot.

    Die Bücher der alten hässlichen (seit wann gibt es Männer als Foto auf dem Cover?) Männer mag es auch geben, aber ein Verkaufserfolg sind sie wohl nicht, oder zumindest nicht mehr. Ist einfach nicht so interessant. Und alle “bedeutende” Sexliteratur der letzten Jahrzehnte nach Henry Miller (der wohl auch nur seinen Namen hergab, da waren ja die Frauen eigentlich mit dran beteiligt) war eigentlich von Frauen, ob die Geschichte der “O” oder diese Frau Millet, die ihre sexuellen 8aber nicht besonders erotischen) Abenteuer unbedingt meinte, verlegen zu müssen, damit man sie ihr später noch glaubt.

    Ich finde es sehr gut, daß Frauen heute über Sex offen schreiben können, was früher nicht möglich war. Aber es sollte nicht so mißbraucht werden wie von “Lady Bitch” oder auch der sonst doch ganz intelligenten Charlotte. Aber sie hat wohhl seit ihren Vorwerk-Lesungen das Schocken gelernt.

  13. arbiter
    schrieb am 26. Mai 2008 um 11:29 Uhr (#)

    Na ja, Martin Walser oder J.M. Coettzee mühen sich derzeit wohl am Alterssex ab, ein wenig auch Louis Begley. Wenn man bedenkt, daß sich Arno Schmidt wegen Pornographievorwürfen vor Gericht hat verantworten müssen, Andersch das zurückwies, dann haben wir Männer es natürlich inzwischen weit gebracht. Im übrigen, es beschwert sich ja niemand über den lieblosen Umgang mit der körperlichen Liebe in der Literatur wirklich. Alle viel zu sehr Voyeur. Aber erlaubt muß sein, fehlenden Anstand anstandslos zu beanstanden

  14. Niclas
    schrieb am 28. August 2008 um 22:55 Uhr (#)

    Das Video mit dem Gespräch mit Charlotte Roche ist bei youtube gelöscht worden (warum auch immer).

    Gibt es dieses Video noch wanders zu sehen?

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