Unternehmertum und Mentalität:
Von Nörglern, Realisten und Opportunisten

Dass Erfolg im Unternehmertum von vielen verschiedenen Faktoren abhängt, ist klar. Aber welche Rolle spielt das unmittelbare Umfeld, das Land, in dem ein Startup entsteht? Wie wichtig ist die Grundhaltung der Umgebung zu Unternehmertum? Ein paar Gedanken zu Mentalitäten und geistigen Standorten.

“Klar, klingt interessant, kommen Sie morgen doch einfach vorbei.” Ich konnte es kaum glauben. Hatten wir wirklich gerade in New York bei einem der grössten Konzerne der Welt einen Termin auf höherer Managementebene bekommen — beim Leiter der Unternehmensentwicklung –, um unser bescheidenes neues Startup vorzustellen? Und das nach gerade mal einem “kalten” Anruf?

Jawohl. Denn Unternehmertum in den USA funktioniert in vielen Dingen anders, als ich es von meinen Erfahrungen aus dem deutschsprachigen Europa her gewohnt bin — insbesondere das Verkaufen. In der Schweiz wäre man so weit überhaupt nur gekommen, wenn man ein paar alte Beziehungen (die bis knapp vor die napoleonische Zeit zurückreichen müssten) hätte ausspielen können. In Deutschland hätte man sich erstmal durch mindestens drei Hierarchiebenen von Assistenten, Referenten und Abteilungsleitern durchgraben müssen (mit je einem Termin vor Ort im sicheren Abstand von jeweils einigen Wochen), bis man zum Chef vorgelassen worden wäre. Aber in den USA kriegt man eben mal so einen halbstündigen Termin bei wirklich wichtigen Leuten ohne weiteres.

Das ist einer der wichtigsten Unterschiede, die ich in meinen transatlantischen Erfahrungen bisher feststellen konnte. Ich habe schon Firmen in der Schweiz mit Geschäftsstellen in Deutschland mit aufgebaut und kenne darum die Verhältnisse in diesen beiden Ländern bestens. Nun bin ich mit einem Startup-Projekt in den USA beschäftigt und treffe viele erwartete und fast noch mehr unerwartete Unterschiede an. Und mit der Zeit macht man sich so seine geistige Landkarte dazu, wie Unternehmertum in diesen drei Ländern eben unterschiedlich funktioniert, wie sich insbesondere die Mentalitäten unterscheiden.

Das Land der Dichter, Denker und … Defätisten?

Deutschland, um es etwas plakativ zu formulieren, ist das Land der Nörgler und Neider. Das denken zumindest die Deutschen, und so völlig unrecht haben sie nicht mal unbedingt. Man kriegt in Deutschland sehr schnell zu hören, warum eine Idee nicht funktionieren wird, was alles schiefgehen könnte, warum so ähnliche Ideen schon früher nicht geklappt haben. Skepsis herrscht auf allen Ebenen, bei Kunden, Mitarbeitern, Geldgebern und der Presse. Erfolgreiche Unternehmer und gutbezahlte Manager werden meistens semi-krimineller Machenschaften verdächtigt, denn sonst könnten die ja kaum materiell so gut gestellt sein.

Interessanterweise sind die Deutschen dieser ihrer eigenen Mentalität gegenüber inzwischen selbst so kritisch eingestellt, dass zumindest in der Startup-Szene selbst massvoller Realismus gleich schon als “typisch deutsche Nörgelei” beschimpft wird. Deutschland hat die Nörgelei als wirtschaftliches Problem erkannt und versucht sie mit typisch deutscher Gründlichkeit zu beseitigen. Dass gerade im Startup-Bereich die Nörgelfreiheit manchmal in unbegründeten Überschwang und künstliche Begeisterung für jede noch so dämliche Idee ausartet, wird dann oft übersehen. Was für dünne Ideen bei manchen Startup-Wettbewerben dann grosse Preise gewinnen, ist fast schon amüsant. Die richtige Balance zu erreichen, scheint irgendwie schwierig zu sein.

Dafür gibt es kaum ein Land — das Klischee stimmt –, in dem gewissenhafter und exakter gearbeitet wird als in Deutschland. Das ist ein enormer Vorteil, wenn es um wirklich substantielle technische Innovationen geht. In Bereichen wie Web 2.0 hingegen, wo es weniger um harte Technik als um kreative Konzepte geht, ist diese Mentalität kein grosser Vorteil. Darum überrascht es auch nicht, dass die wenigen erfolgreichen deutschen Web-Startups Konzepte verfolgen, die von amerikanischen Vorbildern, äh, inspiriert sind, aber dafür in vielen Fällen auch mit deutscher Perfektion umgesetzt werden.

Vornehme helvetische Zurückhaltung

Die Schweiz hingegen ist geprägt von einem stark konservativen Realismus. Der Schweizer ist stolz darauf, nicht gleich jeden neuen Jux mitzumachen, sondern erstmal abzuwarten, ob sich hinter einer Neuerung auch Substanz verbirgt. Zwar steht man Innovationen gegenüber grundsätzlich positiv gegenüber, aber man schaut sich erstmal an, welche Erfahrungen andere Leute/Firmen/Länder machen, bevor man sich in ein Abenteuer stürzt. Diese Vorsicht kann manchmal nützlich sein, aber gerade in den heutigen schnellen Märkten kommt man mit so einer Einstellung oft schlicht zu spät. Ein aktuelles Beispiel sind die finanziell zunehmend gebeutelten Schweizer Banken, die offenbar erst vor kurzer Zeit zur Erkenntnis kamen, dass Subprime-Hypotheken eine interessante Anlage sein könnten — als die schlaueren amerikanischen Investoren schon wieder am Aussteigen waren. Auch der anderswo wilde Dot-Com-Tornado der Jahrtausendwende war in der Schweiz vergleichsweise nur ein laues Lüftchen.

Für Startups ist das ein anfangs ziemlich anstrengendes Umfeld, denn während man in Deutschland die Leute überzeugen muss, aber wenigstens auch kann, sind schweizerische Kunden oft einfach aus Prinzip zurückhaltend, wenn etwas neu ist. Aber sobald sich die Meinung festigt, dass eine neumodische Sache doch irgendwie nützlich sein könnte, greifen die Kunden dafür auch zu und sparen nicht. Die Schweizer sind wie kaum eine zweite Nation bereit, für hohe Qualität viel Geld zu zahlen. Darum neigen Schweizer Startups dazu, eher spät in die Gänge zu kommen, anfangs langsam zu wachsen, aber dafür gute Profite zu machen. Und auch hier ist die technische Substanz sehr solide.

Etwas wie Web 2.0 ist hingegen beinahe schon antithetisch zur Schweizer Mentalität, denn nicht nur ist das alles sehr neu, nein, user-generated Content erfordert auch noch eine Bereitschaft zum offenen Ausdruck und zur Selbstvermarktung, die nun so gar nicht zur helvetischen Kultur passt. Kein Wunder, dass es sehr wenig schweizerische Web-2.0-Startups gibt, von denen die meisten auch gleich zu Beginn ein starkes internationales Standbein aufbauen.

Und das ist nicht untypisch für das Land: Internationalisierung von Beginn weg ist die grosse Stärke der Schweizer Unternehmen. Wer in einem Land zu Hause ist, das von der Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft gerade mal einem der bedeutenderen städtischen Grossräume in den USA entspricht, kann gar nicht anders, als möglichst früh ins Ausland zu expandieren. Mehrsprachigkeit kennen die Schweizer sowieso von Kindesbeinen an, und das ist allemal ein Vorteil bei der globalen Expansion.

US-Überschwang und -Umgestaltungsfreude

Aber wie sind die Amerikaner nun im Vergleich dazu? Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen in den USA bin ich der Überzeugung, dass sich die Unterschiede aus Unternehmersicht eigentlich auf zwei wesentliche Aspekte herunterkochen lassen. Alle andere Faktoren, die oft zitiert werden (Verfügbarkeit von Venture Capital, Innovationsfreude, besseres Marketing usw.) sind letztlich Folgen davon.

Erstens: Der amerikanische Markt ist schlicht und ergreifend mit weitem Abstand der grösste homogene Markt auf der Welt, und darum denken die Amerikaner gleich von Beginn weg in viel grösseren Dimensionen. Die EU, Indien und China haben inzwischen jeweils deutlich mehr Einwohner als die USA, sind aber kulturell und sprachlich stark fragmentiert. Trotz gewisser regionaler Unterschiede kann man hingegen in Amerika mit 300 Millionen Leuten ins Geschäft kommen — in der gleichen Sprache, mit der gleichen Währung, unter dem gleichen Rechtssystem und unter zumindest sehr ähnlichen Geschäftsgepflogenheiten.

Das unterschätzt man oft, wenn man die USA von aussen betrachtet. Der Markt ist 3.75 mal grösser als der deutsche und 40 mal so gross wie der schweizerische. Daraus entstehen Economies of Scale, die man anderswo schlicht nicht findet. Selbst eine relativ bescheidene Nischenidee kann im US-Markt noch genug Interessenten finden, um lebensfähig zu sein. Und eine richtig tolle Idee kann nirgends schneller wachsen. Die meisten amerikanischen Technologiestartups denken darum nicht wie viele europäische in der Dimension “Wie kann ich meine erste Million Umsatz erreichen”, sondern planen gleich schon mal zu Beginn für hundert Millionen.

Der zweite Faktor ist die amerikanische Mentalität, die von Offenheit, Optimismus und dem Willen zur Selbstverbesserung geprägt ist. In Europa findet man nicht wenige Leute, die zu Beginn ihrer Karriere mal eine Berufsausbildung gemacht haben und davon ausgehen, ihr ganzes Leben in diesem Beruf bleiben zu können (und das auch wollen). Für die meisten Amerikaner ist das eine absurde Vorstellung: Das Leben dreht sich für sie darum, sich laufend zu verbessern. Man trifft darum auch selten Amerikaner, die wirklich stolz auf ihren Beruf sind, denn sie denken schon an den nächsten. Das ist einerseits erfrischend, andererseits spürt man das in oft mangelnder Qualität und sehr kurzfristigem Denken. Denn warum soll man sich in seinem Job heute besonders viel Mühe geben, wenn man morgen schon ganz woanders sein will?

Im Geschäftsleben äussert sich diese Einstellung durch eine ausgesprochene Chancenorientierung. Amerikaner können sich schnell für alles begeistern, was nach “Opportunity” aussieht. Darum kriegt man als Startup schon früh im Verkaufsprozess ungewohnt viel Aufmerksamkeit — nicht, weil sich der Interessent besonders für die Innovation als solche begeistert, sondern weil er sich erhofft, mit dieser Neuheit seine eigene Position verbessern zu können. Aber genauso schnell, wie man Aufmerksamkeit kriegt, verliert man sie auch wieder, wenn sich die Resultate nicht als so nützlich herausstellen wie erhofft.

Dass diese Mentalität recht schnell zu irrationalem Überschwang mit anschliessenden massiven Einbrüchen führt, erleben wir gerade mal wieder an dem Problemen im Kreditmarkt und sehen wir auch in der Internet-Branche, wenn mal wieder irgendein windiges Startup auf unglaubliche Firmenbewertungen hochgejubelt wird, nur um kurz später demontiert zu werden. Schnelllebigkeit gehört zu den nationalen Gepflogenheiten, daran muss man sich in den USA gewöhnen.

Bei all den vielen spektakulären Startup-Erfolgsstories aus den USA geht im Vergleich mit Europa schnell vergessen, dass die Sample-Grösse erstens einfach viel umfangreicher ist und zweitens auch die Quote der Fehlleistungen höher liegt. Nur halten sich weder die Medien noch die Gesellschaft als ganzes mit dem Herumreiten auf Misserfolgen auf, weil es schon längst den nächsten aufstrebenden Unternehmens-Star zu bejubeln gilt. Das ist eben der Vorteil von konsequentem Optimismus.

Von den anderen lernen — falls sinnvoll

Oft investieren europäische Politiker Unsummen in Technologieparks und Förderprogramme in der Hoffnung, in ihrer Region das nächste Silicon Valley heranzüchten zu können. Das ist weitgehend müssig und reine Geldverschwendung. Amerikanischen Innovationsgeist kann man nicht künstlich mit ein paar Büroflächen und Giesskannen-Geldverteilung erzeugen. Denn die Grösse des homogenen US-Marktes kann sowieso kein Land imitieren, und die in Jahrhunderten gewachsene Mentalität der Menschen baut man auch nicht mal eben mit Förderprogrammen um.

Und das ist auch gar nicht nötig, denn wenn sich die jeweiligen Nationen und Regionen auf ihre Stärken besinnen würden, statt andere nur nachzuahmen, hätte das sehr viel mehr Erfolg. Das sieht man am deutschen High-Tech-Mittelstand, an der japanischen Elektronikindustrie und an chinesischen Produktionsbetrieben. Allen drei hat Amerika schlichtweg nichts entgegenzusetzen.

Auch im IT- und Internet- Bereich wäre dafür Platz. Schon mal darüber gewundert, warum der PC so unstabil läuft und heute schon wieder drei Mal neu gestartet werden musste? Die Antwort: Software zu produzieren ist in den USA, die den IT-Markt dominieren, ein Geschäft und keine Kunstform oder Wissenschaft. Qualität steht nicht im Vordergrund, sondern die schnelle Vemarktung. Knapp gut genug ist ausreichend, besser muss es gar nicht sein. Ich bin immer wieder etwas schockiert darüber, was für ein Qualitätsniveau in Amerika als “ready to ship” empfunden wird. Aber während die europäische Konkurrenz sich noch mit endlosen Tests und Verbesserungsrunden aufhält, haben die amerikanischen Softwarefirmen schon die ersten Kunden unter Vertrag — und damit das Rennen für sich entschieden.

Sicher müssen die Europäer pragmatischer und aggressiver werden, aber vielleicht sollten sie sich einfach auch mal auf die Stärke besinnen, ein wirklich hochwertiges Produkt herstellen zu können. Die Zeit dafür wäre durchaus reif, denn die klassische IT ist in einer Phase angekommen, in der es nicht um noch mehr Features geht, sondern um mehr Stabilität, Qualität und Benutzerfreundlichkeit. Und da hätten gerade europäische Firmen sehr grosse Chancen.

Und was ist mit dem Internet? Gern geht immer wieder vergessen, dass einige der Schlüsselinnovationen und -technologien (das Web als solches, MP3, Skype, Linux, MySQL) ihren Ursprung in Europa haben. Die Europäer scheinen gut im Erfinden und Aufbauen von Infrastruktur zu sein, die Amerikaner besser im Entwickeln attraktiver Anwendungen und natürlich in deren Vermarktung. Das ist keine Überraschung, das könnte man aus den Mentalitätsunterschieden ohne weiteres ableiten.

Aber jetzt, da dieses ganze Web-2.0-Zeug nicht mehr so neu ist, kommen die Europäer vielleicht auch bald mal an ihre Chance, ohne einfach nur amerikanische Vorbilder 1:1 nachzuahmen. Vielleicht ist es zum Beispiel Zeit, dem amerikanischen Twitter-Cadillac (oberflächlich attraktiv, aber immer kaputt) mal das Äquivalent eines BMW, Mercedes oder Audi entgegenzusetzen: Etwas weniger exaltiert, dafür zuverlässig und interessant, und verkauft zu einem stattlichen, aber gerechtfertigten Preis. XING ist das beispielsweise im direkten Vergleich mit LinkedIn meiner Meinung nach gelungen.

Mentalitäten ändern sich nicht so schnell, und an der Struktur unserer Welt können wir auch nicht viel ändern. Aber man kann seine eigenen Stärken erkennen und die ausnutzen. Die amerikanische Technologiebranche macht das sehr konsequent, die Europäer müssen es grösstenteils noch lernen.

 

11 Kommentare

  1. Wow, super Artikel! Bin heute erst von zweinull.cc rübergekommen, kannte netzwertig noch gar nicht, aber bin gleich positiv überrascht.

    Der Artikel ist wirklich gut geschrieben und fundiert, an vielen Stellen merke ich ich das, weil ich da auf meine eigene Erfahrung zurückgreifen kann und sehe: Du hast recht!

    Angesichts der Beschreibung dieser 3 Märkte ist es ja nun ziemlich schwierig, wenn man sich die Frage stellt “In welchem der drei soll ich denn nun mein StartUp positionieren um Erfolg zu haben?”. Eine Kreuzung, mit den besten Eigenschaften wäre insofern wünschenswert, riefe aber wohl Zielkonflikte hervor. Insofern würde ich einfach sagen, dass man für sich und sein StartUp evaluieren sollte. Wenn man den Nörglern standhalten kann, kann man auch in Deutschland bleiben. Wenn man aber die Euphorie als Lebensgefühl braucht um mit Leidenschaft zu arbeiten, wären die USA sicherlich nicht verkehrt.

    Gruß

  2. Erst kommst du zu dem Schluss, dass die deutsche Mentalität kein Vorteil in der Web2.0 Welt ist, dann lobst du sie und forderst im Gesamtfazit dazu auf, sie zu nutzen.
    Da kann ich dir glaube ich nicht ganz folgen…

    Wie auch immer, unter dem Strich liegst du mit dem letzten Absatz wieder genau richtig. Wir können an den Rahmenbedinguen nichts ändern – wohl aber an unserem Denken. Ich sehe keinen wirklich Grund, warum eine deutsche “Web2.0-Firma” keinen Erfolg haben sollte, außer vielleicht der Angst, vor der eigenen Courage…

  3. Als Deutsche, die gerade in der Schweiz ein StartUp gründet, kann ich Deine Beschreibung im Prinzip bestätigen, sehe jedoch noch einen weiteren Unterschied. Hier in der Schweiz ist man zwar vorsichtig zurückhaltend, wartet ab bis man persönlich einsteigt, aber man betrachtet die Ideen viel unvoreingenommener und damit in der Tendenz positiver als in Deutschland. “Das nicht sein kann, was nicht sein darf” habe ich (fast) nur aus Deutschland gehört, “kannst Du das überhaupt, das ist aber ein Risiko…”, diese ins ganz persönliche gehenden Zweifel, die einen ja selbst ganz schnell mutlos machen, höre ich hier nie. Deshalb bin ich überzeugt, dass unsere Firma in Deutschland nie entstanden wäre, die nötige Luft zum Atmen finden wir hier.

  4. Ich verbrachte drei Jahre in den USA in einem großen, nationalen Verlag und konnte einiges mitnehmen aus den USA. Den Kriterien Marktgröße und persönlicher Verbesserung kann ich nur zustimmen. Da konnte ich mir selbst eine Scheibe abschneiden.

    Allerdings muss ich auch ganz kritisch sagen, dass gerade in der Startup-Szenein NYC und SF eine Menge Luftgebläse herumgeistern und aufgrund der Intransparenz des Marktes und der Firmen weiß man nie, mit wem man am Tisch sitzt und was der wirklich zu entscheiden hat. Wir haben große Deals (M&A und Kapital) mit kaputt anmutenden Leuten in winizigen Cubicals gemacht – und aus denen in schillernden Gebäuden und schicken Managern wurde nichts.

    Ich will sagen, dass es ganz und gar auf das Netzwerk in den USA ankommt. Wen kennt man – wer kennt einen? Das ist auch wichtiger Teil der Geschäftskultur dort, im Gespräch nett und zwanglos einzubringen, wen man so kennt um gemeinsame Bekannte oder Partner herauszufiltern (hilft auch in Deutschland, nur nicht so strategisch von beiden Seiten). Man kann davon ausgehen, dass nach dem Gespräch die Telefone heiß laufen und eine ordentliche Recherche zur eigenen Person gemacht wird (was wir verklemmten, telefonscheuen Deutschen heute in Xing machen…).

    Ohne Netzwerk geht nix – auf keiner Seite des Atlantiks. Und das Netzwerk aufzubauen, das einem Startup hilft und beisteht geht auch weder über Xing noch über Linked in. Das geht nur über Treffen und Telefon und viele Meilen Flug (oder halt DB).

  5. Toller Artikel!

    Dass sich der Mentalitätsunterschied in vielerlei Hinsicht auf ein Business auswirkt, habe ich auch schon des öfteren festgestellt. Beispeilsweise ist es in ost-europäischen Ländern fast schon alltäglich, wenn man sich selber als “Unternehmer” bezeichnet bzw. sich selbstständig macht und einen Weg ohne fixes Einkommen bzw. alternative Einkommen einschlägt. Während hier in der Schweiz “der Weg in die Selbstständigkeit” gross geplant, vorbereitet und fast schon akribisch festgehalten wird – es gibt unzählige Bücher, Berater, Unternehmen und Produkte zu diesem Thema – wird in den eben erwähnten ost-europäischen Ländern oft einfach mal in eine Richtung geschlagen und entsprechend passt man sich dann an. Nun, man darf natürlich nicht vergessen, dass sich die Gesetzgebungen teilweise auch drastisch unterscheiden bzw. die Bürokratie entsprechend unterschiedlich ist. Umso mehr erstaunt es mich, dass eine treibende Selbstverwirklichungskraft, welche unweigerlich in eine Marketing-orienteres Verhalten (im guten und im schlechten Sinn) in der Schweiz nicht schneller ansteigt und entsprechend zu einer eher Business- und Marketing-getriebenen Gesellschaft führt. Potenzial hätten wir definitiv!

  6. auch ich bin heute erst von zweinull.cc hier rüber gekommen und muss sagen, dass mir dieser artikel wirklich gut gefällt!

  7. Lesetipp: In der aktuellen Ausgabe des brandeins gibts einen ziemlich gelungenen Artikel zum Vergleich DE/USA, der die Eindrücke eines Deutschen Professors wiedergibt, der nach 10 Jahren in den USA wieder einen Job in Deutschland angenommen hat und dabei auf ähnliche Dinge gestossen ist, wie in diesem Blogpost beschrieben. (Leider erst in ca. 2-3 Wochen online verfügbar)

  8. Ein sehr interessanter und fundierter Artikel, der sich mit vielen eigenen Erfahrungen deckt.
    Ich denke in Deutschland ist das Hauptproblem in erster Linie die Bürokratie. Kleines Bsp.: In Deutschland, wie in allen Ländern dieser welt, zählt eine Idee wenig bis gar nichts… Verständlich. Daher gilt es der Idee eine Form zu verleihen. Diese Form besteht meiner Meinung nach aus Businessplan, Erstem Entwurf und vor allem einem passenden rechtlichen Rahmen. Hier kommt die deutsche Bürokratie ins Spiel. Um Geschäfte zu machen benötigt man in Deutschland einen Gewerbeschein. Schön und gut, aber ein Einzelunternehmen ist eine miserable idee wenn man seriös wirken will. als folge kommt nur die gmbh in betracht –> 12.500 Euro? Prima, das ist eine Summe die kaum ein StartUp (zumindest aus dem studentischen bereich) aufbringen kann. Hier liegt der Knackpunkt. Wäre eine Unternehmensgründung mit geringeren Kosten verbunden würden es sehr viel mehr leute versuchen. Diese leute würden bei potenziellen geschäftspartnern oder investoren eher auf offene ohren stoßen und das endergebnis würde vermutlich positiver ausfallen als es momentan der fall ist.
    sry wenn ich gerade ein wenig konfus schreibe, aber mit der anderen hand versuche ich gerade unseren server wieder ans laufen zu bekommen.

    lg Malte

  9. Deutschland ist das Land der Neider und Miesmacher. Das stimmt leider. Schon die Schweizer oder Österreicher sind positiver, aber in Deutschland kümmern sich die Leute mehr darum, wie sie ihrer (teils eingebideten) Konkurrenz schaden können, als wie sie ihren eigenen Laden voranbringen. Wie die Leute, die lieber den Nachbarn wegen irgendwelcher Maschendrahtzäune verklagen, statt aus ihrem eigenen Leben was Vernünftiges zu machen.

    Ob der amerikanische Weg der bessere ist, weiß ich auch nicht – ich hätte es ausprobieren sollen, vielleicht mach ichs ja noch. Halt uns auf dem Laufenden, Andreas, wie es weiter geht!

  10. das problem liegt ganz woanders. hab 8 jahre in usa gelebt und viele jahre in deutschland. bin internet unternehmer

    in usa hast du ein lebensgefühl das in deutschland fehlt.
    wenn du anfängst geld zu machen in usa öffnet sich eine ganz neue schöne welt. in deutschland kaufst dir halt ein bischen grösseres auto und hast dann mit irgendwelchen spiessern zu tun. Deswegen ist der drang zu rum und reichtum eher gedämpft in deutschland während in usa jeder in goldgräberstimmung ist. ein guter vergleich ich hab ein business forum im internet und hab einer deutschen grafikerin angeboten werbung zu machen. sie war erstmal skeptisch. im vergleich ein amerikanischer freund hat mir gleich geld gegeben um werbung darauf zu machen. trauen, misstrauen, lebensgefühl, ziele… sowas ist ganz tief verankert

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  1. [...] gleich als Lesetipp (von Göldi): Unternehmertum in Deutschland oder wie haben Pessimisten das Land ind er Hand (frei übersetzt [...]

  2. [...] Göldi eingefallen, in dem er verschiedene Mentalitäten dreier Länder vergleicht und warum Amerikanische Unternehmen nicht bedingungslos auch auf dem deutschen Markt Erfolg haben m&#252… und [...]