Linkwertig:
MP3-Shop Zero”
verzichtet auf Long Tail
Zero” ist ein ambitionierter Online-MP3-Shop. Schick umgesetzt, mit grafischer Wellenform beim Vorhören, u.A. geordnet nach Herkunftsstädten und oft mit viel Backgroundinformationen ausgestattet. So weit, so toll.
Das eigentlich Interessante ist aber, dass man bei Zero” bewusst auf ein möglichst komplettes Angebot, also den Long Tail verzichtet. Das heißt nicht Top40, sondern eine bewusste, aus logistischen Gründen nicht notwendige, Selektion nach subjektiven Kriterien (aka Geschmack).
Zero” ist daher zunächst ein Online-Plattenladen aus Wien, weil die Initiatoren und ihre Mitstreiter dort ihre Wurzeln haben. Und von dieser Position aus setzt das Projekt auch den Anspruch um, nur die Labels im Angebot zu haben, von denen die Macher überzeugt sind, womit die Gefahr digitaler Beliebigkeit unendlicher Datenbanken zwar gebannt wäre, aber die Ambitionen noch lange nicht enden.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es so klug ist, auf den Long Tail zu verzichten und stattdessen auf den Filteraspekt zu setzen. Aber die Zeit wird zeigen, ob diese Wette aufgeht. Interessant ist es allemal, weil auf den ersten Blick wider den Internet-Gesetzen zu Ruhm und Reichtum.
Zum ersten Mal auf Zero” und deren Short Tail war ich in der vorletzten Print-De:bug gestossen. Aber wie das nun mal so ist mit bedrucktem Papier: Man konsumiert es stumpf, kann die Infos nicht einfach weiterverwerten und vergisst es schlussendlich. Spreeblick hat mich wieder daran erinnert mit dem Link auf das mittlerweile online verfügbare De:bug-Interview mit Zero”.
(Die de:bug sollte ihre Texte eigentlich immer sofort mit dem Erscheinen des Heftes online stellen. Würde ihnen sehr viel mehr Links und Aufmerksamkeit bringen.)
» Spreeblick » Zero Inch: MP3-Download-Plattform für elektronische Musik
» De:Bug Magazin: MP3s kaufen: Die Stilfrage mit Zero”
Hier erscheint jeden Morgen von Montag bis Freitag ein ausgewählter Link zu einem gelungenen Text. Viel Spaß bei der Lektüre!








Artikel per RSS
Schaffhausen
Der Name Zero steht offensichtlich für Qualität – und das nicht nur bei Coca Cola ;-)
Wenn der Long Tail zu breit gestreut ist, wird es ganz einfach unübersichtlich, egal wieviel Mühe man sich mit der Darstellung macht, deshalb ist es aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung.
DieterK
“Long Tail” bedeutet doch nicht, dass jeder Shop alles im Angebot hat, sondern dass es auch für Nischenprodukte einen Markt gibt, weil im Internet die Kosten (angeblich) gering sind (niedrige Markteintrittsbarieren).
Nicht nur angesichts der monopol-artigen Dominanz von iTunes im Massenmarkt ist die Konzentration auf eine Nische (inklusive Filterfunktion)ein erfolgversprechendes Konzept.
simon
wer sich für den long tail interessiert, dem sei wärmstens dieser artikel empfohlen.
http://www.wired.com/wired/archive/12.10/tail.html
Marcel Weiss
Schaffhausen: Long Tail ergibt eben erst im Netz Sinn, weil es da einfacher wird alles zu finden. Gehe in Deinen lokalen Bücherladen und soche dort ein bestimmtes Buch, und such dann dieses gleiche Buch auf Amazon. Wo wird es im Schnitt länger dauern? Und beschränkt sich Amazon im Angebot? Behindert Dich das Angebot von Amazon bei der Suche?
Long Tail bedeutet _nicht_ Chaos.
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DieterK:
Doch genau, dass ein Shop auch die “Ladenhüter” führt, bedeutet es zum Großteil. Du kannst nicht davon leben, ein oder zwei Stück eines Produkts zu verkaufen. Aber wenn Du 10.0000 Produktarten im Angebot hast, die jeweils ein, zwei Stück verkaufen, stehst Du schon ziemlich gut da (Das heißt nicht, dass man nicht auch ausschließlich im Long Tail überleben kann).
Außerdem bin ich nicht sicher, ob das wirklich klappt, die Filterfunktion bereits im Angebot zu implementieren. Man sollte Optimierungen bei Interfaces nicht unterschätzen.
Spannend finde ich den Ansatz von Zero” trotzdem.
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Ich merke oft in Gesprächen, dass Leute oft gar nicht genau wissen, was mit den Möglichkeiten des Long Tails eigentlich gemeint ist. Besonders die, die der Meinung sind, es sei Unsinn.
Ich kann jedem nur ans Herz legen, Andersons Buch zum Thema zu lesen, oder wenigstens den Artikel, auf dem das Buch basiert.
Danke für den Link dazu, Simon!
DieterK
@Marcel Weiss
Im aktuellen Beitrag auf seinem Blog (http://longtail.com/the_l…more-evidence-t.html) hat Anderson doch gerade am Beispiel der Werbepreise von „sozialen“ Netzwerken – die bei „kleinen“ Netzwerken, die sich auf ein bestimmtes Publikumssegment konzentrieren, höher sind, als bei Facebook / MySpace – deutlich gemacht, das „Long Tail“ Spezialisierung bedeutet / ermöglicht:
„Not only do small (Long Tail) publishers montetize their content at 3-5 times the rate of the larger publishers in PubMatic’s survey, but they’re improving in the current environment while the big publisher decline.“
Wenn ich dies nicht völlig falsch verstehe, bedeutet dies für Musikshops:
Es macht keinen Sinn, mit fünf Millionen Songs im Angebot gegen iTunes, Amazonmp3 (und jetzt auch Napster) zu konkurrieren, sondern es ist viel erfolgversprechender, sich auf ein bestimmtes Publikum / Genre zu konzentrieren, das heißt eine (menschliche) Filterfunktion wahrzunehmen und einen genau auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten Service anzubieten. (Wobei natürlich die Gefahr besteht, dass die potenziellen Käufer sich nur informieren, aber bei billigeren Anbietern kaufen).