Facebook und Arringtons “It’s my Data!”
Es kam, wie es kommen musste: Facebook gab Ende letzte Woche bekannt, Googles Konkurrenzprodukt Friend Connect zu blocken. Der Beginn der DataPortability-Kriege.

(pic: gapingvoid.com)
Es ist letztenendes eine relativ vorhersehbare Geschichte:
- Um ihre eigenen Positionen zu stärken, versuchen die großen Webunternehmen (Facebook, Google, Myspace), unter dem Deckmantel der Offenheit ihren Einfluss im Web auszubauen. Mit Identitäten lässt sich viel verdienen.
- Tatsächlich öffnen sie sich ein bisschen, mehr als vorher. Aber alle nur genau so weit, wie nötig. Sofern die Größenordnungen relativ vergleichbar bleiben, haben wir ein strategisches Patt.
- Wer jetzt einen strategischen Vorteil will, der öffnet sich noch ein bisschen mehr.
- Wiederhole 2. und 3.: Die Unternehmen fangen an, sich gegenseitig beim Öffnen zu überbieten.
- Endgame: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir zu echter DataPortability kommen.
Die Sache ist nun aber, das läuft nur solang so ab, wie eine der Parteien keine Überhand gewinnt und zum Monopolisten aufsteigt. Und dann die Regeln selbst vorgibt.
Um das zu verhindern und die Unternehmen in die für die Nutzer richtige Richtung zu drängen, gibt es Blogs.
Michael Arrington ist als Besitzer von Techcrunch, der einflussreichste Blogger im Techbereich. Techcrunch hat 900.000 RSS-Abonnenten und um drei Millionen Besucher pro Monat.
Es gab eine Zeit letztes Jahr, in der ich das Interesse, Techcrunch zu lesen, verloren hatte (tatsächlich habe ich mir nur die Artikel von Arrington rausgefiltert, weil ich Leute wie Duncan Riley nicht mehr ertragen konnte). Aber dieser Tage ist Techcrunch wieder lesenswert geworden. Nicht nur weil Duncan Riley weg ist, sondern auch weil Arrington eine Sache gefunden hat, die in jeder Hinsicht für ihn perfekt ist:
Arrington hat es sich nun offensichtlich zum Ziel gesetzt, Facebook und co. aggressiv in Richtung echte DataPortability zu drängen. Wenn er spricht, hören die Leute zu. Und das weiß er.
Warum macht er das? Ich glaube zum einen, weil er wirklich glaubt, hier etwas Richtiges zu machen (und verdammt, es ist richtig). Außerdem ist es eine unglaublich gute Möglichkeit, sich innerhalb der Techblogosphäre und der Techcommunity als einer der Guten zu profilieren. Techcrunch zur Speerspitze des Movements gegen die ‘Bösen’ zu machen. In der Sache für die User.
Außerdem ist es natürlich gut für die Pageviews. Arrington weiß wie Jeder, der die Technews der letzten Wochen aufmerksam beobachtet hat, dass DataPortability das Thema 2008 und wahrscheinlich auch 2009 sein wird.
Eine winwin-Situation für Techcrunch.
Ich empfehle jedem, diese Episode der Gillmorgang (bester Techpodcast btw.) anzuhören, in der sich u.A. Arrington und Scoble über Facebook/Google in die Haare bekommen. Arrington ist hitzig (wie immer) und schreit an einer Stelle förmlich:
Its my data!
Oder wie er es an dieser Stelle zusammenfasst:
How dare Facebook tell ME that I cannot give Google access to this data!
Arrington ist serious. Und wenn es sein muss, will er auch Leuten wie der DataPortabilityGroup in den Popo treten, so dass diese von ihrer Wischiwaschi-Haltung gegenüber den Großen wegkommen.
Man muss Arrington nicht mögen, aber Tatsache ist: Der SocialNetwork-Nutzer an sich könnte in dieser Sache keinen besseren Kämpfer für seine Sache haben.
Augenringe united.
» Nächster Artikel: Linkwertig: MP3-Shop Zero” verzichtet auf Long Tail
» Älterer Artikel: Linkwertig: Crack für Nachrichtenmacher
» Drucken
» Merken/E-Mail
3 Kommentare zu diesem Artikel
Einen Kommentar schreiben
Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

neuerdings.com
medienlese.com
imgriff.com
fokussiert.com
netzwertig.com



Beiträge per RSS
blogwerk.com
Exciting Commerce
Danke, dass Ihr das so extrem wichtige Thema (immer wieder) aufgreift :-)
Valentin
ob es eine sprachsteigerung bzw. identitätsgewinn für den netzwertig blog ist, wenn auf einem post gleich “fucking und verdammt” vorkommt, lässt sich bestreiten.
auch wenn die themen bisher nicht so schlecht sind, ist es eine gratwanderung zwischen den exzellenten analysen von göldi und dem üblizen “web-buzz”, den ich schon auf 10 anderen blogs lese.
analysen sind gefragt, europäische themen, startups und sonst gute analysen mit hintergrundinfos und ein klein wenig neutralere sprache seitens des “neuen” autors, für den regelmässigen leser würde ihm klasse verleihen und keineswegs identitäsverlust.
Daniel Thomaser
Also ich fand das Posting ziemlich amüsant.
Mehr davon!