DSDS:
Ein Kilo Hackfleisch und die Haare schön

Felix Disselhoff, 18. Mai 2008 17:59 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Klischee-Sieger: Die fünfte Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” ist endlich vorbei – medienlese.com blickt zurück auf Gemeinheiten, Fehltritte und Bußgelder.

Er ist der neue Superstar: Thomas Godoj post vor der Pressemeute (Bild Keystone/Frank Augstein)“Deutschland sucht den Superstar”. Nein, Deutschland hat seinen Superstar gefunden: Thomas Godoj, frischgekrönte Rockröhre aus Recklinghausen. Und was bleibt? Eine beliebige fünfte Staffel, der übliche Mix an Kandidaten und eine Jury, die ihresgleichen sucht. Nicht, weil sie sich durch qualifizierte Kommentare zum Gesang der rund 30.000 Kandidaten auszeichnete. Da nannte der bitterböse Bohlen die Vorsinger lieber “Vollschwuchtel”.

Den Castingvogel schoss Bohlen ab, als der 17-jährige Raymund R. für sein großes Vorbild den Titel “Die perfekte Welle” zum Besten gab: “Ich glaub, wenn Du in die Berge gehst und Du rufst, da kommt da kein Echo, weil Echos haben auch Geschmack”, so Dieter Bohlens qualifizierter Kommentar zu den misslungenen Auftritt. Raymund wurde nach einem Zusammenbruch von seinen Eltern abtransportiert.


Dieter Bohlen (Bild Keystone)Im Abspann des missglückten Casting-Vortrags von Raymund kommentierte RTL den Heulkrampf im betont süffisanten Tonfall: “Raymund hat sich von seinem Besuch bei uns schnell erholt und konnte wohlbehalten und mit Puls das Gebäude verlassen.” Weil RTL aber Raymunds ganzen Name und auch sein Wohnort nannte, konnte man ihn leicht identifizieren. Die Folge: Telefonterror, ungebetene Besucher und gehässige Kommentare von wildfremden Menschen auf dem Nach-Hause-Weg.

Derlei Kommentare sorgten dafür, dass sich sogar der Jugendmedienschutz einschaltete: “Die hämische Inszenierung von weniger talentierten Kandidaten”, insbesondere durch den Juror Dieter Bohlen, würde Menschen bloß stellen, so die Angst der Prüfstelle Gefordert wurde die Löschung des Casting-Beitrags aus der Videoplattform Clipfish und ein Bußgeld in Höhe von 100.000 Euro.

Rania Zeriri (Bild Keystone)Gerade die groß angelegten Massencastings zum Beginn jeder Staffel dienten eher als Schauplatz für Kurioses und Missglücktes als der Talentsuche. Öffentliches Demütigen und mediales Ausbuhen inklusive. Johanna mit ihrem “Ich hab` die Haare schön”-Song führte mit universaler Talentfreiheit die Riege der DSDS-Aussätzigen an. Kein Talent, zu alt und zu hässlich für Dieter Bohlen? Dann bloß rein in die Prime-Time!

Das gestrige Finale glänzte dann nur noch durch Bohlens Diskokugel-Jackett. Nach dem Auftritt der DSDS-Allstars, bei dem kollektives Fremdschämen schon nicht mehr ausreichte, fasste er die Idee hinter “Deutschland sucht den Superstar” wunderbar zusammen: “Die haben Mut. Die gehören dazu wie Sand in die Sahara”. Auf die Frage, ob man “aus “denen” was machen” könnte, war sich Bohlen sicher: “Ich würde sogar ein Kilo Hackfleisch in die Charts kriegen.”

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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