Puls 4:
Privatsender ohne Quote

Drei Monate auf Sendung, Marktanteil knapp über ein Prozent – und Natascha Kampuschs Talkshow lässt auf sich warten, bekannte Journalisten kündigen, der Reporter-Nachwuchs schuftet unter umstrittenen Arbeitsbedingungen.

Logo Puls 4

Mit Paukenschlag und Trommelwirbel startete Ende Januar Österreichs viertes Privat-TV namens Puls 4. Den Zuschauern haben die Senderchefs das Blaue vom Himmel versprochen und der Konkurrenz wollten sie das Fürchten lernen. Stattdessen fällt Puls 4 nach drei Monaten on air vor allem durch Negativschlagzeilen auf.

Die Video-Journalisten (VJ?s) von Puls 4 machen nämlich alles selbst. Sie planen, drehen, schneiden und vertonen ihre Beiträge ohne Hilfe von Kameramännern, Cuttern oder Assistenten. VJ?s sind die eierlegende Wollmilchsau des neuen journalistischen Prekariats. In der einen Hand die Kamera, in der anderen das Mikro – was dabei rauskommt, zeigt täglich Puls 4. Außerdem hat der Sender die Ausbildung seiner Videojournalisten an die Firma News on Video ausgelagert. Diese verlangt für einen zehnwöchigen Basiskurs 4800 Euro.

Gegen diese Arbeitsbedingungen protestieren auch ältere Kollegen wie der Society-Reporter Thomas Rottenberg. Bis zu seinem Abgang moderierte der Standard-Redakteur die Talkshow ?Talk of Town?. Die nächste Absage erteilte Presse-Chronikchef Rainer Nowak. Er sollte den Polittalk ?Schluss mit lustig? moderieren und mit Volksvertretern, Parteileuten, Journalisten, Bürgern und Kabarettisten diskutieren. Am Ende wurde die Gästeliste auf einen Journalisten und zwei Kabarettisten gekürzt. Für Nowak war daher nach einigen Probesendungen ?Schluss mit lustig?.

Mit Rottenberg und Nowak haben die letzten seriösen Zugpferde den Sender verlassen. Andere namhafte Publizisten wie Lorian Klenk (Falter), Eva Linsinger (profil) oder Eva Weissenberger (Kleine Zeitung) ließen sich für eine Gage deutlich unter 200 Euro pro Sendung nicht einmal anwerben. Übrig bleiben Moderatorinnen, die sich wie Models beim Schönheitswettbewerb präsentieren und nervige B-Promis wie Christina Lugner, Ex-Frau des Wiener Bauunternehmers Richard Lugner. Und es bleiben gebrochene Versprechen.

Die erste Folge von Natascha Kampuschs Talkshow, mit der Puls 4 zum Launch geprahlt hatte, wurde noch immer nicht ausgestrahlt. Kürzlich sickerte das Gerücht durch, dass Formel 1-Star Niki Lauda am 1. Juni Kampuschs erster Gast sein werde. Selbst wenn es stimmt, kommt das reichlich spät. Geschäftsführer Martin Blank hatte nämlich versprochen, dass bis 4. April alle Sendungen on air gegangen seien.

Ein Blick auf die Einschaltquoten zeigt, dass Puls 4 weit hinter den namhaften Konkurrenten dahindümpelt. Für den Monat April meldet der Sender einen Marktanteil von 1,1%, allerdings für die Zielgruppe der 12-49-Jährigen. Der Konkurrent ATV lehnt sich mit einem Marktanteil von 4,7% in dieser Zielgruppe allerdings entspannt zurück. Auch so gut wie alle anderen deutschen Privatsender wie RTL, SAT 1, Pro Sieben, RTL 2, VOX und Kabel 1 liegen noch weit vor Puls 4. Bessere Einschaltquoten bringen allein alte Hollywood-Blockbuster und Spielfilme aus dem Archiv des Mutterkonzerns ProSiebenSat.1 Media AG

Die Qualität der Eigenproduktionen auf Puls 4 kann natürlich nicht mit dem öffentlich-rechtlichen ORF mithalten. Auch wenn sich TV-Kommentatoren nicht viel erwartet haben, fällt die Kritik vernichtend aus. So appelliert Marco Weise vom Kurier verzweifelt:

Liebe TV-Macher von Puls 4, wie lange wollt ihr uns dieses absolute Nichts noch als Programm verkaufen?

Wer noch keine Möglichkeit hatte, die Werke von Puls 4 zu bestaunen, bekommt auf YouTube eine kleine Kostprobe. So wie sich der Sender nämlich in seinen eigenen Werbevideos präsentiert, lassen sich gute Rückschlüsse auf das TV-Programm ziehen: Models, die wie Zinssoldaten aufmarschieren, ein nachgestellter Beziehungskrach ohne Message und ein machomäßig herumtorkelnder Sänger. Unglaubwürdiger kann man den Slogan des Senders (?Puls 4 – Für Frauen, die wissen, was sie wollen und Männer, die das gut finden?) gar nicht mehr hinüberbringen.

Wer danach nicht wegzappt, ist eigentlich selbst schuld.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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