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Etikettenschwindel mit DataPortability

Marcel Weiss, 14. Mai 2008 07:49 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Aufmerksamen netzwertig.com-Lesern ist es nicht entgangen: DataPortability und die verschiedenen Bemühungen und Ankündigungen großer Unternehmen, wie MySpace, Facebook oder Google in diese Richtung bestimmen aktuell die (Tech-)Nachrichten.

Auch wenn alle Beteiligten viel von Offenheit, offenen Standards und dem generellen Nettmiteinanderspielen reden, liegt die Wahrheit ein bisschen anders: Wir sehen 3 zumindest anfänglich nicht miteinander kompatible, konkurrierende Systeme auf uns zukommen.

Dazu kommt ein zunehmendes Begriffswirrwarr, das die genaue Bestimmung, wofür DataPortability eigentlich steht, für Außenstehende immer schwerer macht. Die PR-Nebelkerzen der großen Unternehmen tun ihr Übriges.

Nebenbei: Google ist im geschickten Manipulieren Beeinflussen mittels PR und Branding bereits recht geübt. Denn auch bei OpenSocial ist das einzige Offene der erste Teil im Namen. Trotzdem wird OpenSocial in den einschlägigen Publikationen in einem Atemzug mit DataPortability genannt. Auch wenn es damit gar nichts zu tun hat.

Chris Messina, kein Unbekannter wenn es um Standards wie OAuth und OpenID geht, hat sich in einem langen Post kritisch mit den aktuellen Aktivitäten der DataPortability-Group auseinandergesetzt. Was eine Antwort von Chris Saad, Mitgründer der Dataportability-Group, und eine lebhafte Diskussion in der DataPortability-GoogleGroup zur Folge hatte.

Matthias Pfefferle vom Notizblog hat die Diskussion ebenfalls zusammengefasst (und die gleiche Artikelidee wie ich gehabt).

In dieser Diskussion wird viel wichtiges angesprochen. Für Interessierte ist es allemal lesenswert (wenn auch recht lang; wer eher die Kurzfassung will, dem empfehle ich den Artikel im Notizblog).

Besonders Messinas folgendes Argument in der GoogleGroup trifft ein Problem recht gut:

the DP-PR machine is simply more effective at taking credit for big moves
that they had nothing directly to do with than to promote smaller
independent, more “grassroots” groups who are *actually* making moves
towards effective data portability, like Dopplr, like TripIt, like
Satisfaction and Twitter and the rest. I don’t believe I’ve seen any
press releases go out about them, and yet I would consider them to be
on the vanguard giving people access to their data in real-world,
useful ways.

Messina hat schon recht. Auch wenn beispielsweise die Ankündigung von Myspace Ende letzte Woche von der DP-Group begleitet wurde, handelt es sich, wenn es um die Daten der Nutzer geht, um kaum mehr als Lippenbekenntnisse. Dass die DP-Workinggroup sich trotzdem bei MySpace et. al. einsetzt, kann man nun nicht gut finden. Dass sie kleine Unternehmen, die ernst machen mit DataPortability, in ihrer Öffentlichkeitsarbeit vernachlässigen, ist sogar unklug. Nur bei Myspace etc. bekommt die DP-Workinggroup aber auch Aufmerksamkeit und den Fuß in die entscheidende Tür.

Entscheidend ist hier, das alle angekündigten Programme nicht der große Wurf sind, den uns die jeweilige PR-Abteilung glauben machen will. Aber sie sind Schritte in die richtige Richtung. Mehr kann man nicht erwarten. Wichtig ist vielmehr, die Unternehmen immer wieder an ihre Versprechen zu erinnern und der Öffentlichkeit und den Nutzern zu zeigen, dass mehr gehen kann, als geboten wird.

Und nur so kommt man langsam an das Ziel der echten DataPortability überall, step by step. Kleine Schritte, wie zum Beispiel, wenn Facebooks Chat Jabber/XMPP unterstützen wird.

» Chris Messina: Thoughts on DataPortability | FactoryCity

» Chris Saads Antwort: Responses to DataPortability questions « Paying Attention

» Diskussion in der Data Portability Google Group: FW: Thoughts on DataPortability - DataPortability.Action.Steering | Google Groups

Hier erscheint jeden Morgen von Montag bis Freitag ein ausgewählter Link zu einem gelungenen Text. Viel Spaß bei der Lektüre!

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