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Management-Wechsel
Die “Erwachsenen” übernehmen bei Facebook

Von Andreas Göldi am 12. Mai 2008 um 18:53 Uhr Kommentare (3)
Kategorien: Meldungen

Mark Zuckerberg auf Vergnügungsreise in Indien, der bisherige CTO geht — was ist los bei Facebook? Wohl nicht viel Unerwartetes, nur professionelle Manager, die jetzt die Kontrolle übernehmen.

Eine der bemerkenswerten Dinge am Social-Networking-Liebling Facebook war bisher, dass das Management-Team so unglaublich jung war. Gründer Mark Zuckerberg ist selbst erst 23, und die meisten seiner engsten Mitstreiter waren in der gleichen Altersgruppe.

Das scheint sich jetzt aber plötzlich zu ändern. Vor einigen Wochen stellte Facebook die Ex-Google-Frau Sheryl Sandberg als neuen Chief Operating Officer an. Wenig später wechselten weitere Googler zu Facebook, unter anderem der PR-Chef Elliot Schrage.

Jetzt scheint das neue, “erwachsene” Management andere Saiten aufzuziehen und die Jungstars zunehmend zu verdrängen: CEO Mark Zuckerberg unternimmt gerade eine einmonatige Reise durch — unter anderem — Indien, angeblich zu sowohl privaten wie auch geschäftlichen Zwecken. Klar, Indien ist ein wichtiger Markt, und der gute Mark hat auch mal Urlaub verdient, aber kann er wirklich einen Monat in der Welt rumfahren, wenn zu Hause gerade wichtige Themen anstehen — unter anderem ziemlich umwälzende Innovationen sowie das anhaltende Gerücht, dass Microsoft gern seine Firma übernehmen will? Hält da möglicherweise jemand anderes die Zügel in der Hand, während Zuckerberg Inspiration im Ausland sucht?

Heute wurde nun auch noch bekannt, dass Chief Technology Officer Adam D’Angelo das Unternehmen verlässt, ein Schulfreund von Zuckerberg und heimlicher Mitgründer. Angeblicher Grund: Der Arme fühlt sich ausgebrannt und will gern eine berufliche Pause einlegen.

Sorry, aber hier wird es nun definitiv lächerlich. Der gute D’Angelo ist 23. Er arbeitet gerade mal seit drei Jahren bei Facebook. Bisschen früh für eine Frühpensionierung oder eine berufliche Neuorientierung. Er hat das derzeit heisseste Internet-Startup mit aufgebaut, eine Firma, für die Geldgeber absurde Bewertungen zahlen. Und da will er gern mal einfach so einen Timeout haben? Während seine Firma, die ihn bald mal zum Multimillionär machen könnte, gerade versucht, das nächste Google zu werden? Sehr witzig.

Nein, es ist ziemlich klar, was hier vorgeht: Die Investoren kriegen langsam Panik, weil das mit den Umsatzsteigerungen bei Facebook wohl doch nicht so gut klappt wie erhofft. Reflexartige Reaktion: Management austauschen, “richtige” Manager statt jungen Hackern einsetzen. Die Identifikationsfigur Zuckerberg kann man natürlich nicht einfach so feuern, also schickt man ihn mal ein bisschen auf Reisen — ist ja alles sehr, sehr strategisch und so, das mit Indien. Und die weniger wichtigen Jungstars bewegt man zur beruflichen Neuorientierung.

Willkommen in der harten Welt der realen Wirtschaft.


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3 Kommentare

Hagen

Wer oder was definiert “professionelle Manager” und wer kann sich warum darüber ein Urteil erlauben, ob jemand professionell ist, oder nicht. Wie alles ist dies m.E. rein subjektiv.
Man vergisst durch solche “Maßnahmen”, dass der Erfolg von StartUps im innovativen Bereich ganz eng mit dem Gründer (seiner individuellen Geschichte, seiner daraus entstandenen Grundidee und -philosophie sowie dessen Leidenschaft) verbunden ist. Dritte (insbes. Manager) können nicht den selben Denk- und Entwicklungsprozess, der zu der Innovation geführt hat, nachempfinden, da diese der Ausdruck der ganz persönlichen Geschichte und Entwicklung des Gründers ist, die ihn zu genau dieser Innovation gebracht hat. Die Entwicklung eines StartUps ist jedoch genau davon abhängig, wie der Gründer diese Idee den sich fortwährend ändernden Umständen immer wieder neu anpassen kann, was einem Dritten i.d.R. unmöglich ist, da er sich eben nicht so in die Grundidee hineindenken kann (er kann sie vielleicht im Nachhinein verstehen, aber nicht genauso nachempfinden, wie es nur der Gründer selbst kann).
Ein Unternehmen muss laufend weiterentwickelt werden. Ein Routine-Unternehmen wird gerade im Internet sehr schnell im Sinne Schumpeters “schöpferisch zerstört” werden.
Man kann keine Innovationen oder StartUps “managen” oder “verwalten” - ein Widerspruch in sich! Hier zählt noch immer die Unternehmerpersönlichkeit und Mentalität und es gilt besonders bei Innovationen und StartUps letztendlich Effektivität vor Effizienz!


JST

frage: warum kann ein 23-jähriger junger mann, der wahrscheinlich gerade drei unglaubliche jahre harter und nervenaufreibender arbeit hinter sich hat, nicht ausgebrannt sein?

mut zur schwäche würde m.e. vielen menschen gut tun und natürlich auch die chance auf weniger fehlentscheidungen unter managerInnen erhöhen.

vielleicht geht der mann aber auch, weil er vielleicht ehrlich zu sich selbst war und gemerkt hat, dass diese dimension von facebook für ihn zu groß ist.

ich finde ihren blick in die glaskugel etwas zu negativ und nur aus einem blickwinkel betrachtet.

gruß aus berlin - JST


Ingo Bingo

Wer selbst schonmal ein Jahr lang 14-Stunden-Tage gemacht hat, der kann absolut nachvollziehen, dass man danach auch als Mittzwanziger ausgepowert ist. Bei Facebook waren es über 3 Jahre. Den Wunsch nach einer Auszeit finde ich absolut legitim und überhaupt nicht ungewöhnlich. Und Multimillionär wird Adam trotzdem :)


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