Ist Pownce das bessere Twitter?

Martin Weigert, 8. Mai 2008 16:50 Uhr, 16 Kommentare Kommentare

pownceVorweg: Eine endgültige Antwort auf diese Frage werdet ihr in diesem Beitrag nicht erhalten. Jedoch erfahrt ihr, warum Pownce mehr Substanz hat als Twitter und deshalb eine ernstzunehmende Konkurrenz für den in der Social-Web-Szene omnipräsenten Microbloggingdienst darstellt. Wie Twitter stammt auch Pownce aus San Francisco und erlebte zum Launch im Sommer 2007 einen Hype in der US-Blogosphäre, der dann jedoch schnell abebbte. Seitdem erhält Twitter, das bereits etwas länger existiert, die geballte Aufmerksamkeit der Web-2.0-Community. Trotz zahlreicher Ausfälle und eines recht begrenzten Funktionsumfangs sorgten die berühmten Netzwerkeffekte dafür, dass sich jeder am Microblogging interessierte Nutzer bisher Twitter anschloss.

powncescreenNachdem VentureBeat gestern über zwei neue Pownce-Features berichtete, habe ich mich erneut mit dem Dienst auseinandergesetzt und im Gegensatz zu früheren Tests eingesehen, wie nützlich und innovativ dieser eigentlich ist. Bei Pownce können vier verschiedene Arten von Inhalten an einzelne Kontakte, alle Kontakte oder das öffentliche Profil gesendet werden: Status-Updates, Links mit Beschreibung, Events (was, wann, wo) und – das eigentliche Highlight – Dateien. Die Filesharing-Funktion existiert bereits seit einiger Zeit, aber wird mit der gerade bekannt gegebenen Erhöhung der maximalen Dateigröße von 10 MB auf 100 MB erst jetzt so richtig praktisch.

Jeder Pownce-Nutzer kann entweder über die Website oder den AIR-basierten Desktop-Client Musik, Videos, Fotos und andere Daten mit zwei Klicks an einzelne oder alle Pownce-Freunde senden. Im Gegensatz zu Dateitransfers über Instant Messenger wie ICQ oder Skype müssen Empfänger dazu nicht online sein. Alles wird auf den Pownce-Servern abgelegt und kann von Kontakten zu einem beliebigen Zeitpunkt heruntergeladen werden. Außerdem ist neu, dass Dateien auch auf das öffentliche Pownce-Profil gepostet werden können, von wo jeder Internetnutzer auf diese zugreifen kann (Beispiel). Als kleines Gimmick ist definierbar, wer veröffentlichte MP3-Dateien herunterladen darf: niemand (dann ist lediglich Streaming aktiviert), alle Kontakte oder jeder User.

Während man angesichts der Integration von Filesharing nur hoffen kann, dass die technische Infrastruktur von Pownce um einiges leistungsfähiger ist als die von Twitter, so öffnet der Schritt Pownce einen erheblich größeren potenziellen Nutzerkreis, als ihn Twitter derzeit hat: jeden User nämlich, der gerne Informationen und/oder Dateien mit Freunden und Familie teilt – wer macht das nicht? Das Konzept von Pownce hat daher bessere Chancen, den Durchbruch in den Internet-Mainstream zu schaffen, was für langfristiges Wachstum unerlässlich ist. Im Gegensatz zu Twitter verfügt Pownce außerdem über ein Geschäftsmodell. Zum einen wird die Website vermarktet, zum anderen können User für 20 Dollar pro Jahr Pro-Mitglied werden (Paypal-Zahlung, kein Abo). Dann verschwinden nicht nur alle Banner, sondern es erhöht sich auch die maximale Dateigröße von 100 auf 250 MB.

Was fehlt Pownce derzeit zum Erfolg? Nein, keine API (die gibt es auch), sondern Nutzer! Für die meisten Web-2.0-Enthusiasten in den USA ist der Service, wenn überhaupt, lediglich zweite oder dritte Wahl und dient höchstens als Ersatz im Falle einer Twitter-Downtime. Allerdings steckt der Microblogging-Markt noch in seinen Anfängen (Twitter hat angeblich etwas mehr als eine Million Nutzer weltweit), Durchschnittsanwender haben den Namen “Twitter” noch nie gehört und Pownce kann sich, was seine Funktionsvielfalt und sein Problemslösungspotenzial betrifft, wirklich sehen lassen. Sollte Pownce in den nächsten Wochen und Monaten richtig durchstarten, wäre ich nicht verwundert.

zweinull.cc-Leser, die Pownce nutzen, können mich gerne als Kontakt hinzufügen.

zweinull.cc Lesetipps:
Roodle: Fotosharing, das selbst eure Großmutter beherrscht
Wuala erlaubt Bearbeiten von Dateien in der P2P Cloud
Spaß mit Dokumenten im Web – Dank PdfMeNot und Scribd iPaper

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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16 Kommentare

  1. alex
    schrieb am 8. Mai 2008 um 17:52 Uhr (#)

    Pownce ist gut durchdacht, sieht super aus und funktioniert gut – Genau wie eine ganze Reihe andere micro blogging tools. Twitter kann viel weniger als die meisten anderen. Und genau da liegt die Stärke meiner Meinung nach. Wenig zu lernen, gute mobile integration und jede menge 3rd party services die Twitter optional verbessern wenn man das denn möchte.

    Twitter is so gut weil es so wenig kann – und natürlich weil es jeder verwendet und verwenden kann. Mehr Features erreichen oft das genaue Gegenteil.

  2. Alex
    schrieb am 8. Mai 2008 um 17:53 Uhr (#)

    Das Hauptproblem hast du in der Tat angesprochen: Die fehlende Nutzerbasis. Ich habe während und nach der Beta-Phase einiges mit Pownce herumexperimentiert und auch verschiedene Leute versucht, zum mitmachen zu animieren. Aber aufgrund der Omnipräsenz von Twitter, die heute noch um einiges ausgeprägter ist als noch vor einem halben Jahr, wollen sich die meisten nicht bei “noch einem Dienst” anmelden. Zumal man doch alle Bekannten schon bei Twitter hat. Da helfen auch Argumente wie “aber DienstX kann das und das und das mehr!” nichts. Gleiches gilt übrigens auch für Facebook, es gibt so viele Argumente gegen StudiVZ und für FB, aber warum wechseln wenn alle Freunde bei StudiVZ sind?

    Wieder mal ein schönes Beispiel dafür, dass trotz technischer Überlegenheit ohne genügend Buzz + kritische Masse nichts läuft :)

  3. alex
    schrieb am 8. Mai 2008 um 18:00 Uhr (#)

    Ich stimme zu, dass die fehlende Nutzerbasis hier wohl ausschlaggebend ist. Trotzdem war mein eigentlicher Punkt, dass Features nicht mehr der Weg sind ein Produkt zu verkaufen. Weniger Knöpfe sind besser.

    Was fehlt kann durch die Kombination verschiedener special tools oft besser erreicht werden. E.g. flickr + del.icio.us + tumblr + twitter +friendfeed funktionieren fuer mich weitaus besser als Facebook.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 8. Mai 2008 um 18:11 Uhr (#)

    Ich persönlich finde nicht, dass die oben beschriebenen Features “zu viel” sind. Zwar denke auch ich, dass weniger oft mehr ist, allerdings muss “zu wenig” langfristig auch nicht die optimale Lösung sein ;)

  5. Lutz Keller
    schrieb am 8. Mai 2008 um 18:37 Uhr (#)

    “Während man angesichts der Integration von Filesharing nur hoffen kann, dass die technische Infrastruktur von Pownce um einiges leistungsfähiger ist als die von Twitter”, als File-Storage nutzt Pownce S3, ist also nicht ihr Problem, zumindest nicht, was die Performance angeht ;)

  6. Martin Weigert
    schrieb am 8. Mai 2008 um 20:12 Uhr (#)

    Schon seltsam, dass ich gerade eine hochgeladene Datei mit nicht mehr als 15kb/s downloaden konnte. Sowas sollt bei S3 eigentlich nicht vorkommen, oder? Oder gibt es da Optionen für den Kunden, die in der Konsequenz zu Geschwindigkeitsdrosselungen führen können? Ich dachte, man zahlt lediglich für genutzten Traffic und Speicherplatz…

  7. andreas
    schrieb am 8. Mai 2008 um 21:51 Uhr (#)

    Sieht super aus! Besonders cool finde ich den AIR-basierten Desktop-Client. Optisch auf jeden Fall besser gemacht als Twitter ;-)

  8. Lutz Keller
    schrieb am 9. Mai 2008 um 00:44 Uhr (#)

    @Martin: Bei S3 bekommt man nicht immer volles Rohr. Ich nutze selbst S3 für ein Projekt und bekomme i.d.R. auch nur 40-50Kb/s….
    Eine Drosselungsoption habe ich bisher nicht gefunden, habe mal gesucht, weil das für mein Projekt hilfreich gewesen wäre…

  9. Martin Weigert
    schrieb am 9. Mai 2008 um 08:41 Uhr (#)

    Na das würde ich als ziemlich armselige Geschwindigkeit bezeichnen…

  10. OleS
    schrieb am 9. Mai 2008 um 08:48 Uhr (#)

    Doppelte ISDN-Geschwindigkeit :O *hippHipp*
    :)

  11. Maik
    schrieb am 9. Mai 2008 um 15:49 Uhr (#)

    Twitter kommuniziert sich besser als Pownce: “Twitterst du schon?” vs. “Pownce du schon?”. ;-)

  12. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. Mai 2008 um 12:52 Uhr (#)

    Das ist wahr ;)

  13. mds
    schrieb am 29. Mai 2008 um 14:54 Uhr (#)

    Läuft Pownce zuverlässiger als Twitter?

    Bei Twitter funktioniert das Instant Messaging seit Tagen nicht (zuverlässig), so dass ich Twitter momentan kaum noch nutze. Wie sieht das bei Pownce aus?

  14. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 29. Mai 2008 um 15:34 Uhr (#)

    Jo habe bisher keine nennenswerten Ausfälle erlebt.

  15. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 29. Mai 2008 um 15:58 Uhr (#)

    Pownce hat nur einen Bruchteil der Nutzer, die Twitter hat.
    Würde es so wachsen wie Twitter,würde es besonders in Verbund mit den Filesharingmöglichkeiten schneller zusammenbrechen als man tweet sagen kann. Denke ich.

  16. mds
    schrieb am 29. Mai 2008 um 16:24 Uhr (#)

    @Marcel Weiss: Wie viele Benutzer hat Twitter? Eigentlich auch noch gar nicht so viele, vor allem nicht aktive … überhaupt staune ich jeweils, wie wenig robust viele dieser Web 2.0-Websites sind, sowohl im Bezug auf die Sicherheit als auch im Bezug auf die Performance. Möchten diese Dienste eines Tages wirklich relevant werden, müssen sie noch viel in ihre Infrastruktur investieren …

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