Das Netz kann vieles, aber noch keinen Kühlschrank füllen

Leerer KühlschrankEiner der größten Vorteile des Webs ist es, dass man Dinge schneller und mit weniger Mühe erledigen kann als früher. Stets ist es mein Ziel, den Aufwand für Tätigkeiten mit geringem Spaßfaktor bzw. Informationsgehalt zu minimieren, um mich ausgiebiger mit den Dingen beschäftigen zu können, die ich mag oder die mich voranbringen. Eine der wenigen Aktivitäten mit hohem Zeitfresserpotenzial, die sich bisher kaum mit Hilfe des Internets realisieren ließ, ist der Einkauf von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs. Mittlerweile haben zwar zahlreiche Onlineshops auch Essbares in ihren Katalogen, aber meist handelt es sich dabei um Spezialitäten, Feinkost oder einzelne Produktkategorien. Dass Internetnutzer im großen Stil ihren wöchentlichen/monatlichen Lebensmittel-Großeinkauf über das Web erledigen, ist wie schon zu Zeiten der New Economy nicht viel mehr als eine unerfüllte Vision.

Entsprechend neugierig wurde ich, als ich erfuhr, dass die Supermarktkette prisXTRA hier in Stockholm ab jetzt nahezu ihr komplettes Sortiment über den Onlineshop NetXtra anbietet und für umgerechnet elf Euro Aufschlag jeweils Wochentags bis 22 Uhr an die Haustür liefert. Einmal im Monat elf Euro zu investieren, um bequem von Zuhause aus den Kühlschrank zu befüllen, erschien mir mehr als lohnenswert. Ich ließ es also auf einen Versuch ankommen.

NetXtraNetXtra präsentiert sich im wohl unscheinbarsten und simpelsten Design, das man sich vorstellen kann. In der Navigationsleiste links findet man die einzelnen Produktkategorien und klickt sich über Untermenüs zum Zielobjekt. Alternativ kann man die Suchefunktion verwenden. Während der ersten Viertelstunde war ich noch begeistert, wie entspannt der Bestellprozess ablief. Nach und nach wurde ich jedoch ungeduldiger, da ich bestimmte Artikel erst nach langem Suchen fand – die interne Suchmaschine arbeitete nicht sehr zuverlässig. Schnell war eine halbe Stunde vergangen, 45 Minuten, 60 Minuten, und noch immer hatte ich nicht alles im Warenkorb. Zum Teil erwiesen sich Produktbeschreibungen als unvollständig, außerdem fehlte mir völlig der rote Faden, dem man üblicherweise folgt, während man seinen Einkaufswagen durch den Supermarkt schiebt.

Nach rund 70 Minuten war der Punkt gekommen, an dem ich einfach keine Lust mehr hatte. Zudem bekam ich den Eindruck, dass zusätzlich zur Liefergebühr alle Artikel etwas teurer waren als im Markt selbst. Ich zögerte noch kurz, brach den Einkauf ab und ernähre mich seitdem von alten Cornflakes… nein, am Tag darauf ging ich ganz traditionell in den Supermarkt.

Mein Experiment “Lebensmittelgroßeinkauf im Web” ist somit gründlich gescheitert. Neben den angesprochenen Problemen fehlte mir vor allem das physische Produkterlebnis. Ich möchte Artikel in die Hand nehmen, ihre Verpackung anschauen und ihr Gewicht fühlen können, um eine Entscheidung darüber zu treffen, ob es diese oder jene Tielfkühlpizza sein soll. Bei Büchern, Kleidung oder Elektronikartikeln habe ich dieses Bedürfnis nicht, und war daher selbst verwundert, dass bei Gütern des täglichen Bedarfs der emotionale Aspekt für mich eine so große Rolle spielt. Als entsprechend unvorteilhaft erwies sich die einfache Aufmachung der Seite. Mini-Abbildungen und spartanische Produktinformationen verhinderten, dass ich Kaufentscheidungen in der Geschwindigkeit treffen konnte, wie ich es sonst vor Ort mache. Die Folge: Der Einkauf im Web dauerte bis zum Abbruch bereits doppelt so lange wie üblich.

Basierend auf der gemachten Erfahrung habe ich meine Zweifel daran, dass der Markt für das Onlineshopping von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs in nächster Zeit an Bedeutung gewinnen wird. Aber vielleicht habt ihr ja positivere Beispiele? Oder möglicherweise überhaupt keine Ambitionen, den Großeinkauf über das Netz zu tätigen?

Foto via Flickr/Chris Makarsky

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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18 Kommentare

  1. Alexander Kaniewski
    schrieb am 5. Mai 2008 um 11:21 Uhr (#)

    Und was ist da nun so toll und neu dran? Diverse ‘Discounter’ machen das schon seit Jahren ganz passabel … (ohne Werbung für Tengelmann machen zu wollen, z.B. http://www.kaisers.biz/lieferservice/index.php3) … das klappt, das kommt und mit gespeicherten Einkaufslisten ist spätestens der zweite Einkauf ein Kinderspiel. Just my 2c /AK

  2. Jan S.
    schrieb am 5. Mai 2008 um 11:26 Uhr (#)

    Interessante Geschichte.
    Allgemein kann ich mir aber auch kaum vorstellen, dass es einer Supermarktkette gelingen sollte, flächendeckend einen Lieferservice mit im Supermarkt vergleichbaren Preisen anzubieten, da der Logistikaufwand einfach viel zu hoch wäre für den teilweise sehr geringen Wert der Ware.

    Außerdem, wer will sein Gemüse im Internet kaufen, wenn man schon im Supermarkt oft auf den Konsum aufgrund der haptischen und optischen Einflüsse verzichtet.

  3. Tobias
    schrieb am 5. Mai 2008 um 11:28 Uhr (#)

    “Außerdem, wer will sein Gemüse im Internet kaufen, wenn man schon im Supermarkt oft auf den Konsum aufgrund der haptischen und optischen Einflüsse verzichtet.”
    Nominiert für die Liste “Best of Comments”! ;-)

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 5. Mai 2008 um 11:29 Uhr (#)

    @ Alexander

    Mir war diese Möglichkeit bisher nicht bekannt. Und ich glaube, den meisten Menschen nicht. So richtig Werbung wird für das Thema bisher allgemein nicht gemacht.

    Schön zu hören, dass es auch klappen kann. Das Speichern von Einkaufslisten z.B. fehlte bei oben angesprochenem Anbieter. Das kann die Sache ja beim regelmäßigen Onlineeinkauf stark vereinfachen.

    @ Jan
    Genau, bei Ost & Gemüse kommt dann noch die fehlende Möglichkeit des selektiven Auswählens hinzu.

  5. Uli
    schrieb am 5. Mai 2008 um 11:47 Uhr (#)

    …und daher fülle ich nicht meinen Kühlschrank per Web, sondern lieber das Web mit Kühlschränken:

    http://uli-kutting.de/blo…ogparade-voting.html

    ;-)

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 5. Mai 2008 um 12:00 Uhr (#)

    Mein Favorit: “Wildschön” :)

  7. Alan
    schrieb am 5. Mai 2008 um 13:54 Uhr (#)

    Hallo,

    ich verfolge Euren Blog seit einiger Zeit und finde die meisten Beiträge wirklich lesenswert. Dieses mal muss ich meinen – passt ja zum Kontext – Senf dazu geben:

    Vorab: Ich habe selber in Stockholm gelebt, eine wirklich schöne Stadt.

    Den online Service von NetXTRA gibt es aber schon sein vielen Jahren. Anscheinend hat NetXTRA, nachdem Coop (wahrscheinlich Schwedens Marktführer bei Lebenmitteln) nun auch ein Online Shop anbietet, wohl seinen Shop überarbeitet. Was sich genau geändert hat, weiss ich jedoch nicht und geht aus Eurem Beitrag nicht hervor.

    Gerade bei einem Laden wie PrisXTRA, der vom Konzept mit einem Lidl oder Aldi vergleichbar ist, macht Lebensmitteleinkauf online meiner Meinung nach Sinn und Spass. Denn die meisten Artikel sind bereits vom Hersteller verpackt und bedürfen keiner Auswahl anhand des tatsächlichen Erscheinungsbildes. Zum größten Teil sieht man ja das Produkt gar nicht, sondern nur die Verpackung. Die Kunden kaufen nach Marke oder Verpackung. Das “physische Produkterlebnis” ist dabei kaum von Relevanz.

    Alleine bei unverpackten Frischwaren wie Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst, Käse, Brot oder frischen Gewürzen teile ich Eure Bedenken.

    Und der rote Faden bei der Tour durch den Supermarkt fehlt dem Webstore von prisXTRA ebenso wie dem von Ikea. Trotzdem bereitet mir der Online Kauf (mit Abstrichen wg. schwacher Usability des Webstores) auch bei Ikea Spass, da ich nicht zu einem überfüllten Ikea Markt fahren muss, wo die Parkplätze und der ganze Laden überfüllt sind und man an der Schlange sehr lange anstehen muss, um die Möbel dann entweder elber schleppen oder zum Teil geliefert zu bekommen.

    Ich denke, das Modell Lebensmittel online bestellen und nach Hause liefern hat – auch in Deutschland – Zukunft.

    Viele Grüße

    Alan

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 5. Mai 2008 um 14:22 Uhr (#)

    Hi Alan,

    danke für deine Meinung und Erläuterungen. In einer Sache muss ich dich berichtigen: PrisXTRA ist (mittlerweile) eher ein Real oder Marktkauf als ein Aldi oder Lidl. Der Großteil des Sortiments sind Markenprodukte, der Anteil an Handels- bzw. Eigenmarken ist recht gering. Möglicherweise war das aber früher anders…

  9. Alan
    schrieb am 5. Mai 2008 um 14:42 Uhr (#)

    @Martin:

    ich hatte prisXTRA mit Lidl oder Aldi wegen des günstigen Preis- Niveaus und der Warenanordnung (teilweise noch auf Paletten, in Grosskartons anstatt Regalen etc.) verglichen. Aber auch das kann sich geändert haben.

    Mir gehts in der Sache nicht um bestimmte Supermärkte sondern um die Unterscheidung zwischen Frischwaren und verpackten Waren.

    Grüße

  10. Philipp
    schrieb am 5. Mai 2008 um 18:47 Uhr (#)

    http://www.pikpik.de muss ich dann hier mal hervorheben. Ein super zuverlässiger Shop mit riesen Auswahl, der für Dich zum Supermarkt fährt und alles einkauft. Mein Designer geht schon seit knapp 4 Monaten nicht mehr zum Supermarkt, nur noch PikPik.

  11. Philipp Rütz
    schrieb am 5. Mai 2008 um 18:59 Uhr (#)

    In Argentinien habe ich LeShop ausprobiert. Das hat ziemlich gut funktioniert. Man bekommt eine Auftragsbestätigung und wenig später eine E-Mail mit den genauen Lieferzeiten, dem Kennzeichen des Lieferwagens sowie den Namen und Fotos der Zusteller. Die Lieferung erfolgte dann auch in der Regel pünktlich um diese Uhrzeit. Einmal waren sie nicht pünktlich. Dafür erhielt man dafür aber auch gleich die doppelte Menge.

    Die Produktvielfalt bei LeShop ist recht gut. Die Preise sind leicht über Ladenniveau. Aber dafür bekommt man auch schwere Waren (wie z.B. mehrere Sixpacks mit 1,5-Liter-Flaschen Pepsi Max) bis vor den Kühlschrank getragen.

  12. Thomas
    schrieb am 5. Mai 2008 um 19:23 Uhr (#)

    Ich glaube, man sollte mal versuchen, einen Supermarkt in einer dreidimensionalen Web-Umgebung abzubilden, wäre es wohl dann ein erster guter Schritt, zum angenehmen Einkauf von Lebensmitteln übers Internet…

  13. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 5. Mai 2008 um 19:45 Uhr (#)

    @ Philipp
    Hehe um so besser, dann kann er länger arbeiten ;) Auf jeden Fall hat PikPik einen lustigen Namen und große Produktbilder, wenn auch dafür erst das manuelle Öffnen eines Popups nötig ist.

    @ Philipp Rütz
    Wer hätte gedacht, dass es in Argentinien auch schon derartige Dienste gibt. Man scheint auf der Seite aber recht oft klicken zu müssen, um zu den einzelnen Artikeln zu gelangen.

    Das bringt mich zu Thomas’ Idee mit einem dreidimensionalen Supermarkt. Ich glaube auch, dass mir das am ehesten Zusagen würden. Quasi im Stile von Second Life, vielleicht sogar originalgetreue Darstellung des Stammsupermarkts. Klingt ziemlich aufregend, finde ich.

  14. Philipp
    schrieb am 5. Mai 2008 um 23:30 Uhr (#)

    @Martin: PikPik ist Layout/Design/Code-technisch der Horror :-D Aber wie Du schon sagtest, er kann dann länger arbeiten :)) Zumal meist ich ihm den Kram bezahle und dann direkt 20 Dosen RedBull order… Das hilft ungemein ;) Aber die Seite sollte dringend mal generalüberholt werden, wobei man sagen muss, der Service ist wirklich super… Zuverlässig, pünktlich und bezahlbar.

  15. Philipp Rütz
    schrieb am 8. Mai 2008 um 15:21 Uhr (#)

    @Martin
    Ja, die Seite von LeShop dürfte durchaus noch etwas einfacher sein.

    Positiv hingegen ist die CRM-Orientierung von LeShop. Wenn man z.B. Pepsi light, Wasser, Nutella und Müsli bestellt hat, erhält man 1-2 Wochen später wieder Angebote für die selben Artikel (15 % Rabatt / 2 für 1) und kann die online auch sofort wieder auswählen. Man muss also glücklicherweise nicht immer alles neu eingeben.

  16. Martin Weigert
    schrieb am 9. Mai 2008 um 10:54 Uhr (#)

    Das klingt wirklich cool und sehr kundenfreundlich.

  17. Tanja
    schrieb am 4. Januar 2009 um 21:36 Uhr (#)

    Hallo,

    Eurer Talk ist zwar schon einige Monate alt, aber vielleicht habe ich einen Tipp für Euch:
    http://www.food-shop24.com ist in Deutschland ansässig. Die Versandkosten, die nach Gewicht gehen, sind zwar fürs Ausland nicht sehr niedrig, aber wenn man sich mit ein oder zwei weiteren Leuten zusammentut, ist das eine super Sache.
    Die bieten u.a. auch die Billigmarke von
    EDEKA “Gut & Günstig” an.

    Gucken kostet ja nichts!

  18. juergen
    schrieb am 13. Februar 2011 um 17:44 Uhr (#)

    interessante idee. ist n deutschland auch gut im kommen. ich bin stammkunden von dem lebensmittel online shop http://www.saymo.de. schnell, gut und zuverlässig.

    lg

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