Facebooks Schwierigkeiten auf dem deutschen Markt – wenig überraschend

Martin Weigert, 3. Mai 2008 16:56 Uhr, 12 Kommentare Kommentare

facebook_logo.gifAm vergangene Sonntag veröffentlichte FAZ-Netzökonom Holger Schmidt Zahlen der Marktforscher von Nielsen Online zur Besucherentwicklung der führenden sozialen Netzwerke in Deutschland. Während studiVZ mit sechs Millionen Besuchern im ersten Quartal 2008 die Nielsen-Liste anführt, liegt Facebook mit 1,2 Millionen Besuchern im selben Zeitraum abgeschlagen hinter MySpace, schülerVZ, wer-kennt-wen.de, Xing und lokalisten. Entsprechend titelte Schmidt im FAZ-Blog “Facebook verpatzt den Deutschland-Start”. Facebook hatte am 1. März seine deutschsprachige Version ins Netz gestellt.

Während der FAZ-Bericht – wenig verwunderlich – an verschiedenen Stellen im Netz aufgegriffen wurde, lieferten die Nielsen-Zahlen eigentlich nur die Bestätigung für das, was sowieso zu erwarten war. Tatsächlich gab es keinerlei Gründe, die für eine rasante Zunahme der Facebook-Mitgliederzahl in Deutschland nach dem Start der deutschsprachigen Version gesprochen hätten. Am 23. Januar beschäftigte ich mich mit dem anstehenden Startschuss für Facebooks deutsche Plattform. Meine damalige Prognose: “Wahrscheinlicher ist aber, dass auch nach dem Launch einer deutschsprachigen Facebook-Version die Zahl hiesiger Mitglieder nur langsam steigen wird, da nämlich nicht die Sprache das bisher größte Problem war, sondern die Existenz von studiVZ.” Genau so ist es gekommen.

Dabei verhindert natürlich nicht nur studiVZ ein Ausbreiten von Facebook in Deutschland, sondern auch die zahlreichen anderen erfolgreichen Social Networks. Neben den 5,6 Millionen studiVZ-Mitgliedern gibt schülerVZ seine Mitgliederzahl mit 3,4 Millionen an. MySpace hat in Deutschland um die vier Millionen registrierte Nutzer, Xing schätzungsweise 3 bis 3,5 Millionen, wer-kennt-wen.de laut eigenen Angaben über 2,1 Millionen und lokalisten mehr als eine Million. Hinzu kommen Anbieter wie Jappy und KWICK! mit ebenfalls Mitgliederzahlen im siebenstelligen Bereich, sowie zahlreiche kleinere und spezialisierte Netzwerke. Kurzum: Der Markt ist gut besetzt, das Zeitbudget der Nutzer begrenzt, Netzwerkeffekte halten die User der führenden Social Networks auf der jeweiligen Plattform und nur wenige Anwender betätigen sich aktiv bei mehr als zwei Communities.

Für Facebook, das in anderen Ländern Europas und der Welt weiterhin kräftige Zuwächse verzeichnet, ist der deutsche Markt eine harte Nuss, die aktuell nur schwer zu knacken ist. Abgesehen von kleineren Aktionen haben die Amerikaner hierzulande bisher auf Marketing verzichtet. Ob das klug oder dumm ist, darüber lässt sich streiten. Es erst einmal ohne ein nennenswertes Kommunikationsbudget zu versuchen, finde ich persönlich gar nicht schlecht. In Frankreich ist diese Rechnung aufgegangen. In Bezug auf den deutschen Markt muss sich Facebook jedoch eine andere Strategie einfallen lassen. Für ein schnelles organisches Wachstum bedarf es hier größerer Marketinginvestitionen und vor allem erheblich mehr Kreativität. Ansonsten bleibt noch diese Alternative.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Überarbeitete Homepage: Facebook versteckt Link zum Abmelden

6.2.2010, 20 KommentareÜberarbeitete Homepage:
Facebook versteckt Link zum Abmelden

Facebook hat seine Homepage überarbeitet. Und dabei kurzerhand den Link zum Abmelden in ein Untermenü abgeschoben.

Social Networks: Facebooks Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen

12.1.2010, 29 KommentareSocial Networks:
Facebooks Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen

Facebooks Auswirkung auf Dating und Beziehungsleben können nicht überschätzt werden. Eine Bestandsaufnahme.

Webdienste: Apps, die wir täglich nutzen (Teil 1)

8.1.2010, 18 KommentareWebdienste:
Apps, die wir täglich nutzen (Teil 1)

Webdienste gibt es Tausende. Doch nur wenigen nutzen wir täglich. Hier kommt eine Übersicht über die Anwendungen, die wir Tag für Tag einsetzen (Teil 1).

Social Web: Über Konkurrenz und den Nutzen  für die User

25.1.2010, 16 KommentareSocial Web:
Über Konkurrenz und den Nutzen für die User

Wettbewerb belebt das Geschäft und ist im Interesse der Verbraucher, so heißt es meist. Doch trifft das, was in der traditionellen Wirtschaft seine Gültigkeit hat, auch im Social Web zu?

Soziale Netzwerke als Distributoren von Medieninhalten

12.8.2009, 6 KommentareSoziale Netzwerke als Distributoren von Medieninhalten

Social Networks und ihre zunehmende Bedeutung für Online-Medienangebote.

Mobile Social Networks: foursquare begeistert die  US-Webgemeinde

26.7.2009, 5 KommentareMobile Social Networks:
foursquare begeistert die US-Webgemeinde

Mit seiner spielerischen Komponente animiert foursquare zum Wettkampf mit den eigenen Kontakten um die "Herrschaft" an seinen Lieblingsorten. Schon ist vom "nächsten Twitter" die Rede.

Übernahmen im Web: Drei Beispiele für verpasste Chancen

5.1.2010, 20 KommentareÜbernahmen im Web:
Drei Beispiele für verpasste Chancen

Während sich manch eine Akquisition im Web als Flop herausstellt, wäre an anderer Stelle ein Zusammengehen zweier Dienste wünschenswert gewesen. Drei Beispiele für verpasste Chancen.

studiVZ-CEO Markus Berger-de León: \

7.12.2009, 6 KommentarestudiVZ-CEO Markus Berger-de León:
"studiVZ Connect" kommt

Am heutigen Montag öffnet sich studiVZ für externe Applikationen. CEO Markus Berger-de León im Interview.

Sicherheitsleck bei SchuelerVZ: Über 1 Million Datensätze im Umlauf

16.10.2009, 7 KommentareSicherheitsleck bei SchuelerVZ:
Über 1 Million Datensätze im Umlauf

Gleich mehrere Datenlecks scheint es bei dem auf Minderjährige spezialisierten Social Network schuelerVZ zu geben. Über 1 Million Datensätze mit detaillierten Profilinformationen wurden netzpolitik.org zugespielt.

12 Kommentare

  1. TobiTatze
    schrieb am 3. Mai 2008 um 17:48 Uhr (#)

    Auf kurze Zeit gesehen gebe ich dir Recht. Langfristig sehe ich allerdings Scharz für die VZ’s Deutschland, wenn sie sich nicht endlich weiter entwickeln.
    Facebook bietet so viel mehr, dass die kommende Generation von SNS (Social Network Services) Nutzern, einfach nicht mehr zufrieden sein kann mit dem Angebot von StudiVZ u.a.
    StudiVZ verpasst es meiner Meinung nach, den Anschluss an Facebook zu halten. Zuerst kopiert, aber dann nicht konsequent weiterentwickelt.
    Vor allem vor dem Hintergrund, dass StudiVZ irgendwie Geld verdienen muss und man mit aufälliger Werbung Nutzer vergrault, muss sich StudiVZ etwas kluges einfallen lassen.
    Ich für meinen Teil verwende StudiVZ fast gar nicht mehr. Spätestens als mir auf der Startseite das Gedudel der Gelben Seiten entgegendröhnte, dass sich auch nicht abschalten lies.
    Immer mehr meiner Freunde wechseln nun auch zu Facebook und das ist gut so.
    StudiVZ hat für mich seinen Charme der Anfangsjahre absolut verloren…

  2. Roland
    schrieb am 3. Mai 2008 um 18:30 Uhr (#)

    Ich kann dies nicht ganz nachvollziehen: In meinem Freundeskreis sind sehr viele Studenten, von diesen sind jedoch nur die bei facebook angemeldet, die hoffen über die Plattform alte (ausländische) Bekannte aus Urlauben, Auslandspraktika etc. wiederzufinden. Für diesen Zweck ist die Plattform meiner Meinung nach auch perfekt.
    Ein sehr großer Kritikpunkt, den ich beim Vergleich der beiden SNs höre, ist aber, dass facbook mittlerweile ein “Bedienungsmonster” geworden ist. Es gibt unglaublich viele Funktionen. Sehr interessante Funktionen. Programme. Apps. Spiele. Plug-ins. etc. etc. Aber dies alles führt sicher nicht zur Vereinfachung…
    Ich meinerseits nutze fast ausschließlich studivz, obwohl ich z.b. die Twitter- oder Nabaztag-Einbindung genial finde!

    1. TobiTatze
      schrieb am 3. Mai 2008 um 20:07 Uhr (#)

      Die vielen Funktionen sehe ich gerade als Vorteil an. Gerade weil sie dir nicht unbedingt aufgezwungen werden, wenn man weiß, wie man seine Einstellungen zu konfigurieren hat.
      Klar sind diese ständigen Spam-Quiz-Mitteilungen im Mini-Feed etwas nervig, aber mittlerweile hat sich auch das, zumindest bei mir, fast erübrigt. Ich bekomme vielleicht zwei dieser Quiz anfragen pro Woche und das ist durchaus zu verschmerzen.
      Auch den implementierten IM empfinde ich als großen Vorteil, weil man halt nicht immer jeden seiner Freunde im Desktop-Chatprogramm hat.
      Ich bleibe bei meiner These: Facebook wird sich auf lange Sicht auch in Deutschland durchsetzen, wenn StudiVZ (oder generell meinVZ) sich nicht etwas einfallen lässt.

  3. Casi
    schrieb am 3. Mai 2008 um 21:42 Uhr (#)

    Gemäß dem Motto “Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich” versuche ich mich mal an einem Vergleich mit einer ganz anderen Industrie: dem Handymarkt in Deutschland. Ich kann mich erinnern, dass vor einigen Jahren (als ich noch Siemens-Verfechter war *g*)Nokia das Nonplusultra gewesen ist, welchem mit riesigem Abstand Protagonisten wie Siemens und Motorola zu folgen versuchten. Mit Sony Ericsson konnte ich so gar nichts anfangen seinerzeit – die Handys waren irgendwie nur eckig und hässlich und auch die Funktionen waren allenfalls Mittelklasse. Die Nokia-Fürsprecher wollten genauso wenig auf ein anderes Handy wechseln wie StudiVZ-Nutzer ein ganz anderes System brauchen derzeit. Alle Freunde sind dort, man hat sich auf das System und die Funktionen eingeschossen usw. Aber spätestens, wenn man bei der Konkurrenz Features sehen wird, die man auch gerne hätte, möchte man auch dort angemeldet sein und werden auch mehr und mehr der “alten” Freunde mitwechseln.
    Wie gesagt – ein wenig hinkt der Vergleich mit Sicherheit, aber StudiVZ kann mit dieser Technologie im Leben nicht die Nr.1 bleiben – ob es allerdings Facebook sein wird, welches den Spitzenplatz einnimmt, das bleibt noch abzuwarten. Man sollte auch Myspace nicht vergessen, welche aktuell den Anspruch rausgehauen haben, StudiVZ binnen 18 Monaten an der Spitze abzulösen.

  4. Markus
    schrieb am 3. Mai 2008 um 21:59 Uhr (#)

    Ich denke Facebook hat es auch gar nicht unbedingt eilig, die derzeitigen Fakten sprechen für eine eher langfristige Strategie. Sonst wär eben mehr Marketing mit ins Spiel gekommen.

    Wenn es auf lange Zeit aber doch nichts wird, halte ich es nicht für unwarscheinlich, dass sie sich Studivz und Co. unter den Nagel reissen oder sich eben dass bessere Produkt durchsetzt.

  5. florian
    schrieb am 3. Mai 2008 um 23:59 Uhr (#)

    facebook wird studivz kaufen.

  6. florian
    schrieb am 4. Mai 2008 um 00:00 Uhr (#)

    hops – und gerade erst eben den letzten kommentar gelesen – da war einer schneller als ich!

  7. Daniel Thomaser
    schrieb am 4. Mai 2008 um 09:13 Uhr (#)

    Studivz kaufen?
    Da würde ich relativ viel dagegen setzen.
    1. Kaufpreis wäre viel zu hoch
    2. Marke studivz ist sehr stark. sie in facebook aufgehen zu lassen wäre schwachsinn und auch logistisch äußerst kompliziert
    3. das defizitäre studivz kaufen und als marke bestehen lassen, macht auch kein sinn.
    4. die aquistion bringt keinerlei technologie zuwachs.

    Wenn studivz noch start-up wäre, hätte man über eine Übernahme ernsthaft spekulieren können. Jetzt ist der Zug aber abgefahren.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 4. Mai 2008 um 11:20 Uhr (#)

    Also ich halte es nicht für so unrealistisch wie du, sehe aber auch zahlreiche Hürden. Letztlich hängt es davon ab, welche Priorität Facebook dem deutschen Markt zumisst. Und ich habe das Gefühl, eine immer höhere.

  9. Roland
    schrieb am 7. Mai 2008 um 23:33 Uhr (#)

    Ein Handy mit einem SN zu vergleichen halte ich wirklich für einen recht hinkenden Vergleich:
    Zwar trifft es insofern zu, dass die Bedienung neu erlernt werden muss, aber der entscheidende Unterschied ist wohl, dass ich bei meinem Handy meine Kontakte – mehr oder weniger einfach – mitnehmen kann. Bei dem SN meiner Wahl jedoch nicht…
    Wäre eine derartige Portierung möglich, wäre es auch meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit bis den studiVZ-Nutzern die Augen aufgehen würden. Da dies aber wohl nie bzw. nur im Fall einer Übernahme geschehen würde, sehe ich für facebook auf kurze Sicht rabenschwarz. Auf lange hoff ich, dass meinen studiVZ-Kontakte ein (facebook)-licht aufgehen wird ;)

  10. rattomago
    schrieb am 10. Mai 2008 um 16:07 Uhr (#)

    ein passender vergleich meiner meinung ist die entwicklung mit icq und skype: in meiner studienzeit waren alle meine kollegen in icq, seit es skype gibt sind beinahe alle dorthin gewechselt. Der Zusatznutzen von Skype hat die Hürde des Wechselns “weggefegt”.

  11. Mischka
    schrieb am 11. Mai 2008 um 00:05 Uhr (#)

    jaja facebookks und wie sie alle so heissen mag ich alle nicht… :)

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.