Welttag der Pressefreiheit:
Kein Grund zum Feiern

Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit warnt die Organisation Reporter ohne Grenzen vor den 39 schlimmsten Feinden der freien Berichterstattung.

Reporter ohne Grenzen
Bilder: Aktion von Reporter ohne Grenzen in Berlin

Journalisten mögen Zahlen. Sie sind präzise, direkt nachprüfbar. Sie lügen nicht. Die Zahlen für 2008 sind jetzt schon verheerend. 63 Online-Dissidenten, sieben Medienassistenten und 160 Journalisten wurden weltweit inhaftiert. Neun Journalisten wurden getötet.

Der älteste Inhaftierte ist der 78-jährige Journalist und Aktivist Win Tin. Er ist seit 18 Jahren in Birma hinter Gittern, unter anderem wegen “kommunistischer Überzeugungen”. Weltweit am längsten inhaftiert ist der Libyer Abdullah Ali Al-Sanussi Al-Darrat – er wurde bereits 1973 eingesperrt. Auf die regelmäßigen Anfragen von ROG zu seinem Schicksal hat die libysche Regierung bisher nicht reagiert.

Fotos für die Pressefreiheit
Seit 1994 veröffentlicht Reporter ohne Grenzen jährlich zum internationalen Tag der Pressefreiheit den Band “Fotos für die Pressefreiheit”. International renommierte Fotografen wie Sebastião Salgado, Nan Goldin, Susan Meiselas, James Nachtwey und Josef Koudelka steuern ihre Arbeiten unentgeltlich bei. Die Erlöse aus dem Verkauf der Bände kommen direkt der Menschenrechtsarbeit zugute. Aktueller Band: Nahtstellen

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat zum heutigen Internationalen Tag der Pressefreiheit ihre Liste der “größten Feinde der Pressefreiheit” auf den neuesten Stand gebracht. Sie umfasst 39 Einträge, darunter Staatspräsidenten, Militärchefs und Drogenhändler. Zu ihnen zählen etwa Alexander Lukaschenko (Weißrussland), Robert Mugabe (Simbabwe) und die ETA in Spanien. Außerdem hat der Deutsche Journalisten-Verband vor einer Aushöhlung der Pressefreiheit in Deutschland gewarnt.

In Deutschland seien “nicht das Leben oder die Freiheit der Journalisten gefährdet, wohl aber die freie Recherche und Berichterstattung”, sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken am Freitag in einer Presseerklärung. Der Informantenschutz und das Redaktionsgeheimnis würen unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes immer weiter eingeschränkt. Dadurch werde es für Journalisten immer schwieriger, mit zuverlässigen Informanten vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

Es bestehe die Gefahr, dass die Pressefreiheit bald nur noch auf dem Papier des Grundgesetzes Bestand haben könnte, kritisierte Konken. Um das zu verhindern, müsse die Politik die Vorratsdatenspeicherung stoppen sowie Journalisten vor Online-Durchsuchungen und der Überwachung durch Nachrichtendienste schützen. Ähnlich äußert sich in einem dpa-Interview der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen.

Um auf das Schicksal inhaftierter Journalisten aufmerksam zu machen, stellte “Reporter ohne Grenzen” (ROG) eine Aktion auf dem Potsdamer Platz in Berlin eine Gefängniszelle auf und kommentierte die Aktion mit den Worten: “In über 30 Ländern ist die Pressefreiheit nur zwei mal drei Meter groß.”

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

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    schrieb am 3. Mai 2008 um 20:36 Uhr (#)

    Jeder einzelne der inhaftierten Journalisten, jedes dieser Schicksale ist zu bedauern. Jeder der Willkürakte ist zu verurteilen. Und doch, schaue ich über den Zaun, sehe die Bilder von Amsdetten, die Meute der Reporter und Bildberichterstatter. Wer in TV und Printmedien die Berichterstattung wahrnimmt, weiß, hier wird eine Grenze überschritten, ist ein Point of no return erreicht. Mag sein, Pressefreiheit ist in Gefahr. Mag sein, weltweit sind 210 Medienschaffende inhaftiert. Hier arbeiten Medien daran, in einer einzigen kleinen Gemeinde eines kleinen Landes 10 Menschenleben binnen Stunden noch einmal zu zerstören. Ein weltweiter Tag der Pressefreiheit übersieht zur rechten Zeit geflissentlich weltweiten Mißbrauch von Pressefreiheit. Eine Medienlandschaft, der sittliche Reife fehlt, steht das Einfordern von Rechten nicht immer gut zu Gesicht. Freiheit ist zuerst die Freiheit des anderen. Hier wird sie von Medien eiskalt zur Gewinnmaximierung kassiert.

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