RSS:
eine geniale Technologie und warum sie kaum jemand nutzt

RSSWusstet ihr, dass gestern offizieller “RSS Awareness Day” war? Eben, ich auch nicht, bis ich diesen Beitrag bei The Next Web las. Dort erfuhr ich, dass laut einer Studie von Pew Internet & Yahoo! im Jahr 2005 lediglich zwölf Prozent der Internetnutzer den Begriff RSS richtig einordnen konnten. Nur vier Prozent der User hatten RSS damals bereits bewusst verwendet. Heute, drei durch das Web 2.0 geprägte Jahre später, sehen diese Zahlen mit Sicherheit etwas besser aus. Doch man muss nicht extra eine neue Untersuchung zur RSS-Nutzung durchführen, um festzustellen, dass die RSS-Technologie bei dem Großteil der Internetanwender bisher nicht angekommen ist. RSS geht es damit ähnlich wie Twitter, nur mit dem Unterschied, dass das Format bereits fast zehn Jahre auf dem Buckel hat und noch immer kein Massenphänomen geworden ist.

Inspiriert vom gestrigen RSS-Tag dachte ich darüber nach, wie die Internet- und Mediennutzung heute aussähe, würde jeder RSS kennen und verwenden. Mit Hilfe eines RSS-Readers können User ihre Aufmerksamkeitsspanne um ein Vielfaches erweitern. Plötzlich ist es möglich, statt wie bisher die Meldungen von zwei, drei oder vier bevorzugten Nachrichtenangeboten im Auge zu behalten, RSS-Feeds von 100 oder mehr Quellen zu abonnieren und abhängig von der eigenen Selektionsfähigkeit ohne zusätzlichen Zeitaufwand zu konsumieren. Die Folge ist, dass neben den Feeds der bekannten Onlinezeitungen auch die von Nischenangebote und Blogs vermehrt in den RSS-Readern der Anwender landen. Aus Usersicht kostet es nicht viel, den Feed eines potenziell interessanten Blogs zu abonnieren. Der für RSS-Verweigerer erforderliche Schritt, eine Seite zu den Favoriten hinzuzufügen und sie anschließend aktiv regelmäßig zu besuchen, wirkt um einiges umständlicher.

Es wären somit gerade Blogs und andere Angebote des Long Tails, die von einer verbreiteten RSS-Bekanntheit und -Nutzung profitieren würden. Der bei einer RSS-Verwendung zu erwartende Lerneffekt darüber, wie man kostenlos mehr relevante Informationen in weniger Zeit verwaltet und bezieht, könnte zudem den Bedeutungsverlust der Tageszeitung beschleunigen. Anfänglich folgt auf die morgendliche Printlektüre ein kurzer Blick in die Feeds, der mit zunehmender Anzahl an interessanten Quellen länger wird, bei gleichzeitiger Verkürzung der Lesedauer des Papierproduktes. Wer sich mit Hilfe von RSS seine ganz individuelle “Zeitung” zusammenstellt, die noch dazu nichts kostet, ist nicht mehr weit davon entfernt, das Papier gegen den Bildschirm einzutauschen und auf das vermeintlich geliebte Gefühl eines gedruckten Papierproduktes zu verzichten.

Nun befinden wir uns aber nicht in einer Welt, in der jeder Max Mustermann mit dem Begriff und der Funktionsweise von RSS vertraut ist. Während ihr, die regelmäßigen Leser dieses Blogs, zu schätzungsweise 90 Prozent RSS nutzt, spielt das Format im Alltag eines Großteils der Webbevölkerung keine Rolle. Warum? RSS umgibt nach wie vor eine sehr technische Aura. Es wird, wenn überhaupt bekannt, als etwas angesehen, das “Computerexperten” nutzen. RSS wurde niemals vom Marketing emotional aufgeladen, um weniger experimentierfreudige User zu einer Verwendung zu animieren.

Zwar verfügen nahezu alle verlagsgeführten Medienangebote im Web über RSS-Feeds, doch getrommelt wird dafür nicht. Wer nicht aktiv nach dem kleinen orangen RSS-Icon sucht, hinter dem sich in der Regel der Feed verbirgt, für den existiert das Format im Prinzip nicht. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Verlage und Onlinezeitungen möchten ihre Stammleser nicht dazu ermuntern, mit Hilfe von RSS ihre Aufmerksamkeitsspanne zu erweitern, aus Angst, Leser und deren Zeitbudget für Medienkonsum an andere Quellen zu verlieren. Auf absehbare Zeit wird sich daran vermutlich auch nichts ändern. So sind es weiterhin die RSS-Freunde selbst, die mittels Mundpropaganda die Vorteile und Funktionsweise des Verfahrens bekannt machen und darauf hoffen müssen, dass mehr Internetnutzer das Bedürfnis entwickeln, sich ihre Nachrichtenquellen individuell und effizient selbst zusammenzustellen.

Update: Passend zum Thema RSS ganz einfach erklärt (auf Englisch):

Link zum Video (via Kommentar/bertdesign.de)

zweinull.cc Lesetipps:
Die 25 wertvollsten Blogs der USA
Über das Duzen und Siezen im Web 2.0
Entspannen im Informationszeitalter – ein (un)lösbares Problem

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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40 Kommentare

  1. Zwölf Prozent sind doch super?

    RSS ist ein Werkzeug für Wissenshungrige.

  2. RSS wurde niemals vom Marketing emotional aufgeladen
    Es wären somit gerade Blogs und andere Angebote des Long Tails, die von einer verbreiteten RSS-Bekanntheit und -Nutzung profitieren würden.

    Daraus ergibt sich für den Marketing-Menschen in mir eine logische Konsequenz: Der “Long-Tail” könnte eine Initiative entwickeln, die genau das macht: RSS und die damit verbundenen Vorteile mit Emotionen aufladen und verbreiten…

    • Absolut. Eine Idee? Dieser RSS Awareness Day war ja sicher so gedacht. Aber eine solche Aktion ist vermutlich nicht ausreichend.

    • Ich fand ja das Video “RSS in Plain English” von Commoncraft ne ziemlich gute Idee (http://www.youtube.com/watch?v=0klgLsSxGsU). Es braucht auf jeden Fall ein paar Erklärungen, die “Otto-Normaluser” die Vorteile von RSS deutlich machen und eine gaaanz simple Anleitung, wie das denn funktioniert…

    • Danke. Nun muss das nur noch jemand ins Deutsche übertragen :)

  3. Heute sind es sicher mindestens 20 Prozent, die schon einmal von RSS gehört haben (reine Schätzung, basierend auf meinen subjektiven Erfahrungen im Familie-, Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis). Ich finde, das ist wenig.

    RSS ist sicherlich ein Werkzeug für Wissenshungrige, aber eigentlich ist es doch mehr, nämlich ein Werkzeug für alle, die sich über bestimmte Themen regelmäßig informieren. Und das sind sicher mehr als 10 oder 20 Prozent der Internetnutzer.

    • RSS ist sicherlich ein Werkzeug für Wissenshungrige, aber eigentlich ist es doch mehr, nämlich ein Werkzeug für alle, die sich über bestimmte Themen regelmäßig informieren. Und das sind sicher mehr als 10 oder 20 Prozent der Internetnutzer.

      Naja, dazu zwei Sachen:

      Erstens bin ich mir sicher, dass wahnsinnig viele Leute Tools benutzen, die RSS einsetzen, ohne, dass die Leute groß davon etwas mitbekommen. Als Beispiel seien mal die personalised homepages im Stil von NetVibes/PageFlakes/usw. genannt. Würde mich nicht überraschen, wenn viele Leute darüber ihre News lesen, ohne zu wissen, wie das ganze funktioniert und was RSS ist.

      Aber sehr viel wichtiger ist, dass RSS nunmal *nicht* die einzige mögliche Art ist, Informationen aufzunehmen. Ich kenne wahnsinnig viele Leute, deren Onlinezeit fast komplett für StudiVZ und SpOn draufgeht, und die nichts vermissen. Ich kenne auch Leute, die mehrere Blogs verfolgen, in dem sie diese einfach täglich besuchen.

      Der Punkt ist: jeder hat einen anderen Bedarf an Zufuhr frischer Informationen, und jeder stillt diesen auf seine eigene Art. “Leute wie wir” haben einen extrem hohen Bedarf und setzen Tools ein, die nunmal auch wirklich für den durchschnittlichen Internetuser ein Buch mit sieben Siegeln darstellen (auch, wenn sie uns als einfach zu benutzen erscheinen).

      Lange Rede, kurzer Sinn:

      - RSS-Reader sind eine hochspezialisierte Anwendung.
      - Sie sind nach wie vor kompliziert.
      - Es geht tatsächlich auch ohne.
      - Bonus: die meisten Leute *sind* mit StudiVZ und SpOn zufrieden bis ausgelastet. ;-)

      In der Hinsicht finde ich zwölf bzw. zwanzig Prozent ziemlich beeindruckend.

  4. Ich denke, dass man auch eine bessere Bezeichnung bräuchte, die klar erkennen lässt, was diese Technologie macht. Niemand weiß, was diese Abkürzungen überhaupt bedeuten, geschweige denn wie man “feed” übersetzen soll.

    Und wie erklärt man einem Unbedarften, wie das Prinzip funktioniert (ähnlich wie: Was ist Twitter)? “Ja also da kann man sich einen Link in ein Programm packen und das zeigt einem dann an wenn es was neues gibt, so dass man nicht immer selbst die Seiten abgrasen muss” Und was sind das nun für Programme? Muss ich da was runterladen oder gibt es Webseiten, die das machen?
    Hinzu kommen noch die verschiedenen Formate (RSS, Atom) in jeweils mehreren Versionen. Wozu braucht man die? Wo sind die Unterschiede? (Könnte ich selbst nichtmal beantworten)

    Ich denke am einfachsten könnte man es mit “kostenlosem Abonnement” übersetzen, und deutlich machen, dass man damit viel Zeit bei der morgentlichen News-Leserei sparen kann.

    Also jeder, der Feeds zu seiner Website anbietet, sollte eine einfache Infoseite bereitstellen, wo kurz die Vorteile und die Verwendung erklärt werden. Vielleicht auch einfach auf eine “Aufklärungsseite” verlinken. Entsprechende Eye-Catcher könnten dann so aussehen: “Du möchtest immer auf dem laufenden bleiben, und sofort mitbekommen wenn es auf xyz.de etwas neues gibt? Dann klick hier”

  5. Mit Hilfe eines RSS-Readers können User ihre Aufmerksamkeitsspanne um ein Vielfaches erweitern.
    Oder alternativ komplett vernichten ;)

  6. Schön dass das Thema RSS-Nutzung mal wieder thematisiert wird – es ist schade um das Potential.

    Ich denke nicht dass die mangelnde Durchsetzung von RSS mit vorgeblicher “Kompliziertheit” zu tun hat, wie Hendrik meint. Ein Outlook-Konto einzurichten ist definitiv komplizierter.

    Ich nehme vielmehr an, dass es sich um eine neue Form von Medienkompetenz handelt, die sich viele Leute noch nicht angeeignet haben. Ich kenne viele, die zwar schon von RSS gehört haben, es aber nicht nutzen. Begründung: Angst vor “zuviel Informationen”.

    Dass sich Informationen gerade durch RSS (und Diensten wie Yahoo! Pipes) erst richtig filtern lassen hat sich nicht herumgesprochen. Man kann (und muss) eine feine Auswahl treffen – auch darauf ist wohl nicht jeder vorbereitet in Bezug auf Mediennutzung.

    Gleichzeitig greift da wohl auch die Tugend vieler Leute, das “Spielen” / “Ausprobieren” nicht als Teil des Lernens sehen zu können.

    Umgekehrt beobachte ich, dass die meisten derjenigen, denen ich die Nutzung in einer Art Workshop gezeigt habe auch dabei geblieben sind – ich denke, sie haben die sinnvolle Verwendung in dem Moment “gelernt”.

  7. Weil Hendrik oben studiVZ anspricht – man stelle sich vor, studiVZ (oder Facebook oder ein anderes SN) würden ein simples RSS-Reader-Feature integrieren, dies auch gut erklären und bewerben. Welch einen Boom für RSS dies wohl bringen würde?

    • Ohne jetzt den Zyniker spielen zu wollen, aber ich glaube, du überschätzt den gemeinen StudiVZ-Nutzer. Die Tatsache, dass eine so dermaßen mies gebaute Plattform einen solchen Erfolg haben kann, hat meinen Glauben daran zerstört, dass die User dort überhaupt irgendein Interesse an nützlichen oder auch nur gut umgesetzten Features haben.

      Die Gruppen dort? Haha. Noch mieser benutzbar als die ganzen “Foren” da draußen mit ihren 10-Meter-Bilder-Signaturen. *Sowas* stellt, so traurig es sein mag, nämlich für viele Leute da draußen ein nützliches Feature dar.

      Ich bin heute so negativ. Aber ich hatte gestern auch keinen freien Tag. :-P

  8. studiVZ war jetzt auch eher ein Beispiel. Als Facebook-Freund denke ich natürlich, dass ein solches Feature eher zu Facebook passen würde. Davon abgesehen: Würden große nutzerstarke Netzwerke und z.B. Freemailer wie WEB.DE ode GMX, die selbst keinen redaktionellen Stolz und damit nichts zu verlieren haben, RSS-Reader-Funktionen implementieren, dann würde das Thema für Durchschnittsuser erheblich zugänglicher sein, da bin ich mir sicher.

  9. Sehr interessantes Thema. Ich war schon sehr gespann, als ich in meinem Feedreader (sic!) auf die Überschrift klickte.
    Ich habe auch in letzter Zeit die Erfahrung gemacht, dass das Thema RSS schwer zu vermitteln ist.
    Ein paar Beispiele:
    Einem befreundetem Journalisten, der eine “Internet-Kolumne” hat, zeigte ich vor ein paar Monaten meine (vollgepackte) Netvibes-Startseite. Seine Reaktion: “Puh – das ist mir einfach zu viel Information!”
    Ein internet-affiner Freund meinte zu dem Thema:”Natürlich ist das geil, aber ich habe Angst davor – was man da alles lesen könnte, und wieviel Zeit das kostet!”
    Aus der Reaktion von diversen anderen Leuten schliesse ich auch, das die Begriffe RSS-Feed oder Feedreader sehr abstrakt und schwierig sind, ändern sollte man sie jetzt aber sicher nicht mehr.
    Ein einziges Titelthema bei Stern (Natürlich die Print-Ausgabe;)) ala “Generation RSS” könnte hier wahrscheinlich schon Wunder wirken.
    Ich denke, dass RSS-Feeds von ihrer Funktionsweise her wirklich idiotensicher sind, aber erst mal abschreckend wirken.
    Was tun?

    • “Einem befreundetem Journalisten, der eine “Internet-Kolumne” hat, zeigte ich vor ein paar Monaten meine (vollgepackte) Netvibes-Startseite. Seine Reaktion: “Puh – das ist mir einfach zu viel Information!””

      hehe, das sagt eigentlich alles über den aktuellen Stand der Internetkenner im Journalismus.
      Thomas Knüwer, Internentexperte beim Handelsblatt und Vorzeigeblogger dort, hat vor einem Jahr nach eigeneer Aussage auch noch keine RSS-Feeds gelesen. Weiß nicht, ob das mittlerweile anders ist, fand das damals aber reichlich absurd.
      Naja.

    • Herrlich Story ;) Wobei ich mich auch recht lange verweigert habe. Aber irgendwann kann man die steigende Zahl der Newsquellen einfach nicht mehr ordentlich und effizient handlen. Spätestens dann ist es Zeit für RSS.

  10. Dieser RSS Awareness Day ist auch an mir total vorübergegangen. Schande, wo ich doch
    a) RSS Fan mit Fleisch und Blut bin und
    b) eh die meiste Zeit im englischsprachigen Web unterwegs bin, wo ich davon eigentlich hätte mitbekommen müssen und
    c) in meinen zahlreichen abonnierten Feeds davon hätte lesen müssen.

    Aber ich hab ‘ne Entschuldigung. Ich hab gestern die ganze Zeit mit ‘nem neuen vBulletin und der RSS Funktion von vB rumgespielt ;-)

    Sollten die 20% stimmen, so halte ich diese Zahl ebenfalls für ziemlich hoch. Ich schliesse mich meinen Vorkommentatoren da an. Ebenso halte ich aber Akronyme und Anglizismen wie “RSS” und “Feed” für alles andere als massenkompatibel und gut vermarktbar. Aber auch der Begriff “VEI – Verdammt Einfache Interessengemeinsschaft” wäre nicht ganz so sexy.

    Eine Sache möchte ich aber noch einbringen. Ein Teil meiner Arbeit hier in Westafrika ist es junge Leute in “Informatik” zu unterrichten. Sprich Kurse zu geben für den Umgang mit Computern und aber auch weiterführende Sachen wie z.B. 3-monatige Internetkurse für Fortgeschrittene. Und da ist ein ziemlich grosser Block dem Thema RSS gewidmet, die Teilnehmer haben Konten bei iGoogle oder Netvibes, sie lernen ebenfalls die “Dynamischen Lesezeichen” (wohl die beste Übersetzung für ‘Feeds’ die es zur Zeit gibt) von Firefox kennen.

    Der weitaus grösste Teil der Teilnehmer gehört zum Typ “Hi5 und Sportnachrichten reichen mir” und verzichten auf eine RSS Nutzung, obwohl sie dies z.B. für ihre Interessen durchaus gewinnbringend nutzen könnten. Der kleinste Teil der Teilnehmer verinnerlicht das Prinzip und sucht auf interessanten Seiten nach einem RSS Feed um ihn daraufhin sofort zu abonnieren.
    Die erste Gruppe nutzt als Alternative Email Alerts, die zweite Gruppe tendiert eher dazu Newsletter und Emails durch Feeds zu ersetzen.

    Eine weiter Beobachtung habe ich aber in unserem Schüler Internetcafe gemacht: Die Schüler (die meist kaum oder gar keine Ahnung vom Internet haben und für die Google meist gleichbedeutend mit Internet ist, Hotmail = Email etc…) nutzen die dynamischen Lesezeichen in Firefox, die sich in der Lesezeichenleiste unterhalb der Adresseingabe befinden, auffällig häufig. Es werden sogar bewusst Rechner gewählt, die bestimmt Feeds im Firefox haben um dort zu surfen.

    Man kann also daraus schliessen, dass die Technologie RSS grundsätzlich absolut massentauglich ist, die richtige Anwendungen und das richtige Marketing dafür aber immer noch nicht gefunden wurden.

    Mir dünkt aber irgendwie, dass dies auch damit zu tun haben könnte, dass RSS bisher nicht so direkt als Einnahmequelle genutzt werden konnten. Dies wird sich aber laut Google/Feedburner wohl nun doch ziemlich rasch ändern. Für uns bedeutet das: Gewöhn dich an Werbung in Deinem Reader, vielleicht gibt ein bisschen Kommerz aber auch den nötigen Antrieb dafür RSS den “breiten Massen” besser schmackhaft zu machen.

    Ich würd’s mir wünschen.

    P.S: Wo wieder Y! Pipes erwähnt wurde: Wie genial ist der Service eigentlich?! Ich liebe das Ding mittlerweile, wenn ich auch wohl nur 5% der Funktionen nutze da ;)

  11. Wäre RSS ein Startup, dass mit seiner Erfindung irgendwann einmal Geld verdienen wollte bzw. müsste, würde es vermutlich reichlich Marketingaktionen geben, die den Bekanntheitsgrad der Anwendung nach oben treiben würden. So aber ist RSS nur ein nützliche Technologie, hinter der kein (kommerzielles) Unternehmen und auch keine Stiftung (wie bei der Wikipedia) steht.

  12. lang lebe RSS !

  13. ich glaube kaum das 20% eine halbwegs realistische Schätzung sind. Außerdem sollte man noch differenzieren: 12% wissen vielleicht was RSS ist, was ja noch lange nicht heißt das sie es auch nutzen!

    Ich persönlich hab den Schritt schon getan, meine RSS-Feed aller Interessanten Seiten im GoogleReader und sobald ich irgendwo sitze und sonst Zeitung lesen würde (Bahn o.ä) geht der Reader an… ideal und informiert!

    Leider sehen diese Vorteile nur wenige, die meisten gehen lieber jeden Tag auf ihre 10 Leiblingsseiten und blättern da gelangtweilt durch… bei mashable ist es treffend beschrieben: “Will Aggregation ever go mainstream?” http://mashable.com/2008/…iendfeed-is-awesome/

    ich glaub nicht

  14. Die 20 Prozent waren rein über den Daumen gepeilt, ausgehend von 12 Prozent im Jahr 2005. Ich würde mich darauf nicht endgültig festlegen wollen.

    @ Francis
    In Pipes steckt vermutlich ziemlich viel. Selbst nutze ich sicher auch nicht mehr als fünf Prozent. Aber schon die sind so praktisch und hilfreich ;)

  15. Irgendwo oben meinte jemand, man solle seinen Lesern unter verständlicher Überschrift kurz erklären, was RSS ist bzw. auf eine Erklärung verlinken und den Feed bewerben. Das mache ich seit einer ganzen Weile: http://henningschuerig.de…og/rund-um-den-blog/

    Dazu biete ich noch ein E-Mail-Abo für neue Beiträge an. Nutzt aber aktuell nur genau eine Leserin, während mein Feed laut Feedburner von 200-250 Leuten genutzt wird.

  16. Ein RSS-Feed via Feedburner biete ich zwar auf meinem Blog an, weil es ja immerhin einige (wenn auch verhältnismäßig wenige) gibt, die das nutzen. Ich selbst habe momentan aber nicht ein einziges Feed abonniert. Vielleicht wird sich das noch ändern… Aber ich habe deshalb kein Interesse daran, weil ich mit dem Text auch gerne das Layout einer Seite genieße. RSS ist vielleicht was für hektische Alltagswissenshungrige. Aber ist es auch etwas für Ästheten?

    • @Torsten: Das ist letztenendes Geschmackssache. Ich seh’s wie Du und habe in Netvibes die Feeds so eingestellt, dass sich die Links in neuem Tab mit der Originalseite öffnen. Die Items werden aber mit einem kurzem Text angezeigt, so kann ich ziemlich schnell erfassen ob mich der Artikel interessiert oder nicht.

  17. Henning eigentlich nicht so verwunderlich, dass Blogleser E-Mail-Abos links liegen lassen, wenn es einen Feed gibt, oder? Käme mir gar nicht in den Sinn, nen Blog per Mail zu lesen.

    @ Torsten
    Die Antwort ist ganz klar nein, RSS ist nichts für Ästheten (bzw. Leute, die Wert auf den Gesamteindruck einer Seite oder eines Blogs legen). Durch das Lesen der Feeds direkt im Reader verlieren einzelne Quellen definitiv ihre “Seitenpersönlichkeit”. Das war auch für mich lange Zeit der Grund, zwar Feeds zu abonnieren, die mich interessierenden Artikel dann aber in einem neuen Tab zu öffnen, um sie im jeweiligen Seitenlayout zu lesen. Diese Strategie ist aber irgendwann dem Drang, keine Zeit mit unnötigen Klicks zu verschwenden, zum Opfer gefallen.

  18. @Torsten
    Du kannst doch die Seiten trotzdem dann direkt öffnen. Aber per RSS bekommst du halt mit, wenn es was Neues gibt und ersparst dir so die Besuche bei denen du eh nichts Neues siehst. Ähnliches schreibt ja auch Martin.

    @Martin
    Naja, ich dachte halt, dass das gerade die interessieren würde, die RSS eben nicht kennen.

  19. Ich frage mich, warum im Moment immer mehr Seiten nur ihren Atom-Feed verlinken? Löst Atom RSS etwa ab? Kann mir das einer erklären? Oder ist das einfach nur Zufall?

  20. Danke für die zahlreichen Antworten auf meinen Kommentar und die damit verbundenen Denk- bzw. Nutzungsanstöße bezüglich RSS!

  21. Auf meiner Seite biete ich parallel zu RSS auch einen Newsletter an. Laut Feedburner sind es rund 1.000 RSS-Leser, den Newsletter haben 200 Leute abonniert.

    RSS ist eine interessante Technik, aber sie erfordert, etwas Neues zu lernen. Man muss sich eine Software runterladen und die verstehen oder sich bei einer Website anmelden und sich mit der beschäftigen. Warum? Wozu? Wo man doch gerade E-Mail gelernt hat? Und Google?

    Zugleich haben die meisten Menschen schon mehr als genug Informationen. Da spielen bei den Jüngeren StudiVZ und die anderen social networks eine wichtige Rolle: Was ich dort lese, was dort jemand verlinkt, das ist wichtig. Dazu noch Spiegel Online. Fertig. Fernsehen gibt’s ja auch noch. Was brauche ich mehr?

    Mein persönlicher Medienkonsum sieht ganz anders aus. Ich würde auch nicht mehr darauf verzichten wollen, mir die Quellen meiner Nachrichten selbst zusammenzustellen. Aber den meisten Menschen geht das anders.

    Und es stimmt: RSS wird von vielen Website-Besitzern schlecht verkauft. Es ist aber auch nicht so einfach zu verstehen, wie wir gerne tun. Und wenn ich dann sehe, dass viele Leute für RSS-Feeds die Bookmarks im Firefox benutzen, wird mir eh ganz übel. Da verpuffen die Vorteile von RSS fast vollständig, denn weder sehe ich, welche Artikel neu sind, noch kann ich den Text des Beitrags lesen. Oder wird das mit FF3 besser? Man kann es nur hoffen.

    Aber selbst dann gilt: Die Masse ist träge. Viele sind froh, dass sie das Internet einigermaßen unfallfrei bedienen können, wenn sie mal für eine halbe Stunde reinschauen. Es sind nicht alle so Freaks wie wir ;-)

  22. Bleibt die Frage, ob man etwas gegen diese Trägheit tun kann? Oder ob man sie einfach hinnehmen soll? Ich bin hin- und hergerissen.

  23. Das klingt jetzt zwar wie ein Werbespruch, aber “auch mein Informationsverhalten hat sich mit RSS grundlegend verändert”.
    Bis vor knapp drei, vier Monaten habe ich meine bevorzugten Blogs und Newsseiten noch gezielt besucht (“informative” Vorlesungen haben da genügend Zeit für hergegeben), ehe ich mir über Netvibes alle meine Feeds (endlich) zusammengekratzt habe – und ich kriege jetzt wirklich mehr mit als vorher schon.
    Ähnlich wie Martin öffne ich die wirklich interessanten Artikel aber meistens in einem neuen Tab – spätestens, wenn die Artikel nur angeteasert werden.

    Was den Thesenpunkt “RSS sei nur etwas für Spezialisten” angeht, muss ich unweigerlich an die These zum “Digital Divide” denken: “Die Klugen werden immer klüger, die Dummen immer dümmer”, weil die einen im Gegensatz zu den anderen wissen, wo und wie sie noch mehr rausholen können.

  24. Danyo, eigentlich bist du dann das perfekte Testimonial für eine Pro-RSS-Werbekampagne :)

    • Gerne. Wo soll ich unterschreiben?
      Und das Wichtigste: Sprechrolle oder einfach nur debil in die Kamera grinsen? ^^

  25. Ich denke, wir sollten auf ein polarisierendes, schockierenderes virales Video setzen. Was hast dafür zu bieten? ;)

  26. Ne, ganz einfach:
    Die neusten ( geschmacklosesten, perversesten ) Pornos per RSS. –> Riesenerfolg!!

    GARANTIERT!

  27. Bei RSS fehlt einfach die Haptik. Nur die nackte Information ist doch nicht sexy!

  28. pete das ist die Idee. :)

  29. @toul
    Nö, nur die nackte Info ist nicht sexy. Es muss auch interessant geschrieben sein, aber darauf hat RSS keinen Einfluss. :-)

  30. Strategien der Informationsverbreiterung, so war meine Suche.

    Ich habe eher das Gefühle mit rss mir eine FÜLLE an Informationen beschaffen kann, aber verbreiten??

    Danke fürs Feedback

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