Humanglobaler Zufall:
Alles schon gesagt

Schick sieht es schon aus. Der Humanglobale Zufall ist ein Magazin für die Augen – nur leider können die Texte nicht mithalten.

Humanglobler Zufall

Vom Praktikanten zum “Global Editor”: Dennis Buchman hat den Ideen-Wettbewerb “Scoop” der Axel-Springer-Akademie gewonnen und darf für eine halbe Millionen Euro ein Magazin machen. Und weil das Heft für fünf Euro schon seit einer Woche am Kiosk liegt, wurden andernorts schon die richtigen Worte gefunden:

Das Magazin ist formal eine Mischung aus Tyler Brûlés Monocle, dem verblichenen Freund und einem ganz bestimmten Tintin-Heft. Die goldenen Lettern auf dem Titel sind leicht geprägt – seit dem Erfolg des Internets setzt die Print-Branche ja verstärkt auf sinnliche Erlebnisse, die ein Bildschirm nicht liefern kann.

Schreibt Oliver Gehrs im Dummy-Blog. Das war auch mein erster Eindruck, als ich den Humanglobalen Zufall zuerst in den Händen hielt. Die typographische Gestaltung, das offene Papier: Das Heft im Freund-Format sieht aus wie das deutsche Monocle. Auch lag das Tim-und-Struppi-Cover schon seit Tagen auf meinem Desktop …

Nur fehlten mir die Worte. Ich habe die Texte angelesen und es nur selten bis zum Ende geschafft. Für eine Tageszeitung schon ein guter Schnitt. Für ein Magazin dann eher nicht so gut. Die Auswahl der Texte und Themen ist mir zu beliebig – was einerseits Konzept des Hefts ist. Trotzdem wünschte ich mir eine ansprechende Mischung aus zufälligem “Flow” und pointierten, dichten Geschichten.

Oliver Gehrs greift ein paar Stilblüten heraus und kommt zu dem Schluss:

Der Artdirektor Mirko Borsche und seine bewährten Fotografenfreunde aus gemeinsamer Zeit beim SZ-Magazin haben so gute Arbeit geleistet, dass man das Magazin gern mit sich herumträgt, anfasst, herumzeigt und anschaut. Nur lesen mag man es leider nicht.

Die Fotos sehenswert, die Texte “Kraut und Rüben”, schreibt Oliver Gehrs. Auch Andrea Diener findet die Texte im Humanglobalen Zufall zu beliebig:

Die sind solide runtergeschrieben, aber leider nichts besonderes, alles ein bißchen arg konventionell, zu musterschülerhaft, da hat man doch schon viel, viel besseres gelesen.

Aber das kann ja noch werden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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5 Kommentare

  1. Nico
    schrieb am 30. April 2008 um 13:27 Uhr (#)

    Bleibt noch anzufügen, dass ich vor über einer Woche ganz nett per Mail beim Axel-Springer-Verlag um Zustellung der ersten Ausgabe des Humanglobalen Zufalls gebeten habe. Ausser einer automatisierten Antwort, dass man sich um meine Anfrage kümmern werde, ist seither nichts passiert. Das Konzept des Heftes mag innovativ sein – der Kundenservice aber ist offensichtlich inexistent.

  2. Tobias
    schrieb am 30. April 2008 um 18:56 Uhr (#)

    WIeso sollte der Verlag ein Heft zustellen, das doch zur Zeit regulär am Kiosk oder zumindest in der Bahnhofsbuchhandlung erhältlich ist? *verwirrt*

  3. Edith
    schrieb am 30. April 2008 um 23:10 Uhr (#)

    an Tobias:

    Weil man z.B. im Ausland lebt.

    Ich habe auf meine Bestellung per Mail noch nicht einmal eine automatisierte Antwort bekommen.

    Traurig!

  4. Ni.Punkt
    schrieb am 1. Mai 2008 um 00:35 Uhr (#)

    @Designer: Na herzlichen Glückwunsch!!! Hab die Hefte von Tim und Struppi in meiner Kindheit liebend gern gelesen… Selbst bis heute noch hin und wieder. Gelungenes Layout wie ich finde! Wie hast du den krüscheligen Rand um den Kreis hinbekommen?

  5. Nico
    schrieb am 9. Mai 2008 um 10:51 Uhr (#)

    Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil: Axel Springer hat zwar nie mein Mail beantwortet, mir aber tatsächlich die erste Ausgabe des Humanglobalen Zufalls per Post zugestellt – und sogar noch kostenlos.

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