Yahoo! stellt die Yahoo! Open Strategy vor
Von Markus Spath am 28. April 2008 um 13:52 Uhr Kommentare (2)
Kategorien: Meldungen
Auf der Web 2.0 Expo in San Francisco hat Yahoo! seine Strategie der neuen Offenheit vorgestellt. Yahoo! verdrahtet sich vollständig neu, alles wird sozial.
In letzter Zeit war Yahoo! oft im Gespräch. Neben dem grossen Thema, dem – nicht ganz friedlichen – Übernahmeangebot von Microsoft, gab es noch ein ganzes Bündel von beschleunigten Aktivitäten von Yahoo!. Partnerschaften wurden beschlossen oder bekanntgegeben (etwa mit Google oder CNet), Kremien und Organisationen wurde beigetreten (etwa Open Social oder der Data Portability Group), die Belegschaft wurde dramatisch reduziert und fast täglich wurden neue Tools und Features vorgestellt.
Wohl sind nicht alle dieser Aktivitäten als direkter Abwehrmechanismus gegen Microsoft zu verstehen. Nicht zuletzt, weil die meisten davon doch eine längere Vorlaufzeit benötigten. Aber die schiere Anzahl war in letzter Zeit doch bemerkenswert.
Die Keynote von Yahoo!’s CTO Ari Balogh bei der Web 2.0 Expo ist jedoch mehr als ein weiterer Paukenschlag. In der circa 15 minütigen Präsentation – das Video von Baloghs Keynote könnt Ihr Euch hier ansehen – stellte er die Yahoo! Open Strategy, die angedachte wegweisende Gesamtstrategie vor, und die gibt Yahoo! einige Gründe zur Hoffnung.
Y!OS platforms will harness Yahoo!‘s unique strengths – our rich and relevant user experiences (we’re #1 in 7 verticals), our massive audience (half a billion users/month), and our deep data repositories (content, content, content) – and open them to the innovations of the developer community. Our aim: to fundamentally transform how people experience Yahoo!.
Die zwei wichtigsten Eckpfeiler sind:
- ganz Yahoo! wird sozial: Kernstück wird Email sein, aber der soziale Schleier wird sich über grundsätzlich jedes property von Yahoo ziehen, die allesamt rundum erneuert werden. Wenn man bedenkt, dass Yahoo monatlich etwa 350 Millionen angemeldete Benutzer begrüssen darf, die untereinander über 10 Milliarden direkte Beziehungen eingehen, kann man sich ausmalen, welches bis dato brachliegende Potential plötzlich freigesetzt werden kann. Benutzer können dabei natürlich kontrollieren, wo sie wem wieviel Zugang gewähren.
- Yahoo! Application Platform: Ähnlich wie die Facebook Developer Platform oder die Google Apps Engine stellt auch Yahoo! eine Art Laufzeitumgebung für Drittanwendungen bereit, die via standardisierter Komponenten an die Anwendungen von Yahoo! andocken können oder die Anwendungen bzw. Daten von Yahoo! an anderer Stelle wiederverwenden können (Die in der Präsentation gezeigten Screenshots deuten darauf hin, dass die Funktionsweise ähnlich wie bei Facebook beziehungsweise Open Social realisiert sein wird.). Unterstützt werden dabei allerlei offene Standards. Dabei soll sowohl den Entwicklern als auch den User eine einheitliche Erfahrung ohne Überraschungen geboten werden.

Screenshot von Balogh’s Keynote der zeigt, wie sich eine Anwendung in die Startseite von Yahoo! integrieren lässt.
Die neue Ausrichtung ist sehr interessant, weil es Yahoo! dadurch gelingen könnte, bisherige Schwächen gegenüber Google und Facebook zu kompensieren und in einen Vorteil umzuwandeln.
Ohne auf Kennzahlen zu achten: Yahoo! musste mitansehen, wie ihnen Facebook quasi vorgemacht hat, wie man soziale Beziehungen verdichten, fördern und verwenden kann, und wie ihnen Google Suche und Werbung und also die Monetarisierungsmöglichkeit des Restwebs aus der Hand genommen hat. Während Google Benutzer einfach weiterschicken und gerade damit Daten sammeln und Geld verdienen kann, muss Yahoo! seit jeher versuchen, die User auf den eigenen Properties zu halten, oft verbunden mit teuren Partnerschaften und auf Kosten der User.
Aber die neue Strategie gibt ihnen Vorteile gegenüber beiden, ohne dass diese nachgemacht werden können. Im Gegensatz zu Facebook muss Yahoo! die Dynamik des sozialen Graphen nicht einschliessen und abkapseln – was die Bedingung der Möglichkeit von Facebook ist. Yahoo! hat eine Fülle von öffentlichen Territorien, auf denen sich die ohnehin schon vorhandenen Beziehungen mit Mehrwert niederlassen können.
Ein wesentlicher Vorteil dabei: auch Zufallsbekanntschaften und thematische Ausdifferenzierungen werden möglich. (Man denke etwa an flickr im Vergleich zu Photoalben, die einem von den eigenen Freunden nahegelegt werden. Natürlich findet man die Baby- und/oder Partyphotos der eigenen Bekannten und Verwandten hochgradig spannend, aber daneben tun sich noch ganz andere photographische Welten auf, die sich auch mit Gewinn erschliessen lassen.) Gleichzeitig ist man aber auch nicht gezwungen, die Bookmarks von jemandem interessant zu finden, nur weil man die Photos mag.
Und während Google zwar einige Territorien hätte, die sie mittelfristig um eine soziale Komponente aufpeppen könnten, so fehlt Google die soziale DNA und das Händchen für Communities (siehe Google lanciert bald Open Social Gadgets). Alles Soziale verursacht Google eher Kosten und verwässert die Kernkompetenz. Woher sollen denn Freunde wissen, was gut ist im Web?
Mit SearchMonkey wurde zwar die Suche als erste Komponente für mögliche Interventionen veröffentlicht, aber der genaue Zeitplan wurde noch nicht genannt. Bis dahin müssen wir also abwarten und Tee trinken.
Fazit
Yahoo!’s Open Strategy ist eine ambitionierte Totalerneuerung von Yahoo! mit enormem viralen und sozialen Potential.
Weitere Artikel zum Thema:
- Introducing the Yahoo! Open Strategy
- Ari Balogh – Web 2.0 Expo Keynote
- Yahoo rewiring itself from the inside out
- Yahoo! to Rewire for Social Graph and Data Portability
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2 Kommentare
Na dann wollen wir mal hoffen, dass es nicht zu spät kommt.
Aber wenn ein Unternehmen das Potenzial hat, dass “social web” massentauglich zu machen, dann ist es mit Sicherheit Yahoo, mit seiner großen Masse an Anti-Geeks.
Carsten Pötter
schrieb am 28. April 2008, 19:03 Uhr (Permalink zum Kommentar)Yahoo! hat nicht nur Anti-Geeks vorzuweisen. ;) Eigentlich hatte Yahoo! schon seit längerer Zeit die Möglichkeit, technologischer Spitzenreiter zu sein. Man denke nur an Flickr, del.icio.us, MyBlogLog, Upcoming,… Leider ist bei diesen Diensten seit den Akquisitionen wenig geschehen. Man hat es einfach nicht geschafft, die alle unter einen Hut zu bekommen.
Bis dann vor ein paar Wochen ein Feature auf das andere folgte, ein neuer Service, Öffnung,… zu sehen war. Wenn Yahoo! das jetzt vernünftig anpackt, könnte aus dem Laden noch etwas werden.
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Daniel Thomaser
schrieb am 28. April 2008, 17:18 Uhr (Permalink zum Kommentar)