Skypes mobile Version – zu früh gefreut!

Geld verbrennenWie es scheint, war meine Euphorie über Skypes neuen mobilen Client voreilig: Nachdem mir für diverse eingehende und ausgehende Skype-, SkypeIn- und SkypeOut-Gespräche Guthaben abgezogen wurde, habe ich mich noch einmal genauer mit der gestrigen Ankündigung auseinandergesetzt und musste enttäuscht feststellen, dass es sich doch (noch) nicht um den erhofften Meilenstein handelt. Anders als gestern angenommen, wickelt der neue Skype Java-Client Gespräche initial NICHT über eine Datenverbindung sondern über das herkömmliche Mobilfunknetz ab. Daten werden lediglich für den Abruf der Kontakte, für deren Onlinestatus sowie für Chats übermittelt. JEDES Gespräch, egal ob eingehend oder ausgehend, mit Skype-Kontakten oder Festnetz- bzw. Mobilfunknummern, wird als herkömmliche Gesprächsverbindung und nicht als Voip-Verbindung geführt und bringt in jedem Fall Folgekosten mit sich.

Auf dieser Seite ist das Kostenmodell abhängig von der Art des Gespräches beschrieben. Wer Skype auf seinem Handy nutzt und angerufen wird – egal ob von einem Skype-Kontakt oder per SkypeIn von einem herkömmlichen Telefon – zahlt in jedem Fall die SkypeOut-Gebühr für einen Anruf an ein Mobiltelefon in seinem Heimatland. Für Nutzer mit einer deutschen Handynummer in Deutschland fallen damit pro Minute 23 Cent an, die über das SkypeOut-Guthaben abgerechnet werden. Anwender in Ländern, in denen auch ausgehende Skype-Telefonate unterstützt werden, zahlen jeweils die normale Gebühr für ein Orts- oder Inlandsgespräch von ihrem Mobiltelefon, bei Anrufen auf eine Festnetz- oder Handynummer (SkypeOut) zuzüglich der SkypeOut-Gebühr für den Zielort des Anrufs. Damit haben wir die Antwort auf die Frage, warum das Anrufen mit Skype zum Start der Beta-Phase nur in sieben Ländern möglich ist – jedes ausgehende Gespräch läuft über eine Festnetznummer des jeweiligen Landes, und deren Einrichtung sowie die technische Umsetzung braucht wahrscheinlich etwas Zeit.

Welches Fazit bleibt nach dieser ernüchternden Erkenntnis? Skypes neuer Java-Client eignet sich für Chats mit Skype-Kontakten, die über eine Datenverbindung abgewickelt werden und bei vorhandener Datenflatrate nichts kosten. Jedes Gespräch dagegen verursacht Kosten – selbst solche mit anderen Skype-Kontakten, die vom heimischen Rechner aus kostenlos wären. Richtig teuer wird es, wenn man einen Anruf erhält. Ein eingehendes, vierminütiges Telefonat kostet fast einen Euro. Ich weiß nicht, warum man diese Verfahrensweise gewählt hat; ob es an technischen Komplikationen liegt oder ob Skype ganz einfach einen Kuschelkurs mit den Netzbetreibern anstrebt. Diese bleiben so nämlich von einem explosionsartigen Anstieg des übertragenen Datenvolumens verschont. Wie auch immer – die Installation und der Einsatz der mobilen Skype-Version ist damit bis auf weiteres nicht zu empfehlen. Wer echte, mobile Voip-Telefonate über Skype führen möchte und sich nicht von einer weniger schönen Oberfläche und einer teilweise recht mangelhaften Gesprächsqualität abschrecken lässt, kann fring ausprobieren.

Foto via Flickr/jonnystiles

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare

  1. Jan S.
    schrieb am 26. April 2008 um 19:24 Uhr (#)

    hoppla. dann siehts ja noch trüber aus für uns ^^

  2. Sebastian
    schrieb am 26. April 2008 um 22:31 Uhr (#)

    danke für den hinweis und das Aufdecken dieses schwerwiegenden Problems!
    Auch so kann man seine Kunden enttäuschen, kein schönes Beispiel für den Fortschritt.

  3. Severin
    schrieb am 26. April 2008 um 22:57 Uhr (#)

    Ich glaube Skype traut sich das eifnach noch nicht, eine gigantische Industrie ihrem wichtigsten Geschäftsmodell zu berauben…

    Auf der anderen Seite steht Skype unter dem Enormen druk endlich auch Umsätze zu produzieren, so etwas würde zwar die Nutzerzahlen enorm in die höhe schellen lassen aber diese sind kaum zu vermarkten.

    Allerdings ist diese Entwicklung unaufhaltsam und wenn Skype zu lange zögert wird ein anderes Produkt diese Stelle einnehmen.

  4. Jan S.
    schrieb am 27. April 2008 um 06:26 Uhr (#)

    @severin: also ich kenne mich zwar nicht 100%ig mit den Skype-Kennzahlen aus, aber ich denke, dass man sich sowohl über Nutzerzahlen als auch über Umsatz nicht beschweren kann. Klar ist Druck seitens Ebay da, daher auch die Verkaufsabsichten. Nichtsdestotrotz denke ich, dass kein akutes Risiko einer Nutzer-Abwanderung zu befürchten ist.
    Skype duchlebt ein ähnliches Phänomen wie Xing. Skype gilt als der akzeptierte Messenger unter Berufstätigen, etc und daran wird auch schwer was zu ändern sein.

  5. zuckermann
    schrieb am 28. April 2008 um 11:19 Uhr (#)

    hm, jetzt frag ich mich doch glatt, ob das bei fring (fring.com) genauso ist. ich mache unterwegs alerdings kaum skype-telefonate, sondern chatte eher. bisher ist mir da aber auch nocht nichts aufgefallen auf meiner mobilfunkrechnung. wer über fring skyped/ telefoniert, scheint also in jedem fall die bestehende datenverbindung zu nutzen…. weiss jemand mehr?

  6. Martin Weigert
    schrieb am 28. April 2008 um 11:34 Uhr (#)

    Bei fring ist es hundertprozentig reine Datenübertragung. Das kann ich nach vielen Monaten der fring-Verwendung mit Sicherheit sagen.

  7. Michael N.
    schrieb am 1. Mai 2008 um 01:52 Uhr (#)

    Schade, dass Skype es nicht schafft, ein ähnlich gutes Programm wie Frings abzuliefern.
    Von der angesprochenen mangelhaften Gesprähsqualität bei Frings habe ich im übrigen (zumindest bei WLAN Nutzung) noch nichts mitbekommen…

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