Rise of the Machines – der zunehmende Einfluss der Technologie

Rise of the MachinesAls das Marktforschungsunternehmen Millward Brown gestern seine Liste der wertvollsten Marken der Welt veröffentlichte, bezeichnete die Financial Times dies laut heise online als “Rise of the Machines” – der Aufstieg der Maschinen. Das Blatt bezog sich dabei auf das ausgezeichnete bis gute Abschneiden zahlreicher Technologie-Firmen im dem einmal jährlich zusammengestellten Ranking. Neben Google, mit 86 Milliarden Dollar die teuerste Marke der Welt, versammeln sich IT- und Technologiemarken wie Microsoft, IBM, Apple, Nokia, HP, Cisco, Intel, Blackberry, Amazon, AT&T, Yahoo sowie eBay in der Hitliste. Die meisten konnten ordentlich an Wert zulegen. Tech-Firmen profitieren wie nie zuvor von der weltweit zunehmenden Nutzung und Bedeutung des Internets, von dadurch neu entstehenden, globalen Märkten und von der Verschmelzung der Informationstechnologie mit Medien und Telekommunikation.

Hautnah werden wir Zeugen, wie Informations- und Telekommunikationstechnologie Einzug in Bereiche halten, die bisher von ihnen kaum oder nur partiell angetastet wurden. In seinem Blog Good Old Trend machte der schwedische Internetanalyst und -unternehmer Björn Jeffery dies kürzlich treffend am Beispiel von Googles Werbeprogramm AdSense deutlich: Wie aus dem Nichts tauchte ein Unternehmen mit Sitz in den USA auf, startete gleichzeitig weltweit eine lokale, kontextsensitive und auktionsbasierte Anzeigenplattform und fährt damit fast ohne Vertriebsmitarbeiter Milliardengewinne ein. Was Google entwickelt hat, ist eine zerstörerische Technologie, die bestehende Lösungen verblassen lässt.

Es ist offensichtlich, dass AdSense nicht die letzte innovative Technologie war, die solche zerstörerischen Kräfte besitzt und Märkte komplett verändert. Vielen Bereichen unseres Wirtschaftens und Zusammenlebens stehen ähnliche, grundlegende Wechsel bevor. Betroffen werden nicht nur die Branchen sein, die sich wie die Musik-, Film- oder Printmedienindustrie direkt mit den Auswirkungen der Digitalisierung konfrontiert sehen. Auch Sektoren, für die der zunehmende Einfluss von Technologie aus heutiger Sicht der Beteiligten keine besonders spannende Vision darstellt, werden betroffen sein. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann.

Individuen und Unternehmen, die auf Grundlage dieser Erkenntnis handeln und Verständnis für die wachsende Bedeutung von Software und Technologie mitbringen, werden als Gewinner aus dem Veränderungsprozess hervorgehen. Wer sich jedoch an alten Konzepten festklammert und diese zu schützen versucht, gräbt sich selbst ein Loch, aus dem er dann (wie die Musikindustrie) nur noch schwer herauskommt. Björn Jeffery bezeichnet dies als “Technical Divide”, als Kluft zwischen denen mit Verständnis für die Bedeutung von Software und Technologie und denen ohne.

Die Informationstechnik wird in den nächsten Jahren weiter an Macht gewinnen. Dass es, wie von Blogger Hank Williams prognostiziert, zu einem Zustand kommt, in dem selbst Marketing reine Mathematik sein wird, glaube und hoffe ich zwar nicht. Wo genau aber die Grenze des Einflusses der Technik auf bisher emotional und intellektuell ausgeführte Disziplinen liegt, lässt sich heute noch nicht sagen. Dagegen ist klar, dass die derzeitigen Umwälzungen viele Gewinner und mindestens ebenso viele Verlierer hervorbringen werden. Noch kann sich jeder entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte.

Passend hierzu ein von Björn Jeffery verlinktes Zitat des deutschen Verlegers Hubert Burda:

The problem with Europe is that we don’t understand that software is what is most important. People think that a website with 40 editors is better than 20 editors. And then Google comes and take over the world with an algorithm. Nobody in my business vicinity has written an interesting algorithm.»

Siehe auch:
Zehn Thesen zur digitalen Zukunft

Foto via Flickr/gustav*

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

Nachhaltigkeit als Marketingargument: Wie die Netzgiganten sich  um unsere Umwelt sorgen

21.5.2012, 0 KommentareNachhaltigkeit als Marketingargument:
Wie die Netzgiganten sich um unsere Umwelt sorgen

Die führenden Internet- und IT-Konzerne Google, Apple und Microsoft versuchen, auf ihre Bestrebungen zum Schutz der Umwelt und knapper Ressourcen aufmerksam zu machen. Wie ernst man die Initiativen aber nehmen kann, ist unklar.

Knowledge Graph: Google als semantische Entdeckungsmaschine

17.5.2012, 4 KommentareKnowledge Graph:
Google als semantische Entdeckungsmaschine

Unter dem Namen “Knowledge Graph” hat Google ein Feature vorgestellt, das die Suche auf ein neues Niveau hebt: Begriffe sind nicht mehr nur Zeichenfolgen, sondern haben eine Bedeutung und einen Zusammenhang.

Talentakquisition statt Verfall: Das heimliche Platzen  der Social-App-Blase

7.5.2012, 5 KommentareTalentakquisition statt Verfall:
Das heimliche Platzen der Social-App-Blase

Die Zahl der Startups, die Nutzer miteinander vernetzen wollen, übersteigt die Nachfrage und Zeit der Anwender bei weitem. Viele Apps haben keine Zukunft. Akquisitionen, bei denen es vor allem um das Team geht, verdecken dies.

Linkwertig: Gema, Trends, Berlin, Medien

16.11.2011, 0 KommentareLinkwertig:
Gema, Trends, Berlin, Medien

deutsche-startups hat zehn Trends erkannt und benannt, Niklas Zennström in Berlin und mehr.

Von Perlentauchern, Walen, Haien & Exoten: Warum deutsche Startups in den Medien nicht auftauchen

15.8.2011, 36 KommentareVon Perlentauchern, Walen, Haien & Exoten:
Warum deutsche Startups in den Medien nicht auftauchen

Auch deutsche Publikumsmedien haben mittlerweile die Bedeutung der Internetwirtschaft erkannt. Der Fokus ihrer Berichterstattung liegt aber auf den führenden US-Anbietern. Gegenüber deutschen Startups herrscht noch immer ein ausgewachsenes Desinteresse.

Krawalle In London: Warum die Rolle von Twitter  und Facebook egal ist

9.8.2011, 6 KommentareKrawalle In London:
Warum die Rolle von Twitter und Facebook egal ist

Facebook, Twitter und Instant Messenger hätten Krawallmachern in Großbritannien bei der Organisation ihrer Attacken geholfen, heißt es. Dies mag stimmen, ist aber eigentlich völlig egal.

12 Kommentare

  1. Chris
    schrieb am 22. April 2008 um 21:49 Uhr (#)

    sounds like cyberpunk! ;)

    Ich sachs ja, ich wollt mir doch noch die mmorpg-Aktie besorgen….

    …und ich bin der Meinung, dass der Tag kommt, an dem es “jene mit Verständnis für die Bedeutung von Software und Technologie” eben nicht mehr geben wird. -> Mensch 2.0.
    Was denkste was Google dann wert ist!? ;)

    …Industrien, wie Holzspäne…,
    …die sich selbst eingraben.
    Recht haste!

    1. Marvin
      schrieb am 24. April 2008 um 20:39 Uhr (#)

      Jupp, klingt echt nach Cyberpunk… Wir sehen uns 2070 in der ADL! ;) #Shadowrun

  2. Björn J
    schrieb am 22. April 2008 um 22:11 Uhr (#)

    I’m not entirely sure what you’ve written here above (5 years of studying German was obviously a waste of time!), but I really appreciate that you’re taking the idea further and spreading it in other languages. If there’s anything you need or would like to add, feel free to drop me a line at any time!

  3. Martin Weigert
    schrieb am 23. April 2008 um 09:25 Uhr (#)

    Chris, na der Kommentar hatte es ja in sich ;)

    Björn thanks for your comment, I described in the article among other things what you mean with technical divide and I explained your adsense example.

  4. Chris
    schrieb am 23. April 2008 um 09:34 Uhr (#)

    @ Martin W.: Klar, immer feste drauf! ;)

    ich finde dein Artikel hat halt so ein zwei Thesen drinne,…da muss man (ich) einfach noch mal ein paar Ecken weiterdenken.

    Das werden noch spannende Zeiten —> AsSense-In-Brain, und so!

    Technical Divide—> Das ist ein solch winziger Begriff, der solch große weltumspannende Ausmaße mit sich bringen wird, das es für mich fast nicht fassbar ist.

    Informationstechnik wird nicht nur weiter “an Macht” gewinnen; das Zeitalter der “Machtgewinnung” ist fast durch. Dann kommts halt, wie so oft, auf die flächemäßige Verteilung an…Spannend.

    Hast “mein Thema” erwischt, wie du siehst^^

  5. joerg
    schrieb am 23. April 2008 um 10:46 Uhr (#)

    Da kommen die neuesten Erkenntnisse über die Frage wann und wie der Mensch Entscheidungen trifft, bzw. bereits getroffen hat, gerade recht. Google schneller als mein Hirn, wicked.

    Danke für die Erwähnung des “Good old Trend” Blogs, liest sich gut.

    Grüße, J

  6. Oliver Springer
    schrieb am 25. April 2008 um 02:57 Uhr (#)

    Der zunehmende Einfluss der Technologie ist nicht nur eine Sache von Software.

    Ganz erhebliche Veränderungen erwarte ich davon, dass künftig jedes Ding (also wirklich so gut wie alles) Teil des Internets sein wird, Stichwort Internet der Dinge.

    Marketing nur noch Mathematik? Das wäre kein gutes Marketing. Ich rechne eher damit, dass leistungsfähigere Hilfsmittel als heute geben wird, Werkzeuge, die gewaltige Datenmengen handhabbar / einbeziehbar machen.

    Noch kann sich jeder entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte. Schön wär’s! War nicht noch vom Technical Divide die Rede? Da ist das schärfste Gegenargument ja schon geliefert.

    Gewinner und Verlierer: Ehrlich gesagt halte ich nichts von Prognosen, die solche Entwicklungen für “klar” erklären. “Wahrscheinlich” ist es, aber es ist keine vorprogrammierte Entwicklung, wie viele Verlierer die Veränderungsprozesse mit sich bringen werden. Das haben wir als Menschen selbst in der Hand, jeder mit dem Beitrag, den er selbst leisten kann.

  7. Martin Weigert
    schrieb am 25. April 2008 um 11:32 Uhr (#)

    Den Software-Begriff fasse ich recht weit auf. Das gesamte Web und sämtliche Onlineservices zähle ich zum Bereich der Software. Stichwort “Software as a Service”.

    Der Prozess der Technical Divide ist nichts, aus dem man sich nicht befreien kann. Selbst wenn auf der falschen Seite der Kluft steht, kann man diese mit einem Sprung überwinden. Von daher kann man sich schon entscheiden, auf welcher Seite man stehen möchte. Wie du selbst schreibst “Das haben wir als Menschen selbst in der Hand”.

    Das, was es dafür braucht, ist ein technologie- und innovationsfreudiges Klima in der Gesellschaft.

  8. Chris
    schrieb am 25. April 2008 um 13:03 Uhr (#)

    Solange das Thema Transhumanismus einen eher beängstigenden Eindruck, (selbst bei der viel gerühmten “Youtube-Generation”, soweit ich das sehe) forciert/hinterlässt/macht…wird das aber ein weiter Sprung über die Kluft sein müssen.

    Sehe ich mir die Klüfte, nicht nur im Bezug auf den technischen Fortschritt, die ungleichmäßige Verteilung von diesem, an, ….bin ich mir nicht sicher ob “man” dann (noch) entscheiden kann, ob man lieber Bot oder lieber Mensch sein möchte….eben weil das gewünschte Klima in weiter Ferne ist…so mein Eindruck.

    Anscheinden wird lieber an einem BigBrother-Staat geschraubt und gewerkelt das sich die Balken biegen….Das zum Thema “Technical Divide”.

    Versteht mich nicht falsch…ich bin durchaus eher optimistisch veranlagt. Das Thema jedoch, …. spaltet. Mich. Mittig. ;)

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. April 2008 um 13:48 Uhr (#)

    Na dann immerhin in zwei gleich große Hälften ;)

  10. Chris
    schrieb am 25. April 2008 um 14:06 Uhr (#)

    So ziemlich, ja. ;) Mal sehen wies in 10 Jährchen aussieht….

  11. Pedro31
    schrieb am 8. Mai 2008 um 11:03 Uhr (#)

    Interessante Analyse zu Google AdSense und der Strategie dahinter: http://media-perspektiven…01-2008_Kaumanns.pdf

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.