Twitter verdient zwar kein Geld, aber viel Respekt

Martin Weigert, 16. April 2008 17:15 Uhr, 21 Kommentare Kommentare

twitter.gifEs ist nur wenige Wochen her, da wollte ich einen Beitrag darüber schreiben, dass Twitter meiner Ansicht nach niemals den Mainstream erreichen wird. Gut, dass ich es dann doch gelassen habe. Bei den Durchschnittsusern ist der in Web-2.0-Kreisen weltweit beliebte Microbloggingdienst zwar noch immer nicht angekommen, aber es ist unverkennbar, dass Twitter gerade seinen zweiten Frühling erlebt (nicht nur jahreszeitlich gesehen) und dabei ist, in massentauglichere Gefilde vorzustoßen. Denn nicht nur in der internationalen und nationalen Blogosphäre scheint das auf 140 Zeichen pro Mitteilung begrenzte Gezwitscher in den letzten Wochen noch intensiver geworden zu sein. Auch die eigentlich nicht für ihre Neugier bezüglich frischer Webtrends bekannten Massenmedien in Deutschland werden langsam auf das in “Geek-Kreisen” omnipräsente Startup aus San Francisco aufmerksam. Während die Redaktion der Welt Kompakt, zugegebenermaßen eine der experimentierfreudigsten hierzulande, seit kurzem begeistert und am laufenden Band twittert (siehe auch ethoritys Liste über twitterende Redaktionen), stellte die Deutsche Welle auf ihrer Website am Freitag die Frage, ob Twitter bald wichtiger sei als E-Mail.

Das Twitter-Team ist zwar noch immer auf der Suche nach einem Geschäftsmodell und hat bisher keinen Cent verdient, aber das ist angesichts finanzstarker Investoren und einer engagierten Community, die sich im Notfall vermutlich mit Spenden für den Service einsetzen würde, derzeit sicher kein akutes Problem. Den Gründern von Twitter ist etwas gelungen, was bisher nicht viele Web-2.0-Startups geschafft haben: Auf den ersten Hype ein Jahr später einen zweiten, noch viel größeren folgen zu lassen – und das, ohne nennenswerte Veränderungen am Produkt vorgenommen, außerhalb der US-Tech-Kreise in Marketing investiert und Nachahmern auch nur den Hauch einer Chance gelassen zu haben. Neben der fleißigen Berichterstattung tausender Blogs wurde die aktuelle Twitter-Welle auch von der Euphorie über den Lifestream-Aggregator Friendfeed, mit dem unter anderem getwittert werden kann, sowie von der Entwicklung vielfältiger Twitter-Tools und -Zusatzanwendungen durch Dritte begünstigt. Twitters Entwicklerschnittstelle trägt einen nicht geringen Anteil am Erfolg und der wachsenden Bekanntheit des Microbloggingdienstes.

Begriff “Twitter”: Google-Suchvolumen (links) und Anzahl Erwähnungen in Blogs (rechts).

Trotz alledem: Twitter ist nach wie vor reine Geschmackssache. Ich gehöre vermutlich zu den wenigen Bloggern in Deutschland, die den Dienst nicht verwenden. Mehrere Male habe ich versucht, mich mit dem Ziel, endlich von der grassierenden Twitter-Sucht gepackt zu werden, zu einer Nutzung zu zwingen und den Streams einiger interessanter Leute zu folgen. Geklappt hat es nicht. Dadurch entgeht mir neben Unmengen an belanglosen Kurzmitteilungen zwar auch der ein oder andere Hinweis zu einer guten Story. Aufgrund begrenzter Zeit und einer Priorisierung anderer, mir effizienter erscheinender Informationskanäle muss ich mich damit aber ganz einfach abfinden. Anders wäre die Situation, würden meine Freunde und Kollegen aus dem “realen Leben” Twitter nutzen. Momentan gibt es jedoch keinen, der das macht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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14 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Georg Krüger

    schrieb am 16. April 2008 um 17:43 Uhr (#)

    twitter sit zu empfehlen. aber es gitb ein großes problem: twitter lenkt sowas von ab.

  2. marcel weiß

    schrieb am 16. April 2008 um 17:54 Uhr (#)

    “Auf den ersten Hype ein Jahr später einen zweiten, noch viel größeren folgen zu lassen”

    Der zweite ist nicht größer, er findet nur in Deutschland statt. Die Deutschen, wie immer mindestens ein Jahr hinterher. ;)

  3. Daniel Thomaser

    schrieb am 16. April 2008 um 18:22 Uhr (#)

    Ich find Twittern irgendwie eine nette Ergänzung zum bloggen. Da kann man die ganzen Dinge reinschreiben, die sich irgendwie zu unwichtig für einen Eintrag anfühlen.

    Außerdem macht es einen Heidenspaß, Leuten wie Michael Arrington oder Robert Scoble auf seiner Israelreise zu followen. Er Twittert ungefähr alle 5 Minuten und man ist wirklich fast live dabei.

    Und so schnell wie du auf deine Nachrichten antwortest, zählt das bestimmt auch schon zu twittern ;o)

  4. Daniel Thomaser

    schrieb am 16. April 2008 um 18:34 Uhr (#)
  5. Martin Weigert

    schrieb am 16. April 2008 um 19:01 Uhr (#)

    @ Marcel, ich denke schon, dass der Hype dieses Jahr auch in den USA größer ist als 2007. Die Statistik von Google Trends mit Eingrenzung auf die USA deckt sich stark mit meinem subjektiven Eindruck. Tagtäglich ist mein Feedreader gefüllt mit Twitter-Postings, viele davon aus US-Blogs.

    @ Daniel
    Die Frage ist eben, ob man persönlich die Zeit hat bzw. sich die Zeit nehmen möchte, um diesen Leuten zu folgen. Mit meinen überlichweise recht schnellen Antworten auf Mails wäre vielleicht Schluss, bekäme ich ein Twitter-Addict ;) Und wie Georg anmerkt - es lenkt so extrem ab. Mein Alltag mit Job und Blog ist so auf Effizienz getrimmt, dass ich mir derartige Ablenkungen nicht leisten will/kann.

  6. Martin Weigert

    schrieb am 16. April 2008 um 19:03 Uhr (#)

    Cooles Posting.

  7. Alexander Becker

    schrieb am 16. April 2008 um 20:29 Uhr (#)

    Twitter lenkt wirklich ab und ist gleichzeitig eine wertvolle inspirationsquelle. Ich glaube, dass viele die Antwort auf die Frage “geht twittern und bloggen gleichzeitig” mit nein beantworten. Trotzdem gehören bei Twitter ja gerade die kurzen Hinweise zu spannenden Blog-Einträgen zu den besten Postings.

  8. argh

    schrieb am 16. April 2008 um 20:51 Uhr (#)

    “Das Twitter-Team ist zwar noch immer auf der Suche nach einem Geschäftsmodell und hat bisher keinen Cent verdient, aber das ist angesichts finanzstarker Investoren und einer engagierten Community, die sich im Notfall vermutlich mit Spenden für den Service einsetzen würde, derzeit sicher kein akutes Problem.”

    Das ist eine sehr gewagte These. Meines Erachtens passt das nicht zusammen. Entweder man hat nervige Investoren an der Backe, die Geld sehen wollen, oder man hat eine engagierte Community wie Wikipedia im Rücken, die aber sicher nicht dafür spenden wird, Investoren auszubezahlen.
    Oder täusch ich mich?

  9. Martin Weigert

    schrieb am 16. April 2008 um 21:42 Uhr (#)

    Klar, es ist eine persönliche Behauptung von mir, basierend auf den Eindrücken, die man beim täglichen Aufenthalt im Netz erhält. Ich denke schon, dass sich die Loyalität der intensiven Twitter-User mit der aktiver Wikipedianer vergleichen lässt. Frag einfach mal ein paar der Twitter-Süchtigen - die könnten sich ein Web ohne Twitter nicht mehr vorstellen.

    Dass das Spenden für einen durch Investorengeldern finanzierten Service, der irgendwann einmal Gewinn abwerfen soll, ein seltsames und seltenes Phänomen wäre, ist klar. Der Satz sollte vor allem deutlich machen, wie sehr sich viele Twitter-Nutzer mit dem Dienst verbunden fühlen.

  10. Hendrik

    schrieb am 17. April 2008 um 03:00 Uhr (#)

    Martin, möglicherweise benutzt du Twitter falsch. Twitter ist eben kein “Microbloggingsystem” im Sinne von: dort passiert das selbe wie auf Blogs, nur halt kleiner. Twitter ist das perfekte Tool, um denen, die es interessiert, mitzuteilen, was man gerade macht (denkt, isst, trinkt, sieht). Das ist zugegebenermaßen das, was *auch* lange Zeit über Blogs gemacht wurde, aber es findet jetzt spürbar verstärkt auf Twitter statt — wegen der kurzen Nachrichten, wegen der Handyintegration, und so weiter.

    Ich habe trotzdem noch um die 200 Feeds im Google Reader-Abo, über die ich verfolge, was sich im Netz/bei meiner Lieblingssoftware/etc tut — Twitter benutze ich, um zu schauen, was mein Freundeskreis so treibt. Es sind grundverschiedene Anwendungen, auch wenn sie sich technisch sehr ähneln.

  11. Martin Weigert

    schrieb am 17. April 2008 um 08:48 Uhr (#)

    Hendrik, möglicherweise hast du meinen letzten Satz überlesen:

    Anders wäre die Situation, würden meine Freunde und Kollegen aus dem “realen Leben” Twitter nutzen. Momentan gibt es jedoch keinen, der das macht.

    Eben genau deshalb kann ich Twitter nicht für das verwenden, was du als ideales Anwendungsfeld empfiehlst ;) Allerdings erfüllt Facebook die Aufgabe, mir zu sagen, was mein Freundeskreis so treibt, recht gut.

  12. Hendrik

    schrieb am 17. April 2008 um 11:59 Uhr (#)

    Wups, ja, das habe ich anscheinend. Sorry.

  13. Toni

    schrieb am 17. April 2008 um 12:58 Uhr (#)

    Ich verstehe den Hype darum gar nicht. Twitter bringt gar nichts besonderes!
    Gruß Toni

  14. Malte Landwehr

    schrieb am 17. April 2008 um 20:34 Uhr (#)

    Mit E-Mail kann man Twitter nun wirklich nicht vergleichen. IRC, StudiVZ-Pinnwände und IM-Dienste wie AIM, Live, ICQ, usw. verlieren an Twitter aber für E-Mails ist das Micro-Blogging sicher keine Gefahr.


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