freitimer:
vom Web und mobil mit Freunden verabreden

freitimerIn letzter Zeit hat die Anzahl der Mails von Gründern, die ihr Startup vorstellen möchten, merklich abgenommen. Umso erfreulicher, wenn dann einer der seltener gewordenen “Pitches” von einem Anbieter kommt, der wirklich etwas Nützliches und Innovatives an den Start gebracht hat. Richtig spannend wird es, wenn das Unternehmen sich zwar im Bereich des Social Web ansiedelt, aber mit einem herkömmlichen Social Network nichts gemein hat und seinen Mitgliedern nicht einmal eigene Profilseiten bietet. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen waschechten sozialen Web-2.0-Dienst ausprobiert habe, bei dem es keine Profile der Nutzer gab. freitimer gelingt dieses “Kunststück”, und allein deshalb wäre das von drei Studierenden der Wirtschaftsgeographie an der Universität Regensburg gegründete Startup fast einen Beitrag wert. Glücklicherweise gibt es aber auch noch einiges mehr über freitimer zu berichten.

freitimerBei freitimer handelt es sich um einen Online-Freizeitplaner mit einer Web- und einer mobilen Komponente. Der Dienst soll Freundeskreisen dabei helfen, sich untereinander zu Unternehmungen zu verabreden. Auf der Seite gibt es keine Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu schließen. Nach der Registrierung fügen sich zwei Personen als Kontakte hinzu, indem sie die Handynummer und den Namen des jeweils anderen eingeben. Erst wenn es eine Übereinstimmung zwischen zwei Nummern gibt, entsteht eine freitimer-Freundschaft. Auf diese Weise sollen unaufgeforderte Freundschaftsanfragen verhindert werden.

Hat man auf diese Weise einige Kontakte hinzugefügt, kann man Aktivitäten inklusive Ort und Zeit auf der Seite eintragen und die Kontakte auswählen, die man darüber informieren möchte. Der Dienst unterstützt auch die Gruppierung von Freunden. Jeder Eingeladene kann kommentieren, zu- oder absagen und sieht, wer sonst noch mit von der Partie ist. Über freitimer.mobi erreichen Mitglieder die mobile Version des Dienstes, mit der sich Freunde auch von unterwegs in kurzer Zeit problemlos verabreden können. freitimer.mobi ist leicht zu navigieren, übersichtlich, enthält keine überflüssigen Informationen und erfüllt seinen Zweck gut.

freitimer ist nicht frei von Schwächen. Das Design wirkt recht einfach und erinnert teilweise an vorgefertigte Templates aus einem Grafikprogramm. Auch gibt es derzeit noch keine Möglichkeit der Integration in externe Angebote/Anwendungen wie z.B. Google Kalender, Facebook oder MySpace. Über neue Einladungen benachrichtigt wird man momentan nur per Mail, ein SMS-Service ist in Planung. Wünschenswert wären auch RSS-Feeds. Das größte Problem für freitimer ist jedoch, dass nichts ohne Registrierung geht und dass dazu jeder Freund einzeln überredet werden muss. Hier rächt sich das Fehlen typischer Social-Networking-Features, die es für Nicht-Mitglieder einfach machen, die Attraktivität eines Services von außen zu beurteilen. Die positiven Auswirkungen des Netzwerkeffektes werden so zwar nicht komplett, aber teilweise unterdrückt.

Trotz einiger verbesserungswürdiger Aspekte ist freitimer bereits jetzt eine respektable Applikation, besonders wenn man bedenkt, dass die drei Gründer noch immer einen großen Teil ihrer Zeit für das Studium aufwenden. Die Jungunternehmer legen Wert darauf, dass freitimer auf Funktionen beschränkt bleibt, die den Nutzern die Freizeitplanung und das Realisieren gemeinsamer Aktivitäten erleichtern. Features, die Mitglieder stunden- oder nächtelang im Netz halten, braucht man also nicht zu erwarten. Für die Zukunft ist unter anderem das automatische Ausliefern von individuellen Freizeittipps geplant. Neben Einnahmen daraus möchte das freitimer-Team sein Produkt mit herkömmlicher Werbung auf der Seite sowie durch Zusatzdienste wie SMS-Benachrichtigungen monetarisieren.

Vorläufig konzentrieren sich die Gründer auf Verbesserungen und den Ausbau der bestehenden Plattform. Wie sie auf ihrer Hilfeseite schreiben, benötigen sie für die langfristige Expansion sowohl Kapital als auch Content. Angesichts der guten Idee und des attraktiven Dienstes sollten die Chancen nicht schlecht stehen, dass sie beides bekommen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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8 Kommentare

  1. revox
    schrieb am 11. April 2008 um 10:09 Uhr (#)

    Die Seite mag zwar schön und gut sein, aber es wäre vielleicht angebracht den
    kuw Rechtsanwälte Regensburg mitzuteilen, das Sie diese Seite nicht mehr
    mit überwachen sollten bzw. Ihre IP´s zu aktualisieren.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. April 2008 um 10:12 Uhr (#)

    Was meinst du genau?

  3. Fabian
    schrieb am 11. April 2008 um 10:41 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    vielen Dank für deinen Artikel. Wir sind an einigen Stellen noch ziemlich selbstkritisch mit unserem System und daher umso erfreuter über deinen Beitrag!

    Eine wirkliche Schwäche von freitimer ist das man ohne Registrierung nicht aktiv werden kann. Natürlich wäre es wünschenswert sich durch ein paar Seiten zu klicken, um die Anwendung zu begutachten. Leider lässt sich dies aber nach unserer Meinung nicht mit dem geschlossenes Prinzip vereinen. Trotzdem versuchen wir für die Zukunft einen Kompromiss zu finden…

    @revox: was meinst du mit den rechtsanwälten?
    Falls es um eine vorbelastete IP geht, sind wir gerade dran!

  4. revox
    schrieb am 11. April 2008 um 11:14 Uhr (#)

    @Fabian,
    wenn ich auf die Seite will, schlägt peer guardian2 Alarm (rae-su.de)

  5. Fabian
    schrieb am 11. April 2008 um 11:25 Uhr (#)

    @redox
    danke für deinen Hinweis.
    Wir haben sowohl die Rechtsanwälte, als auch Phoenix Labs (bzw peer guardian2) benachrichtigt.

  6. Mirko Riedel
    schrieb am 11. April 2008 um 12:30 Uhr (#)

    Mir fällt in letzter Zeit auf, dass Du hier über etwas berichtest, was dann auch Deutsche Startups aufgreift.

  7. Martin Weigert
    schrieb am 11. April 2008 um 12:39 Uhr (#)

    Hehe ich glaube, das ist reiner Zufall. Ich versuche, mich mit Reviews zu interessanten Startups zu beilen, während ich mich mit weniger spannenden Projekten gar nicht erst aufhalte.

  8. Fabian
    schrieb am 11. April 2008 um 12:51 Uhr (#)

    Du meinst wohl “Rainer Zufall”, dem Vorzeigenutzer im freitimer-video ;-)
    http://freitimer.net/index/tour

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