New York Times:
Rezeption Glückssache

Was für ein Zitat: “If the news is that important, it will find me.” Aber Journalisten, Blogger und Netzberater hätten den zugehörigen Artikel in der New York Times ruhig lesen können. Stattdessen macht nur das Zitat die Runde und jeder liest, was er herauslesen möchte.

New York Times
Web 2.0: Auch die New York Times wandelt sich (Bild Keystone)

Niemand weiß, was aus einem Artikel wird, erblickt er erst einmal das Licht der Öffentlichkeit. So erging es auch jenem Artikel aus der New York Times vom 27. März, in dem sich jener Satz fand; der bei vielen Medienjournalisten für Furore sorgte: “If the news is that important, it will find me“, hieß es dort aus dem Mund eines pubertierenden Netzbewohners. Dieser Satz sollte das typische Rezeptionsverhalten der jungen Generation illustrieren, einer – so schien es – ‘Abhänger-Generation’, die im Grunde ihre Information zukünftig ans Bett serviert bekommen möchte. Überall folgten daraufhin die genreüblichen Abgesänge auf den alten Pull-Journalismus (oder aber die empörten Proteste dagegen). Blogpolitisch zum Beispiel so:


Empfehlungen durch die User in sozialen Netzwerken treten an die Stelle der Filterung und Sortierung durch Journalisten in den klassischen Medien”.

Oder, mitten aus den 18.000 deutschsprachigen Fundstellen bei Google, und noch ein wenig krasser formuliert:

Hiermit ist der erste Informationsgesetz der digitalen Generation erstellt: Was wichtig ist und was nicht, entscheidet meine Leitgruppe und kein offizielles Organ mehr wie die Tagesschau. Informationen werden nicht mehr konsumiert, sondern erlebt. Das Erlebnis wiederum ist gruppenbildend: Du gehörst dazu, wenn dich das gleiche interessiert.

Das Wort ‘Erlebnis’ kommt zwar im ganzen NYT-Artikel nirgends vor, skizziert wird trotzdem eine schöne (?) neue Medienwelt mit Eventcharakter (und der vorgeblichen Autorität der NYT im Rücken), wo die klassischen Medien bei den Unterdreißigjährigen schlicht überflüssig geworden sind, wo überall Gemeinschaften, Portale und Communities errichtet werden, damit die Peergroup an die Stelle des Gatekeepers treten kann. Erhalten bleibt bei Jubelpersern wie bei Kassandranisten jedoch der unmündige Konsument, dem nach wie vor die ‘Information eingeflößt’ werden muss wie dem Säugling das Milupa. Ob nun von Altmedien oder von der Administration eines Social Networks.

Dabei ließe sich der Artikel gegen den Strich des Mainstream lesen – und – wie ich meine – dann auch korrekter: Das medial zu Tode gerittene Zitat steht beim Verfasser Brian Stelter zunächst in einem ganz anderen Zusammenhang. ‘In one sense’ (in einer Hinsicht) sagt er, sähe es so aus, als würde das neue Medienverhalten einem der ältesten Kommunikationschemata folgen, dem der gewöhnlichen Parteipolitik und ihrer ‘word of mouth’-Selbstbestätigungen, wo der eine Parteigenosse seinem Großkopfeten alles programmatisch nachplappert und so stimmt, wie der das will, während er sich qua Ideologie informationsblind für alles außerparteilich Neue macht, so dass von jenseits seiner Käseglocke nichts mehr zu ihm in seine selbstreferentielle Welt durchdringt. Hier dann folgt unmittelbar das erwähnte Zitat zur Illustration dieser FALSCHEN, nur auf den ersten Blick netcommunity-kompatiblen Ansicht.

Diese falsche Sicht wird jetzt zerpflückt. Es folgt zunächst die Richtigstellung, dass die Diskussion untereinander der Motor des neuen Informationsverhaltens sei, und zwar nicht die Diskussion mit Gatekeepern (nach dem Motto: ‘Junge Leser fragen, Ulrich Wickert antwortet’), sondern die Diskussion mit den eigenen Altersgenossen. Sie umgingen dadurch alle Wälle der Ideologie, wie sie von den Altmedien und den dort arbeitenden journalistischen Ideologiewächtern unermüdlich errichtet werden – zumindest sei das der Eindruck, den die Jungen dabei hätten:

“Young people also identify online discussions with friends and videos as important sources of election information. The habits suggest that younger readers find themselves going straight to the source, bypassing the context and analysis that seasoned journalists provide.”

Eine ‘dialogische Kommunikation’ mit Gleichgestellten also, die sich an den Quellen bedient und endlich selbst Recherche betreibt, tritt an die Stelle einer antiquierten Top-Down-Kommunikation von ‘Quantitätsjournalisten’ ladenhüterischer Provenienz. Das sei jedenfalls die Ansicht der hier untersuchten Generation. Wobei sich der Graben zunehmend vertieft, weil dieser Dialog wiederum eine Disziplin ist, die unsere Altjournalisten bekanntlich gern verweigern bzw, gar nicht beherrschen.

Inmitten einer clinton-treuen Ostküstenpresselandschaft käme es deshalb zu neuen, unvorhersagbaren medialen Ergebnissen, die als Sieg eines juvenilen Anti-Establishments gedeutet werden könnten. Die NYT führt die Rede Obamas über seinen Ex-Seelsorger an, die ihm so viele Sympathien einbrachte. Die ohne das Internet von den vorab auf eine Favoritin festgelegten Altmedien ‘gar net erst ignoriert’ worden wäre:

“In the days after Mr. Obama?s speech on race last week, for example, links to the transcript and the video were the most popular items posted on Facebook.”

Letztlich schließt die NYT mit einem technischen Ausblick – dass nämlich ‘das Medium der Zukunft’ eine Kombination von ‘Story’ und ‘Video’ bieten werde, die ‘Videoportage’ sozusagen:

?We?re talking about a generation that doesn?t just like seeing the video in addition to the story ? they expect it,? said Danny Shea, 23, the associate media editor for The Huffington Post. ?And they?ll find it elsewhere if you don?t give it to them, and then that?s the link that?s going to be passed around over e-mail and instant message.?

So herum wird allmählich wieder ein Schuh daraus. Eine auf die Diskussion versessene Generation schafft sich jene Medien, die Unmittelbarkeit und Anschaulichkeit zugleich erlauben – ohne die Hilfe altmedialer Nebelwerfer und abhängig beschäftigter Raucherzeuger.

Dem NYT-Artikel ging es übrigens nur so, wie es allen Texten während einer Rezeption ergeht. Jeder liest sich konsequent das heraus, was dem eigenen Gemüseladen frommt: Der kleine IT-Anbieter, dass jetzt die Verleger bitteschön ganz viel ‘Community’ und ‘Social Web 2.0′ mit ihm zusammen machen müssten; der Altjournalist, dass die nervtötende Netkommunikation ja doch nur nerdiges Baby-Gebabbel und Nachgeplapper von Ahnungslosen sei, die von wahrer Recherche und stilistischer Brillianz noch nie etwas gehört hätten; und ich, dass alle Information immer ein Produkt des Empfängers sei – dass in einem Ursprungstext eigentlich immer nur Reize oder ‘Perturbationen‘ für die Folgekommunikation enthalten sind. Und in den Reaktionen darauf natürlich auch ganz viel ‘white noise’.

Und wer jetzt meint, er müsse angesichts der beschriebenen großmedialen Sachlage, die unüberhörbar auf mehr Dialog zielt, die arbeitsintensiven Kommentarthreads seines Online-Auftritts für die Diskussion schließen, um Personal für die Rendite zu sparen, der soll dies ruhig tun. Kamikaze-Strategien waren allerdings schon öfters ein Flopp …

1,2,3

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

Der nächste Interessenkonflikt: Wie die Facebook-Aktie  dem Tech-Journalismus schadet

2.2.2012, 11 KommentareDer nächste Interessenkonflikt:
Wie die Facebook-Aktie dem Tech-Journalismus schadet

Viele die Technologie- und Internetbranche bewachende Blogger und Journalisten rund um den Globus werden sich dieser Tage die Frage stellen, ob sie sich mit Aktien von Facebook eindecken sollten. Ein Interessenkonflikt ist programmiert.

Digitale Inhalte neu zusammenstellen: Storify rückt das Kuratieren  ins Rampenlicht

22.11.2011, 3 KommentareDigitale Inhalte neu zusammenstellen:
Storify rückt das Kuratieren ins Rampenlicht

Zahlreiche Startups sind in den letzten Monaten auf den Trend des Kuratierens von digitalen Inhalten aufgesprungen. Storify aus San Francisco gelang es, sich von der Konkurrenz abzuheben und zum Liebling der Medien zu avancieren.

Aggregator für Meinungsjournalismus: Commentarist wagt den Neustart  und erhält sechsstellige Finanzierung

12.9.2011, 3 KommentareAggregator für Meinungsjournalismus:
Commentarist wagt den Neustart und erhält sechsstellige Finanzierung

Nur einen Monat hielt sich Commentarist, ein Aggregator für Meinungsjournalismus aus Hamburg, Anfang 2011 im Netz. Dann zwangen ihn Abmahnungen zweier Verlage zu einer unfreiwilligen Pause. Heute öffnet der Dienst erneut seine Pforten.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

Linkwertig: Qype, New York Times, Firefox, Hotmail

30.3.2011, 0 KommentareLinkwertig:
Qype, New York Times, Firefox, Hotmail

Qype wurde fünf Jahre alt, die ersten Eindrücke von der Paywall der New York Times, Analyse der Onlinedating-Vergleichsseiten und mehr.

Journalismus im Netz: Warum Tageszeitungen von offenen Schnittstellen profitieren

26.5.2010, 8 KommentareJournalismus im Netz:
Warum Tageszeitungen von offenen Schnittstellen profitieren

Nach der New York Times veröffentlicht auch The Guardian Schnittstellen und erlaubt sogar die kommerzielle Nutzung. Ein kluger Schritt.

One in 8 Million: Die New York Times wird persönlich

25.3.2009, 0 KommentareOne in 8 Million:
Die New York Times wird persönlich

Nah dran an den Bewohnern der Stadt ist die New York Times. Zu Fotostrecken erzählen ganz gewöhnliche Menschen ihre Geschichte – jede Woche einer von acht Millionen.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Eardex: Globale Datenbank über lokale Preise

9.2.2012, 4 KommentareEardex:
Globale Datenbank über lokale Preise

Das Kölner Startup Eardex hat sich zum Ziel gesetzt, eine Datenbank über die Lebenshaltungskosten an jedem Ort dieser Welt aufzubauen. Dazu benötigt es die Hilfe der Nutzer.

Digitales Publizieren: Die Like-Kultur und  der Drang zum Konformismus

5.7.2011, 4 KommentareDigitales Publizieren:
Die Like-Kultur und der Drang zum Konformismus

Die Omnipräsenz von Like-Buttons verführt Inhalte-Ersteller im Netz dazu, nach Konformität und Anerkennung zu streben, statt ihre eigenen Standpunkte zu vermitteln - eine Theorie, für die sich Belege finden lassen.

Start der öffentlichen Beta-Phase: Newsgrape will Autoren  Reichweite verschaffen

17.6.2011, 1 KommentareStart der öffentlichen Beta-Phase:
Newsgrape will Autoren Reichweite verschaffen

Die neuartige Publikationsplattform Newsgrape startet nach vier Monaten im Invite-Only-Modus die öffentliche Beta-Phase.

Mister Wong: Deutsches Web-2.0-Urgestein  wird verkauft

7.11.2011, 2 KommentareMister Wong:
Deutsches Web-2.0-Urgestein wird verkauft

Das Social-Bookmarking-Portal Mister Wong, einer der letzten verbliebenen deutschen Dienste der Web-2.0-Ära, soll verkauft werden.

Linkwertig: Web 2.0 Summit 2011

24.10.2011, 1 KommentareLinkwertig:
Web 2.0 Summit 2011

Vergangene Woche fand in San Francisco der Web 2.0 Summit statt. Ein restrospektiver Überblick in Videos.

Neue Vielfalt auf Anbieterseite: Das Ende der Alleinherrschaft  von Facebook und Twitter

20.6.2011, 12 KommentareNeue Vielfalt auf Anbieterseite:
Das Ende der Alleinherrschaft von Facebook und Twitter

Auf die Web-2.0-Euphorie folgten mehrere Jahre der Konsolidierung und Machtkonzentration, mit Facebook und Twitter als große Besuchermagneten. Doch 2011 gibt es wieder Anzeichen für eine neue Vielfalt im Social Web.

Printartikel online weiterempfehlen: Paperboy erkennt über  180 Zeitungen aus D-A-CH

10.10.2011, 4 KommentarePrintartikel online weiterempfehlen:
Paperboy erkennt über 180 Zeitungen aus D-A-CH

Mit Paperboy können Inhalte aus den Print-Versionen von Tageszeitungen per Smartphone in hochaufgelöster digitaler Form weiterempfohlen werden. Jetzt expandiert der Dienst aus Zürich in D-A-CH und weltweit.

Paper Pile: Applikation macht aus  RSS-Feeds eine iPad-Zeitung

26.5.2010, 15 KommentarePaper Pile:
Applikation macht aus RSS-Feeds eine iPad-Zeitung

Nicht jeder mag die Listendarstellung herkömmlicher RSS-Reader. Die iPad-Anwendung Paper Pile stellt beliebige Feeds im Format einer traditionellen Zeitung dar.

Fusion in der Schweiz: Tamedia übernimmt Edipresse

3.3.2009, 3 KommentareFusion in der Schweiz:
Tamedia übernimmt Edipresse

Die Verlage Edipresse und Tamedia führen ihre Schweizer Geschäfte zusammen, bis zum Jahr 2013 soll die Fusion komplett sein. Internationale Aktivitäten der Edipresse sind ausgeschlossen.

4 Kommentare

  1. Joseph
    schrieb am 9. April 2008 um 15:30 Uhr (#)

    Wenig im deutschen Sprachraum zu finden
    sind derzeit Artikel ueber die sich an-
    bahnende Medienkrise in den USA. Vielleicht auch um einen Ansteckungseffekt
    zu verhindern und die Medien wegen ihrer
    Rolle in der Finanzkrise zu feuern, wozu
    sie ja jahrelang kraeftig beigetragen
    haben.
    bei allfaelligem Interesse, google:
    +newspaper revenue+
    +newspaper circulation+ und dann NEWS
    anklicken. Da gibt es fortlaufend news
    dazu.
    Einen bemerkenswert kritischen Artikel
    gab es dazu unlaengst in editor&publisher:
    “Where Was Media When Sub-Prime Disaster
    Unfolded?”
    If we were long on the edge of “disaster” with a “financial nuclear winter” waiting in the wings, why were American news consumers among the last to know?- March 27, 2008
    editor&publisher: where was the media in the sub-prime crises:
    http://mediainfo.com/eand…hoptalk_display.jsp?
    vnu_content_id=1003781122

  2. arbiter
    schrieb am 10. April 2008 um 12:40 Uhr (#)

    Anfangs, so vor 20 Jahren habe ich “öfters” TV geschwänzt. Plötzlich war die Idee da, von stand by in out zu wechseln, was seit 15 Jahren konsequent funktioniert. Anfangs, etwa um die gleiche Zeit, habe ich Zeitungsschlagzeilen geschwänzt, das Printmedium nur noch selektiv zugelassen. Dann habe ich die Tageszeitung so vor 15 Jahren abbestellt. Es funktioniert.

    Aus den subjektiven Anfangsverweigerungen hat sich ein kritischer, nicht weniger subjektiver Medienkonsum entwickelt, der sehr viel Zeit spart, sehr viel Zeit übrig läßt. Im Gegenzug trägt das dazu bei, daß gelegentlich die Medien-Vielkonsumenten konsterniert fragen, “woher weißt du das alles”. Dieses “ALLES” ist, wie es sich gedächtnisphysiologisch gehört, nicht mehr und allenfalls 2 Prozent des täglichen Nachrichtenangebotes. Mehr schafft nun mal die Festplatte “Gehirn” nicht. Schadet es, sortiert wer 98 Prozent gleich vorher aus? Ist es nicht äußerst bequem, selbst die Mühe des Aussortierens rigoros einzuschränken?

    Die Diskussion und Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn, über Werthaltigkeit der Nachrichten in überkommenen und neuen Medien, ist eine Medien-, keine Nachrichtendiskussion, keine Erörterung von Medieninhalten. So oder so selektiert der Medienkonsument Nachrichten, muß filtern. Steigt die Nachrichtenflut, steigt der Selektionspegel. Das Prinzip der maximalen Faulheit siegt, und die prägnante, stets verfügbare Kurzinfo trägt den Sieg davon. Das bevorzugt langfristig elektronische Medien. Auch denen bleibt Selektion nicht erspart, wollen sie den Konsumenten erreichen. Persönliches, selektives Konsumverhalten zwingt also die Nachricht, ihren Konsumenten zu suchen zu finden, und zuletzt bestimmt immer “öfters” der Konsument, was er davon für sich als “Inhalt” zuläßt. So zumindest geht in meinen vier Wänden Medienkonsum. Die Nachricht, ihre Bedeutung und ihre Bedeutsamkeit müssen mich finden. Verfehlen sie mich, fehlt ihnen Wesentliches, sind sie Altpapier, Datenschrott, Entsorgungsgut. “If the news is that important, it will find me”, obwohl ich zum alten Eisen und ganz und gar nicht zur Zielgruppe gehöre, für deren Medienkonsum die NYT nach einem Ausblick , DEN Orakelspruch, den Zukunftstrüffel künftiger Geschäftsmodelle sucht.

  3. Klaus Jarchow
    schrieb am 10. April 2008 um 12:56 Uhr (#)

    Das große Problem hierbei ist, dass dann jeder etwas anderes weiß, auch wenn er nicht weniger weiß, als zu Zeiten seines Massenmedienkonsums: Die Ära einer (durch die Medien) ‘formierten Gesellschaft’ oder von ‘shared realities’, die dadurch Klassen oder Milieus bilden konnten, sind vorbei. Ein Blocher ist nur noch ein letztes lebendes Rückzugsgefecht. Alle Steinmetze, die das Standbild einer homogenen Gesellschaft meißeln möchten, haben mit attraktiven Modellen so ihre Schwierigkeiten. Alles oszilliert und verschwimmt vor ihren Augen …

  4. arbiter
    schrieb am 10. April 2008 um 23:33 Uhr (#)

    @ Klaus Jarchow: Das Phänomen ist, wo alle auch zu Zeiten des Massenmedienkonsums zumindest das gleiche Medium genutzt haben, ihr Umgang damit war sehr unterschiedlich, die “entnommenen” und “gespeicherten” Informationen wiederum noch unterschiedlicher, selbst dann, wenn identische “Botschaften” konsumiert worden waren. Es war schon immer so, jeder “weiß” etwas anderes. Vielleicht nicht zuletz eine Folge der doch eher eingeschränkten physiologischen Gedächtnisleistung, ganz abgesehen einmal vom IQ(?). Also entscheidet letztlich der Empfänger über den Botschaftsgehalt, nicht der Absender. Eine “formierte Gesellschaft” wird eher durch die ökonomischen und sozialen Umstände, ihre Beeinflussung und Veränderung geprägt, wobei den Medien nur die Rolle des Verstärkers oder des Opponenten zufällt, die wirtschaftlichen Abhängigkeiten bei den Holzmedien bisher eher dafür sorgen, daß Medien gestriegelte Verstärker bilden. Dem werden sich im übrigen letztlich auch die neuen Medien nicht entziehen können. Ruppert Murdoch u.a. weiß das. Gorbatschow hat deutsche Medien gerade für das “Striegeln” getadelt, und ich weiß, daß ich nichts weiß, aber immer besser. Oder doch nur besser informiert?

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.