Zwei Tageszeitungs-Neulinge an der Spitze von Ex-«heute»-in-spe

Peter Hogenkamp, 28. März 2008 17:32 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Mit der Umbenennung in «Blick am Abend» am 2. Juni kommen die neuen Leute: Ringier hat am Nachmittag die Besetzung der Chefredaktion bekannt gegeben. Der grösste Schweizer Verlag, der stolz darauf ist, von einem Journalisten geführt zu werden, scheint dabei nicht unbedingt Wert darauf zu legen, dass die Schlüsselpositionen von Leuten mit Erfahrung in der betreffenden Disziplin besetzt werden.

Chefredaktor wird Peter Röthlisberger. Er war zuvor Chefredaktor und Programmleiter bei TeleZüri, Inlandchef des Wochenblatts Weltwoche, Wirtschaftschef des Wochenblatts Schweizer Illustrierte (Was? Die haben einen Wirtschaftsschef? Was macht der genau?) und zuletzt seit Februar 2007 stellvertretender Chefredaktor beim SonntagsBlick, wieder einem Wochenblatt. Geschrieben Herausgegeben hat er in letzter Zeit nur ein Buch namens Skandale.

Der neue Stellvertreter Markus Helbling war auch vorher beim Fernsehen, aber dort wohl nicht journalistisch tätig, sonst hiesse es nicht “in verschiedenen Funktionen im Sportbereich von SF”, und ist seit 2007 Projektleiter Euro 08 bei Ringier Schweiz. [EDIT: Wohl doch, siehe Kommentar 4. Der nächste Satz stimmt trotzdem.] Scheint sich eher um einen Konzernmann zu handeln; von ihm geschriebene Artikel haben wir auf die Schnelle nicht gefunden.

Die frei werdende Stelle als stv. Chefredaktor vom «Sonntagsblick» besetzt Hannes Britschgi, dem Schweizer Fernsehpublikum noch als «Rundschau»-Mann in Erinnerung, danach Chefredaktor «Facts», zuletzt Leiter von RingierTV, dessen Karriere sich damit weiterhin eher seitwärts bewegt.

Der Deutsche Daniel Steil, der «heute» seit der Abberufung von Bernhard Weissberg zum «Blick»-Chef ein Dreivierteljahr interimistisch geleitet hatte, Leserzahlen und Werbeeinnahmen kontinuierlich steigern konnte und den sich die Redaktion lieber als permanenten Chef gewünscht hatte, ist laut Pressemitteilung «derzeit noch in Gesprächen über eine weitere Tätigkeit». Das hört sich nicht gut an. Schade. (Disclaimer: Bin auch Deutscher.)

Es sieht damit nicht so aus, als würde sich bei der neuen kleinen Schwester «Blick am Abend» im Juni nur der Name ändern.

PS. Gleichzeitig (Zufall?) hat Ringier auch die Personalie Werner De Schepper aus der Welt geschafft. Der Theologe und «Blick»-Chef von 2003 bis 2007 war zuletzt in der Romandie parkiert, verlässt aber nun den Verlag im Mai, so Ringier in einer separaten Mitteilung.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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11 Kommentare

  1. Ugugu
    schrieb am 28. März 2008 um 19:01 Uhr (#)

    Frage mich grad, was der Disclaimer: ‘bin auch Deutscher’ zur Sache tut. Obwohl, vielleicht hast Du recht, mit etwas weniger an Deutschem Personal lassen sich wohl Anti-Deutsche Kampagnen à la Blick wohl eindeutig leichter fahren.

    Wie überall portiert wird, soll der Blick ja wieder “leicht” nach Rechts rücken…

  2. David Läderach
    schrieb am 28. März 2008 um 19:36 Uhr (#)

    D’Schwobe hype halt wieder ihre Spezie, gell.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 28. März 2008 um 20:11 Uhr (#)

    Der Disclaimer war etwas launig gemeint.

  4. Martin
    schrieb am 28. März 2008 um 21:14 Uhr (#)

    Doch doch, der Markus Helbling war bei SF schon journalistisch tätig, u.a. als Produzent von “sportaktuell”. Zudem war er für den Aufbau der SF-Sportwebsite verantwortlich .

  5. schwob
    schrieb am 28. März 2008 um 22:01 Uhr (#)

    vier zu null

  6. och...
    schrieb am 29. März 2008 um 03:55 Uhr (#)

    och, hier ists mal wieder ganz lustig.
    schon mal was von smd gehört, ihr super-profis? oder könnt ihr euch das nicht leisten? jedenfalls wäre zu helbling in 5 sekunden alles klar gewesen (und eure diesbezügliche unwissenheit, die ihr auch noch breitwalzt – “scheint sich um einen konzernmann zu handeln” – wäre euch erspart geblieben).
    hauptsache, alles, was dort läuft, runterschreiben. (ein ex-tele-züri-boss kann das ja sicher nicht, der war ja jetzt bei wochenmagazinen. huiuiui!)
    und dann noch das “heute” loben. fällt irgendwie auf in letzter zeit. muss wohl wirklich an der nationalität des baldigen ex-chefs liegen, anders ist es kaum zu erklären. oder lest ihr das etwa täglich und findet es gut? hmm…

  7. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 29. März 2008 um 08:06 Uhr (#)

    Note to self: Keine selbstironischen Deutschenwitze mehr machen, kommen einfach nicht an.

  8. Köbi Bünzli
    schrieb am 29. März 2008 um 08:40 Uhr (#)

    Da geht es doch nicht um die Fragen Schweizer oder Deutscher, Konzernmann oder Journalist, Wochenzeitungerfahrung oder Tageszeitungerfahrung. Die einzige Frage, die wirklich interessiert: Wird es beim Blick am Abend weiterhin heute Singles geben und werden wir treuen Leser endlich von Zora Off verschont?

  9. Klaus Jarchow
    schrieb am 29. März 2008 um 09:18 Uhr (#)

    Das Schreibenkönnen wird sowieso maßlos überschätzt – genauso wie die Deutschen …

  10. Fred David
    schrieb am 29. März 2008 um 10:16 Uhr (#)

    Dass Werner de Schepper Ringier verlässt, ist nicht nur schade, sondern ein echter Verlust. Nach Peter Rothenbühler, der beim Le Matin in Lausanne einen prima Job macht, wieder eine Boulevard-Saftwurzel weniger im Haus. Jetzt sind die Windschlüpfrigen (*) am Werk.

    *) So bezeichnet man bearbeitete Werkstücke, die im Windkanal den geringsten Widerstand zeigen.

  11. Martin
    schrieb am 29. März 2008 um 10:40 Uhr (#)

    Tja, lieber Peter, gerade im Schweizer Mittelland wird Ironie oft nicht verstanden. Aber das sind halt auch schon fast halbe Deutsche!

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