TV-Formate:
Kanal global

Kein Mut, kein Geld, keine Ideen: Deutsche Fernsehmacher punkten selten mit eigenen Formaten. Kaum eine Sendung hat nicht ein amerikanisches oder britisches Vorbild – doch langsam ist alles kopiert, was Erfolg versprechen könnte. Kommt jetzt die televisionäre Emanzipation?

Dittsche (Bild Keystone)
Dittsche: Innovation als Ausnahme (Bild Keystone)

Eingekauft oder kopiert: Fernsehdeutschland sitzt vor einer Endlosschleife globaler TV-Formate. Sie heißen ?Wer wird Millionär?, ?Deutschland sucht den Superstar?, ?Germany`s Next Topmodel?, ?Big Brother?, ?Let`s Dance? oder ?Deal oder No Deal?.

Sie alle wurden nicht in Deutschland entwickelt. Ein Großteil der Formate kommt aus Großbritannien und den USA, dort wird kreativ geschaffen, erfunden, ausprobiert. Anschließend werden die Formate im Ausland vermarktet. Der Fernsehmarkt wird zunehmend globaler. Vorteil für die Einkäufer: Sie kaufen ein bewährtes Produkt, sie müssen nicht selber Geld in die Entwicklung stecken.

Global heißt aber nicht multikulturell. Und das ist das Erfolgsgeheimnis: Es geht in den Formaten um Entblößung und um knallharten Wettbewerb, weniger um kulturelle Gepflogenheiten.

“Wer wird Millionär”, in Deutschland von Günther Jauch moderiert, wird in über hundert Ländern produziert. Versagensangst, Spannung und der Geruch von Millionen sind nun mal weltweit vermarktbar.

Die Spanner-Show ?Big Brother? läuft bereits in 23 Ländern. Vater der Idee war Endemol. 1994 von John de Mol (“Traumhochzeit”) und Joop van den Ende (“Mini Playback Show”) gegründet, ist Endemol mittlerweile der erfolgreichste TV-Vermarkter.

Und wenn die Sender keine Lust haben auf immense Lizenzgebühren, wird eben kopiert. “Die Super Nanny” (original: “Supernanny”), ?Big Boss? (original: “The Apprentice”) mit Rainer Callmund, “Das weiß doch jedes Kind” mit Cordula Stratmann bzw. “6!Setzen” mit Günther Jauch (original: “Are You Smarter than a 5th Grader”) und “Frauentausch” (original: “Wife Swap”) haben internationale Vorfahren, wurden aber in Eigenregie von deutschen Sendern produziert.

Verboten ist das nicht: 2003 entschied der Bundesgerichtshof, dass Fernsehformate urheberrechtlich nicht geschützt sind. Als Instanz wurde die FRAPA (Format Recognition and Protection Association) eingesetzt, ein Verband aus rund 100 Firmen aus der Film- und Fernsehbranche.

Schaut man sich die Sendepläne der großen amerikanischen Sender (ABC, Fox, CBS) an, bleibt nicht mehr viel übrig. Fox startet mit “Don`t forget the Lyrics”, einer aufgemotzten Karaokeshow, bei der die Teilnehmer textliche Standfestigkeit beweisen müssen. Der Sieger bekommt, was sonst, die Millionen. Hier wurde das Rad wirklich nicht neu erfunden – was deutsche Sender aber bestimmt nicht davon abhalten wird, auch dieses Format auszuprobieren. Wenn denn die Quote stimmt.

Eigene Ideen? Fehlanzeige. Und was ist mit “DalliDalli”, “Wetten, dass…?” oder “Einer wird gewinnen”?

Man stelle sich vor: Late-Night-Talker David Letterman springt in die Luft, die Knie fest angezogen, die Hände gen Himmel: “Wir sind der Meinung, das war… spitze!”

Oder so.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

 

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