Heute keine Zeitung

Ole Reißmann, 21. März 2008 09:36 Uhr, 19 Kommentare Kommentare

Es passiert nicht weniger, doch auf die gedruckte Zeitung muss heute verzichtet werden: Karfreitag. Feiertag, die Läden geschlossen, die Zeitung erst am Sonnabend wieder. Wie ist so ein Tag ohne Zeitung? Fehlt da nicht was?

DiskussionWas wäre, wenn es plötzlich keine Tageszeitung geben würde? Ist Print so tot, wie Steffen Büffel es behauptet? Stehen der gedruckten Qualitätspresse goldene Zeiten bevor, angesichts der ständig fließenden Online-Meldungen? Oder reicht die Informationsflut der Nachrichtenportale aus, bleibt nur Platz für Zeitschriften und wöchentlich erscheinende Zeitungen? Wer liest eigentlich noch eine Tageszeitung?

Wir möchten von unseren medienlese.com-Lesern wissen: Fehlt heute nicht etwas? Und natürlich sind auch alle Zeitungsredakteure eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen und eine Lanze für ihr Produkt zu brechen. Wenn sie mögen.

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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19 Kommentare

  1. Mick
    schrieb am 21. März 2008 um 10:42 Uhr (#)

    Ich habe mich tatsächlich heute morgen gefragt, warum ausgerechnet heute, wo ich sie in Ruhe lesen könnte, keine Zeitung erscheint. Aber das war ja vor 20 Jahren schon das Argument für die Sonntagszeitungen. Unter der Woche brauche ich tatsächlich keine Tageszeitung mehr (obwohl ich noch eine abonniert habe), weil ich mich online kundig mache. Und weil ich gut zwei Drittel der Themen in der Tageszeitung am Vortag bereits im Netz gefunden habe. Dafür schnappe ich mir für eine Zugfahrt durchaus und gerne eine der Gratiszeitungen (oder auch gleich alle). Allerdings auch das nur noch selten, seit ich auch im Zug online bin.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 21. März 2008 um 10:59 Uhr (#)

    Mir gings ebenso – eine leise Enttäuschung, dass beim Bäcker, der wie selbstverständlich geöffnet hatte, heute keine Zeitungen auflagen. Genau an einem Tag, an dem es üblicherweise regnet, nichts los ist und an dem es darum langweilig ist. Wiederum finde ich es gut, dass es Tage gibt, die anders sind. Hätten wir eine wirklich starke Kirche, dann würde die es sicher durchsetzen, dass die Provider am Karfreitag den Internetzugang sperren. Aber so ist das ja nicht.

    Ich glaube aber, dass die Zukunft für die Printpresse so sein wird, dass sie da sein muss, wo sich die Leute langweilen. Also in den Verkehrsmitteln, in Warteschlagen, an Karfreitagen und am Sonntag. Gratis oder auch nicht. Dass sie an einem Arbeitstag, von dem man erst spätabends nach Hause kommt, kurz nachdem man morgens das Haus verlassen hat, in den Briefkasten gesteckt wird, scheint mir kein zukunftsträchtiger Weg.

  3. Sam
    schrieb am 21. März 2008 um 11:55 Uhr (#)

    Ich wollte heute morgen nach dem Morgenessen auch die Zeitung zur Hand nehmen und musste dann feststellen dass es heute keine gibt. :)

  4. bosch
    schrieb am 21. März 2008 um 12:06 Uhr (#)

    Mir fehlt etwas heute, aber es beruhigt mich, dass es heute bundesweit allen Zeitungslesern so geht.

    Schlimmer trifft es die SZ-Leser im Norden. Da wird man leider häufiger böse überrascht.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 21. März 2008 um 12:42 Uhr (#)

    Muß man halt die nehmen, in der man den Karfreitags-Fisch heimgetragen hat. Das ist dann Multimedia – mit einer zusätzlichen olfaktorischen Komponente.

  6. Köbi Bünzli
    schrieb am 21. März 2008 um 12:45 Uhr (#)

    Mir fehlt heute definitiv etwas. Für einen Morgen ohne Zeitung lohnt es sich nicht aufzustehen. Darum habe ich mal ausgeschlafen.

    Wie sieht es eigentlich am Sonntag aus, erscheinen da die Sonntagszeitungen?

  7. Peter
    schrieb am 21. März 2008 um 14:20 Uhr (#)

    Sollte die Frage nicht lauten, warum in einer weltlichen Gesellschaft ohne Staatsreligion keine Zeitungen erscheinen?

  8. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 21. März 2008 um 14:30 Uhr (#)

    @Peter: Berechtigte Frage, online arbeitet ja 24/7 und die Bäcker stehen am Karfreitag auch früh auf. Vielleicht, weil die Printjournalisten, die Drucker und die Verteiler Feiertage ganz gerne mögen?

  9. Alfred Lohmann
    schrieb am 21. März 2008 um 15:00 Uhr (#)

    Etwa eineinhalb Stunden am Tag verbringe ich damit, mich durch den Google-Reader zu wühlen. Zeitungen, die mir heute als aktuell, was ich gestern schon wusste, brauche ich also nicht.

    Was mir fehlt, sind echte, gutgemachte Lokal- und Regionalzeitungen, vor allem hier in NRW. Und auf das gefühl, die pfundschwere FAZ am Samstag neben den Brötchen liegen zu haben, will ich auch nicht verzichten.

    Also: Sind Zeitungen unverzichtbar? Jein .

  10. Jean-Claude
    schrieb am 21. März 2008 um 15:31 Uhr (#)

    Das Zeitungsritual am Morgen fehlte mir heute definitiv. Ich lese jeden Morgen zum Frühstück intensiv eine Tageszeitung (zur Zeit die “Neue Zürcher Zeitung”, aber ich glaube, da wechsle ich wieder) und höre parallel den Deutschlandfunk. Danach fühle ich mich informationsmässig fit.

    Für meine Frau bin ich in dieser Zeit relativ ungeniessbar. Dafür darf sie abends das TV-Programm bestimmen. Wovon sie denn auch rigoros Gebrauch macht.

    Ich kann ohne das Blättern in der Zeitung den Tag nicht richtig beginnen. Ich brauch das, um die notwendige Betriebstemperatur zu erreichen. Das web kann mir das nicht ersetzen. Auch nicht den schnellen Ueberblick, ordentliche Kommentare – und die altmodischen Leserbriefseiten, die qualitativ immer besser werden, wie ich finde. Gratisblätter langweilen mich. Kaum fängste an, biste schon durch und fragst dich: War da was?

    Ansonsten lese ich mich querbeet durch die weeklys, wechsle aber immer ab, mal Spiegel, mal Zeit, mal Cicero, mal Observer, mal irgendwas. Ich brauch das. Insbesondere im Sommer (hoffentlich kommt der je mal wieder) mit nem Weizenbier unter der Kastanie vor meiner Stammkneipe. Die Zeit klau ich mir, wenn sein muss mit Gewalt. Das ist für mich Lebensqualität.

    Da ich das web beruflich intensiv nutze, ist das für mich Arbeit und nicht so sehr fun. Ich bin froh, wenn ich den Compi mal wieder abschalten kann – und was Raschelndes in der Hand kriege. Das hat was Sinnliches. Wenigstens für mich. Und genau darum wird uns der Print noch laaange erhalten bleiben. Wetten?

  11. martin
    schrieb am 21. März 2008 um 17:56 Uhr (#)

    *hach* bei der zeitung müsste man arbeiten! da zählen die feiertage irgendwie immer doppelt: weil es ja keine feiertags-ausgabe gibt, muss man am tag davor auch keine artikel dafür schreiben! ;)

  12. Klaus Jarchow
    schrieb am 21. März 2008 um 18:21 Uhr (#)

    Ich habe zum Frühstück in einem älteren Band Joseph von Westfalen geschmökert, später bin ich in Harry Graf Kesslers Tagebüchern versackt. Ich habe daher bisher nichts von den üblichen AngelaGuidoKurtClaudiaOskar-Legenden vermisst.

  13. meg24
    schrieb am 22. März 2008 um 10:22 Uhr (#)

    und in paar jahren wird es wohl garkeine mehr geben. zumindest haben es schon einige sprecher der ganz großen tageszeitungen in amerika behauptet. “für was soll man eine zeitung in millionenfacher ausfertigung drucken wenn die leser schon abends die neusten informationen im internet verfolgen”… – schade – dann gibts wahrscheinlich auch bald nicht mehr das geliebte kreuzworträtsel dass man immer in der frühstückspause ausgefüllt hat… :o( grüße und schöne feiertage, meg24

  14. Jean-Claude
    schrieb am 22. März 2008 um 11:22 Uhr (#)

    MEG24, um news geht es doch gar nicht, die kann man jederzeit überall abgreifen. Dazu brauchts keine Zeitungen mehr. Es geht um Hintergründe und Zusammenhänge. Und die kann man sich nicht so leicht selber zusammenstoffeln.

    Klaus Jarchow empfiehlt, einfach mal wieder Bücher zu lesen. Kann ich nur zustimmen. Zum Beispiel Jürgen W.Todenhöfer über den Irak-Krieg:”Warum tötest du, Said?”. Kam jetzt gerade raus.

    Er ist Verlagsmanager bei Burda und macht das, was eigentlich seine Journalisten tun sollten, es aber nicht tun, weil es zu unbequem, bisweilen auch etwas gefährlich ist, aber wichtig wäre: Er reiste mehrfach in den Irak und nach Afghnistan. Aber nicht als “eingebetteter Journalist” der US-Army-Propaganda, auch nicht First vclass und im Fünf-Sterne-Hotel.

    In dem Buch finden sich Schlderungen, Beobachtungen, Facts&Figures wie man sie sonst nirgendo präsentiert kriegt. Todenhöfers Glaubwürdigkeit halte ich für sehr hoch, weil er an keine Interessen gebunden ist, nicht mal finanzielle (er ist reich genug). ist selten, sowas. Ausserdem kommt er aus dem konservativen Lager, ist also nicht per se verdächtig, Antiamy zu sein.

    Das Fazit, das man als Leser nach der Lektüre zwingend ziehen muss: Wir werden nach Strich und Faden systematisch belogen über das, was im Irak und in Afghanistan passiert. Geradezu gespenstisch.

    Sowas findet man kaum in Zeitungen und – vertrauenswürdig – auch nicht im web.

    Verregnete Tage ohne Zeitung haben wirklich auch ihr Gutes.

  15. Silke
    schrieb am 24. März 2008 um 19:08 Uhr (#)

    @martin: Leider stimmt das mit den Feiertagen so nicht. Weder Karfreitag noch Ostermontag sind für Tageszeitungsredakteure Feiertage, ebenso sind Sonntage frei. Zwar bekommst Du an diesen Tagen keine Zeitung, die für den nächsten Tag wird aber just an jenen Tagen produziert….

    @MEG24: Vielleicht trifft es wirklich ein, dass es irgendwann keine Tageszeitungen mehr geben wird. Allen Unkenrufen zum Trotz glaube ich aber nicht, dass das schon in ein paar Jahren der Fall sein wird. Schließlich erfahren Interessierte nicht nur via Internet, sondern schon seit Jahrzehnten via TV und Radio jene Nachrichten, die sie dennoch in der Tageszeitung am nächsten Tag noch einmal konsumieren. Ich glaube eher an einen Wandel der Tageszeitungen, die sich in den kommenden Jahren mehr darauf konzentrieren müssen, echte Hintergründe, Analysen und Kommentare zu bringen, statt nur wiederzugeben, was schon mehrfach am Tag zuvor durch alle anderen Medien publiziert worden ist. Print ist nicht tot.

  16. robert holzwart
    schrieb am 25. März 2008 um 12:59 Uhr (#)

    die zeitung ist tatsächlich tot. viele hier publizierte argumente laufen daraus hinaus ein ritual zu vollziehen oder leere/langeweile zu ertragen. das kann man ohne zeitungen erreichen: etwas yoga, ein buch lesen (ja die gibt’s noch und keine online-alternative) und ein gespräch mit partner/oma/kinder/nachbarn etc. am schluss weiss man mehr als zuvor. das ist in der zeitung meist nicht der fall.

  17. fgbin
    schrieb am 25. März 2008 um 13:28 Uhr (#)

    Das Zeitungssterben ist ja schon im Gang. Der Tod aber lässt noch auf sich warten. Er wird glücklicherweise jenseits meines eigenen liegen.
    Vermutlich auch jenseits von 2040.
    Die Tagesz. werden sich im Sinne des von Silke Gesagten “wandeln”. Freue mich auf mehr Dritte Seiten ( wie in der SZ),auf mehr Edelfedern wie im
    “Streiflicht”, im Kommentar und im Feuilleton der SZ und auch der FAZ.

  18. Michael
    schrieb am 25. März 2008 um 13:44 Uhr (#)

    @Silke, Jean-Claude:

    ich stimme da voll und ganz zu, hole mir Sonntags immer die FAS, weil man die nämlich (in Teilen) auch noch am Montag oder Dienstag lesen kann. Und ich will auf keinen Fall immer und ständig den Computer anwerfen müssen, um Informationen zu bekommen. Der Vorteil einer Zeitung ist jA gerade, dass man sich gemütlich in den Sessel oder auf die Parkbank setzen und in Ruhe lesen kann. Und es soll mir keiner erzählen, der Laptop auf dem Schoß oder gebeugt vor dem Display sitzend wäre das gleiche Vergnügen. Das “Vergnügen” hab ich jeden Tag im Büro…

    Warum es von vielen normalen/regionalen Tageszeitungen keine Sonntagsausgaben gibt, verstehe ich allerdings auch nicht. In Berlin geht das doch auch. Allerdings haben die Blätter dort teilweise auch eine andere journalistische Qualität (zumindest gibt es dort Artikel, die länger als anderthalb Spalten sind). Sowas würde man sich im Ruhrgebiet oder Rheinland auch wünschen…. Aber das führt jetzt zu weit.

  19. Jean-Claude
    schrieb am 26. März 2008 um 13:00 Uhr (#)

    @Michael, die FAS halte ich zur Zeit für die am besten gemachte deutschsprachige Zeitung: Aufmachung, Themenwahl, Schreibe. Seltsam: eine altmodisch-moderne Zeitung mit Zukunft. Grosse Klasse.

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