Skype + Video = Killerapplikation?

SkypeAus Produktsicht ist Skype eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Mehr als 200 Millionen Menschen weltweit nutzen die beliebte Software, um mit Familie, Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern in Kontakt zu bleiben. Unter den Lesern von zweinull.cc gibt es wahrscheinlich nur wenige, die Skype nicht auf ihrem Rechner installiert haben. Mittlerweile kann man mit dem Programm nicht mehr nur chatten und andere Skype-Nutzer sowie Festnetz- und Handynummern anrufen, sondern auch Videotelefonate führen. Über deren Nutzen darf man sich zwar streiten, doch was zählt, ist die erfolgreiche Integration von Videostreaming in den Skype-Client. Diese eröffnet nämlich ungeahnte Möglichkeiten für User und die Skype-Mutter eBay, die sich bisher schwer damit tut, von Skype wirtschaftlich zu profitieren.

Duncan Riley von TechCrunch berichtete gestern über ein bei CNN gesendetes Interview, das mittels Skype Video übertragen wurde. Riley mutmaßt, dass Skypes Videofunktion in nächster Zeit verstärkt für deartige Zwecke eingesetzt werden könnte. Nach dem Lesen des Artikels fasste ich gedanklich für mich zusammen, wo Skype heute eigentlich steht: Skype ist eine Desktop-Applikation mit extremer und globaler Verbreitung, die auf Peer-to-Peer-Technologie setzt und zur Übertragung von Bewegtbildern fähig ist. Ihr ahnt, welche Frage sich daraufhin bei mir formte: Könnte Skype zur Übertragung von Internet-TV genutzt werden und Millionen von Menschen sozusagen als “Zusatzfeature” über das Netz mit linearem und On-Demand-Fernsehen versorgen?

Während ich die Beurteilung der technologischen Machbarkeit dieser Idee anderen überlassen, hätte Internet-TV via Skype aus Userperspektive mehrere Vorteile: Es würde sowohl die Notwendigkeit entfallen, eine weitere Software zu installieren (wie z.B. bei Zattoo und Joost), als auch, den Browser zu öffnen. Skype ist bei vielen Nutzern sowieso immer aktiv, wenn der Computer eingeschaltet ist. Einfacher, als in einer ruhigen Minute auf den (imaginären) Reiter “TV” zu klicken und entweder aus einer Liste herkömmlicher Fernsehsender (à la Zattoo) oder verschiedenster On-Demand-Programme (à la Joost) zu wählen, ginge es daher kaum. Skype könnte die gewonnene, zusätzliche Aufmerksamkeit der Anwender dazu nutzen, kurze Werbespots zu zeigen und damit eine zusätzliche Erlösquelle zu schaffen. Auch das Anbieten kostenpflichtiger Videos, die wie bei Skype-Telefonaten in Fest- oder Mobilnetze über das Skype-Guthaben abgerechnet werden, ist vorstellbar.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung eines solchen Vorhabens wäre, dass Skypes Kernfunktionalität in keiner Weise beeinträchtigt würde und dass Benutzer, die keine Lust auf das TV-Feature haben, Skype genau wie bisher uneingeschränkt zur Kommunikation einsetzen könnten. Für alle anderen böte Skype so einen zusätzlichen Mehrwert und würde sich auf diese Weise auch bei Personen empfehlen, die die Software bisher gar nicht verwenden.

Was denkt ihr? Gute, machbare und attraktive Idee oder unrealistisch und zu weit von Skypes Kernfunktion entfernt?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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11 Kommentare

  1. Nico
    schrieb am 14. März 2008 um 16:07 Uhr (#)

    Wär auf jeden Fall eine Funktion, die mich dazu bringen würde, Skype mal wieder aufzumachen :)
    Aber wirklich nutzen würde ich es nur, wenn die Qualität mit meinem (uralten, billigem) Fernseher vergleichbar wäre und auch weitesgehend alle wichtigen Programme enthalten sind. Deshalb benutz ich Zatoos und Co. auch nicht. Beide o.g. Punkte werden (noch) nicht erfüllt.

    Bis es da nicht mehr gibt, ob bei Skype oder sonstwem, bleib ich wohl bei der Glotze.

    LG, Nico

  2. Thomas
    schrieb am 14. März 2008 um 16:59 Uhr (#)

    Ich sehe es ähnlich wie Nico. Bei diesen Diensten fehlt bisher die Masse an Content (Joost wie Zattoo). Aber es wäre auf jedenfall ein Feature das einschlagen würde, da bin ich mir sicher. SkypeTV :) Vor allem durch das bereits bewährte Billing wäre eBay in der Lage, den Contentpartnern eine sichere Bezahlstruktur zu bieten, wie es für sinnvolle Inhalte sicher notwendig sein wird (was bisher auch Joost ausbremst).

  3. Stephan
    schrieb am 14. März 2008 um 17:48 Uhr (#)

    Kommt wie bei jedem Dienst auf den Inhalt an. Und mittlerweile beim Fernsehen auch auf die Qualität des Bildes/Tons. Wackelige Bilder mit Mono-Ton kann ich mir auf YouTube anschauen, Dokus und Serien möchte ich mir aber gerne in einer sehbaren Qualität antun.

    Und die Kapazitäten in (mindestens) DVD-Qualität zu streamen haben bis jetzt jeden Versuch scheitern lassen beziehungsweise denken sich die Marketingexperten solche Sachen wie IPTV aus, die sich dann in ihren Augen besser vermarkten lassen.
    Ein Markt wird in den nächsten Jahren bestimmt kommen, aber eine Killerapplikation ist es nicht. Fernsehen über den Rechner tun die wenigsten, besonders wenn in den nächsten Jahren in jedem Haushalt mindestens 42 Zoll-Monster herumstehen werden.

  4. Martin Weigert
    schrieb am 14. März 2008 um 20:21 Uhr (#)

    Jo wir sprechen hier sicher nicht vom Freitagabend-Blockbuster sondern eher vom TV-Konsum nebenbei, zwischendurch oder unterwegs. Was die Qualität betrifft, so liefert beispielsweise Livestation (mit seinen bisher wenigen Sendern) ein sehr akzeptables Ergebnis. Ich sehe da noch viel Raum für Verbesserungen.

  5. Jan S.
    schrieb am 14. März 2008 um 22:37 Uhr (#)

    Skype-founder = Joost-founder

  6. pete
    schrieb am 14. März 2008 um 22:47 Uhr (#)

    Skype-founder = Joost-founder = kazaa-founder

    Niklas Zennström

  7. Thomas
    schrieb am 15. März 2008 um 10:04 Uhr (#)

    Ja und? Da eBay jetzt hinter Skype steht, können die durchaus Joost Konkurrenz machen. Wer hindert die daran?

  8. Martin Weigert
    schrieb am 15. März 2008 um 10:20 Uhr (#)

    Zennström sitzt bei eBay noch immer im Aufsichtsrat. Insofern wäre wohl eine Kooperation wahrscheinlicher. Allerdings käme es einem Wunder gleich, wenn es gelingen würde, die ressourcenfressende Joost-Technologie so in Skype zu integrieren, dass dort alles beim Alten bleibt… Wobei, manchmal gibt es ja solche Wunder :)

  9. Thomas
    schrieb am 15. März 2008 um 16:06 Uhr (#)

    Wenn Skype nicht an eBay gegangen wäre, vielleicht gäbe es schon eine stärkere Verbindung. Aber mir war so, als wäre Joost erst durch die eBay-Millionen möglich geworden.

  10. Philipp
    schrieb am 15. März 2008 um 17:42 Uhr (#)

    Ich bin der größte Skype Fanatiker schlecht hin, aber seit dem ich vorgestern mit einem Freund iChat getestet habe, muss ich sagen: Skype ist technisch ein Witz. Was bei iChat alles geht… Präsentation von Bildern, Musik, Videos, Texten, Powerpoints etc etc, perfekte Videoübertragung, wesentlich bessere Audioqualität, stabiler als Skype. Skype hat noch viel aufzuholen.

  11. Holger
    schrieb am 28. April 2008 um 11:39 Uhr (#)

    Hey,

    TV Programm in Skype integriert wär’ Schwachsinn. Oder zugleich wirklich ein Killer. Denn es würde den Professionellen Business Einsatz deutlich erschweren.
    Ich als Chef würde doch meinem Mitarbeitern keine Fernsehsoftware auf das System laden!

    Holger

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