Perlentaucher vs. n-ost:
Unglücklicher Zufall

Der Perlentaucher verliert einen wichtigen Auftrag aus öffentlicher Hand – die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Auftrag für ?Eurotopics? neu ausgeschrieben. Das Rennen macht wohl ein Netzwerk mit engen Banden zum Perlentaucher-Intimfeind FAZ.

Der Perlentaucher bekommt von der Bundeszentrale für politische Bildung über eine halbe Millionen Euro, um gemeinsam mit Courrier International die tägliche internationale Presseschau ?Eurotopics? zu erstellen. Das Portal soll helfen, eine europäischen Öffentlichkeit herzustellen – auf Englisch, Deutsch und Französisch. Im Oktober wurde der Vertrag des Perlentauchers nicht verlängert und der Auftrag neu ausgeschrieben.

Gewonnen hat die neue Ausschreibung nach Medienberichten das Journalistennetzwerk n-ost, zu dem auch FAZ-Autor Olaf Sundermeyer gehört, im Beirat sitzt FAZ-Mitherausgeber Werner d?Inka. Sundermeyer hatte sich in einem FAZ-Artikel pointiert gegen die Arbeit des Perlentauchers gewandt. Dessen Feuilleton-Rundschau und Bücherrezensions-Service verstößt nach Ansicht von FAZ und Süddeutscher Zeitung gegen das Urheberrecht, weswegen gegen den Perlentaucher juristisch vorgegangen wird. (Bisher bescheinigte das Gericht dem Perlentaucher eine ausreichende kreative Arbeit und erlaubte die Zitate.)

Raul Gersson von der Bundeszentrale für politische Bildung verteidigt gegenüber medienlese.com die Neuausschreibung:

Diese Entscheidung steht in keinem Zusammenhang mit den von ihnen erwähnten Veröffentlichungen zum Perlentaucher oder gar mit einzelnen Personen.

Das Beschaffungsamt des bmi sei derzeit Herr des Verfahrens, noch laufe die gesetzliche Widerspruchsfrist, erst danach sei man zu weiteren Auskünften in der Lage.

Dass ausgerechnet n-ost mit seinen FAZ-Verbindungen den Perlentaucher in Sachen ?Qualität und Preis? aussticht, ist zumindest ein unglücklicher Zufall. Oder wie die Frankfurter Rundschau bemerkt, die neuerliche Vergabe des Auftrags habe ?wie der Alemanne sagt, ein ?G’schmäckle??.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. mds
    schrieb am 11. März 2008 um 15:38 Uhr (#)

    Lässt sich überhaupt eine relevante Nutzung von «Eurotopics» feststellen?

    Generell interessant erscheint mir das Thema der staatlichen Subventionen für journalistische Aktivitäten ? genügt es nicht schon, sich die teuren öffentlich-rechtlichen elektronischen Medien zu leisten?

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