Cécilia Ciganer-Albeniz:
Keine SMS von Sarkozy erhalten

Si tu reviens, j’annule tout” soll der französische Präsident Nicolas Sarkozy seiner Ex-Frau kurz vor seiner Hochzeit mit Carla Bruni geschrieben haben. Diese gibt nun bei einem polizeilichen Verhör an, keine SMS solcher Art erhalten zu haben.

Sarkozy (Bild Keystone)
Sarkozy: Sie haben keine neuen Nachrichten (Bild Keystone)

Erinnern Sie sich an die “unglaubliche SMS” (spiegel.de) mit dem angeblichen Inhalt “Cecilia, komm zurück und ich annulliere mein Hochzeit” (spiegel.de)? Oder mit dem angeblichen Inhalt “Wenn du zurückkommst, sage ich alles ab” (spiegel.de)?

Geschrieben haben soll sie der französische Präsident, Nicolas Sarkozy, seiner Ex-Frau, Cécilia Ciganer-Albeniz. Doch die sagte nun bei einer Befragung der französischen Polizei, sie habe kein solches SMS erhalten. Vielleicht weil die Frau, die vergeblich ein Buch verhindern wollte, in dem sie zitiert wird, ihr Ex-Ehemann sei ein “lächerlicher Geizkragen” (spiegel.de), von der Staatsmacht beim Verhör unter Druck gesetzt wurde? Kann gut sein.

Die andere, für viele offenbar völlig absurde Möglichkeit, Sarkozy habe gar nie ein solches SMS geschrieben, steht weiterhin im Raum. Der Journalist, der das SMS zwar nicht selbst gesehen hat und sich auf “zuverlässige mündliche” Quellen beruft, heisst Airy Routier, ist Chefredakteur des Nouvel Observateur und wurde selbst Ende Februar von der französischen Polizei verhört. Routier sagte:

J’ai confiance en mes sources, à mon avis, ce n’est pas parce que c’est une vérité officielle que c’est la vraie vérité mais je me garderais bien maintenant d’aller à l’encontre d’une telle vérité officielle

Also sowas wie:

Ich habe Vertrauen in meine Quellen, meiner Meinung nach ist es nicht, weil es eine offizielle Wahrheit ist, auch eine wahre Wahrheit, aber ich werde mich jetzt gut hüten, mich gegen eine solche offizielle Wahrheit zu stellen.

Warum denn nicht? Heisst das, das Frankreich ein Unrechtsstaat ist, der dem Chefredakteur einer Zeitschrift untersagen würden, (mit Beweisen) gegen eine (offizielle) Wahrheit anzutreten? Gegenüber dem Fernsehsender RTL sagte er (spiegel.de): “Jetzt gibt es eine offizielle Wahrheit. Ich habe die meine, jeder entscheide selbst”.

Für meinen Teil würde ich gerne mehr von der “wahren Wahrheit” hören – wenn es sie denn gibt.

Bis dahin lesen wir doch nochmals etwas in einigen kürzlich erschienenen Medien:

blick.ch, 07.02.2008:

Sarko schickte seiner Ex-Frau acht Tage vor der Hochzeit mit Carla Bruni folgende SMS: “Wenn du zurück kommst, dann blase ich alles ab!”

(…)

Sein Herz hängt immer noch an der Frau, die ihn verliess.

zettelsraum.blogspot.com, 14.02.2008:

Ob die Affäre sich zu einer handfesten Skandal entwickelt oder noch im Keim erstickt werden kann, ist derzeit noch offen. Daß Nicolas Sarkozy, der vor einem dreiviertel Jahr noch ein politischer Star war, aus ihr unbeschädigt hervorgeht, ist unwahrscheinlich.

Sollten sich die Quellen von Airy Routier und seinem Nouvel Observateur wider Erwarten als haltlos herausstellen, dann kann er sich immerhin damit trösten, bei einigen Leuten romantische Gefühle ausgelöst zu haben sowie Stoff für neue Popkultur geschaffen zu haben:

Auf mich wirkt die Aversion von Nicolas Sarkozy und Carla Bruni gegen einige Medien jedenfalls nun nicht mehr so sehr wie ein “Eklat” (spiegel.de), wie “eine skandalträchtige Beichte” (sueddeutsche.de), wie ein “Fauxpas” (sueddeutsche.de), wie ein “peinlicher Ausrutscher” (augsburger-allgemeine.de) oder wie ein “Fettnapf” (europolitan.de), auch wenn mit diesen Überschriften natürlich der (wie immer) nicht zutreffende Vergleich zum 2. Weltkrieg gemeint ist.

Mal sehen, was die Zukunft bringt, aber Brunis Aussage, bei gewissen Medien handle es sich um “nouveaux moyens de désinformation“, könnte sich als wahr erweisen.

Update am 20.03.2008, 9:55 Uhr: Carla Bruni-Sarkozy schreibt in Le Monde unter dem Titel “Halte à la calomnie!”, dass sie von Airy Routier ein Entschuldigungsschreiben erhalten habe. Darum ziehe ihr Ehemann, Nicolas Sarkozy, die Klage zurück. Sie kritisiert, dass ein Artikel, der auf einem “quelqu’un m’a dit” basiert, keine sehr strenge Untersuchung der Sachlage sei. Sie fragt sich, wohin das führt, wenn Gerüchte zur Information führen, wenn Scoops aus Fantasien entstehen.

Das führt zu folgenden Schlagzeilen in deutschen Medien:

tagesschau.de
: “Klage gegen Artikel zurückgezogen – Sarkozy gibt sich in SMS-Affäre geschlagen”

n-tv.de: “Liebes-SMS für Cécilia – Sarkozy gibt sich geschlagen”

Und so weiter. Airy Routier, der seine Quellen nicht aufgedeckt hat, aber weiterhin fest behauptet, nichts als die Wahrheit kolportiert zu haben, wird nun durch den Rückzug der Klage nicht dazu gezwungen. Schade, nun wird ein weiterer Fall der Mediengeschichte unaufgelöst in die Annalen eingehen. Applaus dafür, dass Sarkozy die Angelegenheit offenbar gütlich regeln will, hat er keinen erhalten (auch wenn er zuvor für die Klage kritisiert wurde). Die Wahrheit bleibt ungewiss.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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4 Kommentare

  1. Zettel
    schrieb am 12. März 2008 um 17:38 Uhr (#)

    Lieber Herr Grob,

    für Richtigstellungen bin ich immer dankbar.

    Nur haben Sie, als Sie mich jetzt zitiert haben, den Kontext nicht beachtet.

    Die “Affäre”, von der ich in der zitierten Passage sprach, war nicht – und das geht eindeutig aus dem Zusammenhang hervor – der Bericht über diese angebliche oder tatsächliche SMS, sondern es war eine Äußerung von Carla Bruni, die das Vorgehen des “Obs” mit dem der Gestapo gegen Juden in Zusammenhang gebracht hatte.

    Und da wir schon beim Richtigstellen sind: Nein, Airy Routier ist nicht “der Chefredakteur” des “Obs”.

    Er ist, wie es in der von Ihnen übersetzten Passage heißt, “rédacteur en chef au Nouvel Observateur”.

    “Au”, nicht “du”, lieber Herr Grob. Und ein “rédacteur en chef” ist kein Chefredakteur, sondern ein Ressortleiter. “Chefredateur” heißt auf Französisch “directeur”.

    Routier hat beim “Obs” ungefähr die Aufgabe, die früher beim Spiegel Hans Leyendecker hatte – er ist für die investigativen Sachen zuständig und erscheint auch als Chef des betreffenden Ressorts (“Enquête”) im Impressum.

    Beste Grüße

    Zettel

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 12. März 2008 um 17:49 Uhr (#)

    Vielen Dank, Zettel, für diese Ausführungen – das habe ich wohl in der Tat zu wenig genau betrachtet.

  3. Zettel
    schrieb am 13. März 2008 um 00:03 Uhr (#)

    Freut mich, daß Sie es so sehen. :)

    Übrigens steht das mit dem “Chefredakteur”, wie ich inzwischen gesehen habe, schon bei “Spiegel Online”, und wer weiß, wo die’s herhaben.

    Man darf halt nicht voraussetzen, daß beim größten deutschen Nachrichtenmagazin bekannt ist, wer die beiden Chefredakteure des größten französischen Nachrichtenmagazins sind. ;-)

    Herzlich, Zettel

  4. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 20. März 2008 um 10:00 Uhr (#)

    Update: Airy Routier entschuldigt sich, Carla Bruni schreibt in Le Monde, Nicolas Sarkozy zieht die Klage zurück.

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