Social Networks:
Der Long Tail wedelt

Andreas Göldi, 8. März 2008 19:36 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Die Marktforschungsfirma Compete hat neue Zahlen zu Social Networks im amerikanischen Markt veröffentlicht, die ein paar interessante Muster zeigen. Aus den Traffic-Zahlen für Februar erkennt man recht deutlich die Anatomie des Social-Networking-Marktes heute und ein paar Trends, die die zukünftige Entwicklung prägen könnten. Ähnliche Studien sind mir für das europäische Umfeld leider nicht bekannt, wären aber mal interessant zu sehen. Ich vermute, dass die Muster ähnlich wären, aber mit anderen Playern pro Land.

Eine erste Beobachtung ist, dass die Zahl der Visitors eine fast perfekte “Long Tail”-Kurve ergibt, wenn man die mal aufmalt:

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Myspace ist weiterhin klarer Marktführer, gefolgt natürlich von Facebook. Danach flachen die Zahlen schnell ab. Die Nr.

20 im Markt, Googles Orkut, hat gerade mal 0.7% der Visitors von Myspace.

Ähnlich sieht es bei den Visits, also Besuchen pro Monat aus.

Das Verhältnis zugunsten der Top-Player ist sogar noch extremer. Auch im Vorjahresvergleich hat sich die Kurve nicht stark geändert.
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Interessant auch die Betrachtung, wie oft die Nutzer ein Social Network durchschnittlich pro Monat besuchen. Das Verhältnis Visits pro Visitor/User zeigt einen deutlichen Vorteil für Myspace und Facebook. Ebenfalls relativ stark sind die kleineren Social Networks, in der Mitte hingegen ist die Nutzungsintensität erheblich geringer.
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Umgekehrt sieht allerdings eine Betrachtung des prozentualen Wachstums aus. Während Facebook immerhin noch 77% an Visits im Vorjahresvergleich gewinnen konnte, büsste Marktführer Myspace gar ein Prozent ein. Aber selbst Facebooks Wachstum ist nichts im Vergleich mit den kleinsten Networks. Bemerkenswert ist daran, dass das stärkste Wachstum u.a. bei Yuku und Ning lag, die beide stark fragmentierte Communities aggregieren, sowie bei Twitter, das mit seiner Microblogging-Plattform natürlich einen deutlich anderen Ansatz verfolgt als der Rest des Feldes (der Wert für fubar.com wurde für die Grafik auf 0 gesetzt, da dieses noch ganz neue Network eine Wachstumsrate von 3 Mio. Prozent hinlegte).
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Wo das Wachstum stattfindet, sieht man deutlicher, wenn man mal versucht, das Feld der Social Networks nach ihrer Ausrichtung aufzuteilen. Ich habe das so gemacht, dass ich zwischen allgemeinen Networks, die prinzipiell jeden User ansprechen wollen (“Allgemein”) und den stark zielgruppenorientierten (“Zielgruppe”) unterscheide. Zu den zielgruppenorientierten zählte ich hierbei classmates.com, blackplanet.com, LinkedIn, reunion.com, flixster.com, tickle.com, cafemom.com, yuku.com und Ning.
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Prozentual wachsen diese Nischennetzwerke deutlich stärker als die breit abgestützten Konkurrenten. Allerdings findet das Wachstum auf einem sehr viel kleineren absoluten Level statt:
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Die zielgruppenorientierten Netzwerke können nicht nur sehr viel weniger Visits auf sich vereinen, sie haben auch noch eine deutlich geringere Nutzungsintensität.

Aber für die Zukunft ist die Wachstumsrate wohl sehr signifikant. Unter der Annahme, dass beide Gruppen so weiter wachsen wie letztes Jahr, würden die zielgruppenorientierten Netzwerke ihre allgemein orientierten Konkurrenten im Jahr 2015 überholen.

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Im Moment sieht es sogar eher danach aus, dass die klassischen Player wie Myspace und Facebook an Dynamik verlieren (beide haben im Februar gegenüber dem Vormonat User verloren), die kleineren Netzwerke aber noch weiter an Wachstumstempo zulegen. Ein solcher Überholungseffekt könnte also sogar deutlich früher stattfinden.

Insgesamt scheinen diese Daten die (hier schon früher mal geäusserte) Vermutung zu bestätigen, dass Myspace und Facebook quasi das AOL und Compuserve der Social Networks sind: Sie ermöglichen vielen Leuten ihre ersten Schritte in dieser neuen Welt, genau wie damals die geschlossenen Online-Provider den Leuten das Internet näher gebracht haben. Mit der Zeit werden die User aber anspruchsvoller, entwickeln spezifischere Bedürfnisse und wenden sich darum dem offenen Internet und Nischenangeboten zu.

Diese zunehmende Fragmentierung kann man auch in anderen Bereichen des Internet beobachten, u.a. bei News-Angeboten. Gegen diese Dynamik gibt es nur ein Rezept: Die heutigen Marktführer müssen sich proaktiv öffnen, um ihren Usern als Tor und vertraute Anlaufstelle für die komplizierte Welt da draussen zu dienen. Es wird sich zeigen, ob Myspace und Facebook durch geschickte Schachzüge dem Schicksal von AOL entgehen können. Im Moment kann man da eher noch skeptisch sein.

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5 Kommentare

  1. Paul
    schrieb am 9. März 2008 um 13:20 Uhr (#)

    Sehr interessant, wikrlich schade das es solch einen Studie nicht im europäischen Raum gibt.

  2. Thomas aka Jason
    schrieb am 9. März 2008 um 18:58 Uhr (#)

    Interessante Zahlen und: gewagte Prognose! Facebook und MySpace als Web 2.0 Dinosaurier :-) Bei AOL und Netscape stimmte das Bild, bei Yahoo! noch nicht…und wie oft war IBM schon mausetot.

    In 2015 haben mobile Internet-Anwendungen die Art, wie wir via Web kommunizieren, komplett verändert. Mal sehen, wer von den Zielgruppen-spezifischen bebos der Webwelt diesen Wandel am besten mitgestaltet / überlebt…

  3. managermind
    schrieb am 12. März 2008 um 14:54 Uhr (#)

    Hmm. Hätte nicht gedacht das Twitter so wenig besucher hat. Wächst jedoch relativ stark an! Mal schauen was daraus wird.

  4. Matthias
    schrieb am 13. März 2008 um 00:14 Uhr (#)

    die hypothese “fb/mysp sind das aol des web 2.0″ gefällt mir, das ist provokativ, aber als gedanke hat das charme, den aktuellen hype-kandidaten den niedergang in naher zukunft zu bescheinigen, ist auf jeden fall mal “out of the box” gedacht. super, dafür lese ich diesen blog.

    in diesem konkreten fall gefällt mir aber nicht, wie du zu dieser aussage kommst, bzw. wie du mit den zahlen umgehst.

    in diagramm 4 (“wachstum 2007/2008″) trägst du das jährliche wachstum in prozent auf. aus diesem diagramm kannst du folgende aussagen ableiten:

    1. generell interest networks wachsen nicht mehr so schnell

    2. die networks yuku, twitter, ning wachsen stark mit 4000%+x. wobei ich bei twitter mit der kategorisierung als special interest sn schon mal bauchschmerzen hätte, irgendwie ist das doch etwas anderes als das, was man als generell als typisches si-sn bezeichnen würde (mütter-netzwerk etc.). aber ok.

    meinetwegen könnte man hier auch schon sagen, das eine tendenz zu beobachten ist, das si-sns schneller wachsen als gi-sns.

    du willst aber ne knackigere grafik haben, und damit das klappt, bildest du zwei gruppen – special interest und generell interest und bildest über beide gruppen einen mittelwert, und gelangst zu der aussage in grafik 5 (wachstum).

    stell dir vor ein journalist liest diesen blog und niemand grafik 5 und bastelt daraus einen artikel “die si-sns wachsen durchschnittlich mit 70% pro jahr”. könnte man aus der grafik ja ablesen.

    mein statistik-professor hätte dazu gesagt: der mittelwert ist keine aussagekräftige größe. das ist ja so wie wenn du 4 leute befragst in deiner nachbarschaft nach ihrer gehaltsentwicklung und 2 haben keine gehaltserhöhung bekommen und 2 haben ihr gehalt letztes jahr verdoppelt, und zur aussage gelangst dass die durchschnittliche gehaltssteigerung deiner nachbarn 50% beträgt. das mag rechnerisch stimmen, trifft aber auf keinen deiner nachbarn zu.

    letztlich haben wir einige sehr stark wachsende player bei den si-networks, das ist interessant zu sehen und zu beobachten. daraus den si-netzwerken generell einen starken aufwärtstrend in den nächsten jahren zu bescheinigen – mag gefühlt so sein, aber wenn wir präzise bleiben, müssen wir sagen, dass das die zahlen deiner betrachtung so nicht hergeben.

    widerspruch? —> gerne!

  5. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Göldi
    schrieb am 13. März 2008 um 15:10 Uhr (#)

    @Matthias: Moment, ich zaehle Twitter nicht zu den Special Interest Networks. Darum habe ich ja direkt ueber der Grafik explizit aufgezaehlt, welche Netzwerke meiner Meinung nach in diese Gruppe gehoeren. In der Liste steht Tickle.com, nicht Twitter. Die General-Interest-Netze wachsen selbst unter Einbezug von Twitter deutlich langsamer.

    Ich habe auch nicht die Wachstumsraten der einzelnen Netzwerke der beiden Gruppen genommen und daraus einen Mittelwert gebildet, sondern die Visits beider Gruppen 2007 und 2008 addiert und dann die Wachstumsrate berechnet. Auf diesen absoluten Zahlen basierend hat eine prozentuale Wachstumsrate meiner Meinung nach sehr wohl eine klare Aussage.

    Es geht ja darum, bei welcher Art von Netzwerken die User ihre Zeit verbringen, und da machen diese Daten glaube ich eine sehr klare Trendaussage.

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