Apple packt die Keule aus:
SDK und Exchange für das iPhone

Andreas Göldi, 6. März 2008 23:07 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Lange hatte sich die iPhone-Fangemeinde auf den heutigen Tag gefreut, denn heute stellte Apple das langerwartete Software Development Kit (SDK) für das iPhone vor, mit dem Entwickler endlich lokal installierte Programme für das iPhone schreiben können. Oder besser gesagt: Schreiben können werden, denn der dafür nötige Update fürs iPhone wird erst im Juni erscheinen.

Bis auf die enttäuschende weitere Verzögerung hat Apple heute aber ein paar Pflöcke eingeschlagen, die den Erfolg des iPhones wohl weiter beschleunigen und die Konkurrenz nervös machen werden.

Zunächst mal ist da die volle Unterstützung von Microsoft Exchange samt Push-Mail, Kalendersynchronisierung und Adressbuchabgleich. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Apple hat von Erzfeind Microsoft dessen Active-Sync-Technologie lizensiert, um mit dem Grossfirmen-Standard Exchange kompatibel zu werden.

Zudem unterstützt das iPhone jetzt gängige Sicherheitsstandards und ist für die IT-Abteilung einfacher konfigurierbar. Das ist ganz klar eine massive Kampfansage an RIM (BlackBerry), Nokia und alle anderen Mobiltelefonhersteller, die sich bis jetzt im Enterprise-Markt tummeln. Mancher Manager hat sich schon vorher heimlich ein iPhone geleistet, aber mit den jetzt vorgestellten Features wird das Apple-Telefon zum vollwertigen Profi-Gerät, von der fehlenden physischen Tastatur mal abgesehen.

Das SDK hört sich ebenfalls sehr interessant an. Apple bietet eine für das iPhone optimierte Variante seines vom Mac bekannten Frameworks Cocoa an, und offenbar lassen sich damit Applikationen sehr effizient entwickeln. Vertrieben werden die Programme über den neuen AppStore in iTunes bzw. direkt auf dem iPhone. Apple kassiert vom Preis der Applikationen 30%, verlangt bei kostenlosen Programmen aber nichts. Und bevor wieder alle über die Geldgier von Steve Jobs klagen: Das ist genau das, was bisherige Mobilsoftware-Shops wie Handango auch an Kommission kassieren. Anwendungen kriegen ein digitales Zertifikat, damit sie nachverfolgbar sind, und Apple behält sich die Rückweisung nicht angemessener Programme zurück, aber offenbar will man das ganze recht offen halten.

Was bedeutet das nun für die Mobilfunkgemeinde? Abgesehen von dem kürzlich hier schon mal diskutierten Problem, dass es jetzt noch eine weitere Mobilplattform gibt, für die Entwickler ihre Anwendungen anpassen müssen, positioniert sich Apple deutlich anders als die bisherigen und angekündigten Plattformen und könnte damit den Markt ordentlich aufmischen.

Apple kontrolliert genau wie beim iPod die ganze Kette von der Entwicklungsumgebung über das Endgerät bis zum Applikationsvertrieb. Applikationen für das iPhone wird man nur via Apple verkaufen können. Das macht bisher keiner der Konkurrenten so. Microsoft, Palm und die Symbian-Gemeinde haben alle einen ziemlich offenen Ansatz, und Googles angekündigte Android-Plattform wird sowieso dem völlig freien Open-Source-Gedanken frönen. Die Welt der kleinen Java-Anwendungen für Mobiltelefone (Games usw.) wurde bisher grösstenteils von den Netzwerkbetreibern mit ihren eigenen Portalen kontrolliert. Auch diese Schiene umgeht Apple gezielt und macht damit einmal mehr deutlich, dass man nicht gedenkt, die Macht über die iPhone-Plattform (oder irgendwelche daraus resultierenden Gewinne) auch nur andeutungsweise an die Mobilfunk-Operators abzugeben.

Nun kann man sich über diese Control-Freak-Mentalität von Apple durchaus beklagen, aber nach heutigem Informationsstand ist eines klar: Apple wird in wenigen Monaten sowohl auf der Entwicklerseite wie auch für Enduser die einfachste, effizienteste Plattform für mobile Applikationen bieten. Bisher war es einigermassen mühsam für User von Smartphones, die richtigen Applikationen zu finden und zu installieren, und für Entwickler gab es keinen effizienten Weg, Programme an möglichst viele User zu verkaufen. Apple macht das einfach, genau wie der Online-Musikkauf durch die Kette iTunes – iPod einfach gemacht wurde.

Aber ist die fehlende Offenheit dieser Kette nicht schrecklich? Ideologisch vielleicht schon, aber den Kunden ist so etwas meistens egal, wenn die Lösung dafür deutlich besser funktioniert als die der Konkurrenz. Das war auch beim iPod schon so. Zur Erinnerung: Apple ist inzwischen in den USA der zweitgrösste Verkäufer von Musik hinter Walmart — online und offline zusammengerechnet. Contentlieferanten wie NBC Universal, die mit Vertragsausstiegen Apples Monopol brechen wollten, sind inzwischen reumütig zurückgekehrt. Eine ähnliche Dynamik könnte sich auch bei den Smartphones entwickeln.

An der Stelle von RIM, Microsoft, Nokia und auch Google wäre ich jetzt ziemlich nervös, denn Apple hat mit diesen Ankündigungen die wichtigsten Kritikpunkte erledigt, die es gegen das iPhone noch gab. Jetzt kann sich die Konkurrenz höchstens noch auf ein paar in der Praxis eher sekundäre Unterschiede berufen: die grössere Auswahl an Applikationen bei den älteren Plattformen (wohl eine Frage der Zeit), die Abhängigkeit von gewissen Operators (auch da hat Apple schon so Andeutungen gemacht…) sowie die Vorteile physischer Tastaturen. Preislich sind die Unterschiede angesichts der höheren Leistungsfähigkeit des iPhone nicht mehr sehr dramatisch.

Ohne Zweifel hat sich Apple mit diesen beiden Ankündigungen in Stellung gebracht, um weitere Anteile des Smartphone-Marktes zu erobern. Und die Konkurrenz wird da schleunigst reagieren müssen.

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1 Kommentar

  1. Christian Lupp
    schrieb am 7. März 2008 um 22:50 Uhr (#)

    Apple geht mit der Exchange-Anbindung des iPhone gegen seinen Wettbewerber RIM noch weiter:
    Jeder IT-Verantwortliche in einem großen Unternehmen hatte große Bauchschmerzen bei der Blackberry Lösung von RIM: Die vertraulichen firmeninternen Mails konnten nicht direkt auf die Blackberries der Firmenmitarbeiter geschickt werden – vielmehr nahm jede Nachricht den Umweg über einen Server von RIM.
    Apple bietet mit dem iPhone eine saubere Lösung: Das iPhone läßt sich in Zukunft direkt mit den firmeneigenen Exchange-Server verbinden. Damit disqualifiziert Apple die RIM-Lösung insbesondere in sensiblen hochtechnologischen Bereichen.

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