Internet ist jetzt wichtigstes Nachrichtenmedium für Amerikaner

Andreas Göldi, 1. März 2008 18:06 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Die Verschiebung der Publikumsgunst von den alten zu den neuen Medien scheint sich weiter zu beschleunigen. Eine neue Umfrage der Marktforschungsfirma Zogby International bestätigt einmal mehr, wie wichtig das Internet als Nachrichtenmedium geworden ist.

Konkret: Volle 48% der Amerikaner sagen inzwischen, dass das Internet ihre wichtigste Nachrichtenquelle ist. Das ist deutlich mehr als noch in den vergangenen Jahren. Vor allem ist das Internet damit erstmals zum klar dominierenden News-Medium geworden.

Aufs Fernsehen vertrauen noch 29% der Umfrageteilnehmer, 11% aufs Radio, und die Zeitungen landen mit 10% auf einem deprimierenden vierten Platz. Wie immer sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen gross: Für gerade noch 7% der 18-29jährigen ist die Zeitung das wichtigste Medium, während es bei den Senioren über 65 immerhin 17% sind.

Das gleiche Bild zeigt sich, wenn die Newskonsumenten danach gefragt werden, welche Nachrichtenmedien sie als generell “wichtig” empfinden. Mit 86% gewinnt auch hier das Internet, die Zeitung hingegen finden nur noch 70% als bedeutend. Besonders interessant: schon 38% sehen Blogs als wichtiges Nachrichtenmedium – nicht schlecht für ein Medium, das noch keine fünf Jahre im Mainstream angekommen ist.

Immerhin können die Zeitungen bei der Frage nach dem glaubwürdigsten Medium punkten — da erreicht bedrucktes Papier mit 22% noch bessere Werte als Fernsehen und Radio. Aber auch da wird die Zeitung vom Web geschlagen: 32% sagen, dass das Internet am glaubwürdigsten ist.

Gross ist die Unzufriedenheit mit der Qualität des heutigen Journalismus: 64% der Teilnehmer sind nicht damit zufrieden. Gleichzeitig sagen aber auch 87%, dass sie weiterhin an die Bedeutung von gutem, traditionellem Journalismus glauben. Aber auch Bürgerjournalismus und Bloggen werden als immer wichtiger empfunden.

Unter dem Strich bestätigt diese Studie einmal mehr, was man in der Realität wahrnimmt: Das Internet setzt seinen Siegeszug fort, der einzige Rückhalt der traditionellen Medien sind noch die älteren Konsumenten. Traditioneller Journalismus bleibt wichtig, aber muss Blogs und andere Formen von Bürgerjournalismus immer mehr als gleichwertigen Partner akzeptieren.

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Andreas Wrobel-Leipold

    schrieb am 4. März 2008 um 22:26 Uhr (#)

    die Weisheit basiert auf einer online-Umfrage: Hätte man Flaschenpostbenutzer gefragt, wäre herausgekommen -allerdings nicht so zeitnah - dass eben die Flaschenpost das bevorzugte Medium ist….

  2. Andreas Göldi

    schrieb am 4. März 2008 um 22:31 Uhr (#)

    @Andreas: Ja. Allerdings hat die Firma explizit ein Sample verwendet, das repraesentativ ist und die Gewichte korrigiert, um die durchschnittliche Bevoelkerung adaequat zu repraesentieren. Siehe hier: http://www.zogby.com/methodology/readmeth.dbm?ID=1277

    Das finde ich auch nicht ungenauer als eine Telefonumfrage, mit der man z.B. viele Berufstaetige kaum erreicht.

  3. Andreas Wrobel-Leipold

    schrieb am 4. März 2008 um 22:46 Uhr (#)

    tja: eine stichprobe von N=1979 erscheint mir wenig aussagekräftig (in sachsen z.b., dass weißgott überschaubarer ist als die usa, verwendet die staatskanzlei zur ergründung des meinungsklimas eine tausender stichprobe). die “gewichtung” von umfrageergebnissen gehört zum “geschäftgeheimnis” der demoskopen - auch zogby schweigt sich hierzu aus. und wenn dann noch eine fehlerquote von 2,2% angegeben wird (beachte die stelle nach dem komma!) halte ich das für einen reinen pr-gag. ob hier wer die aktien der nework times billiger machen will ?

  4. Andreas Göldi

    schrieb am 4. März 2008 um 23:19 Uhr (#)

    Warum, solche Groessenordnungen sind doch absolut ueblich fuer Meinungsumfragen. Auch Gallup und andere Marktforscher befragen im US-Markt nicht mehr Leute. Und es ist ja statistisch bekanntlich auch nicht so, dass mit einer groesseren Stichprobe die Genauigkeit linear waechst. Eine Fehlerquote kann man mit den ueblichen Formeln durchaus genau berechnen — sofern man an traditionelle Statistik glaubt.


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