Die Börse liebt Google nicht mehr

Andreas Göldi, 27. Februar 2008 19:29 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Gestern sind die Aktien von Google um fast 5% an einem einzigen Tag gefallen. Seit Beginn des Jahres haben sie 32% verloren, seit ihrem Höchststand im November gar 36% — fast 85 Milliarden Dollar Marktwert. Google, gerade noch eins der fünf wertvollsten Unternehmen der USA, ist damit jetzt wieder deutlich weniger wert als zum Beispiel Nokia oder IBM.

Der Grund für den gestrigen Kurssturz war scheinbar nebensächlich: Die Marktforschungsfirma Comscore hatte bekanntgegeben, dass ihren Messungen zufolge die Zahl der Klicks auf Google-Werbelinks im Januar gegenüber dem Vorjahr stagniert hatte, zumindest in den USA. Das erscheint wie ein bemerkenswerter Einbruch bei einer Suchmaschine, von der man sich konsistent zweistellige Wachstumsraten gewohnt ist, muss aber nicht unbedingt viel heissen. Comscores Daten sind nicht immer zuverlässig, und ein geringes Wachstum bei den Klicks heisst noch lange nicht, dass deswegen Googles Umsätze auch stagnieren.

Aber es reichte, um die Wall-Street-Analysten und daraufhin die Investoren in Panik zu versetzen. In Googles Börsenkurs steckte so viel Wachstumsphantasie, dass schon die kleinste Andeutung von Schwäche eine heftige Gegenreaktion auslösen kann.

Und nicht nur das: Grosse Google-Fans wie der berüchtigte Ex-Analyst Henry “Amazon $400″ Blodget, der vor kurzem noch behauptet hatte, dass die Google-Aktie bald $2000 erreichen würde, schreiben inzwischen vernichtende Kolumnen über den Suchmaschinen-Giganten (”From the outside, it appears that Google has gotten so rich and complacent that it’s taking its own future success for granted.”).

Blodgets Artikel listet die vielen Faktoren in Googles Verhalten auf, die bei den Investoren Unbehagen auslösen:

- Da gibt es Google-Manager, die in ihrer Freizeit Startups gründen und darüber ganz offen reden (Freizeit? Seit wann hat ein Manager Freizeit?).

- Google (Zitat) “gibt Geld aus wie ein betrunkener Seemann” und kaufte sich allein letztes Quartal Server und solches Zeug für $600 Mio. (Wenn es wenigstens Fabriken oder Ölquellen wären, aber welcher Finanzmensch weiss schon, warum Servercluster so viel kosten müssen?)

- Google-Angestellte kriegen gratis gutes Essen in Googles legendären Cafeterias. (Während sich die meisten Börsenhändler von selbst gekauften Sandwiches ernähren müssen. Ungerecht, oder?)

- Google investiert in allerlei Projekte ausserhalb des Kerngeschäftes: Mobiltelefon-Betriebssysteme, Unterseekabel, alternative Energie usw. (Klares Zeichen von Grössenwahn und fehlendem Fokus, oder etwa nicht?)

- Und noch schlimmer: Googles Ingenieure kriegen 20% ihrer Zeit zur Verfügung gestellt für ihre Lieblingsprojekte, an denen sie nach Belieben arbeiten können. (Arbeiten die denn auch mal irgendwann richtig? Wie die Investmentbanker, die täglich 16 Stunden Zahlen auf Excel-Sheets rumschieben?)

Wohlgemerkt: All diese Punkte wurden vor wenigen Monaten von den gleichen Leuten noch zitiert als Grund, warum Google ein so ausserordentliches Unternehmen ist, das praktisch die ökonomische Schwerkraft aufgehoben hat. Aber so ändert sich halt die Interpretation je nach Resultat.

Die interessante Frage wird sein, wie sehr sich das Google-Management von diesen Buh-Rufen einschüchtern lässt. Bisher hat Google ja konsistent immer behauptet, dass man sehr langfristig denkt und nicht daran interessiert ist, nur Wall Street zu gefallen. Aber solche Dinge sehen manchmal plötzlich ganz anders aus, wenn zum Beispiel die Angestellten in Scharen zu interessanten Startups desertieren, weil sie dort noch grössere finanzielle Gewinnmöglichkeiten sehen. Und da das Vermögen des Top-Managements auch zum grössten Teil aus Google-Aktien besteht, haben Eric, Larry und Sergey vielleicht doch auch ein gewisses persönliches Interesse an der Sache.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Max

    schrieb am 28. Februar 2008 um 02:59 Uhr (#)

    “Tut mir leid - ich bin nicht böse geboren, doch die zeit verging und ich bin böse geworden”

    Stammt eigentlich aus einem Hip-Hop-Track (http://de.youtube.com/watch?v=wYkHjovkSFs), erinnert mich an Googles Zukunft.

  2. Scheidig

    schrieb am 1. März 2008 um 05:18 Uhr (#)

    …soviel Schwachsinn glaubt keiner..


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