Google Trends:
Wie steht es um Web 2.0, Blogs, Datenschutz & Co?

Google TrendsDie von Suchmaschinen am Ende eines jeden Jahres veröffentlichten Statistiken über häufig recherchierte Begriffe werden immer mehr zu wichtigen Trend- und Erfolgsmessern. Die Idee dahinter ist so simpel wie einleuchtend: Was häufig im Netz gesucht wird, bewegt die Menschen. Von Vorteil ist hier Googles Dominanz im Suchmaschinenmarkt: 90 Prozent aller Internetsuchen in Deutschland werden über Google durchgeführt, in den USA sind es immerhin mehr als die Hälfte. Bei Analysen des Suchverhaltens von Google-Nutzern kann man sich somit sicher sein, dass jeder Nutzertyp und jede soziale sowie demografische Gruppe enthalten ist. Umso schöner, dass das Unternehmen mit Google Trends Teile seiner Suchstatistik 365 Tage im Jahr zur Verfügung stellt. Damit können Nutzer sich die Entwicklung der Suchanfragen zu einem bestimmten Begriff über einen längeren Zeitraum anzeigen lassen.

Google Trends ist ein ideales Werkzeug, um die Popularität von und das Interesse an Dingen, Themen oder Ereignissen in der Bevölkerung zu analysieren und dadurch Prognosen für deren zukünftige Entwicklung abgeben zu können. Ich habe mir angeschaut, wie oft ausgewählte Schlagwörter zu bei zweinull.cc und anderswo im Web heiß diskutierten Problematiken seit Januar 2004 bei Google recherchiert wurden. Wie immer bei derartigen Auswertungen solltet ihr die Resultate lediglich als Tendenzen verstehen und nicht euer Auto oder Haus auf deren Korrektheit verwetten.

Web 2.0
Die Statistik stimmt mit meinem subjektiven Eindruck überein: Der Begriff (nicht das Konzept!) des Web 2.0 hat seinen Zenit überschritten. Web-2.0-typische Elemente finden sich in zahlreichen Webangeboten wieder und sind für viele zu einem selbstverständlichen Teil der Internetnutzung geworden.


Suchvolumen für “Web 2.0″ in Deutschland


Suchvolumen für “Web 2.0″ weltweit


Blogs
Entgegener mancher Befürchtung befinden sich Blogs nicht auf einem absteigenden Ast, zumindest wenn man die Häufigkeit der Google-Suchen nach “Blogs” in Deutschland und weltweit betrachtet. Demnach ist das Thema für die User relevanter denn je.


Suchvolumen für “Blogs” in Deutschland


Suchvolumen für “Blogs” weltweit


Bubble
Die lebhaften Diskussionen zum möglichen Entstehen einer neuen Bubble (Blase) haben ihre Spuren hinterlassen und die Internetnutzer zum verstärken Recherchieren des Begriffes veranlasst. Der Anstieg könnte zudem durch die Probleme im US-Immobiliensektor sowie die weltweite Finanzkrise mitverursacht worden sein. Diese wurde zum Teil auch als Blase bezeichnet.


Suchvolumen für “Bubble” in Deutschland


Suchvolumen für “Bubble” weltweit


Datenschutz/Privacy
Überraschendes Ergebnis: Während die letzten Monate von einer Debatte über die Preisgabe persönlicher Daten im Social Web geprägt waren und Medienberichte zum Thema zunahmen (der jeweils untere Graph), sinkt das Suchvolumen kontinuierlich. Möglicherweise ist die tatsächliche Zahl aktiver Datenschutzverfechter im Netz geringer, als allgemein angenommen.


Suchvolumen für “Datenschutz” in Deutschland


Suchvolumen für “Privacy” weltweit


Social Network
2007 war das Jahr, in dem Social Networks ihren endgültigen Durchbruch und eine virale Verbreitung im Internet-Mainstream erlebten. Die Suchstatistik (keine Daten für Deutschland vorhanden) bestätigt dies.


Suchvolumen für “Social Network” weltweit


Semantic Web
Phantasiert und sinniert wird über die Möglichkeiten des semantischen Webs bereits seit Jahren. Eine richtige Durchschlagskraft hat das Konzept bisher aber noch nicht entwickeln können. Das Suchinteresse hat, für mich persönlich überraschend, in den letzten Jahren sogar nachgelassen.


Suchvolumen für “Semantic Web” weltweit


studiVZ, Facebook, MySpace
In Deutschland wird häufiger nach studiVZ gesucht als nach MySpace und Facebook. Weltweit liegt MySpace, das leicht verlor, knapp vor Facebook.


Suchvolumen für “studiVZ”, “Facebook” und “MySpace” in Deutschland


Suchvolumen für “studiVZ”, “Facebook” und “MySpace” weltweit

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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12 Kommentare

  1. Marvin
    schrieb am 25. Februar 2008 um 19:58 Uhr (#)

    Grade die letzte Grafik sollte den Holtzbrinkclern doch zeigen, wie es laufen sollte… ;) Das Web ist Global, es gibt mehr Märkte als den lokalen.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. Februar 2008 um 21:23 Uhr (#)

    Jo die angekündigte englische Sprachversion von Holtzbrincks neuem SN geht ja zumindest in diese Richtung (der wahrscheinliche Name MeinVZ eher nicht *g).

  3. Sebastian Wieseler
    schrieb am 26. Februar 2008 um 01:25 Uhr (#)

    Krass. Das die soviele Daten rausgeben hätte ich fast nicht erwartet. Tun das andere Suchmaschinen auch? Sehen die Daten dort ähnlich aus?

    Nach was googlet man so in China? ;-)

  4. SchlaubiSchlumpf
    schrieb am 26. Februar 2008 um 03:07 Uhr (#)

    In China googlet man nach zensierten staatlichen Lügen.

  5. Martin Weigert
    schrieb am 26. Februar 2008 um 08:53 Uhr (#)

    Mir ist bei anderen Suchmaschinen kein ähnlicher Dienst bekannt. Weiß jemand mehr?

  6. Ralf Geschke
    schrieb am 26. Februar 2008 um 11:03 Uhr (#)

    Hmm, seltsame Statistik. Man sucht z.B. _nach_ “Facebook”. D.h. man möchte Web-Seiten finden, die sich mit dem Thema “Facebook” beschäftigen. News, Blogs, Berichte, Kommentare, was auch immer. Es heisst aber nicht, dass man _auf_ Facebook geht, denn wenn man dies will, gibt man die richtige URL ein.
    Ok, viele benutzen Google als Portal, weil es anscheinend praktischer ist, zu suchen und zu klicken anstatt die URL direkt in der entsprechenden Zeile anzugeben (für mich nicht nachvollziehbar, aber gut)…
    Insofern – ganz nett, aber ob diese Statistiken wirklich die Popularität in Bezug auf die Nutzung von Web-Sites widerspiegeln, wage ich mal zu bezweifeln.

    Beste Gruesse,
    Ralf

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 26. Februar 2008 um 11:41 Uhr (#)

    Deshalb kommt der Website-Vergleich zum Schluss. Allerdings stimmen sowohl das deutschlandweite als auch das internationale Suchvolumen der drei Social Networks ungefähr mit dem Verhältnis der jeweiligen Nutzungsintensität bzw. Mitgliederstärke im Markt (Deutschland, global) überein. Insofern ist Zweifeln nicht nötig.

  8. Johscht
    schrieb am 26. Februar 2008 um 14:35 Uhr (#)

    Ahhh!! Google ist überall:-).
    Ich frage mich nur immer, wieviel wirklich davon stimmt. Nachvollziehen kann ich so einige Ergebnisse nicht und so richtig überprüfen geht auch nicht.
    Irgendetwas sagt mir allerdings, dass Vertrauen in Bezug auf Google auch nicht das Richtige ist.

  9. Dani
    schrieb am 26. Februar 2008 um 17:13 Uhr (#)

    Von solchen Statistiken sollte man nicht zu viel ableiten.

  10. Sebastian Wieseler
    schrieb am 26. Februar 2008 um 21:23 Uhr (#)

    Wie jetzt? Wenn man irgendwas in die Adressleiste eingibt ploppt doch Google auf mit dem Suchbegriff und macht eine “Auf gut Glück”-Suche. Das heisst man gibt “Zweinull” ein und landet hier.
    Vllt haben die Browser-Hersteller das ja so manipuliert, dass gar nichtmehr “facebook.com” aufgelöst und angefragt wird, sondern eine Google-”Auf gut Glück”-Suche gestartet wird mit “facebook.com”, welche dann auch auf Facebook landet.
    Dann würde die Statistik ja wieder stimmen.

    Denkt mal drüber nach. ;-)

  11. Andreas
    schrieb am 26. Februar 2008 um 23:33 Uhr (#)

    ich kenn genug Leute, die sich mit Lesezeichen nicht auskennen, Google als Startseite haben und jedesmal die Webseite eingeben, die sie besuchen wollen. Das sind halt absolute Noobs und eher vom älteren Jahrgang.

    Schade, dass semantic Web auf dem absteigenden Ast. Habe gerade meine Bachelorarbeit drüber geschrieben, eigentlich sehr interessant und wenn es den Durchbruch schafft eine Revolution fürs Internet…

  12. Martin Weigert
    schrieb am 27. Februar 2008 um 00:07 Uhr (#)

    Andreas, vielleicht ist auch lediglich der Informationsbedarf der vergleichsweise wenigen, am semantischen Web interessierten User gestillt. Nun bedarf es echter Semantic-Web-Apps, die den Durchbruch schaffen.

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