medienlese – der Wochenrückblick

Ronnie Grob, 24. Februar 2008 12:48 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Diekmann mit Videoblog, Blogger und Sex, Einkaufsbummel der Publigroupe.

Der Chefredakteur der deutschen Bild-Zeitung, Kai Diekmann, produzierte eine erste Folge eines Videoblogs. Mit einer nicht sehr grossen Handykamera stellte er sich an einem “Media-Get-Together” vor allerlei Leute aus Medien und Politik und überraschte seine Gesprächspartner mit der Aussicht, bald im Internet zu sehen zu sein. Sein gleich am Anfang des Videos verkündetes Motto lautet “Jetzt wird immer zurückgeschossen” und hört sich an wie eine Kampfansage gegen das Bildblog, dem der Springer-Verlag absurderweise verbieten will, Beschwerden beim deutschen Presserat einzureichen (ebenso repressiv die taz: “Nehmt dem Mann die Kamera weg!“). Der “journalistische Anstandswauwau” des Springer-Verlags (Die Presse), nach einer Leserbefragung aus 4/5 Lesern bestehend, die ihre “kritische Haltung gegenüber Bild” (Vorurteile?) gerne untermauert haben möchten, vermeldete Diekmanns neue Tätigkeit (noch) nicht.

In Offenbach am Main dokumentierten Blogger einen unglaublichen Versuch: Ganze 44 Tage wollten sie auf Sex verzichten. Schon am Tag 6 des Experiments soll es zu interessanteren Träumen gekommen sein. Andere scheiterten früh: Blick-Leser Schippi, Luzern: “Gescheitert bin ich nach genau einer Woche – an meiner linken Hand.” Rainer Langhans sah im Internet seine Visionen verwirklicht: “Im Internet kann sich jeder lieben, jeder kann mit jedem zusammensein. Man braucht kein Geld, es gibt keine Gier, keinen Mangel.” Ebenfalls um Blogger und Sex dreht sich übrigens diese Umfrage auf dem Basic Thinking Blog.

Die Publigroupe, “das grösste Medienunternehmen des Landes, weit grösser noch als die SRG”, kaufte die Denon-/persönlich-Gruppe. Kurt W. Zimmermann kolumnierte in der Weltwoche über diese und weitere Akquisitionen: “Auf diesem wilden Einkaufsbummel ist kein Grundmuster zu erkennen. Es sei denn, man betrachte Verzweiflung als eine ökonomische Kategorie. Und Verzweiflung innerhalb der Publigroupe wäre tatsächlich nachvollziehbar. Denn das Unternehmen muss täglich beobachten, wie sein Geschäftsmodell erodiert.”

Die Hereinnahme von Oliver Pocher in die Show von Harald Schmidt brachte der ARD neue Zuschauer im jugendlichen Segment. Pocher soll nun auch zur Fussball-EM mit einer eigenen Sendung vertreten sein – jeweils vor “Waldis EM-Club”.

Der Boulevard-Journalist Michael Graeter wurde der deutschen Polizei übergeben. Fidel Castro gab den Stab ab und in Zürich wurde Ameisenbär Roger gesichtet. Rund die Hälfte der 20.000 von der Gratiszeitung .ch aufgestellten Zeitungsständer wurden bisher von der Bevölkerung geklaut. Nun sei die Lage aber “normalisiert”.

Thomas Knüwer hielt sich “insgesamt” für “ein durchschnittliches Mitglied unserer Gesellschaft”. Wäre er aber noch 14, so würde er vermutlich in eine Internet-Kamera furzen.

Eine Denksportaufgabe stellte die F.A.Z. mit diesem Untertitel: “Trainer Hitzfeld stellt nun für die Schweizer das dar, was Klinsmann für ihn selbst ist“. Kann die jemand auflösen? Ich bin gescheitert…

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Kurt Becks
    schrieb am 24. Februar 2008 um 23:59 Uhr (#)

    Wie bist Du denn auf das in der Tat gruselige Diekmann-Video gekommen? Ich habe nach längerem Rumklicken auf Bild.de nichts gefunden, unter keiner Rubrik. Komisch, denn man würde doch erwarten, dass die einen Videoblog-Launch von Kai Diekmann weitaus stärker exponieren oder bewerben?

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