Schweizer Fernsehen wieder im Mittelalter:
Online-Videos neu ohne Permalink

Ronnie Grob, 20. Februar 2008 14:46 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Der deutschschweizer Staatssender SF hat seine Online-Videos auf sf.tv von Real Player auf Flash umgestellt. Mit der Umstellung sind aber die Links verschwunden – es ist nun unmöglich, von einer anderen Website auf ein bestimmtes SF-Video zu weisen.

Videos Schweizer Fernsehen
Eingesperrt in der Anstalt: Links
(Bild: Screenshot sf.tv)

Einer der Gründe für den Durchbruch von YouTube ist die Möglichkeit, ein einmal eingestelltes Video auch noch Jahre später in der gleichen Form und am selben Platz zu finden. Ein anderer ist die Möglichkeit, dieses Video gleich auf der eigenen Website einzubinden.

Auf der Website des Schweizer Fernsehen geht beides nicht. Die gebührenfinanzierten Inhalte sind auf der Website eingesperrt. Machen wir doch, um zu verstehen, warum das so schlecht ist, eine Metapher.

Die Geschichte handelt im Lande Internet, in einer Zeit mit modrigen Burgen:

Stellen wir uns das Land Internet vor. Kleine, wendige Kerle, nennen wir sie Blogs, rennen rum, gucken in jede Hütte rein, ob ihnen etwas gefällt. Etwas behäbigere Blogs sitzen irgendwo und lassen sich die Informationen zutragen, von Feedreadern.

Neben den vielen kleinen Hütten im Land stehen auch einige grössere Burgen rum, in denen es besonders viel Information zu bestaunen gibt. Schliesslich haben die viel Geld zur Verfügung, zum Teil aus erhobenen Steuern. In einer dieser Burgen, nennen wir sie “die Videos von sf.tv”, sind diverse Informationen auf Videos zu sehen. Entdeckt nun ein Blog eines dieser Produkte und ist davon hellauf begeistert, sucht er natürlich nach der Inschrift, dem Code, der Adresse dieses Produkts, damit er es sich überall ansehen kann, damit er es seinen Freunden zeigen kann, damit er es auch nach Jahren noch finden kann.

Doch, o weh!, er findet nichts, nur Javascript. Entmutigt läuft er aus der Burg, denn er kann das Produkt, von dem er doch so begeistert ist, mit niemandem teilen. Seinen Freunden muss er sagen: “Geht mal rein in diese Burg, irgendwo, ich weiss auch nicht mehr wo, ist da dieses Produkt. Ich hoffe, ihr findet es.” Aber seinen Freunden ist das vermutlich zu doof. Und ihm irgendwann auch.

Komplett schlecht finde ich die Reform aber doch nicht. Man hat sich vom Real Player gelöst und die Videos haben nun eine verbesserte Ladezeit. Nur noch drei statt zehn bis fünfzehn Sekunden. Immerhin.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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8 Kommentare

  1. andreas
    schrieb am 20. Februar 2008 um 15:40 Uhr (#)

    Zuerst habe ich mich ja gefreut, dass die Real-Grümscheli-Ware weg ist. Denn bei mir haben die Videos immer geruckelt und Real war mir eh suspekt. Aber, man glaubt es kaum, mit dem Flash ist es noch schlimmer: Wenn das Video überhaupt ordentlich abläuft, habe ich trotzdem *gar* kein Bild. Es scheint, als ob Leutschenbach brutal unter dem Not-Invented-Here-Syndrom leidet. Denn die Flash-Player von den grossen Videoportalen laufen ja einwandfrei.

    Immerhin: Einige Sendungen gibt es ja schon länger als Podcast via iTunes Store. Und die kann man glaub’s verlinken. Und funktionieren tut’s auch wunderbar.

  2. bugsierer
    schrieb am 20. Februar 2008 um 21:14 Uhr (#)

    als eifriger nutzer dieses portals habe ich mich auch gewundert ob dieser ein-schritt-vor-einer-zurück-taktik. unglaublich. man möchte manchmal wissen, wie solche entscheide zustande kommen.

    auch ist die aufschaltung der beiträge zeitlich völlig wirr: “schweiz aktuell” z.b ist meistens kurz nach der sendung aufgeschaltet, auf “10vor10″ wartet man meistens bis am anderen abend.

    dass bei sf sämtliche videobeiträge bis 2005 von “einem trottel” gelöscht wurden und es offensichtlich kein backup gibt, spricht ja auch bände.

  3. mds
    schrieb am 20. Februar 2008 um 21:46 Uhr (#)

    Die fehlenden «echten» Links haben noch einen Nachteil: Die Website ist damit nicht mehr barrierefrei ? vom staatlichen Monopolfernsehen mit seinen Zwangsgebühren könnte man erwarten, dass es sein Angebot barrierefrei gestaltet.

  4. Oliver
    schrieb am 21. Februar 2008 um 15:18 Uhr (#)

    Gibts die SF Videos nicht auch irgendwo auf Youtube. Meinte da mal was gelesen zu haben.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 21. Februar 2008 um 15:30 Uhr (#)

    @Oliver: Ja, aber nur ausgewählte. Seit Januar 2007 wurden 173 Videos hochgeladen – das ist pro Tag also etwa ein halbes, das der Öffentlichkeit dort gewährt wird.

  6. Stefan
    schrieb am 27. Februar 2008 um 19:05 Uhr (#)

    Die Qualität der Real-Player Videos war enorm höher. Ausserdem lief Real-Player problemlos auf allen Platformen, was man vom SF Flash-Player nicht gerade behaupten kann.
    Ich frage mich, warum SF, wenn Sie denn unbedingt auf Flash umsteigen wollen, nicht einfach alle Videos auf Youtube veröffentlicht und Sie auf der SF Seite nur noch verlinkt. Das wäre billiger und würde auch einwandfrei funktionieren.

  7. mds
    schrieb am 1. März 2008 um 21:41 Uhr (#)

    Die Qualität der Real-Player Videos war enorm höher. Ausserdem lief Real-Player problemlos auf allen Platformen, was man vom SF Flash-Player nicht gerade behaupten kann.

    Flash Video ist kein Synonym für schlechte Qualität, im Gegenteil, H.264 (unter anderem) ermöglicht gute Qualität auch für Flash Video ? Dein Lob für den Realplayer teile ich nicht ? allein die vielen Sicherheitsprobleme sollten Grund genug sein, die Finger vom Realplayer zu lassen ?

  8. Schaffhausen
    schrieb am 20. Mai 2008 um 09:20 Uhr (#)

    Ich denke, die Publikation auf youtube ist einfach auch für das Schweizer Fernsehen zeitaufwändig und mühsam, deshalb laden sie nur wenige “grosse” Sendungen auf youtube.

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