HD-DVD tot, Blu-ray siegt:
Interessiert das überhaupt noch jemanden?

Krieg der High-Definition-DVD-Formate HD-DVD (von Toshiba) und Blu-ray (von Sony)

tobt schon seit gut zwei Jahren. Leider hat dieser ziemlich verwirrende Konflikt auch dazu geführt, dass sich keines der Formate bei den Konsumenten durchsetzen konnte. Denn wer einen Player und Filme des einen Formats kaufte, musste damit rechnen, möglicherweise auf den Verlierer zu setzen.

Seit dieser Woche ist nun aber definitiv klar, wer der Sieger ist: Blu-ray. Den Stein ins Rollen gebracht hat wohl die Entscheidung des Filmstudios Warner Brothers vor ein paar Wochen, voll auf Blu-ray zu setzen. Den letzten Nagel in den Sarg von HD-DVD schlug diese Woche der Einzelhandelsriese Wal-Mart, der in den USA für etwa 20% der DVD-Verkäufe verantwortlich und damit mit Abstand der wichtigste Vertriebskanal ist. Wal-Mart wird nur noch Blu-ray verkaufen, und damit ist HD-DVD faktisch am Ende. Toshiba wird die Produktion angeblich schon bald einstellen. Eine grosse Niederlage ist die Durchsetzung von Blu-ray übrigens auch für Microsoft, denn der Softwarekonzern hatte voll auf HD-DVD gesetzt.

Der Sieg von Blu-ray ist im Prinzip eine gute Sache: Damit hat sich das modernere, leistungsfähigere Format durchgesetzt. Vor allem ist es gut, dass damit im Markt jetzt Klarheit herrscht und die Konsumenten endlich ohne Bedenken zugreifen können.

Nur ist die Frage, ob Blu-ray überhaupt einen mit der alten DVD vergleichbaren Erfolg erzielen kann, denn es tritt gegen einen mächtigen Gegner an: Das Internet.

Die billigsten Blu-ray-Player kosten derzeit noch um die 300 Euro. Für das gleiche Geld gibt es auch einen Apple TV oder vergleichbare Geräte, mit denen man — jetzt schon in den USA, bald auch in Europa — per Internet Zugriff auf eine ansehnliche Bibliothek an Filmen und Serien in HD-Qualität hat und diese Werke direkt auf dem Fernseher anschauen kann. Geliefert wird der Content per Download bzw. Streaming, ganz ohne physische Datenträger. Zwar ist die technische Qualität nicht ganz so hoch wie auf Blu-ray, aber das dürfte in den meisten Fällen ein eher akademischer Unterschied sein. Auch die meisten Kabelfernsehgesellschaften bieten schon ähnliche Dienste an, wenn auch noch auf deutlich bescheidenerem Qualitätsniveau.

Die Preise für legale Filmdownloads sind nicht nur um einiges billiger als der Erwerb bzw. die Miete einer Blu-ray-Disc, die Internet-basierte Variante ist auch noch viel bequemer. Wer Lust auf einen Heimkinoabend hat, kann sich spontan aus einem grossen Katalog an Titeln einen aussuchen, und Sekunden später kann man sich zurücklehnen und den Film geniessen. Kein Videothekenbesuch, kein Hantieren mit Datenträgern.

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Letzte Woche hat Apple eine neue Softwareversion für den Apple TV freigegeben, mit der auch Filmmiete in HD möglich ist. Ich benutze das neue Produkt schon fleissig (mein ausführlicher Test dazu hier bei neuerdings.com) und bin ziemlich begeistert. Zwar könnte die Filmauswahl gern noch erheblich grösser sein, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Ansonsten lässt das Angebot den Wunsch nach einem Blu-ray-Player gar nicht erst aufkommen.

Vermutlich wird Blu-ray darum bestenfalls ein Übergangsformat sein. Gewissen Raum dafür gibt es durchaus, denn der Paradigmenwechsel vom physischen Film zum Download wird seine Zeit brauchen, und für echte Qualitätsfanatiker ist der physische Datenträger den Downloads immer noch deutlich überlegen.

Aber mittelfristig scheint klar zu sein: der Vertrieb von Filmen auf physischen Datenträgern hat etwa so viel Zukunft wie die Langspielplatte, VHS-Kassetten oder… HD-DVD.

 

7 Kommentare

  1. Sehe ich auch so… würde mich aber wirklich freuen, wenn Apple (und ev. auch andere Anbieter) hier in der Schweiz mal Gas geben würden. Vom Film-Angebot in iTunes haben wir hierzulange ja nun wirklich gar nix… leider.

  2. Im Bereich der Unterhaltungsmedien kann ich mir ein Leben ohne optische Datenträger problemlos vorstellen, eigentlich lebe ich ein solches schon heute … ein optisches Laufwerk selbst wird noch einige Jahre notwendig sein – einerseits für einen Teil der eigenen Datensicherung, andererseits für jene optischen Datenträger, die man bisweilen noch erhält, gerade auch, weil der Upstream der typischen Internet-Verbindungen vergleichsweise langsam ist …

  3. Sehr treffender Artikel. Und ich bin auch weitestgehend d’accord.
    Nur warum ist BlueRay das leistungsfähigere Format? Gerade für den Benutzer bedeutet es weiterhin rigides DRM und HDDVD z.B. war sogar Regional-Code frei!

    Bzgl. der Verdrängung von BlueRay durch das Internet denke ich, dass das sicherlich in vielen Bereichen der Fall sein wird, aber viele Cineasten werden doch lieber eine physische Kopie sammeln als einfach nur einen Download parat haben zu wollen…

  4. Ich habe schon viele DVDs gekauft und werde das weiter tun (müssen). Denn in Deutschland gibt es zwar die ersten Online-Videotheken, deren Angebot ist aber sehr überschaubar und zeitlich limitiert. Ich will nicht für jeweils vier Wochen aktuelle “Blockbuster” abrufen können. Ich möchte auf jene Perlen Zugriff haben, die schon seit drei, vier,… zehn Jahren nicht mehr im Kino gelaufen sind. Bietet Apple eine Auswahl, die mit dem Sortiment eines guten DVD-Händlers oder einer großen städtischen Videothek mithalten kann? Und wenn ja, dann wäre da noch der Preis. Filme, die ich liebe, sehe ich mehrmals. Beim Online-Leihen geht das (jedenfalls momentan noch) richtig ins Geld.

  5. Schön geschrieben.

    Ich bin von dem neuen iTunes-Angeboten auch angetan, ich werde wohl keine Videothek mehr betreten müssen. Erheblicher Vorteil in einer Kleinstadt, wo es nicht an jeder Ecke einen gibt.

    Ich wünsche mir aber, dass diese ganzen regionalen Schranken bei iTunes und Konsorten langsam fallen, nicht nur als Fan vom O-Ton.

    Trotzdem, es bleibt spannend wie das Internet an den Fernseher gelangt.

  6. @Arne: Blu-ray hat deutlich mehr Speicherkapazitaet und mit der Java-basierten Architektur auch die (theoretisch) etwas modernere Applikationsplattform. Dass das DRM ziemlich streng ist, ist sicher ein Nachteil.

    @Mark S.: Das Angebot von Apple ist erst im Aufbau, aber es sind auch ein paar echte Klassiker dabei (z.B. Barton Fink, War Games, The Untouchables, Blair Witch Project, alle Star-Trek-Folgen usw.).

    Bis aber die etwas exotischeren Arthouse-Perlen da auftauchen werden, dauert es wohl noch. Immerhin hat Apple aber schon eine sehr gute Auswahl an (anspruchsvollen) Kurzfilmen, die man sonst kaum je zu sehen kriegt.

    • Die Auswahl der hier angepriesenen Filme ist mit denen der original in HD-DVD Qualität angebotenen Filme vergleichbar. Der Tod von HD-DVD gegenüber Blu-Ray ist Folge des Sortimentsbereiches der billigsten Filme amerikanischer Machart. Kein Wunder, dass HD-DVD sich nicht durchsetzen konnte, den 98% aller angebotenen Filme waren amerikanischer seichter Schrott, Horror, oder Kram, der es eh nicht verdient, gezeigt zu werden.