Chaostage bei Puls 4

Ein Silberstreifen am düsteren Horizont – das war Österreichs vierter Privat-TV-Kanal Puls 4 beim landesweiten Start Ende Januar . Knapp drei Woche später der Eklat: Mitarbeiter demonstrieren gegen ihr Management, die Journalistengewerkschaft klagt den Sender an und der Sendebetrieb kann angeblich gerade noch aufrechterhalten werden.

Puls4-SenderlogoDabei war die Misere absehbar. Seit zwei Jahren verhandelt die Gewerkschaft des vormaligen Wiener Stadtsenders schon mit den Sender-Chefs um die Einhaltung kollektivverträglicher Mindeststandards. Nun hat die Puls 4-Führung zwei von drei Betriebsräten entlassen – ohne Angabe von Gründen. Daraufhin ging die Belegschaft am Montag vor einer Woche auf die Straße, um gegen diesen unüberlegten Schachzug des Managements zu protestieren.

Doch die Geschäftsführung von Puls 4 versucht sich aus der Affäre zu winden. Die gekündigten Betriebsräte seien eigentlich gar keine gewesen, verlautbaren die Puls 4-Bosse Markus Breitenecker und Martin Blank. Vielmehr seien die beiden Betroffenen gewöhnliche Mitarbeiter gewesen, die den Ansprüchen der Geschäftsführung nicht mehr genügt hätten. So folgert zumindest Breitenecker in einem Interview:

Wir haben auch jetzt keine Betriebsräte gekündigt. In Österreich kann man keine Betriebsräte kündigen, das geht nicht.

Angesprochen darauf, dass die Puls 4-Geschäftsführung jahrelang mit den gewählten Betriebsräten über bessere Arbeitsbedingungen verhandelt hätte, weicht Breitenecker ungeschickt aus:

Naja, das ist vor meiner Zeit.

Die Journalistengewerkschaft folgt der pragmatischen Interpretation der Senderchefs nicht und klagt gegen die Kündigung der beiden Betriebsräte. Auch die Belegschaft stärkte ihren Interessensvertretern den Rücken und beteiligte sich rege bei der Demonstration – obwohl Führungskräfte die Mitarbeiter angeblich davon abhalten wollten.

Amira Awad
Amira Awad (Bild Puls 4/Gerry Frank)
Alexander Schweitzer
Alexander Schweitzer (Bild Puls 4/Gerry Frank)
Claudia Hölzl
Claudia Hölzl (Bild Puls 4/Gerry Frank)
Zain Makari und Isabella Richtar
Zain Makari und Isabella Richtar (Bild Puls 4/Gerry Frank)

Einziges Erfolgserlebnis für Puls 4 waren die Einschaltquoten am ersten Sendetag (28.1.): Rund 58.000 Zuschauer und ein Marktanteil von 2,3 Prozent zur Hauptsendezeit. Im Schnitt kommt der Sender damit auf einen Tagesmarktanteil von 0,7 Prozent – das ist immerhin siebenmal so viel wie Austria 9 verzeichnen kann, Österreichs dritter privater Kanal, der ebenfalls kürzlich gestartet ist.

So bringt man ORF, Sat.1 und RTL wohl kaum das große Fürchten bei.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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