Magazine im Februar

Ole Reißmann, 8. Februar 2008 15:40 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Große Ideen in Good, mächtige Bilder in View und alles neu beim Schweizer Kulturmagazin Du: Wir lesen drei Magazine für den Februar.

good_februar.pngAus Los Angeles kommt Good, ein Magazin “for people who give a damn”. In der aktuellen Ausgabe geht es um “Big Ideas!”, dazu rollt Danny DeVito auf einem Segway über das Cover. Berichtet wird von Ideen, die das Potential haben, die Welt zu verändern. Darunter eine erfolgreiche Spiritualitätsbewegung (“God, Without the Fuss”), eine Unabhängigkeitsbewegung im US-Bundesstaat Vermont aber auch so einfache wie gute Ideen wie das in Wasser lösliches Kaugummi.

Auch toll ist der Text “Jonathan and the Whale”, Jonathan Harris knippst sieben Tage lang Walfang in Alaska, mindestens alle fünf Minuten ein Bild, und präsentiert die Bilder auf verschiedene Weise. So entsteht eine neue Art des Erzählens mittels Fotografien.

Das Heft richtet sich nicht an eine klassische Zielgruppe, sondern verkauft vielmehr ein Gefühl. Angesprochen werden damit alle Alternativen, die Weltverbesserer und Aktivisten, Engagierten und Kreativen. Sie zusammen bringt das Interesse am Guten, nicht ihr Alter, ihre Karriere oder sozialer Hintergrund. Zumindest schreibt das Gründer Ben Goldhirsh auf der Webseite.

Good ist ein schickes Heft mit tollen Geschichten. Wer sich für die Rettung des Klimas zuständig fühlt, wird bei den Aktivisten und Querdenkern mit Anregungen versorgt. Das alles passiert weniger anbiedernd und plump als bei Ivy , das im Vergleich wie die auf Konsum reduzierte Sparversion wirkt. Aber Ivy lässt ja auch noch auf sich warten.

ViewDie Februar-Ausgabe der View überrascht mit viel Text. Sehr gut, denn das Titelbild ist alles andere als überraschend. Klar, Bilder sind mächtig, und diese Bilder waren wichtig. Mindestens Eisbär Knut und die Münchner U-Bahn-Schläger sind aber als Thema sowas von durch. Und die Farben der vier Fotos sind auch eher mau-matt als mächtig.

Im Editorial steht dann das Bild eines lächelnden Kindes direkt neben einer Folter-Aufnahme aus Abu Ghreib – als Illustration dafür, dass sich Bilder ins Gedächtnis einbrennen. Eigentlich ist damit schon alles gesagt, in diesem Heft geht wirklich alles nebeneinander. Hauptsache, es gibt ein tolles Foto.

Zum Titelthema: Das Bilder mächtig sind, ist so neu nun auch wieder nicht. Trotzdem wird nochmal aufgeschrieben, warum der kleine Eisbär Knut nicht sterben durfte, nachdem Bilder des (ähm) niedlichen Fellknäuels um die Welt gingen. Außerdem werden pixelige Screenshots aus legendären Web-Videos gezeigt (“Das Internet vergisst nichts”), der betrunkene David Hasselhoff, eine koksende Kate Moss und der predigende Tom Cruise.

Außerdem im Heft: Die zehn Geheimnisse des Jürgen Klinsmanns, die vor zwei Wochen (und letzte Woche in Vanity Fair) schon überall verraten wurden. Gähn. Dann aber auch eine Fotoreportage über ein autistisches Kind, dass mit seinen Eltern in der Mongolei Hilfe beim “ältesten Reitervolk der Welt”. Zu den großen Fotos gibt es sogar 2,5 Seiten Text…

Was unterscheidet View eigentlich noch vom Stern? Außer dem Erscheinungsrythmus? Eine bunte Wundertüte ist View auch, und mittlerweile stehen auch richtige Texte im Heft, nicht nur knappe Bildunterschriften. Nur Jörges Kolumne und die Bestseller der Woche fehlen. Dafür sind die Bilder besser.

DuDu ist zurück. Das Kulturmagazin aus der Schweiz wurde verkauft, die Redaktion aufgelöst. Jetzt wird die Du herausgegeben von Oliver Prange, Chefredaktor ist Walter Keller.

Bisher waren die Themen fast schon bodenständig, Astrid Lindgren, Tatort-Krimis und die Donau waren Titel der Du. Das neue Heft hat nicht nur mehr Seiten und ein größeres Format, der Titelkomplex ist auch gleich etwas abgehobener: Es geht um die Zeit.

“Eine Frage der Zeit”, “Wettlauf gegen die Zeit”, “Das goldene Einst, das schwarze Morgen”, “Es blitzt, also bin ich” – ein paar Überschriften aus dem Heft verraten es, also nichts, nämlich: Dieses Heft fordert Zeit. Interesse am Thema, die Bereitschaft, sich auf Texte einzulassen, anzulesen, trotz Überschriften, die nichts verraten. Und was hat das alles mit dem Titelbild zu tun?

Dazu gehört auch “Eine Zeitreise”, der Fotograf Jock Stuges hat in den letzten 25 Jahre immer wieder dieselbe Person fotografiert. Heute ist Misty Dawn 28, 17 Aufnehmen sind im Heft. Meistens ist sie unbekleidet.

Hier schlägt einem der publizistische Anspruch auf jeder Seite entgegen. Riesige Fotos, viel Weißraum, ungestört laufender Fließtext. Für dieses Heft braucht es Zeit, beim durchblättern bin ich spontan an keinem Text hängen geblieben. Oh die Aufmerksamkeitsspanne! Aber es liegt jetzt bei mir in die Küche. Wenn mal Zeit ist…

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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