Kartenwechsel bei Premiere bestätigt:
Die nächste Runde im Schwarzseherkampf

Nicht nur ARD und ZDF jammern über nichtzahlende Zuschauer – auch dem Pay-TV geht es nicht besser. Das von Premiere verwendete Verschlüsselungsverfahren Nagravision ist in der gegenwärtig benutzten Variante anscheinend nicht mehr dicht zu bekommen – also gibt es bald mal wieder neue Karten.

Früher war es Ehrgeiz der Hacker, den bösen Leo Kirch auszutricksen, was sie motivierte, das Pay-TV Premiere zu hacken. Wenn man selbst ein gültiges Abonnement hat, ist das nicht mal strafbar. Andernfalls allerdings sehr, denn es gibt ein spezielles EU-Gesetz, Spitzname “Lex Leo”, das das Umgehen von Pay-TV-Verschlüsselungen unter weit höhere Strafen stellt, als es bei DRM, im Kino aufgenommenen Filmen und Tauschbörsen der Fall ist. Ertappte Karten-Hacker haben durchaus mit Knast zu rechnen, hier ist es keine reine Drohgebärde.

Premiere-Verschlüsselung
Gar nicht so einfach, an die Premiere-Programme zu kommen – für zahlende Kunden…

Heute ist es nicht mal mehr der böse Georg Kofler, den man auf dem Kieker haben könnte, da er nicht mehr Premiere leitet; auch gilt das Programm – im Gegensatz zur Anfangszeit von Kofler – als ziemlich uninteressant. Doch das Interesse an “Gehacktem” läßt deshalb nicht nach.

Lustig ist allerdings, dass der Bezahlfernsehsender erst den TÜV Rheinland benötigte, um herauszufinden, was die Sat-Bastler bereits überall von den schüsselbestückten Dächern pfiffen:

Ein Gutachten, das der TÜV Rheinland im Auftrag von Premiere erstellt und am 5. Februar vorgelegt hat, kommt zu dem Schluss, dass es kriminellen Hackern gelungen ist, mit modifizierten Digital-Receivern Pay-TV-Programme illegal zu empfangen. Die im Ausland hergestellten Receiver werden mittlerweile im größeren Umfang in Deutschland verkauft. Dies hat seit dem Weihnachtsgeschäft auch Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf und das Wachstum von Premiere.

Das System von Rupert Murdochs Pay-TV-Sendern gilt dagegen noch als ungeknackt, ebenso wie Conax, das für die “Thema”-Kanäle von Premiere zusätzlich benutzt wird, und Cryptoworks für die österreichischen Premiere-Kunden.

Also gibt es im 2. Quartal des Jahres mal wieder neue Chipkarten für die zahlenden Premiere-Kunden. Allerdings keine neuen Receiver, denn es wird nur zu einer neuen Nagravisons-Variante gewechselt, so Heinz Gruber von Mascom zu medienlese.com. Nagravision an sich sei auch jetzt nicht geknackt, aber die alten Schlüsselkarten. Der Sender kann den Verschlüsselungslieferanten auch gar nicht so einfach wechseln: Verträge mit Nagravision laufen bis mindestens 2012.

Zahlende Kunden mit nicht Premiere-zertifizierten Receivern und Modulen wie Alphacrypt müssen also nicht bangen, ob es für dieses ein Update gibt. Angesichts der Funktionseinschränkungen der Premiere-zertifizierten Receiver (ständige Jugendschutz-PIN-Abfrage, kein Export der Daten, verschlüsselte Festplatten, geringer Bedienkomfort) ist diese Variante trotz höherer Kosten für die Hardware (zusätzliches Modul!) durchaus beliebt, ebenso wie auch noch etliche Original-D-Boxen in Betrieb sind.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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6 Kommentare

  1. Fink
    schrieb am 7. Februar 2008 um 00:29 Uhr (#)

    Kurz: Nagravision ist voll und ganz geknackt. Die Behauptung, die Karten seien geknackt, stimmt so nicht. Es ist überhaupt nicht notwendig, eine D-Box mit Karte zu betreiben. Die Karte wird einfach emuliert und die geänderten Keys per Autoupdate in den Speicher geschrieben. Zur Zeit spielt Premiere etwas verrückt und bombadiert die Nutzer mit falschen Keys

  2. Spatz
    schrieb am 7. Februar 2008 um 08:07 Uhr (#)

    Nein , Nagra ist nicht geknackt, die Aussage ist von einem Möchtegern Spezialisten. Es ist lediglich die gegenwärtige Kartengeneration geknackt. Deshalb benötigt man auch keine Karte zur Zeit, da die Informationen der karten nicht zwangsläufig auch au einer Smartcard sein müssen. Mit dem Kartentausch ist der Spuk erst mal vorbei. Bis zum nächsten Hack zumindest. Das kann lange dauern oder auch schneller gehen. Wenn die Karten öfter getauscht würden, wäre Nagra genauso sicher wie NDS. NDS tauscht öfter um das zu verhindern was Nagra passiert ist.

  3. Daniel
    schrieb am 22. Februar 2008 um 13:47 Uhr (#)

    Ist doch ganz verständlich das sich die sender darüber ärgern das viele zuschauer nicht zahlen !!!
    und bei sendern wie primiere die filme etc ausstrahlen erst rehct wenn es dan noch solche leute gibt die die programme hacken und alles knacken um nichts zu bezahlen und trotzdem zu gucken ist die aufregung ja ganz verständlich !!!!

  4. Gerald Blödorn
    schrieb am 28. Februar 2008 um 19:11 Uhr (#)

    Da in Deutschland fast jeder Film geschnitten werden muß, kann ich die Schwarzseher voll verstehen, weil ich auch nicht gern für “UNVOLLENDETE” ARBEIT den vollen Preis zahle.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 29. Februar 2008 um 00:32 Uhr (#)

    Unvollendet? Weil nur ein Teil rausgeschnitten ist?? :-)

    Was kann ein Pay-TV-Anbieter dafür, daß es in D Jugendschutz gibt? Wenn man keine geschnittenen Filme mag, dann kann man halt kein deutsches TV gucken. Wenns umsonst aber plötzlich doch gut genug wäre, dann ist das nur eine Ausrede.

    Abgesehen davon gibt es ja wohl nur dann Schnitte, wenn der Film auch “ab 18″ so nicht erlaubt ist. Und dann dürfte man auch mit dem Import einer DVD nicht mehr legal sein. Mit dem Download sowieso nicht.

  6. megaros
    schrieb am 20. April 2008 um 00:57 Uhr (#)

    Ein Gutachten, das der TÜV Rheinland im Auftrag von Premiere erstellt und am 5. Februar vorgelegt hat, kommt zu dem Schluss, dass es kriminellen Hackern gelungen ist, mit modifizierten Digital-Receivern Pay-TV-Programme illegal zu empfangen. Die im Ausland hergestellten Receiver werden mittlerweile im größeren Umfang in Deutschland verkauft. Dies hat seit dem Weihnachtsgeschäft auch Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf und das Wachstum von Premiere.

    Ich sag nur : alles idioten ,

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